Die Apocalypse.
Die ältesten, als solche mit Sicherheit ermittelten Holzschnitte Dürer’s, sind die 15 Blatt der Offenbarung Johannis oder der Apocalypse (Bartsch 61 bis 75), welche derselbe im Jahre 1498 sowohl mit lateinischem wie mit deutschem Text auf der Rückseite herausgegeben hat.
Für die erste Arbeit dieser Gattung ist es ein eben so umfassendes als vortreffliches Werk, und der Meister wird wohl mehrere Jahre daran gearbeitet haben, da meiner, mit C.Fr. von Rumohr[24] übereinstimmenden Ansicht nach, diese Holzstöcke sämmtlich von ihm selbst geschnitten sind. Das lebendige des Schnitts, bei der hie und da unverkennbaren Unsicherheit der Technik spricht dafür, so wie die thunlichste Vermeidung der Querstriche in den Schraffirungen[25], auch sind, wie bereits in der Einleitung erwähnt ist, gleichzeitige Holzschnitte anderer Formschneider von ähnlichem Umfange und derselben Vortrefflichkeit nicht bekannt.
Diese erste, ganz vollständig, sehr selten vorkommende Ausgabe, ist neben der großen Reinheit und Schärfe der Abdrücke besonders daran kenntlich, daß das Papier kein Wasserzeichen, aber sehr bemerkbare Drathstreifen hat, welche durchschnittlich 15 Pariser Linien von einander entfernt sind.
Die zweite Ausgabe, welche Albrecht Dürer im Jahre 1511 nur mit lateinischem Text und unter Hinzufügung des Holzschnitts auf dem Titel, B. 60, veranstaltete, tritt, in Beziehung auf Schärfe und Reinheit der Abdrücke, sehr gegen die erste Ausgabe zurück, bei welcher, wie vorher erwähnt, unser Meister selbst das Schwärzen und Drucken überwacht zu haben scheint.
Ausserdem ist sie an den Papieren kenntlich, welche die Wasserzeichen Nr. 27 und 28 haben, auch sind in dem Schriftsatz des lateinischen Textes einige Abweichungen gegen die erste Ausgabe bemerklich; so steht unter anderen: Bei dem Text von Bartsch Nr. 64, in der 1. Columne, 4. Zeile, die Phrase »Item ad terciam figuram«
| bei der | 1. Edit. | über der Ziffer VI., |
| „ „ | 2. „ | über dem Worte Capitulum, |
| in der 10. Zeile: | ||
| 1. Edit: | super illuz habe, | |
| 2. „ | sup illum habe; | |
| in der 11. Zeile: | ||
| 1. Edit: | et exivit, | |
| 2. „ | ⁊ exivit; | |
| in der 12. Zeile: | ||
| 1. Edit: | Et cum, | |
| 2. „ | Et cū; | |
| in der 2. Columne, 1. Zeile: | ||
| 1. Edit: | Et vidi alterum angelū, | |
| 2. „ | Et vidi alteꝝ angelum. | |
| Bei dem Text von B. 74 steht in 1. Columne, 1. Zeile: | ||
| 1. Edit: | iohannem, | |
| 2. „ | Johānem; | |
| in der 4. Zeile: | ||
| 1. Edit: | Itē, | |
| 2. „ | Item; | |
| in der 6. Zeile: | ||
| 1. Edit; | descē, | |
| 2. „ | descen; | |
| in der 7. Zeile: | ||
| 1. Edit: | potestatez, | |
| 2. „ | potestatem. u.s.w. | |
Vor dieser zweiten Ausgabe hat Dürer von einzelnen Platten Abzüge ohne Text auf der Rückseite nehmen lassen, doch nach den Papieren, auf welchen sie vorkommen und die fast durchgehends das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, ausnahmsweise den Ochsenkopf mit der Blume, Nr. 19, haben, nicht lange Zeit vor dem Druck mit Text. Auch findet man bei diesen Abdrücken schon einzelne kleine Fehlstellen in den Einfassungsstreifen, welche bei der ersten Edition noch nicht sichtbar sind, wohl aber bei der zweiten. Ganze Folgen kommen davon nicht vor und die einzelnen Abdrücke sind überhaupt sehr selten. Bekannt sind sie mir nur von den Blättern, B. 61, 63, 64, 65, 74. Nr. 75 ist immer ohne Text.
Diese Abdrücke, von denen man B. 61, 64 und 74 am häufigsten antrifft, sind, wenn auch nicht ganz so scharf wie die gelungensten der ersten Ausgabe, sehr kräftig und schön. Besonders malerisch erscheinen die Abdrücke der Marter des Johannes, B. 61, auf welche Dürer besondere Sorgfalt verwandt zu haben scheint.
Wenn man die Abdrücke der ersten Editionen vom Jahre 1498 mit Text als Ersten Etat bezeichnet, so würden die vorbezeichneten Abdrücke ohne Text der Zweite Etat, die Abdrücke vom Jahre 1511 mit lateinischem Text aber der Dritte Etat sein. —
Von dem Holzschnitt des Titels, B. 60, sind mir nur drei Abdrücke ohne Text bekannt. Sie haben das Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme mit Spitze darunter, Nr. 23, und Entfernung der Drathstriche von 12¾ Linien, der Holzstock davon muß sehr bald nach dem Abdruck im Jahre 1511 abhanden gekommen sein. Spätere Abdrücke der Apocalypse ohne Text habe ich nur selten angetroffen, man findet in dem Papier die Wappen der Städte Nürnberg und Augsburg als Wasserzeichen. Die Holzstöcke scheinen daher nicht ferner benutzt zu sein, wenngleich dieselben noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Paris vorhanden gewesen sein sollen.[26] Häufig trifft man aber die alten Copien vom Jahre 1502 mit dem bei Heller, pag. 637, abgebildeten Monogramm.
In welcher Reihenfolge nach der Offenbarung Johannis, diejenigen Holzschnitte Dürer’s gearbeitet sind, welche keine Jahrszahl tragen, dürfte mit Sicherheit schwer zu bestimmen sein. Heller hat zwar eine Ordnung derselben versucht,[27] doch ist sie wenig begründet und, wie ich nachweisen werde, keineswegs stichhaltig.
Zu den früheren Holzschnitten, welche vor der Reise nach Venedig beendigt waren, gehören unstreitig die Blätter, B. 99, 104, 110 und 112, so wie die 17 Blatt aus dem Leben der Jungfrau, »unser Frauen-Leben«, B. 77 bis 92 und 95, da diese sämmtlich von Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s schon um 1506 copirt und in den Handel gebracht waren. Daß Marc Anton die Copien von dem Leben der Jungfrau jedenfalls früher anfertigte, als Dürer die ganze Folge der 20 Holzschnitte mit dem Text im Jahre 1511 herausgab, glaube ich durch Folgendes begründen zu können:
1) Auf der Copie Marc Antons von der Verkündigung, B. 83, befindet sich rechts oben, unter dem Querbalken des Zimmers, die Jahrszahl 1506, welche — da sie auf dem Original-Holzschnitt nicht vorhanden ist — ohne Zweifel den Zeitpunkt der Vollendung des Nachstichs bedeutet. Dieselbe Jahrszahl 1506 ist auch auf der Copie Marc Antons von dem Holzschnitt B. 112, die Heiligen Johannes und Hieronymus, vorhanden.[28]
2) Hätte Marc Anton das Leben der Maria später nachgebildet, so würde er ohne Zweifel auch die im Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. 93 und 94, sowie den Titel, B. 76, copirt haben, da diese fast die schönsten Blätter der ganzen Folge sind und er späterhin die kleine Dürer’sche Passion ganz vollständig mit dem Titel nachstach.
3) Bereits im Jahre 1508 erlies der Rath zu Nürnberg ein Verbot des Verkaufs der mit dem Monogramm Dürer’s bezeichneten Nachstiche,[29] solche mußten daher damals schon im Handel verbreitet sein.
4) Waren die Nachstiche Marc Antons schon im Jahre 1506 vollendet, so klären sich die Widersprüche wegen der Reise Dürer’s nach Venedig, um gegen Marc Anton deshalb klagbar zu werden, ganz einfach durch die bekannte Reise desselben in den Jahren 1506 und 1507 auf. —
Vasari sagt in seinem Leben des Marc Antons[30], daß dieser bei den Nachstichen von Dürer’schen Holzschnitten mit dessen Monogramm solche so täuschend nachgeahmt habe, daß, da niemand wußte, die Stiche seien von Marc Anton, sie für Arbeiten Albrecht Dürer’s gehalten und als solche feil geboten und gekauft wären. Da man dieses dem Dürer geschrieben und ihm ein Exemplar dieser Nachstiche gesandt habe, so wäre derselbe so erzürnt worden, daß er sich aufgemacht habe und nach Venedig gekommen sei, um bei der Signoria über Marc Anton, welcher sich damals in Venedig aufhielt, Klage zu führen. Er habe indeß nichts anderes erreicht, als daß jener nicht ferner, weder den Namen noch das Monogramm Dürer’s in seinen Arbeiten habe anbringen dürfen. Vasari verwechselt zwar die Nachstiche der kleinen Passion mit denen des Leben der Jungfrau, indem er von ersteren anführt, sie seien mit Dürer’s Monogramm versehen, welches gerade umgekehrt der Fall ist, doch möchte kein Grund vorhanden sein, an der von Vasari so bestimmt angeführten Veranlassung der Reise Dürer’s zu zweifeln. — Ganz übereinstimmend mit dem von Vasari berichteten Erfolg der Klage Dürer’s bei der Signoria ist es: daß Marc Anton bei dem Nachstich der ganzen kleinen Passion mit Titel, welcher erst nach dem Jahre 1511, wo Dürer solche herausgab, erfolgen konnte, nicht mehr das Dürer’sche Monogramm, sondern sein eigenes Täfelchen anbrachte.
5) Daß ein Theil der Dürer’schen Holzschnitte zu dem Leben der Jungfrau schon vor dessen Reise nach Venedig beendigt war, beweist auch die Jahrszahl 1504, welche sich auf dem schönen Blatte der Umarmung Joachims, B. 79, befindet, ein Blatt, welches zu den ausgebildetsten und vollendetsten der ganzen Folge gehört. Bartsch liest zwar die Jahrszahl 1509 und Andere, namentlich Heller, schreiben ihm hierin, wie so oft, ohne eigne Kritik nach. Doch ist der Irrthum leicht nachzuweisen, wenn man die bei Dürer gebräuchliche Form der Zahl 9 auf andern Holzschnitten, z.B: B. 31 und 37 der kleinen Passion, oder auf den Kupferstichen B. 3, 26 und 58 damit vergleicht, auch stimmt die Form der Zahl 4 mit der gleichen Zahl auf Dürer’schen Handzeichnungen vom Jahre 1504, namentlich der Verspottung Christi, der Geisselung und der Kreuzschleppung, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien genau überein.
Aus der Periode, in welcher, nach dem Vorhergehenden, Marc Anton die Holzschnitte von dem Leben der Jungfrau nachstach, ergiebt sich nun aber, daß Dürer die Abdrücke dieser 17 Blatt eher in den Handel gebracht hat, als er das ganze Werk im Jahr 1511 mit dem Text herausgab, und wir haben daher jedenfalls bei dem Leben der Maria einen nachgewiesenen Ersten Etat vor dem Text.
Die Abdrücke dieses Ersten Etats sind indeß keinesweges nur daran kenntlich, daß sie keinen Text auf der Rückseite haben, denn es giebt eine große Zahl von Abdrücken ohne Text, welche erweislich einer viel späteren Periode angehören.
Das sicherste Kennzeichen ist die Schärfe und Fehlerlosigkeit des Druckes, welche den besten Abzügen mit Text gleich ist, diese aber in Klarheit und malerischer Wirkung, in Folge des sorgfältigeren Auftragens der Farbe und des sorgsameren Druckens bedeutend übertrifft. Ausserdem gewähren hier die Papiere und ihre Wasserzeichen einen wesentlichen Anhaltspunkt der Erkennung, denn diese ersten Abdrücke haben entweder das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 19 und 20, oder das der hohen Krone, Nr. 21, dieses am häufigsten, zuweilen auch das der Wage im Kreise, Nr. 22.
Auch von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken, Nr. 93 und 94, kommen Drucke ohne Text auf eben diesen Papieren vor, welche — ihrer Schärfe und Fehlerlosigkeit nach — ebenfalls vor der Edition von 1511 abgezogen sind und diesem ersten Etat zugezählt werden müssen.
Der schöne Titel, die Jungfrau mit dem Kinde auf dem halben Monde, B. 76, scheint erst kurz vor der Ausgabe mit Text geschnitten zu sein, denn es sind davon nur höchst wenige Abdrücke ohne Text vorhanden, welche, der Klarheit und Schönheit, wie den Papieren nach, für Probedrucke gehalten werden könnten.
Ob diese aber wirklich vor dem Text oder unmittelbar nachher abgezogen sind, bleibt zweifelhaft; denn ich habe keinen dieser Abdrücke von einer solchen Schärfe und Reinheit, namentlich in den Sternen, angetroffen, wie sie bei den besten Abzügen mit Text vorkommen. Auch ist auf denselben keine Spur der fünfzeiligen Ueberschrift in großen lateinischen Buchstaben sichtbar, welche, nach der Ansicht erfahrener Xylographen auf diesem — wie fast allgemein anerkannt — von Dürer eigenhändig geschnittenen Blatt, von dem Meister selbst eingeschnitten, nach dem Abdruck mit Text aber von dem Holzstock entfernt ist, wie die nicht seltnen späteren und stumpferen Abdrücke desselben, welche Papierrand haben, beweisen.
Die mir zu Gesicht gekommenen anscheinenden Probedrücke vom B. 76 haben sämmtlich das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr. 20.
Obgleich von allen Holzstöcken des Lebens der Jungfrau Abdrücke des Ersten Etats vorhanden sind, so kann man doch nicht wohl, wie häufig geschieht, von einer Ersten Ausgabe vor dem Text reden, denn ich glaube nachgewiesen zu haben, daß Dürer diese Blätter theilweise zu verschiedenen Zeiten in den Handel brachte, auch ist mir bis jetzt — selbst in den berühmtesten und vollständigsten Sammlungen — nicht ein einziges Exemplar vorgekommen, bei dem die Abdrücke sämmtlich von diesem Ersten Etat wären.
Dürer erwähnt in seinem Tagebuche ebenfalls des Lebens der Jungfrau nur als großes Buch d.h. mit Text.
Nach Dürer’s Tode kommen dagegen Folgen von Abdrücken ohne Text, von sämmtlichen Blättern, jedoch mit Ausnahme des Titels vor, welche nach dem Papier und der Druckweise gleichzeitig genommen und in den Handel gebracht wurden.
Die Holzstöcke sind bei den ältesten dieser Folgen — wenngleich in einzelnen Kleinigkeiten verletzt — meist noch sehr wohl erhalten, und man kann manche der oft sehr sorgfältigen Drucke, wenn man nicht das hier untrügliche Papier mit seinen Wasserzeichen beachtet, nicht leicht von den Abdrücken des Ersten Etats unterscheiden. Auch von dem Titel kommen, wie bereits oben erwähnt, spätere Drucke ohne Text vor, die besseren auf Papier mit dem Wasserzeichen der Hand mit der Blume, Nr. 26, doch weit seltner und nie auf denselben Papieren der späteren Folgen, daher diese Platte gleich nach der Ausgabe mit Text von den übrigen zusammen gebliebenen Holzstöcken getrennt und in andere Hände gekommen sein muß. —
Bei einzelnen der Holzschnitte aus dem Leben der Jungfrau giebt es übrigens noch einige besondere Kennzeichen, welche die Bestimmung der Priorität der Abdrücke erleichtern. 80 sind auf B. 84 — der Heimsuchung — ganz oben, zu den Seiten der in der Mitte befindlichen weißen Wolke, zwei kleine Fehlstellen, welche bei den ersten Drucken kaum sichtbar, schon während des Druckes der Ausgabe mit Text deutlicher werden und bei den späteren Abdrücken immer mehr hervortreten.
Auf Nr. 86, der Beschneidung, ist oben rechts in der Ecke eine weiße Fehlstelle, welche zwar auch auf früheren Abdrücken sichtbar, aber nur 3 Linien lang und etwa eine halbe Linie breit ist, während sie auf den Abdrücken nach dem Text vier Linien lang und ein bis ein und eine halbe Linie breit wird.
Eine ähnliche weiße Stelle ist schon auf den ersten Abdrücken von der Flucht nach Egypten, B. 89, links über dem obersten Fruchtbüschel des Palmbaumes sichtbar, sie breitet sich aber später — besonders nach unten — weiter aus.
Auf Nr. 95, der Verehrung der Jungfrau, ist bei allen Abdrücken nach dem Text, ein feiner Sprung zu bemerken, welcher, in der Mitte des Holzstocks, von oben bis auf die Haare der Maria hinunter geht. Er ist anfangs sehr fein und kommt so schon auf mehreren Abdrücken mit Text vor, auf den späteren Drucken wird dieser Sprung aber immer augenfälliger.
Diejenige Abdrucksfolge von dem Leben der Jungfrau, welche, der Schärfe und Erhaltung der Holzstöcke nach, die früheste von denen nach Dürer’s Tode veranstalteten ist, und wenn man die Abdrücke vor dem Text als Ersten, diejenigen mit Text als Zweiten Etat bezeichnet, als Dritter Etat erscheint, hat Papier mit dem Wasserzeichen einer Art Fischblase oder Urne, Nr. 42. Es ist nicht so dick wie die älteren Papiersorten zu Dürer’s Zeit, aber fest und die Drathstriche haben einen Abstand von knapp 11 Linien. Eine große Zahl dieser Abdrücke findet sich in den Sammlungen zerstreut, auch habe ich verschiedene Male die Folge von B. 77 bis 95 vollständig angetroffen.
Der Verleger dieser Abdrücke muß ausser den Holzstöcken des Lebens der Jungfrau noch andere Dürer’sche Holzstöcke besessen und Abdrücke davon verbreitet haben, denn dasselbe Papier und gleiche Druckweise trifft man bei späteren Abzügen, namentlich von der Anbetung der Könige, B. 3, und der Verehrung der Maria, B. 101. — Zu diesem Dritten Etat des Lebens der Jungfrau sind noch einzelne Abdrücke von fast gleicher Güte zu rechnen, welche auf Papieren vorkommen, die das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, oder eines mit der Krone bedeckten Wappenschildes haben, worin sich eine Lilie befindet, Nr. 52. Die Drathstriche des ersten Papiers haben eine Entfernung von 11 Linien, das letztere Papier ist besonders fest, die Entfernung der Drathstriche etwas geringer.
Eine nur etwas spätere Folge, ebenfalls ohne Titel und nicht minder sorgfältig gedruckt, erkennt man an dem Papiere mit dem Wasserzeichen eines großen geschweiften Wappens und einer Krone darüber, Nr. 45.
Dieses Papier mißt, unbeschnitten, in der Höhe 15 Zoll 4 Linien, in der Breite 12 Zoll 3 Linien, so daß der Papierrand der Abdrücke 2 bis 2½ Zoll beträgt.
Bei dieser Folge ist zu bemerken, daß statt der zum Leben der Jungfrau gehörenden Anbetung der Könige, B. 87, sich darin die Anbetung der Könige, B. 3, befindet und daß am Schluß die Verehrung der Maria, B. 101, angefügt ist.
Das Papier, dessen Drathstriche einen Abstand von 11¾ Linien haben, ist fest und etwas griffiger als das der vorbezeichneten Folge. Die Abdrücke sind kräftig, und nur nach sehr genauer Vergleichung entdeckt man an der Zunahme der kleinen Aussprünge in den Einfassungs-Rändern, wie an der Ausdehnung der kleinen Fehlstellen in B. 84, 86, 89 und 95, daß diese Edition, welche als Vierter Etat zu bezeichnen wäre, später als die vorhergehende veranstaltet ist. In den Abdrücken von B. 3 und 101 finden sich schon die in den frühesten Abdrücken derselben noch nicht sichtbaren Sprünge ziemlich bedeutend.
Die Abdrücke dieses Vierten Etats sind übrigens weit seltener als diejenigen des Dritten Etats. Auffallend ist bei diesen späteren Editionen die größere Schärfe und Reinheit der Abdrücke von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken gegen alle übrigen der Folge. Es bestätigt dieses die von mir ausgesprochene Ansicht: daß die Abdrücke der 17 älteren Holzstöcke früher verbreitet und daher auch häufiger abgezogen sind als die von B. 93 und 94.
Ausser diesen vorbezeichneten guten Folgen, welche jedem Sammler noch Freude machen werden, findet man von dem Leben der Jungfrau nicht selten spätere sehr mittelmäßige oder schlechte Abdrücke, welche neben geringer Kraft der Farbe, theilweise auch Spuren von Wurmfraß in den Holzstöcken haben, besonders aber auch durch das geringe meist sehr dünne Papier kenntlich sind, welches häufig das Wasserzeichen eines Wappenschildes mit Querbalken, Nr. 46, oder des Reichsadlers, Nr. 51, hat. —