B. 59. Der heilige Hieronymus. 1512.

In Beziehung auf malerische Wirkung ist dies geritzte Blatt unstreitig die gelungenste von Dürer’s Arbeiten auf Kupfer. Die wenigen bis auf uns gekommenen Abdrücke von voller Kraft und Klarheit haben ein Helldunkel, welches von Rembrandt in seinen schönsten Radirungen nicht übertroffen ist, ihm aber entschieden zum Vorbilde gedient hat.

Von diesem köstlichen Blatte sind zwei Probedrücke erhalten, ehe Dürer das Monogramm nachgefügt hatte. Der eine davon ist in Wien in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht, der andere im Print-room des British Museum, früher bei Verstolck im Haag. Dieser letztere ist auf Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone und bestätigt meine in der Einleitung ausgesprochene Ansicht, daß Dürer um 1512 zu den größeren Blättern nicht mehr das Ochsenkopfpapier zu verwenden pflegte. — Auch bei den besten der übrigen Abdrücke findet man Papier mit der hohen Krone. Die vollkommen schönen Abdrücke lassen sich zählen und sind doch nicht frei von fleckenartigen unklaren Stellen. — Der schönste von allen ist wohl der zweite Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien, von den in Deutschland in Privathänden befindlichen, ist derjenige am berühmtesten, welcher die reiche und ausgewählte Dürer-Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M. ziert. —

Spätere Abdrücke kommen vor auf Papier mit den Wasserzeichen zweier Thürme mit Mauer, Nr. 14, und des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15. Bei diesen sieht man unten in der Mitte des Vorgrundes die Spuren eines runden Loches, welches in die Platte geschlagen ist. Die Bemerkung des Herrn Dr. Nagler[13]: daß in den späteren Abdrücken das Crucifix und die Jahrszahl ganz ausgedruckt seien, trifft nicht allgemein zu, denn es giebt ganz späte Abdrücke, bei denen beides sichtbar, die Jahrszahl aber vollkommen deutlich ist.