B. 139. Der Triumphwagen des Kaisers Maximilian.

Die erste Ausgabe dieses vortrefflich von Dürer gezeichneten, von Hieronymus Resch geschnittenen Kunstwerks, aus 8 Blättern bestehend, ist ausserordentlich selten und fehlt vielen der berühmtesten Sammlungen. Sie ist mit ganz deutschem Text auf den 6 letzten Blättern und nicht wie Bartsch bei der ersten Ausgabe angiebt, auch mit Lateinischem Text auf dem 3. und 8. Blatte. Auch die Schreibart ist altertümlicher, als sie Bartsch und Heller angeben. Sie fängt auf dem 3. Blatte an:

»Diser nachverzeychenter Eren oder Triumph wagen, ist dem allerdurchleuchtigisten Großmechtigisten Herrn wey‑ | lund Keyser Maximilian, hochlöblicher gedechtnuß vnserem allergnedigisten Hern zü sonderen eren erfunden vnnd | verordent, vnnd zü vnterthenigem gefallen dem großmechtigisten yetz Regierenten Keyser Karolo etc. durch Albrecht | Dürer daselbst in das werck gepracht.«

und endigt auf dem 8. Blatt:

»Diser wagen ist zu Nürmberg erfundē | gerißsen vnnd gedruckt durch Albrechten | Thürer | im jar

M. D. xxjj.

Cum Gratia et Privilegio Cesaree Maiestatis.

Schorn[54] nimmt zwar an, daß es noch eine frühere Ausgabe ohne dieses Privilegium gäbe, weil Bartsch und Heller desselben nicht erwähnen, ich halte dieses aber für eine Auslassung des Bartsch, welche Heller, wie gewöhnlich ohne eigne Untersuchung, nachgeschrieben hat. Ich habe nie einen Abdruck, weder mit deutschem noch lateinischem Texte, ohne dieses Privilegium gesehen, auch hatte Albrecht Dürer ja bereits im Jahre 1511 ein Kaiserliches Privilegium für die von ihm herausgegebenen Werke erhalten.

Die erste Ausgabe, von eben so scharfem als kräftigem Druck, welche auf den ersten sieben Blättern unten die großen lateinischen Buchstaben A bis G auf dem achten aber ein großes Gothisches H als Signatur hat, ist auf einem sehr festen Papiere mit dem Wasserzeichen Nr. 32, welches einen Abstand der Drathstriche von 13¾ bis 14 Linien hat, es ist dasselbe Papier, welches Dürer auch zu den Abdrücken anderer größerer Blätter verwendet hat. Die zweite Ausgabe mit ganz lateinischem Texte und der Jahrszahl 1523 ist im Abdruck fast eben so schön als die vorhergehende, und hat auch dasselbe Papier. Die Signaturen auf den ersten sieben Blättern sind gleich der Ausgabe mit deutschem Text, auf dem letzten Blatt ist aber die Signatur ein kleines Lateinisches h. Man trifft übrigens auch Exemplare, bei denen Abzüge der ersten und zweiten Ausgabe zusammen gefügt sind, wie namentlich dasjenige in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Stuttgart.

Weniger scharf im Druck und überhaupt geringer ist eine dritte Ausgabe, ebenfalls mit deutschem Text und der Jahrszahl 1522, welche aber augenscheinlich später und, dem Papiere nach, erst nach Dürer’s Tode gedruckt wurde. Sie ist daran zu erkennen, daß auf dem achten Blatte die Jahrszahl in Arabischen Ziffern gedruckt ist 1522 statt auf der ersten Ausgabe M. D. xxjj — auch ist bei dem Privilegio ein Druckfehler, indem statt Maiestatis steht Waiestatis.

Das Papier ist weniger fest als bei den früheren Ausgaben und hat das herzförmige Wasserzeichen, Nr. 56, mit nur 12 Linien Entfernung der Drathstriche.

Eine dieser ganz ähnliche, der Schärfe des Drucks und dem Papiere nach ebenfalls spätere Edition, kommt auch mit lateinischem Text und der Jahrszahl MDXXIII vor. Die ersten beiden Blätter derselben sind ohne die Signaturen A und B, die beweglichen Lettern der Ueberschrift, sichtbar stumpfer als bei der früheren Edition, auch ist das Papier geringer von Güte; es hat das Wasserzeichen eines geschweiften durch einen Balken schräg durchschnittenen Schildes mit 2 sechsstrahligen Sternen und 16 Linien Entfernung der Drathstriche.

Die in Venedig von Chinig veranstaltete Ausgabe mit der Jahrszahl 1588 ist zwar bedeutend stumpfer als die früheren, doch sind die Holzstöcke noch fast unversehrt. Das feste Papier derselben hat Drathstriche in der Entfernung von 12¾ Linien. Die Signatur auf dem letzten Blatte, bei der ersten lateinischen Ausgabe ein kleines Lateinisches h, ist bei dieser Ausgabe ein großes H. Es kommen auch spätere Abdrücke von einzelnen der Holzstöcke vor, bei denen indeß bedeutende Sprünge in denselben sichtbar sind.

Die bisher als vierte bekannte Ausgabe vom Jahre 1609 ist mit vollem Recht von Schorn[55] als Copie bezeichnet, doch können die Stöcke wohl nicht, wie derselbe vermuthet, von dem bekannten Maler und Formschneider Johann (nicht Cornelius) Liefrinck geschnitten sein, da dieser noch im Jahre 1580 lebte, der erste Druck dieser Copien aber von der Wittwe des Cornelius Liefrinck in Antwerpen schon 1545 veranstaltet wurde. — Ich vermuthe: daß die Holzstöcke dieser Copie diejenigen sind, welche von Hans Güldenmund in Nürnberg geschnitten und wie von Herrn J.A. Börner zuerst bemerkt ist, von jenem im Jahre 1529 herausgegeben wurden.

Wenn nun gleich auf die Klage der Wittwe Dürer[56] dem Güldenmund die fernere Verbreitung der Abdrücke untersagt war, so wird nach dem Tode derselben, die Benutzung der Platten, namentlich zu einem Abdruck in Antwerpen, keine Schwierigkeiten gehabt haben, auch entspricht der Schnitt der Stöcke den zahlreichen bekannten Arbeiten des Güldenmund vollkommen.

Bei den Abdrücken vom Jahre 1609 bemerkt man an mancherlei kleinen Beschädigungen und Aussprüngen, daß die Holzstöcke schon alt waren.

Das Papier hat das Wasserzeichen der Lilie mit einer Krone darüber, Nr. 54, und einen Abstand der Drathstriche von 12 Linien.

Die Platten 3 bis 8 sind mit den Zahlen 1 bis 6 bezeichnet. —