B. 76. Der Traum.
Nach Vasari’s Beschreibung: einer, der auf einem Ofen schläft, mit Venus daneben, welche ihn im Traume in Versuchung führt, während Amor, auf zwei Stelzen steigend, sich vergnügt, und der Teufel mit einem Blasebalg jenem in’s Ohr bläst.
So wenig selten dies Blatt ist, so findet man doch die vollkommen schönen Abdrücke nur höchst sparsam. — Sie sind auf Papier mit den Wasserzeichen des Ochsenkopfes, des gothischen P oder der hohen Krone, die späteren noch guten Abdrücke haben das Wasserzeichen des Kruges. Die Platte hat sich sehr lange erhalten, denn es giebt neuere Abdrücke mit breitem Papierrande auf Papieren des 17. Jahrhunderts, welche indeß matt und unbedeutend sind.
B. 77. Die Nemesis,
gewöhnlich, die große Fortuna genannt.
Daß dieses große Blatt dasjenige sei, welches Dürer in seinem Tagebuche wiederholt »eine Nemesin« nennt, glaube ich in dem Aufsatze des Naumann’schen Archives für die zeichnenden Künste, 2. Jahrgang, 1. Heft, genügend nachgewiesen zu haben. Eine angenehme Bestätigung dieser Ansicht ist mir seitdem durch eine Veröffentlichung des gelehrten Vorstandes des print-room im British Museum, Mr. W.H. Carpenter, im Athenäum geworden, in welcher derselbe die gleiche Meinung, fast mit denselben von mir geltend gemachten Gründen belegt, ausspricht.
Die alten kräftigen Drucke dieses schönen Stiches werden sehr gesucht. Die mir vorgekommenen waren sämmtlich auf Papier mit der hohen Krone, nur einzelne, nicht einmal besonders schöne Abdrücke haben Ochsenkopf-Papier.
Heller giebt, 2. Band, pag. 468, als Kennzeichen der alten Drucke die kleinen Punkte an, welche links über den Wolken, in der Mitte des Blattes, noch andere Wolken andeuten sollen. Dieses ist indeß trügerisch, denn auch auf späteren schwächeren Drucken sind diese Punkte noch sichtbar. Ein sicheres Zeichen der frühesten Abdrücke ist dagegen der mehr oder weniger starke Grat eines Striches, welcher unten in der Landschaft in der Mitte der Brücke, als Stütze derselben, in das Wasser geht, und bei den späteren Abdrücken kürzer wird, zuletzt nur als ein einfacher Grabstichel-Strich erscheint. Bei dem wundervollen Abdruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien haben alle drei Stützen unter der Brücke starken Grat.