NIRVANA.

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Das ist:
Ich, im Verlangen atmend,
will tun, nicht dulden;
will dulden, nicht tun.

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Vierfacher Ausdruck für Eines: Ich auf vier Standorten—die vier
sogenannten Denkgesetze des Yavana.
Ich, im Verlangen atmend, bejaht und verneint in sich—bejaht
und verneint außer sich.—
Ich—in sich—außer sich—bejahend—verneinend—nennt
sich mit allen Namen dieser Welt:
Die Welt ist im verlangenden Ich—so erkennst du.

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Also ist der erscheinende Wandel des Verlangens vom Ich zum nicht-Ich, vom nicht-Ich zu s-Ich zurück; aus Tat—durch Widerstand —zu Duldung; Ich-Atem—âtmâ.

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Mit dem Zerfall im Ur-sprung erscheint Zerfall in Ich und nicht-Ich, erscheint Zerfall in Willen und Unwillen, erscheint Zerfall in Zeit und Raum—erscheint Welt-wirklichkeit.

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Folge meinen Worten, o Teurer, mit offener Seele—ich führe dich sicheren Weg. Doch laß dein Verständnis nicht an Worten haften, erfasse über Worte hinaus; Worte sind Hindernis der Erkenntnis. Mit wachsender Einsicht offenbart sich dir die gegensinnliche Einheit von Erscheinung und Verlangen. Sprich es unverstanden nach—was unverständlich scheint wird selbstverständlich.

* * *

Einheitliches Verlangen erscheint im Ich in Willen und Unwillen gespalten.

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Ich, zum Ziele wollend, stößt Ungewolltes unwillig von sich ab, schafft im eigen-Willen Widerwillen. Widerwillen weicht vom Ich, wird im gegen-Stand selbst-ständig, ist fremdes entgegenstehendes Wollen—: Willen in mir—Willen außer mir—das ist Raum. Raumerscheinung schafft sich durch Aus-legung des Widerwillens im Ich.

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Ich-willen, zum Hohenziele des Verlangens rastlos irrend, von selbstgeschaffenem gegen-Stand zurückgestoßen, bleibt wollend, wechselt im Willenszustand—: Willen in mir erst—Willen in mir dann—das ist Zeit. Zeiterscheinung schafft sich im Ich durch wechselnden Willen.

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Das verlangende Ich schafft zeiträumliche Erscheinung. Verlangen treibt dich zu Ausdehnung in Zeit und Raum. Je nachdem du dich im atmenden Verlangen gefordert oder gehemmt empfindest, ist Willen oder Widerwillen in dir. Verlangen der Welt willig ergriffen ist eigener Willen; Verlangen der Welt unwillig abgewiesen ist Widerwillen in dir. Was in dir seelisch empfunden Widerwille ist, ist sinnlich aufgefaßt Widerstand im Raum, das ist fremder Wille wider dich: 'ich will nicht' das heißt: 'du willst'. Was Ich aus sich unwillig entläßt, wird räumliche Vorstellung: Du. Der Atem des Verlangens in Anziehung oder Abstoßung erscheint im Ich als Willensgegensatz. Willensgegensatz in sich faßt Ich zeitlich auf; Willensgegensatz zu sich ist dem Ich Raum. Wechselnder Willen ist Zeit; zu Unwillen gewechselter Willen ist Raum. Willig-un-williges Verlangen in dir erscheint als zeit-räumliche Wirklichkeit außer dir. Endloses Verlangen in dir erscheint als endloses Werden— erscheint und ist. Mit dem Zerfall im Ur-sprung erscheint Zerfall in Ich und nicht-Ich, erscheint Zerfall in Willen und Gegenwillen, erscheint Zerfall in Zeit und Raum —erscheint und ist—

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Wie du, von dir aus ut-teilend, Willen von Widerwillen unterscheidest—beides in dir, beides Eines—du selbst, so unter- scheidest du, von dir aus urteilend, Zeit von Raum—beides in dir, beides Eines—du selbst. Wie Unwillen in eigenem Willen zu fremdem Gegenwillen wird, so wird Ein-bildung Zeit zu gegensätzlicher Vor-stellung Raum. Wie 'fressen' und 'gefressen werden' Eines ist im 'Fraß', wie Willen und Unwillen Eines ist im Verlangen, so ist Zeit Erscheinung und Raum-Erscheinung Eines in dir—dein Verlangen, du selbst. Verlangen, vom Ich ausgesprochen, vom Widerschein des Ich—dem nicht-Ich—wieder ausgesprochen, das ist: widersprochen—sieht sich selbst gegenüber, tritt sich selbst entgegen, ist sich selbst Gegensatz. Suchender Wille ist Raum, im Suchen wechselnder Wille ist Zeit.

Also wurzelt in deinem Willen-un-Willen Zeit und Raum; also ist
Zeit-Raum-Erscheinung dein Verlangen.
Erkenntnis hiervon ist Lösung des Rätsels: Raum-Zeit-Einheit.

* * *

Was von Empfindungswellen dir erwünscht, willkommen zuströmt, was du dir anzueignen gewillt bist, was du willfährig aufnimmst, was du zustimmend bejahend wohlwollend auffaßt, was sich dir willig fügt, dir zu Willen ist, worein du einwilligst, was zu deinem eigenen Willen, zu dir selbst wird, dein Zustand, erscheint in dir—deine Seele bewegend—in zeitlichen Formen. Was, aus dir geboren, dich unwillkürlich befremdet, was du nicht für dein eigen hältst, was nicht mehr du selbst bist, was du unerwünscht erleidest, was dich anwidert, was dir widrig, widerwärtig, zuwider ist, dein wider-Wille erscheint—deine Sinne bewegend— außer dir, räumlich, als wider-Stand, als widerstehende Kraft aus dem Raum. Atmet Verlangen in dir, wandelst du Willen zu Unwillen, so wandelst du Empfindung zu Anschauung, Einbildung zu Vorstellung, Zustand zu Gegenstand, wandelst zeitlichen Wechsel zu räumlicher Verschiedenheit, Zeit zu Raum: —und umgekehrt: ziehst du unwillig Abgestoßenes, Gegenstand, Raum Gewordenes wieder willig an dich, nimmst du, durch Aufhebung der Verneinung, den Gegensatz willig in dich auf, so wandelst du deine Anschauung zu Empfindung, deine Vorstellung zu Einbildung, deinen Gegenstand zu deinem Zustand, räumliche Mannigfaltigkeit zu zeitlichem Wechsel, fremde Kraft zu eigenem Willen, Raum zu Zeit. Willenswandel deine Seele bewegend—seelisch empfunden— erscheint dir zeitlich, Willenswandel deine Sinne bewegend—sinnlich angeschaut—erscheint dir räumlich. Seelischer Wandel ist Zeit; sinnlich körperlicher Wandel ist Raum. Bewegung deiner Seele—Zeit; Bewegung deiner Sinne—Raum. Verlangen treibt dich und es wird Zeit und Raum; beides Bewegung, beides Empfindung in dir. Eigene Lust dein Wandel im Verlangen; eigenes Gefallen dein Wandel in Zeit und Raum. Verlangend wandelst du in Zeit und Raum, verlangend wandelst du dich zu Zeit und Raum, wandelst Zeit zu Raum, wie rechts zu links, wandelst Raum zu Zeit, wie unten zu obem.

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Aller Wille will nicht, aller Unwille will. Unwillen durch Willen, Willen durch Unwillen—Wille und Wille untrennbar—Eines, wie Zeit und Raum, wie oben und unten. Versuche zu verstehen: Wenn du wollend nicht willst und nicht wollend willst, was nicht wollend dich will, was wollend dich nicht will, was dir unwillig willig zu-kommt, was dir willig unwillig aus-kommt, nennst du mit zeitlich räumlichen Namen. Was du willig Zeit oder Raum nennst, nennst du unwillig Raum oder Zeit. Zeit und Raum—Gestaltung deines Willens; Zeit und Raum— andere Worte für deinen Willen und für das, was, wider deinen Willen, wieder dein Wille ist—Gestaltung deiner selbst.

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Ich Atem ist Einhauch und Aushauch, ist innen und außen, ist zu-Stand und gegen-Stand, ist Wille und Unwille, ist Zeit und Raum, Ich und nicht lch. Also von Gegensatz zu Gegensatz atmend schafft Ich Zeit und Raum, mit Zeit und Raum—die Welt, deines Verlangens sinnlicher Widerschein.

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Also ist der Atem des Verlangens Wille-un-Wille im Ich—aus Tat durch Widerstand zu Duldung—Atem, Leben, Bewegung, Wandel, von Ich-bestand I auf Ich-wider-Stand II und auf Ich-wieder-bestand III zurück. Ich-Verlangen, wandelnd, zu seinem gegen-Stand und zu sich selbst zurück ver-wandelt; Ich durch wider-Ich zu wieder-Ich; von Ich zu Ich; Ich Atmen—âtmâ.

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Und ferner, o Teurer, Verlangen in dir ist Schöpferkraft. Von geringem Verständnis sind wir Menschen, blind vor Verlangen erkennen wir offenen Auges das Nächste nicht. Was im Samsara verlangend wächst, nennen wir unsern Willen; Hemmung unseres Willens empfinden wir unwillig; empfundenen Unwillen legen wir aus als Wirkung fremder Kraft. Ausübend wandelst du eigenen Willen zu rückwirkender Kraft. Wollend schaffst du Unwillen. Unwillen weist du von dir ab; darum erscheint er außer dir, dir entfremdet, scheint fremde Kraft gegen dich. Oder mit anderen Worten gesagt: weil es fremder Wille ist, darum ist er nicht in dir—beides ist dasselbe. Unwillen in dir ist Willen wider dich. Der eigene Wille-un-Wille von dir ge-äußert, von dir ausgelegt, das ist: aus dir hinaus verlegt, im gegen-Stand selbst ständig geworden, vom gegen-Stand wider-stehend, als Widerstand auf dich rückwirkend, ist dir des Gegenstandes Widerstandskraft. Wille in dir schafft mit Not-wend-igkeit rückwirkende Kraft—Widerwille in dir ist Widerstand außer dir. Was Eines ist, benennst du mit unterscheidenden Namen. Was du in dir Willen nennst, nennst du außer dir Kraft. Kraft in dir bewußt, nennt sich Willen; Willen außer deinem Bewußtsein scheint dir bewußtlose Kraft. Aller Wille ist Kraft, alle Kraft ist Willen. Wille ist Kraft aus dir, Unwillen in dir ist Kraft gegen dich. Aus dir fließt Willen und Kraft; Eines ist Willen und Kraft— Verlangen in dir—du selbst. Sehend geworden erkennst du den eigenen Willen in fremder Kraft, dich selbst im nicht-Ich. In deinem Herzen ist die Auseinandertretung, deine eigene Schöpfung die Unterscheidung: Zeit-Wille—Raum-Kraft. Ich ist Zeit und Raum, Ich ist Wille und Kraft. Ich ist âkâsha, Ich ist kâma.

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— Ur-sprung —

Namen des Verlangens vom Ich aus.

Ich—nicht-Ich m-Ich empfunden—d-Ich vorgestellt in der Seele unmittelbar gewußt—mittelst der Sinne erfaßt als eigen erkannt—als fremd verkannt innen-Zustand—außen-Gegenstand wechselndes Verlangen—Entzweiung einheitlichen Verlangens geänderter Wille—eines anderen Wille eigener Widerwille—fremder Widerstand Wandel, seelische Empfindung—Wandel, körperliche Bewegung Ursache—Wirkung Wille—Kraft Freiheit—Notwendigkeit Einbildung—Vorstellung ur-Teil—gegen-Teil Zeit—Raum Seele—Körper werdende—gewordene

Welt.

* * *

Ich, durch-ur-Sprung—ur-Teil, un-zu-langend—ver-langt; Ich ur-Teil verlangt nach dem gegen-Teil. Darum ist Ich Verlangen. Alles Verlangen ruht auf Unzulänglichkeit, auf Bedürfnis, auf Mangel, auf Gebrechen, auf Bedrängnis, auf Sehnsucht, auf Furcht und Hoffnung, auf Not und Qual; alles Verlangen ruht auf Zwiespalt, auf Zwiespalt der Seele, alles Verlangen auf ur-Sprung. Alles Verlangen ist Verlangen nach er-Gänz-ung, Verlangen nach wieder-ver-Ein-igung mit Gottheit. Ich empfindet sich Bruchstück, darum hungert Ich nach dem Entgangenen; darum lebt alles Ich außer sich, darum ist alles Ich friedlos; darum sucht Ich, begehrt Ich, sehnt sich nach anderem, bewegt sich, neigt sich, nähert sich anderem, nährt sich von anderem. Eines Wesens ist, wenn der Spalt im Holz sich zu schließen trachtet— wenn ein Ich bewußt will; Enzweiung will Zu-eins-paarung. Aus Einer Quelle fließt: sich eines Anderen Seele nähern—sich von eines Anderen Körper nähren. Darum lebt Alles dieser Welt durch Nährung, durch Ein-ver- leib-ung, durch an-Eign-ung; darum lebt alles Ich durch ein anderes und lebt kein Ich ohne nicht-Ich, und lebt alles Ich durch nicht Ich —seelisch wie sinnlich. Also beschränkt sucht Ich Unbeschränktheit, also unvollständig sucht Ich Vollständigkeit, also unvollkommen sucht Ich Vollkommenheit, also verstoßen sucht Ich nach dem verlorenen Paradiese, also vereinsamt und verlassen schreit Ich um Hilfe—es verlangt alles Ich nach Allumfassen, nach Alleinheit, nach Vollendung—nach Nirvana. Es verlangt m-Ich—Ich muß verlangen, muß außer sich wollen, muß von Anderem leben, muß jagen und erbeuten, muß würgen und fressen. Ich muß alles nicht-Ich zu sich wollen, muß an-eign-en wollen, muß für sich lieben und hassen, muß wider alles nicht-Ich stehen, muß allem nicht-Ich Gegner und Feind sein solange Ich 'Ich' ist. Es ist kein Ausweg. Wer das Heil im Ich sucht, dem ist Selbstsucht geboten. Alles ich lebt nur durch Selbstsucht. Alles Ich, blind durch Ichheit, von Ichheit besessen, vermeint in s-Ich das höchste Gut zu verteidigen—: zum Bewußtsein erwachende Gottheit. Darum ist zwischen Ich und Ich ewige Tat, ewiger Widerstand, ewiges Wirken, darum ist die Wirklichkeit dieser Welt ewiger Kampf. Darüber ist gesagt: "aus Verlangen und Nährung hat Brahma diese Welt gebildet". Das Verlangen ist Lust; das Lust-verlangen ist endlos. Wie ein Mann nach dem Weibe verlangt—und würde er auch in solchem Verlangen ganz zum Weibe—nicht befriedigt ist, nunmehr nach dem Manne verlangt, so verlangt das Ich nach dem, was es nicht ist, und wenn es das Verlangte erlangt hat, ist es dennoch voll Verlangen. Ich ist Verlangen, das Verlangen ist endlos. Ich verlangt nach Allem, was es nicht ist. Ich, sich selbst im Anderen verkennend, jagt nach sinnlich sinnlosem Ziele—endlose Täuschung der Sinnenwelt—Sinnlosigkeit der Sinnenwelt—sinnlos, weil sinnlich. Alles Verlangen ist Verlangen zu sich, alles Verlangen ist Ich Verlangen. Es gibt kein selbstloses Verlangen. Kein Ich ist leer von Verlangen. Verlangen erfüllt, bewegt, belebt, beseelt das Ich. Ich ist nur durch Verlangen. Ich in aller seiner Gestaltung ist Verlangen— Ich, das verlangend, nie erlangt.

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Auf Einem Gedanken ruht diese Welt: Verlangen nach Wiedervereinigung mit Gottheit; im Verlangen ist Bindung und—Lösung dieser Welt. Nichts außerhalb des Verlangens; nichts was nicht im Verlangen zum Ich in Beziehung steht. Verlangen ist allüberall, Verlangen ist allgegenwärtig, Verlangen ist immer. Verlangen ist nie gestillt. Verlangen birgt sich in allem Geschehen, in aller Tat, in allen Gestalten, unter allen Namen dieser Welt—ver-Langen nach ver-Einigung! sinnlich und seelisch. Anziehung und Abstoßung ist Verlangen, brünstige Wünsche— inbrünstiges Gebet, Liebe wie Haß. Niederste Gier ist Verlangen nach dem Höchsten. Tiefster Samsara hat höchstes Ziel: Eines ist was dich —dich Körper, dich Seele—zu Nahrung treibt, zu Erwerb, zu Weib und Kind, zu Macht, zu Entsagung, zu Erkenntnis, All-Einheit, Vollendung, nirvana. Verlangen führt dich in die Welt, Verlangen hält dich in der Welt befangen, Verlangen führt dich über diese Welt des Verlangens hinaus. Also geschlossen im Verlangen ist die ewige Kette; also löst sich aller Irrtum, alle Sünde dieser Welt: durch Verlangen ist Samsara, durch Verlangen ist Nirvana. Endloses Verlangen erscheint als endloses Werden.

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Ur-teil-Ich-er-Schein-ung lebt nur Einen Gedanken:
Durch ur-Sprung—ent-Zwei-ung; durch Entzweiung—ver-Langen,
nach wieder-ver-Ein-igung.
Alles Ich will sich, will Alles zu sich,—en-will sich zum All.
Also hält Verlangen nach Vereinigung zu sich alles Ich
auseinander.
Durch Entzweiung—Vereinigung; durch Vereinigung—Entzweiung
—Unergründlichkeit—Ewigkeit des Ur-sprungs.
Die Ich-bin-heit hält Ich und Ich auseinander. Asmita ist Schöpfer
dieser Welt. Keine Erlösung im Samsara. Keine Seeligkeit, keine
Erlösung im Ich.
Ur-Teil-Ich durch ur-Srung ab-geschieden, unterscheidet: Ich—
Welt; sieht sich Bestand, Akasha; fühlt sich Verlangen, kâma;—
unterscheidet in Akasha atmend: Zeit—Raum; unterscheidet in Kâma
atmend: eigenen Willen—fremde Kraft—
Alle unter-scheidung durch ab-Scheidung im ur-Sprung in ur-Teil
und Gegen-Teil.
Sehend geworden erkennst du:
Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen:
— Atma —

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O Teurer, wie ich es dir zunächst dargelegt habe, so mögen wir Menschen der Erscheinung nach-denkend, uns der Wahrheit annähern. Nur dem tief ernst Suchenden enthüllt sich die tiefe Lehre—upanishad— der Menscheit Hoheziel—Hoheziel.

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So lautet in Aranada-Upanishad der dritte adhyaya: Kâma,
Verlangen; nunmehr Karma, Wirklichkeit.

IV. WIRKLICHKEIT DIESER WELT — karma —

Zu dem, was ich dir ferner zu sagen gedenke, o Teurer, wisse: einfach ist alle Wahrheit, Vielheit ist Irrtum dieser Welt. Wie das dichte Laubdach eines Urwaldes vor einem stürzenden Stamme zerreißt und helles Tageslicht plötzlich die Dämmerung am Boden überflutet—so brach bange Unwissenheit in sich zusammen und überstrahlte mich das Licht der Erkenntnis; und was große Lehrer vor mir als unausdenkbar erachtet hatten, als unergründlich, als ewiges Geheimnis—trat in mir zutage, wuchs und erstarkte zu voller Erkenntnis. Gesegnet sei die Stunde, da ich Gewißheit erlangte: also ist, was sie Tatgesetz nennen, also ist Wirklichkeit: Karma— Freiheit des Tuns—eherne Notwendigkeit. Und schon einmal habe ich solche Erkenntnis ausgesprochen zu jenen Zeiten, als der König der Videha mich befragte; aber unverstanden blieb, was ich verkündete, unerkannt in seinen Tiefen—verlorene Wahrheit offenbare ich dir wieder.

* * *

Aus ur-Sprung—: ur-Teil-Ich-Erscheinung; aus ur-Teil-Ich—:
ver-Langen; aus Verlangen—: Tat
— KARMA —

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Tat und Tatergebnis, Wirken und Wirklichkeit dieser Welt—in
dir, o Teurer, als Lust und Leid bewußt, als Tat und Duldung, als
Ursache und Wirkung, als Freiheit und Notwendigkeit—in dir, o
Teurer, als vergeltende Gerechtigkeit der Gottheit wach.

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Also ist die Unterweisung:
Wie im dichtgeschlossenen Raume dein Atem die Luft verdirbt und
die verdorbene Luft auf dich vergiftend zurückwirkt—
—wie ein fliehender Feind, von dir verfolgt, sich wendet und
dich aus Tat und Angriff zu Abwehr und Leid zurückdrängt—
—wie das Geschoß der schwarzen Haut im Wurf auf dich zurückkehrt—
—wie dein Schwert, am Widerstand abprallend, dich selbst trifft—
—also ist Karma: Tat und Widerstand, Wirkung und Rückwirkung,
Ausgleich, Vergeltung, ewige Gerechtigkeit—Wirklichkeit dieser Welt.

* * *

Karma, Wirklichkeit dieser Welt, wirkt sich in dir aus Ursache und Wirkung. Ursache und Wirkung erscheint mit dem Zerfall in Ich und nicht-Ich. Du empfindest eigner Tat Ursache in dir, schaust eigner Tat Wirkung außer dir, am wider-Stand; Widerstand ist Wirkung auf dich; Wirkung auf dich begreifst du als fremder Tat Ursache. Ursache wird Wirkung, Wirkung wird Ursache. Die Tat bedingt das Ergebnis, das Ergebnis bedingt die Tat; Voraussetzung ist Enderfolg; Folge ist Bedingung. Alle Wirkung ist in der Ursache; alle Wirkung ist Widerwirkung, Ausgleich von Ursache und Wirkung—Wechselwirkung— wie zwei Mühlsteine sich aneinander schärfen.—Eines Vorganges geschiedene Auffassung in dir, ur-teilende Namen. Was du fremd anschauend 'Ursache oder Wirkung' nennst, nennst du beteiligt 'Willen oder Unwillen' in dir. Je nachdem du willig-un-willig tust oder duldest, je nach Willen oder Unwillen in dir, erscheint verschieden, was Eines ist. Eines ist, was du willkürlich scheidest—Eines ist Tat aus dir und Wirkung auf dich—Eines, was du seelisch auslegst und was du dir sinnlich vorstellst. Tuend nennt sich Ursache, was leidend sich Wirkung nennt, Beid-einheit—scheinbare Zweiheit durch zwiefache Benennung desselben. Vor der ewigen Ich-gegenwart erscheint, was Eines ist, zu einer zeitlichen Kette auseinandergezogen, erscheint in Glieder zerstückt— ineinander greifende Glieder einer unlöslichen Kette von Ursache und Wirkung. Was in sich Eines ist, erscheint uns zeit-räumlich Schauenden zu Aus-ein-ander-folge ausgedehnt. Es scheint, als sei Zerfall in Ur-teil und Gegen-teil, als sei Zu-stand und Gegen-stand, als sei Empfindung durch Wirkung des Empfundenen, als sei Folge und Folglichkeit. Keine Zeit an sich, kein Raum, keine Ursache, keine Wirkung, keine Folge, keine Folglichkeit. Weil an sich keine Ursache ist, weil an sich keine Wirkung ist, darum ist keine Ursächlichkeit an sich. Im scheinbar bedingenden Worte "weil" liegt keine Ursächlichkeit; "weil" besagt nur: der weile, das ist: zur selben Zeit—nichts mehr. Im scheinbar folgernden Worte "darum" liegt keine Folgerung; "darum" besagt nur: daherum, das ist: am selben Ort—nichts mehr. Scheinbare Zweierleiheit zur selben Zeit am gleichen Ort ist Eines. Die scheinbar bedingenden, scheinbar folgernden Worte aller Sprachen besagen nur: in Zeit und Raum zusammenfallende Erscheinung, Beid-einheit—nichts mehr. Raumanstoß ist Zeitfolge—Selbeinheit, nicht Folglichkeit. Was du Ursächlichkeit, Folge, Folglichkeit nennst, ist Fluß lückenloser Empfindung in dir, endlos in Einhauch und Aushauch atmende Willensbeziehung zum endlos aus dir geschaffenen Gegen-stand.— Nichts in der verlangenden Sinnenwelt, was nicht in Beziehung zu deinem Verlangen steht. Sinnliche Erscheinung ist Ausdruck deines seelischen Verlangens; Eines, durch rastlos irrendes Verlangen geschieden, und so, seelisch geschieden, sinnlich als Verschiedenheit geschaut. Wechselnde Eigenschaffung in dir erscheint außer dir als Wechsel der Beschaffenheit; zu-Stand und gegen-Stand bedingen einander; ändert sich dein Seelenzustand, so ändert sich deinen Sinnen der Gegenstand—erfasse es wohl: beides ist Eines. Folglichkeits-erscheinung ist sinnliche Anschauung des Wechselnden im Beharrenden; Selbeinheits-erkenntnis ist seelisches Erschauen des Beharrenden im Wechselnden. Anscheinende Gesetzmäßigkeit ruht auf Vielheitstäuschung, das ist: deiner sinnlichen Auffassung zeit-räumliches Aus-ein-ander-fallen des in sich Einheitlichen. Folglichkeit—nur aus-ein-ander-gezerrtes Bild der Selbigkeit; ein Hinweis, daß Raum und Zeit bloße Erscheinung sei und nicht in sich. Kein Folglichkeitsgesetz dem Wissenden. Zerfall in Ursache und Wirkung erscheint mit dem Zerfall in "Ich und Du" im Ursprung; erscheint mit dem Zerfall des Ich in Zeit und Raum.—Wie Nacht dem Tage folgt und Tag der Nacht, so folgt in endloser Flucht des Geschehens Wirkung auf Ursache und Ursache auf Wirkung. Ursache bewirkt und Wirkung verursacht. Wie einer Sohn seines Vaters ist und Vater seines Sohnes, Vater und Sohn zugleich, so ist Ursache Wirkung und ist Wirkung Ursache—Wirkung und Ursache zugleich. Vieler Worte bedarf es, Selbstverständliches darzulegen: Eines ist Ursache und Wirkung—willkürliche, an sich nichtige Unterscheidung in dir; doppelte Benennung des Einen, zwei Worte für dasselbe: Wirklichkeit, Karma—durch dich—auf dich wirkend; Kreislauf des Verlangens.

* * *

Und ferner, o Teurer, Karma, Wirklichkeit dieser Welt wirkt sich
in dir aus Freiheit und Notwendigkeit.
Freiheit des menschlichen Tuns, o Teurer? oder unabwendbare
Gesetzmäßigkeit alles Geschehens? Offenbar wird dem Erkennenden die
Lösung der großen Frage an aller Gestaltung, in jedem Vorgang, an
allem Werden, an allem Sein. Dasein; alles Gewordene aus gebundener
Freiheit. Du durchschaust das Rätsel am aufsteigenden Opferrauch, am
Lauf der Gestirne, am Monde, an jeder Zelle. Alles Gebilde ist davon
Bildnis; Urbild aller Gebilde—der Zwölfflächner.
Erwäge es wohl! So lange du die endlose Flucht der Erscheinung
'teilend' zu beherrschen glaubst, so lange irrst du im Wege zu
Erkenntnis—: 'einigend' nahst du dem Hohenziel.
Erwäge es wohl! Nur die voll erkannte Lehre löst dich aus den
Fesseln der Unwissenheit—: nicht eher offenbart sich dir das
Geheimnis; nicht eher erwachst du aus vieltausendjährigem Schlummer.
Nicht überliefert wurde mir die Lehre von der Gemeinschaft
schauender Meister; aus dem Urquell alles Gedankens ward mir die
Lösung, die seit dem Erwachen der Menschheit gesuchte.

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Also ist die Unterweisung: Wie ein Ball, aufschlagend, sich abflacht— —wie runde Beeren, in der Traube zusammengedrängt, zu kantigen Formen auswachsen— —wie Wasserblasen im Schaumballen, einander bedrängend, aus der erstrebten Kugelgestalt mit Notwendigkeit zu Zwölf-flächnern werden— —wie die gewollte Kreisform dicht aneinandergeschlossener Bienenzellen sich mit Notwendigkeit zum Sechseck gestaltet— —so widerfährt dem Ich im nimmer endenden Verlangen, nach allen Seiten frei und ungehemmt sich auszubreiten,—notwendig Hemmung von allen Seiten, von allen Gegen-ständen Widerstand— —so gestaltet sich, was du Freiheit nennst, zu Notwendigkeit; das ist: durch freien Willen Aller—notwendig gebundener Wille Aller— und du erkennst: Aller Freiheit ist Aller Notwendigkeit. Dies ist Lösung der großen Frage, um die du mich angingst: Freiheit des Willens oder unabweisbare Notwendigkeit alles Geschehens —restlose Lösung. Was unergründlich schien, was Jahrtausende vor mir Morgen- und Abendland, alte und neue Welt, Rishi und Mahatma, vergeblich suchten—gefunden ist die Lösung des tiefen Rätsels, durchschaut der Widerspruch, erkannt die Einheit im Gegensinn.

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Einfach ist alle Wahrheit: Freiheit—zu-Stand des Ich, Notwendigkeit—gegen-Stand. Als frei getan empfindest du, was dein eigen, als notwendig geduldet, was dir entfremdet; Freiheit, was du willig in dir, Notwendigkeit, was du unwillig als draußen erachtest. Im Bereich des Ich-bewußtseins heißt Freiheit, was darüber hinaus, dem Weichbild des Ich in Raum entwichen, Notwendigkeit heißt. Aller Ich bewegt frei den eigenen Willen, Aller Ich empfindet sich mit Notwendigkeit bewegt vom frei bewegten Willen Aller. Freien Willen, also gehemmt, empfindest du als Unwillen; empfundenen Unwillen legst du aus als fremder Kraft not-wen-dige Wirkung; auf dich rückwirkende Freiheit nennst du Notwendigkeit; Wirkung aus dir—Wirkung auf dich.—Was du frei aus dir tust, bindet dich notwendig. Freier Wille durch gegen-Stand not-wend-ig bestimmt; freier Wille in der Sinnenwelt gebunden. Was ich will, will ich frei—ist Freiheit und Lust; was ich wider meinen Willen dulde, ist Unlust, Beschränkung, Notwendigkeit. Je nachdem ich dem mächtigen Zuge der Welt willig folge oder unwillig widerstehe—je nach dem ich willig-un-willig umfasse oder un-willig-willig entlasse—je nach meinem Ziel im Verlangen— erscheint verschieden, was Eines ist. Was du in dir freien Willen oder fremden Willen außer dir nennst, ist einheitliche Beziehung inzwischen Ich und Ich, von beiden Seiten gleichzeitig als eigene Freiheit, von beiden Seiten gleichzeitig als fremder Zwang empfunden. Kein Gesetz dem Wissenden: Aller Freiheit ist aller Gebundenheit—Aller Wille ist Aller Gesetz. Davon ist gesagt: "Gebunden ist Seele durch Seele." Was sie Gesetz nennen, ist gehemmtes Verlangen.

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Es verlangt dich im Zuge der Welt zur Erscheinung—es verlangt dich zur Erscheinungswelt hinaus. Je nachdem du voreilst oder zurückbleibst, je nach deinem zustimmenden oder abweisenden Verlangen erscheint dir das Werden-ver-Werden der Welt als eigenes Wirken aus dir oder als fremdes Wirken auf dich—je nach seelischer oder sinnlicher Auffassung—verinnerlicht oder entäußert.

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Hinfällig ist aller Streit, der feste Bau ist gegründet. Freiheit, zu Ende gedacht, ist Notwendigkeit; Notwendigkeit, zu Ende gedacht, ist Freiheit. Eines ist, was du zwiefach benennst: Freiheit und Notwendigkeit, willkürliche, in sich nichtige Unterscheidung in dir. Dein Verlangen schafft was du Freiheit, dein Verlangen schafft was du Notwendigkeit nennst. Karma, Wirklichkeit dieser Welt willig in dich aufgenommen scheint 'freie' Wirkung aus dir; Karma unwillig abgewiesen ist notwendig Wirkung wider dich. Freiheit und Notwendigkeit ununterschieden in sich, weder das eine, noch das andere, Eines doppelt benannt, zwei Namen für das Selbe —; unendliches Verlangen—endloser Widerstand—Karma in dir atmend. Verloren ist Freiheit—gewonnen ist Freiheit; du selbst bist Herr und Gesetz, du selbst bist Schöpfer—Vernichter. Atma ist sich selbst Gesetz. Noch einmal: Gib es auf, die Welt zu durchschauen, ehe dir die volle Erkenntnis von Karma auf geleuchtet ist.

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Und ferner, o Teurer! karma, Wirklichkeit dieser Welt wirkt sich in dir aus Tun und Dulden. Ich Dasein ist Tat. Tat erfüllt das Ich, Tat bewegt, belebt, beseelt das Ich. Ich ist nur durch Tat. Ich in allen seinen Gestaltungen ist Tat. Alle Tat ist Ich-Tat; keine Tat ist selbstlos. Keine Tat geschieht um ihrer selbst willen: du tust, um durch Tat zu Tat-Frieden zu gelangen. P. W. Tat ist Frucht des Verlangens, das Verlangen ist endlos. Keine Tat bringt das Heil. Kein Tun stillt das Verlangen; Verlangen ist ewig wach; Befriedigung ist ewig Täuschung. Unerreichbares wähnst du durch Tat zu erreichen. Tat fördert neue Tat. Tat fordert neue Tat. Tat führt endlos zu Tat. Jede erfolgte Tat fesselt dich an den Erfolg der Tat. Tat verschuldet dich irdischen Mächten. Unselig ist alle Tat—eine ewige Kette. Alle Tat, gute wie böse, schafft neues karma. Keine Erlösung durch Tat—tuend wirkst du diese Welt. Darum ist gesagt: "der bös Handelnde, der gut Handelnde bleibt durch sein Tun gebunden." Darum sagt Shamkara, der Lehrer: "die Seele von Bösem und Gutem befleckt." "Seele wird nicht höher durch gutes Werk, Seele wird nicht geringer durch böses Werk."—"Sein Reich leidet durch keine Tat mehr; über Gutes und Böses—über beides ging der Vollendete hinaus." Darum sagt Shri-shagavad-gitâ-upanishad: "alles Tun ist von Schuld umhüllt." Darum spricht die Gottheit Krishna: "ich bin außerhalb dieses Tuns." Darum lehrt des Heilweges Buch: "das Höchste ist ohne Tun." "Wer, solches wissend, von Gutem und Bösem sich rettet, der rettet sich von Sinnen zu Seele; der rettet sich zu Atma, der solches weiß."

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Ich rede zu Suchenden, zu dir, o Schüler! draußen Stehenden ein zu bewahrendes Geheimnis. Ehe du es wagst von Tat zu lassen, erfasse die Lehre wohl. Der Gedanke dieser Welt ist suchendes Verlangen; blind irrende Gedanken des Verlangens walten übermächtig allüberall. Was von Gedanken seelisch sinnlich in dir haftet, lebt, schlägt Wurzel in dir, schafft sich zu deiner Seele. Es denkt und will und handelt in dir. Irresuchenden Gedanken Stätte gewährend, irrst du im Wege zum Hohenziel. Sei tätig so lange dir Tat Befriedigung gewährt; sei tätig, doch sei nicht in der Tat. Wahre die Ruhe deiner Seele—unberührt von Tat und Taterfolg—selbstvergessen. Also tuend wird dir Erkenntnis von Tat—Tat ohne Täter. Von Leid und Tat ungeblendet wirst du sehend.

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In dir, o Teurer, wächst mit jeder neuen Erkenntnis der Gedanke: 'unausführbar in diesem Leben ist die Lehre'. Nun wohl! Wende dich von diesem Leben ab, das dir des Lebens höchstes Gut versagt: 'Seelenfrieden'. Suche höheres Ziel! Du selbst bist Schöpfer und Vernichter. Aus deinem Verlangen schaffen sich die Welten; dein Verlangen schafft diese, dein Verlangen schafft andere Welten.

* * *

Was ist, ist durch Gegensatz: daß die Welle sich hebe, muß ein Wellental sich bilden. Tat ist unablösbar von Leid; kein Tun ohne Dulden. Ich-dasein ist Tat und Duldung. Tat ist am gegen-Stand; Tat ist gegen wider-Stand. Was dem Täter Tat und Lust ist, ist Leid und Duldung dem Widerstehenden. Aller Fraß ist Fressen und Gefressenwerden. Lust und Leid ergänzt sich in Täter und Dulder. Alle Tat ist Frucht des Verlangens: das Verlangen treibt dich; den Trieb erleidend, tust du. Tuend leidest du und leidend tust du. Leid aus sich hinaus verlegt, nennt sich Tat. Wir blinden Menschen erkennen das Leid nicht, wenn wir es Tat nennen. Durch Tat ist Leid, durch Leid Tat. Ich tue das Leid, ich leide die Tat. Ich tue oder dulde Leid. Ich leide, weil du mir Leid antust; ich leide, wenn du mir leid tust. Ich mache mich selbst leiden. Ich empfinde mich außer mir, ich leide in dir. Darum sagt Shánkar-atschárya, Verehrung sei ihm: "Tat—dem Wesen nach Leid". Tat und Widerstand—zwiefach Leid. Leid fordert Lust—Lust fordert Leid. Lust—fremdes Leid, Leid—fremde Lust; Lust ist Wirkung aus dir, Leid—Wirkung auf dich. Der Hammer ist zum Schlag, der Amboß zum Widerstand bestellt. Im Hammer Lust und Leid, im Amboß Leid und Lust. Darum ist Ein Wort für beides: ashma. Was deiner Empfindung-Anschauung gegensätzlich erscheint, Duldung wie Tat, wächst aus derselben Wurzel, unterschieden nur durch unterscheidende Benennung, wie Wille und Unwille, wie Ursache und Wirkung, wie Freiheit und Notwendigkeit, wie Zeit und Raum, wie oben und unten—unterscheidende Namen in dir—Zerfall im Ur-sprung in Ich und Du.

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Eines in sich ist, was du in karma mit gegenteiligen Namen bezeichnest; Eines, was du verlangend Lust, abweisend Leid nennst; dasselbe un-willig-willig getan, willig-un-willig gelitten. Was von Gedankenwellen dir willkommen zuströmt, erbaut dich, baut das Ich in dir; was dir behagt, was du willfährig aufnimmst, was du zustimmend, bejahend, wohlwollend umfaßt; was du einwilligend dir aneignest, was sich dir willig fügt, was dir zu Willen ist, was dein Wille, was du selbst bist, gebärt in dir, deine Seele bewegend—: Zeit, Ursache, Freiheit, Tat und Lust—du tust, dein gegen-Ich-duldet. Was, aus deinem Willen geboren, zu Unwillen in dir wird, was dir als Widerwille Abbruch tut, was dir entgeht, was du unwillig hingibst, unwillig entbehrst, was du widerstrebend empfindest, was dir widersteht, was erwidert, anwidert, was widrig, widerwärtig ist, was wider deinen Willen geschieht, wendet sich gegen dich, gewinnt Macht über dich, unterdrückt dich—aus dem Raum deine Sinne bewegend— als Duldung und Leid, Wirkung fremder Tat, Notwendigkeit—dein nicht-Ich tut, du duldest.

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Du irrst in anfang-endlosem Kreislauf der Erscheinung; du irrst nach Lust, und irrend—irrst du. Dich gelüstet und du wandelst, lustbefangen, deine Empfindung zur Vorstellung, deine Einbildung zur Anschauung, zu-Stand zu gegen-Stand; Wille wird Kraft, Zeit wird Raum, Ursache Wirkung; du schaffst, lustgebunden, Zwang, Gesetz, Duldung, Notwendigkeit; es ist Schrecken und Qual, Nacht und Tod. Dich gelüstet und du ziehst das Abgestoßene, Unlust, Gegenstand, Raum, Kraft, Wirkung, Notwendigkeit Gewordene wieder zustimmend an dich an; nimmst, wider-Stand aufgebend, den Gegensatz wieder wollend in dich auf; wandelst Vorstellung zu Einbildung, wandelst Anschauung zu Empfindung;—durchbrochen ist der Zauber; fremder Gegenstand ist eigener Zustand, was fern schien, ist in dir, was zu fallen schien steigt an, was niederging geht auf und alles Geschehen, was Rückbildung schien wird Entfaltung, was Vernichtung—Entstehen; Kraft wird zu Willen, Raum wird zu Zeit, Wirkung wird Ursache, Duldung —Tat, Notwendigkeit—Freiheit, und was du Leiden und Tod nanntest, ist Leben und Lust. Du wandelst aus eigener Kraft schlaftrunken in eigener Schöpfung; und wandelnd wandelst du dich selbst, wandelnd wandelst du die Welt.

*

Freudvoll sind diese Welten—doch vergänglich sind Freuden dieser Welt; vergänglich wie Blüten, welkend wie Jugend, enttäuschend wie Liebesgenuß. Grauenvoll sind diese Welten, wahnbefangen, not und leiderfüllt; ganz im Banne nimmergestillten Verlangens, ganz im Banne ewig friedloser Tat, allen Schrecken preisgegeben, preisgegeben dem Tode. —Eine Welt, in der aller Sieg auf Niederlage ruht, alle Freude auf Schmerz, alle Lust auf Leid, alles Leben auf Vernichtung: vom Brunstschrei bis zum Todesröcheln—eine Welt aus Gier und Fraß, aus Angst und Flucht, aus Kampf und Qual; ein ewig stürmendes Meer— unabsehbar an Raum, endlos an Zeit—an rastlos quellendem Leben übervoll—nur von Einem Gedanken erfüllt, voll nimmer gestillter Gier, ringsum zu töten! und tötend zu leben! Henker und Opfer zugleich, wir blinden Menschen. In allen Höllen und allen Erden dieser Welt—in allen Himmeln!—eine Welt, die sich selbst frißt—nie auszumessendes Maß von Leid.—Wohl dir—wehe dir, daß du blind bist! Wie vermöchte wohl, o Teurer, eine Welt auf tieferem Grauen zu ruhen? Wie vermöchtest du wohl, o Teurer, eine Welt zu ersinnen, grauenvoller als diese? Welten, die andere Welten verschlingen, selbst von anderen Welten verschlungen werden. Grauenvoll sind diese Welten, doch vergänglich ist alles Grauen. Grauenvoll sind diese Welten;—alles Grauen dieser Welten ruht auf Lust!

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Die, erkenntnislos, sich zu Lehrern aufwerfen, reden von guten, reden von schlechten Welten; Toren klagen über Verschlimmerung dieser Welt, Toren träumen von einer Besserung dieser Welt—einer Welt, die ewig auf Verlangen und Widerstand ruht, ewig auf Tat und Duldung, ewig auf Lust und Leid. Dieser Welt Dasein ist durch ur-Sprung, durch zwie-Spalt; durch ent-Zweiung ist diese Welt, durch gegen-Satz, durch wider-Spruch. Wie vermöchte, o Teuerer, bei Menschen, bei Göttern, in Felsen oder Pflanzen, Tat zu schwinden, da Verlangen lebt? Wie vermöchte in der Welt Leid zu schwinden, solange Lust und Tat lebt? Wie gäbe es ein Wirken ohne Ziel, Verlangen ohne Tat, Tat ohne Widerstand, Widerstand ohne Leid? Wie vermöchtest du, o Teurer, in dieser Welt Sieger zu sein ohne Besiegten? Wie ein Selbst ohne Selbstsucht? Ein Ich ohne Du? Wo in dieser Welt weißt du ein Leben ohne Tod? Die Welt ist durch Kampf, Leben durch Vernichtung, aller Aufbau durch Zerstörung, alles Entstehen durch Vergehen: —in allem Werden liegt ver-Werden. Wie vermöchtest du dieser sich also gestaltenden Welt in die Arme zu fallen? Wie vermöchtest du, o Teurer,—Zeit und Raum durchschauend—solcher Täuschung nachzuhangen? Erblinde für diese Welt! von dieser Welt ungeblendet wirst du sehend.

*

Wir Menschen steigen an zu Göttern und über Götter hinaus und mit uns steigt alle Gestaltung dieser Welt. Was wir heute Tier oder leblos nennen, ist dann Mensch—Mensch, wie wir heute Menschen sind, mit all unserer Lust und Qual. Menschen steigen an zu Göttern und Menschen bleiben im ewigen Kreislauf und Welt bleibt Welt—ewig wie heute— ewig nach Erlösung dürstende Seele. Ein unabsehbar ewiger Strom, von Welten und Wesen, der, das All durchmessend, in seiner eigenen Quelle mündet. Wie Meeresatem: Flut folgt auf Ebbe, Ebbe auf Flut; Meeresbewegung wohl, doch keine Fortbewegung des Meeres. Wohl ist Ziel-Bewegung innerhalb dieser Welt, doch keine Fortbewegung der Welt—wohin auch, wenn nicht über die Welt hinaus? Wohl ist hier oben, doch ist kein oben allein. Wohl ist jetzt Flut, doch Flut ist durch Ebbe; wohl tagt es, doch Nacht war es vor Tag und Nacht folgt dem Tage und Nacht ist es bei Tag. Nicht Tag allein ist Leben und Welt, Nacht nicht die Kehrseite des Tages: ewig ist Tag und Nacht zu gleich. Aus Einhauch und Aushauch ist Atem, aus Flut und Ebbe Meeresbewegung, aus Tag und Nacht, aus Lust und Leid die atmende Welt. Der Nacht Schlaf ist Erwachen des Tages, Vergehen des Tages ist Entfaltung der Nacht: Was Entwicklung scheint ist ewiger Kreislauf Einheit in sich, in dir unterscheidende Namen.

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Verlangen in dir äußert sich, Wille aus dir gewinnt außer dir Gestalt, Tat aus-geführt, im gegen-Stand, selbständig geworden, stellt sich als eigene Kraft wider dich. Bewußter Wille wandelt sich—aus deinem Bewußtsein entlassen—zu auf dich wirkender Kraft. Aus dir geboren, dein eignes Kind legt Hand an dich. Du wirst von dem ergriffen, was du ergreifst; du bist dem zu eigen, was du dein eigen nennst, und was du schlägst, schlägt dich. Dein Werk, aus dir gewirkt, ist Wirklichkeit und wirkt auf dich zurück. Vorstellend wirkst du und wirkend stellst du vor. Vorstellung ist Wirkung aus dir; gegen-ständlich Vorgestelltes ist Gegenstand; Gegenstand widersteht; Widerstand ist Wirkung auf dich. Wirkend wirkst du auf dich selbst. Freier Wille, als Unwillen aus dir entlassen, nötigt dich, sich gegen dich wendend, als Not-wend-igkeit—karma. —Alle Tat, alles Wirken, alle Wirklichkeit ist wider dich selbst. Darum ist gesagt: "gebunden ist Seele durch sich selbst." Du tust und leidest deine Tat; alle Tat aus dir trifft dich selbst. Was du dem Andern zu tun vermeinst—Gutes wie Böses—tust du dir selbst. Deine Tat ist dein Urteil, deine Tat ist dein Schicksal. Alles Geschehen dieser Welt—der Gottheit ewig ausgleichende Gerechtigkeit—karma. Darum ist gesagt: "Vergeltung der Tat am Täter." Darum ist gesagt: "das Trinken der Vergeltung." Darum wird gesagt: seine Lust büßen.

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Im verlangenden Ich wirkt sich das Werden dieser Welt. Alle Wirklichkeit ist atmendes Verlangen in dir; in dir ist alles Geschehen und alles Geschehens Wertung. Die ganze Welt ist Inhalt deiner Seele, Ausdruck deines Verlangens, Abbild deiner selbst, sinnliche Ent-Gegnung seelischer Bewegung in dir. Deine Vorstellung, dein Verhalten, deine Auffassung, Gesinnung, Neigung—deine über-Zeugung—schafft unterscheidende Namen und unterschiedene Dinge. Eins an sich ist, was du Ursache oder Wirkung, Freiheit oder Notwendigkeit, Tat oder Duldung, Leben oder Tod nennst. Du selbst bist Ur-sache; aus deinem Verlangen schaffen sich die Welten. Dein Verlangen schafft Alles, dein Verlangen wandelt Alles. Endloses Verlangen in dir erscheint als endloses Werden. Aus deinem Verlangen wird die Welt—erscheint und ist.

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Alles Wirken und Geschehen—in dir, o Teurer, alle Bewegung und aller Stillstand, alle Unterscheidung und aller Wandel—in dir, o Teurer—Werden ver-Werden—in dir. Im Weichbild deiner Welt spaltet Alles, spielt Alles gegen einander, hält Alles sich die Wage; alle Tat findet Vergeltung, alles Geschehen gleicht sich aus, aller Gegensatz hebt sich auf, alles Außereinander kehrt in sich zurück, wie Wellen sich ebnen. Dieser Welt Gleichgewicht im ewigen Kreislauf durch ur-Teil und gegen-Teil; Vergeltung durch Ausgleich, Frieden durch Gleichmut—in dir, o Teurer, als ewige Gerechtigkeit, als Tugend und Glück, als Erkenntnis und Weisheit wach. Aller Gegensatz und aller Ausgleich ist in dir, o Teurer. Wie auch Verlangen und Tat, wie auch Liebe und Haß, Lust und Grauen, Leben und Tod dieser Welt gegen einander stürme—der Welt Wesen ist unbewegt. Wie auch Tag und Dunkel dieser Welt wechsle—dem Wissenden leuchtet ewiges Licht.—

*

Du erkennst: Was du in karma mit widersprechenden Namen belegst, ist willkürliche, in Gegenteile auseinander spaltende, an sich nichtige Unterscheidung in dir— Was von solchen Unterscheidungen—in dir als Urteil—außer dir als Eigenschaft der Dinge erscheint, ist nur Kennzeichnung deines wechselnden Verlangens, deines wechselnden zu Standes zum selbstgeschaffenen gegen-Stand. Eines ist, was du—urteilend—willkürlich scheidest; Eines, was du durch Willensgegensatz in dir zu Gegensätzen außer dir prägst: Willensgestaltung; dein Willen und was wider deinen Willen, wieder dein Wille ist. Urteil und Eigenschaft der Dinge und des Geschehens ist deine Empfindung und Widerspiegelung deines innen-Befindens; ist deine Einbildung und nach außen Verlegung—Auslegung deiner Einbildung, das ist Vorstellung; unbewußt bewußte Einbildung, bewußt unbewußte Vorstellung. Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der Dinge Eigenschaften; eigen Gewirktes—Wirklichkeit dieser Welt. Ich aus s-Ich wirkend, wirkt die Wirklichkeit dieser Welt—Ich ist karma. Du selbst bist Ur-sache: bist Anziehung und Abstoßung, Liebe und Haß; Lust und Leid ist Abbild deiner selbst, dein Werden ver-Werden. Einheit an sich—in dir unterscheidende Namen. In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, Unterscheidung deine eigene Schöpfung. Nur in deiner Empfindung ist Wandel, nur in dir ist Leben und Atem, nur wo du bist, ist Welt: Spiel deiner Seele, lebendige Schöpfung aus eigner freier selbstherrlicher Kraft. Du erkennst dich Atma in allen Namen, du erkennst dich Atma in allen Wesen dieser Welt: das Alles bist du, endlos an Gestaltung und Zahl. Darum ist gesagt: "Himmel und Erde in deinem Herzen."

*

Durch ur-Sprung—ur-Teil, sich ab-scheidend unter-scheidet: Ich —Welt; weiß sich Bestand—Akâsha; fühlt Verlangen—Kama; erfährt Wirklichkeit—Karma; unterscheidet in Akasha atmend: Zeit und Raum; unterscheidet in Kama atmend: Wille und Kraft; unterscheidet in Karma atmend: Tat und Duldung—: all-so ur-Teil—gegen-Teil atmend wirkt s-Ich in dir die Wirklichkeit dieser Welt. Alle unter-Scheidung durch ab-Scheidung im ur-Sprung;—alle ver-Schiedenheit, alle Umwandlung, alle Vielheit bloße Worte, nur Namen—Eines ist es in Wahrheit. Sehend geworden erkennst du: Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen: — âtmâ —

*

So, o Teurer, mögen wir Menschen, die Erscheinung durchschauend, uns Karma vorstellen. Vorstellung, nicht letzte Erkenntnis. Weg zur großen Lehre, draußen Stehenden ein zu bewahrendes Geheimnis— verhüllte Wahrheit—upanishad.

* * *

So lautet in âranâda-upanishad der vierte adhâyâ: Karma,
Wirklichkeit; nunmehr: Manas, Verstand und Urteil.

V. DER URTEILENDE VERSTAND — manas —

Zu dem was ich dir nunmehr zu sagen gedenke, o Teurer, behalte vor Augen: Geringes Verständnis spricht durch uns Menschen: Von Trugbildern unserer Sinne geblendet, taumeln wir, einer geängstigten Herde gleich, dahin und dorthin, von Torheit zu Torheit, wie Blinde von Blinden, wie Irre von Irren geführt.— Sagt dir Jemand: zu verwerfen sei diese Lehre, sie hebe den Unterschied zwischen Recht und Unrecht auf, sie preise nicht das Gute und verabscheue nicht das Böse—so antworte ihm: diese Lehre lehrt, über Recht und Unrecht hinaus, der Menschheit höchstes Ziel— Selbstlosigkeit. Und gewiß: festgefügt ist der Grundbau dieser Lehre, unerschütterlich, auf dem Grunde, der unsere Welt trägt. Ist das Eine so ist das Andere—untrennbar; untrennbar ist Erlösung von dieser Lehre vollem Erleben.

*

Durch ur-Sprung: ur-Teil-Ich-er-Scheinung; aus ur-Teil-Ich:
ver-Langen: —Tat; aus Tat-widerstand: —Verständnis.
— MANAS —

*

Manas—Denktätigkeit dieser Welt, Namen des Bewußtseins:
Unterscheidung, Überlegung, Erwägung, Einsicht, Verstand und Urteil.
Also ist die Unterweisung:
Ich komme auf Gesagtes zurück, o Teurer: widersprechend ist der
Wille in den Beiden, die von getrenntem Standort aus—verständnislos
—einander bekämpfen; widersprechend auch das Urteil.
Ich, siegend, will die Tat, und sein Urteil ist seinem Willen
gemäß: "du bist meine Nahrung, ich töte dich, es ist mein Recht".
Ich, unterliegend, enwill die Tat, und sein Urteil ist seinem
Willen gemäß: "du darfst mich nicht töten, es ist Unrecht und böse."

*

Du erwägst zunächst das Urteil im Raum erscheinend:
Der Gedanke in beiden ist Einer: Ich-Bestand, Ich-Verlangen,
Ich-Tat; Bestand, Verlangen, Tat steht in Ich und Ich sich selbst
gegenüber.
Im Einen wie im Andern derselbe Wille, dieselbe Tat—
widersprechendes Urteil. Jeder der Beiden will die Tat tun, Keiner der
Beiden will die Tat dulden. Wer angreift und siegt, lobt Wollen und
Tun; wer abwehrt und erliegt, schilt Wollen und Tun. Hier Lob, dort
Tadel; Recht dem Einen ist Schuld dem Andern.
Urteil widerspricht sich im Raum.—

*

Ferner: Urteil in der Zeit erscheinend: Je nachdem Ich Angriff-Abwehr aufnimmt auf gibt, gestaltet sich das Urteil im Ich. Ich, das angreifend die Tat tun will, Ich, das angegriffen die Tat nicht dulden will—wechselt seinen Stand zur Tat: will, was es dem Andern antun wollte, nicht mehr tun; will selbst erdulden, was der Andere von ihm erdulden sollte—will dulden, nicht tun. Mit gewechseltem Standort wechselt der Wille, mit gewechseltem Wollen wechselt das Urteil. Ich schilt, was es lobte, Ich lobt, was es schalt. Urteil wechselt in der Zeit.—

*

Und ferner: Urteil in sich: Je nach dem vierfachen Standort des Ich im Verlangen, je nach zwiefachem Stand des Ich in sich, je nach zwiefachem Stand des Ich außer sich, ist die Beziehung des Ich zum gegenständlich aufgefaßten Gedanken, ist Willen und Urteil des Ich. Ein und das selbe Ding, das selbe Tun, der selbe Vorgang, Ein Geschehen, Ein Gedanke erscheint im Ich als verschieden, als in gegen-Teile zerfallen, als Zweierlei, je nach dem Willensstandort des Ich zum Gedanken—je nachdem der Gedanke dem Ich als Gegensatz zu sich, oder als Gegensatz in sich, als fremder Gegenstand oder als eigener Zustand erscheint. Der einheitliche Gedanke: 'Fraß' wird zweierlei: 'Fraß an dir—Fraß an mir, fressen und gefressen werden'.

*

Das selbe Eine unveränderte Ich urteilt über den selben Einen unveränderten Gedanken vom selben Standort zur selben Zeit— zwiefach; zwiefach auf jedem Standort, zwiefach zu jeder Zeit; gut und zugleich böse, schön und zugleich häßlich, recht und zugleich schuld, je nachdem Ich den Gedanken aufnehmen oder abweisen will, je nachdem das Urteil dem eigenen oder dem gegenständlichen Ich gelten soll, je nachdem das Urteil mein Ich—m-Ich, oder dein Ich—d-Ich betrifft. Angreifend hält Ich Angriff für Recht, doch selbst angegriffen für Schuld. Fressend hält Ich das Tun für löblich und gut, doch selbst gefressen für unrecht und böse—, dich fressen ist recht, mich fressen ist schuld'. Lob und Tadel, gut und böse, schön und häßlich, Fraß und nicht Fraß in Einem Atem, Verlangen, urteilend, steht sich selbst gegenüber. Alles Urteil trägt sein Gegenurteil in sich. Wie kein Teil ohne Gegenteil, so kein Urteil ohne Gegenurteil. Urteil ist nicht nur zwiespältig vom zwiefachen Standort des Ich im Raum, nicht nur zwiespältig vom zwiefachen Standort des Ich in der Zeit, Urteil ist zwiespältig in sich.

*

Alles Urteil ruht in der Selbstherrlichkeit Ich; alles Urteil im Ich ist will-kür-lich wechselnd. Urteil widerspricht sich im Raum; Urteil wechselt in der Zeit. Alle Entscheidung im Urteil ruht auf Entscheidung im Willen. Willen liegt unmittelbar in jedem Urteil. Urteil und Willen deckt sich. Urteil ist Ausdruck des Willens. Immer ist Willen Lust; immer ist Unwille Leid. Willen hat immer Recht: 'ich habe Lust—ich will; ich leide es nicht—will nicht. Was ich will ist gut; ich will es, darum ist es gut; böse ist was ich nicht will, was nicht ich will, was mich will.' 'ich habe recht' heißt: 'ich will'; 'du hast Unrecht' heißt: 'ich will nicht'; 'du sollst' ist dasselbe wie 'ich will'; 'du darfst nicht' ist dasselbe wie 'ich will nicht'.—Alles Gebot, alles Verbot —müßige Fragen dem Wissenden. Was ich an mich ziehe, nenne ich anziehend; was wider mich ist, ist widerlich; was mir schadet, ist schädlich; was meinen Zwecken dient, ist zweckmäßig; was nicht mir nutzt—nichtsnutzig; was zu schonen ist, ist schön; was ich liebe, ist lieblich; was ich hasse— häßlich. Lust hier ist Leid dort; Lust jetzt ist Leid dann; in Lust ist Leid, in Leid ist Lust; Lust ist Leid, Leid ist Lust. Keine guten und keine bösen Dinge auf der Welt; keine guten, keine bösen Geschöpfe; keine guten, keine bösen Menschen. Böse ist, was zu mir böse ist; gut ist, was zu mir gut ist. Du willst Wirkung aus dir; ungewollte Wirkung auf dich nennst du böse. Gutes wie Böses ist nur in deinem Urteil—sonst nirgends. Du lobst und tadelst dich selbst, je nachdem du am gegen-Stand an-Teil nimmst, je nachdem du dich selbst im gegen-Stand bewußt oder unbewußt empfindest. Du erkennst: es gibt kein Urteil ansich. Urteil ist nur Rechtfertigung, nur Entschuldigung, nur Beschönigung deines Verlangens. Was als Urteil im Ich erscheint ist Willensausdruck. Wille ist Ich. Ich will, Ich urteilt. Es gibt kein Urteil —Ich ist Urteil.— Dies wunderbar Einfache erfaßt die Menschheit nicht.

*

Wie dein Stand im Raum bestimmt, was mit rechts oder mit links, was mit oben oder mit unten zu bezeichnen sei; wie dein Stand in der Zeit bestimmt, was du als Vergangenheit und was du als Zukunft unterscheidest, so bestimmt deine Beziehung zum Gedanken, dein zu-Stand zum gegen-Stand—das Wollen in dir—du selbst—was du gut oder böse, schön oder häßlich, Recht oder Schuld nennst, und wie jenen Bedeutungen, so kommt auch diesen keine Wahrheit zu.—Wie deine gegen-Wart in Raum und Zeit ein willkürlicher Scheidepunkt ist, der dir das Recht zu geben scheint, Verschiedenheit zu schaffen, ein rechts und ein links, ein oben und ein unten, ein vorher und nachher zu unterscheiden, so schafft deine gegen-Wart zum gegen-Stand, deine Beziehung zum gegenständlich aufgefaßten Gedanken, dein Stand im Verlangen, der Wille in dir—du selbst—Unterscheidung im Ungeschiedenen, macht dich als Gegensatz unterscheiden, was Eines ist: dein Verlangen—du selbst. In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, in dir ist Unterscheidung und aller Wandel der Unterscheidung. Wie aus rechts links wird, wie aus oben unten wird, wie aus hier dort wird, wie aus Zeit Raum wird, aus Willen Kraft, aus Freiheit Notwendigkeit, aus Tat Duldung, aus Lust Leid, aus Liebe Haß—so wird aus gut böse, aus böse gut, sobald du—atmend—dich in Gedanken wendest. Du neigst dich dem einen zu und neigst dich dem anderen ab. Dein Standort bedingt deinen zu-Stand; dein Zustand bedingt Willen und Urteil; Wille und Urteil bist du selbst. Du urteilst gerecht nach bestem Wissen und Gewissen. Wie du auch urteilst, du urteilst von dir aus; von deinem Standort aus beurteilst du deinen gegen-Stand; je nach deinem Ver-ständnis, je nach deinem Ab-stand oder deinem An-stand bildet sich dein Urteil. Wie du auch urteilst, es bleibt dein Urteil. Du erwartest, hoffst, nimmst Anteil; deine Zuneigung entscheidet oder deine Abneigung, Nähe oder Ferne deines Standortes. Wechselt dein Standort, so wechselt deine 'An-sicht'; wechselt deine Ansicht, so wechselt dein Urteil. Du schaust und urteilst vom Standort des Täters oder schaust und urteilst vom Standort des Dulders; du versetzt dich in die Lage des Henkers oder in die Lage des Opfers; du nimmst, je nachdem du dich selbst fressend oder gefressen fühlst, bewußt oder unbewußt Partei.

*

Dein Urteil ist deine Anteil-nahme, deine Be-teil-igung am Gegen-stand. Was dem Beurteilten von dir zuteil wird, bist du selbst. Dein Urteil ist dein Eingehen in den Gegen-stand, dein 'inter-esse', dein Einssein mit dem Gegenstand. Du bist Richter in eigener Sache und urteilend triffst du dich selbst. Wie du auch urteilst, dein Urteil bleibt einseitig; doppelseitiges Urteil wäre Widerspruch in sich; vollständiges Ur-teil wäre vollständiges Teil. Gerechtes Urteil urteilt nicht. Bedeutungslos ob Jemand deinem Urteil widerspricht, denn er urteilt von eigenem Standort; bedeutungslos ob Jemand deinem Urteil zustimmt; bedeutungslos wenn die Besten deines Volkes und aller Völker deines Urteils sind. Alle die, welche deinem Urteil beistimmen, stehen bei dir, sind dir Beistand, vertreten deinen Standpunkt, sind mit dir ein-ver-standen, deine Standesgenossen, deine Partner—nichts mehr. Alles Urteil ist Partei. Alle Urteils-Wertung liegt in dir; was du am gegen-Stand beurteilst, bist du selbst—am Wesen des Beurteilten haftet kein Hauch deines Urteils, in keiner Form, in keinem Sinne, weder offen noch verborgen, weder hier noch sonstwo, weder heute noch je—Urteil ist Ausdruck deines Verlangens.

*

Alle Wahrnehmung schafft sich in dir: gleichviel ob du solche als unbestreitbare Beschaffenheit des Gegenstandes erachtest, oder als eigengeschaffenes Willens Urteil durchschaust. Eigenschaft außer dir und Urteil in dir ist Eines; je nach sinnlicher oder seelischer Auffassung erscheint dir das Geschaute fremd oder eigen, sachlich in sich oder willkürlich aus dir. Was dir Eigenschaft der Dinge scheint, ist Auslegung deiner Empfindung, ist dein eigener Zustand in den Gegen-stand verlegt; ist schaffendes Verlangen aus dir in deinen Gegenstand übertragen. Seelisches Verlangen in dir gewinnt sinnliches Leben außer dir; Verlangen ausgelegt, im Raum selb-ständig geworden, wird leibhaftig, tritt dir als Ding verkörpert gegenüber. Deiner eigenen Seele Schöpfung, in räumliche Wirklichkeit hinausverlegt, ist außer dem Bereich deiner Seele dir entfremdet, darum von dir nicht mehr als Eigenschaffung erkannt, darum als Ding und Eigenschaft des Dinges sinnlich geschaut. Je unmittelbarer die schaffende Vorstellung aus dir quillt, je unbewußter du selbst deine Vorstellung bist, desto fremder und ferner, desto unbedingter erscheint dir das zur Vorstellung Gewordene, erscheint sachlich an sich. Erscheint dir aber Ding und Eigenschaft sachlich und unbedingt an sich, so erscheint auch alle Wahrnehmung am Dinge: Vielheit, Maß und Lage, Bewegung, Verhalten und Verhältnis der Dinge untereinander unbedingt, so erscheint die ganze dingliche Außenwelt, alle Wirklichkeit unabhängig von dir, unabhängig von deiner Wahrnehmung und Empfindung. Was unbedingt scheint, bedingst du selbst; die Be-ding-ung ist in dir, daher die scheinbare Unbedingtheit. Dein Anteil an den Dingen schafft Ding und Eigenschaft der Dinge; der Dinge Anteil an dir ist dein Urteil und bist du selbst. Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der Dinge Eigenschaften—eigen Gewirktes Wirklichkeit dieser Welt.

*

Urteilendes Urteil ist nur wo eine Beur-teilung von Ding und Eigenschaft, wo eine Teilung im Urteil möglich ist. Ist eine Wahlentscheidung zwischen Möglichkeiten—eine Will-kür im Urteil nicht denkbar, das heißt: sind Zwei-fel, das heißt zwei Fälle im Urteil ausgeschlossen, so ist kein 'Urteil', so ist bloße Benennung oder erweiterte Einsicht—Ent-deckung—nicht Urteil—wie: Die drei Seiten eines Dreiecks, einer drei-geteilten Geraden entnommen, ergeben zusammengetan wieder die Gerade; die drei Winkel eines Dreiecks, dem drei geteilten Winkel einer Geraden entnommen, ergeben zusammengetan wieder den Winkel einer Geraden—nicht Urteil, sondern bloßes Ergebnis einer Drei Teilung und Wiederzusammenfügung der Drei Teilung; selbstverständlich—daher unwiderleglich, nichtssagend—daher widerspruchslos, gleichgültig—daher allgemeingültig, daher unbedingt, sachlich an sich erscheinend;— bloße Wiederholung des Selben, wie: 'zwei mal zwei gleich vier', das heißt: 'vier ist das Gleiche wie zwei mal zwei', bloße Umstellung oder Umbenennung, dieselbe Aussage mit andern Worten—fälschlich 'Urteil' genannt. Willenloses Urteil, 'Urteil in sich' ist undenkbar, schüfe ewig Unlösliches, schüfe sich selbst Aufhebendes—wäre sinnliche Gottheit —undenkbar.

*

Dein Urteil wertet den Gegenstand. Was von Geschehen oder Dingen dir gleichgültig oder wertvoll erscheint, was zweckmäßig oder ziellos, unwiderleglich oder fraglich, vergänglich oder ewig, Zufall oder sogenanntes Gesetz—alle Wahrnehmung und Eigenschaft, unmittelbare Gewißheit oder bloße Benennung—alles außer dir Erscheinende ist aus dir hinausverlegte Vorstellung—sinnlich gewordene Ent-gegnung seelischer Bewegung in dir, Ausdruck deiner Anteilnahme, deiner Wertung, Abschätzung, Maß deines Verlangens—Widerschein deiner selbst. Die ganze Welt außer dir ruht auf Verlangen in dir— einheitliches Verlangen vom ur-teilenden Ich als eigener Zustand oder als fremder Gegen-stand auf gefaßt. Verlangendes Urteil—urteilendes Verlangen in dir ist weltzeugende Kraft—aus dir gezeugte Überzeugung—du selbst. In dir ist Ur-sprung—du selbst bist die in Raum und Zeit erscheinende, die wirkliche Welt; wie gäbe es in der eigenen Erscheinungswelt eine Erscheinung unabhängig von dir? Wie wolltest du die selbstgeschaffene Welt anders als in dir selbst erfassen? Du bist Herr und Maß, Gesetz und Schöpfer aller Dinge und deiner selbst. Was unergründbar bleibt ist unergründbarer Ursprung—Unauflöslichkeit ewiger Wahrheit bist du selbst.

*

Ein Heer von Zweifeln stürmt auf dich ein—hoffe auf Erleuchtung —sei der Erleuchtung gewiß.

*

Noch einmal:
Alles Urteil ist nur in dir.
Alles Urteil trägt sein gegen-Urteil unmittelbar und unablöslich
in sich.
Alles Urteil hebt sich mit gewechseltem Willen zu nichts auf.
Urteil hat in sich, Urteil hat in dir keine Geltung, ist
gleichgültig, gleich ungültig, bedeutungslos, sinnlos, leer, nichtig
in dir, nichtig in sich.
Du erkennst:
Was du urteilend mit widersprechenden Namen belegst, ist
willkürliche, in 'Gegen'teile auseinanderspaltende, an sich nichtige
Unterscheidung in dir.
Was von solcher Unterscheidung—in dir als Urteil—außer dir
als Eigenschaft der Dinge erscheint, ist Kennzeichnung deiner
Gegen-wart im Verlangen, Kennzeichnung deiner Beziehung zum
gegen-Stand,—dein Standort, dein zu-Stand, dein ver-Stand.
Urteil und Eigenschaft ist deine Empfindung und nach-außen-
Verlegung—Auslegung deines innen-Befindens; deine Einbildung und
Widerspiegelung deiner Einbildung, das ist Vorstellung;
unbewußt-be-wußte Einbildung, bewußt-unbewußte Vorstellung—je nach
deinem Wachsen oder Welken im Atem dieser Welt; Atem des Verlangens:
Lust oder Unlust, Liebe oder Haß; je nach deiner Stimmung ist deine
Bestimmung des gegen-Standes; je nachdem dir zu Mute ist, deine
Zumutung an den Gegenstand; je nach deinem Verhalten dein Dafürhalten;
je nach deinem Befinden ist deine Empfindung; je nach deiner
Einstellung—deine Vorstellung.—Deine Auffassung, Beziehung,
Gesinnung, Neigung, dein Werden-ver-werden schafft Urteil, Namen und
Dinge.
Eines ist, was du urteilend willkürlich scheidest; Eines, was du
durch Willensgegensatz in dir zu Gegensätzen außer dir prägst—
Willensgestaltung, dein Wille und was wider deinen Willen wieder dein
Wille ist: Aus dir gewirkt, auf dich wirkend—Wirkung und
Wirklichkeit dieser Welt—deine eigene Schöpfung—du selbst.
Solches hast du klar erkannt.

*

Es gibt kein Urteil an sich.—Aufgegangen in dir ist diese Erkenntnis; von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr abzuweichen. Bedeutungslos, wenn die verworren denkende Menge solcher Erkenntnis fern bleibt; bedeutungslos, wenn einsichtige und wohlwollende Männer vor solcher Erkenntnis zurückschrecken, wenn solche, die sich für Wissende halten, bisher nicht gleich dir erkannten; bedeutungslos, wenn solche Erkenntnis in keinem der zahllosen Geschöpfe dieser atmenden Welt aufgeleuchtet wäre—von Menschen keinem, von Göttern keinem—wenn du allein stündest mit solcher Erkenntnis—bedeutunglos; unerschüttert bleibt: es gibt kein Urteil. Urteil ist Wille, Wille ist Ich, Ich ist Urteil. Wie im ersten Samenerguß die ganze Menschheit ruht, so ruht alles Urteil im ur-Teil-Ich. Ich-Ur-Teil ist Ich-Urteil. Darum lehrt De-schin-scheg-pa, der Feindbesieger und heilig vollendete Buddha, daß alles Auffassen in der Ichheit ein Nicht-auffassen sei.

*

Ausgelöscht sind die in Rede stehenden Begriffe, ausgelöscht alle dazwischen liegenden, alle verwandten Bezeichnungen, Beilegungen, Eigenschaften—ausgelöscht alles Urteil, alles An-sich sein dieser Welt. Alle Unterscheidung durch Urteil—Recht und Schuld, gut und böse, Lob und Tadel, schön und häßlich—Gebot, Verbot—bloße Namen, nur Worte die sogenannten ewigen Gesetze—müßige Fragen dem Wissenden. Ausgelöscht—vernichtet, worauf die Welt gebaut schien—Spiel deiner Seele, ein bloßes Bild, ein Traum—nicht ist Urteil, nicht sind diese Begriffe in Wahrheit. Solches hast du klar erkannt; von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr abzuweichen… es sei denn, daß du—über dieses hinaus—zu tieferer Einsicht zu gelangen vermöchtest.

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In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, in deinem Herzen ist Unterscheidung und Wandel der Unterscheidung, in deinem Herzen die Schöpfung dieser Welt. Du selbst schaffst Zeit und Raum, du selbst bist Willen und Kraft, in dir ist Tat und Duldung, Ursache und Folge, Freiheit und Notwendigkeit; durch dich ist Verstand und Urteil, Recht und Schuld, gut und böse, schön und häßlich, durch dich ist diese Welt. Du bist Verlangen und Tat, Gesetz und Richter, Herr und Knecht, Schöpfer und Vernichter deiner Welt, deiner Welt Leben und Atmen— Atma— Ausgelöscht, vernichtet, was unantastbar, was ewig schien—und nur Eines besteht: Ich! Ich und die Welt, die das Ich sich schafft— die Welt mit allem Heil und Unheil, mit aller Herrlichkeit und aller Qual, aller Hoffnung und Enttäuschung, aller Hoheit und aller Nichtigkeit—die Welt des Guten und Bösen. Keine Welt ohne Ich und Verlangen, keine Welt ohne Tat und Tat Widerstand, keine Welt ohne Lust und Leid, keine Welt ohne gut und böse. Untrennbar ist Böses von Gutem, untrennbar Gutes und Böses von Ich und Welt. Ursprung des Bösen ist Ursprung des Ich. Das Böse zu treffen, triff dich selbst. Darum sagt Omar, der Zeltweber: "Ich selbst bin Himmel und Hölle". Dies ist Lösung der Frage, um die du mich angingst—Ursprung des Bösen—Quell alles Guten—restlose Lösung!

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Es gibt nur Ein Böses in der Welt: die Ich-bin-heit— Selbstsucht, und alles was du Sünde, Knechtschaft, Leiden nennst, fließt aus ihr—Samsara. Es gibt nur Ein Gut in der Welt: Selbstlosigkeit—und Erlösung fließt aus ihr—Nirvana. Erlösung vom Bösen ist Erlösung vom Ich. Selbstsucht zu Ende gedacht ist Selbstlosigkeit. Sei selbstlos aus Selbstsucht. Gib alles auf um alles zu gewinnen; du bereicherst dich gebend, nehmend beraubst du dich. Es ist kein anderer Weg zum Gehen—der heilige Weg aus Schein zu Wahrheit, aus Nacht zu Licht, aus Tod zu Unsterblichkeit.

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Noch einmal durchdenke ich mit dir das Geschehen dieser Welt, die zwiefache in gegen-Teile zerfallende Beziehung des Ich zum eigenen gegen-ständlich auf gefaßten Gedanken—: ab-Stand der gegen-Teile von einander und ver-Stand der gegen-Teile zu einander; den Weg aus Standhaftigkeit zu ver-Ständnis, den Weg aus Blindheit zu Erkenntnis, den Weg aus dem Ich zum nicht-Ich. Zwischen Ich im eigen-Stand und Ich im gegen-Stand liegt die trennende Vorstellung—: nicht-Ich. Ich, vom Trugbild der Sinne geblendet, ver-kennt sich im gegenüberstehenden Ich—wie der Hund sich selbst im Spiegel anknurrt. Zwischen Ich und Ich klafft Spaltung, Zwietracht, Zwist, Kampf.

Ich hier: "ja, ich will dich!"

Ich dort: "nein, ich will dich!"

Verlangen lebt, wächst, übersteigt sich—fällt. Henker und Opfer kommen sich entgegen. Ich hier, wie Ich dort, wechselt in seinem Zustand, läßt von seiner Stand-haftigkeit, gibt wider-Stand auf, nimmt ab-Stand vom eigen-Stand, nähert sich seinem gegen-Stand, ver-stellt sich auf den Stand des Gegners, ver-ständigt sich mit ihm, ver-steht ihn—Ich hat Selb-ständ-igkeit aufgegeben, Ich hat ver-Stand gewonnen. Ich hier wie ich dort ändert mit geändertem Stand Ansicht und Willen; Ich ändert sich, Ich wird ein anderes. Ich wandelt in Zeit und Raum; Ich-Standort-Wandel wandelt das Ich. Fremder gegen-Stand wird durch ver-Stand zu eigenem zu-Stand. Ich hier wie Ich dort ist aus Raum in Zeit getreten, Eins mit seinem Gegner: kein Gegner mehr, keine Gegnerschaft, kein Widerwille, kein Widerstand, keine Tat. Ich hat sich durch ver-Ständnis im wider-Ich wieder erkannt—Ich hat Erkenntnis gewonnen, Ich hat im du sich selbst wieder gefunden. Raum entzweit, Zeit eint. Was im Raum geschieden ist, fällt in der Zeit zusammen. Was sinnliche Anschauung trennt, eint seelische Erkenntnis. Ich und Ich, von blinder Anschauung aus-ein-ander gehalten, fallen, sehend geworden in-ein-ander.

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Und noch einmal: Sittlichkeit ist Durchschauen der Erscheinung. Ich ur-Teil, in sich gespalten, von sinnlicher Vorstellung "nicht-Ich" geblendet, in zwei Ich gegen-ein-ander entzweit:

Ich hier: "Ich will Tat-Angriff gegen dich."

Ich dort: "Ich will Tat-Abwehr gegen dich".

Ich, durch seelisches ver-Ständnis sehend geworden, erkennt im
nicht-Ich sich selbst,—das trennende 'hier und dort' ist
fortgefallen—ver-ein-igt, ein-mütig, Ein Ich, ein-ig, eines
Willens:
"Keine Tat gegen mich selbst."
Sich selbst im Anderen erkennend vermagst du nicht böse zu wollen.

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Wie ein Ich auf zwei Standorten im Raum in zwei Ich gegen einander entzweit ist, so sind zwei Ich in der Zeit auf Einem Standort zu einander vereint: Eines. Aller Zwiespalt durch Ich-da-Sein, durch Ich-bin-heit, asmita,— durch Selbstsucht; alle Eintracht durch ver-Ständnis, durch Erkenntnis —durch Selbstlosigkeit—das Geheimnis alles Geschehens, alles Werdens und Vergehens alles Lebens, alles Streites, alles Friedens, aller Sittlichkeit auf Erden—der Weg aus dem Ich zum nicht-Ich, der Weg zu Erlösung, der heilige Weg.

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Durch Ur-sprung in Ich und Ich: ist Ent-zwei-ung, Verlangen hier und Widerstand dort, Ein-tracht durch Erkenntnis. Geschlossen hat sich der Zwiespalt, ausgefüllt die Kluft, verraucht das Verlangen; der Streit ist begraben, aufgegeben Tat, Frieden gewonnen; erreicht aller Sittlichkeit höchst gepriesenes Gut, erstanden das Wunder: Selbstlosigkeit—Nirvana in Samsara.

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Durch ur-Sprung ur-Teil, sich abscheidend, unter-scheidet: Ich und Welt; unterscheidet da seiend: Zeit und Raum; unterscheidet verlangend: Wille und Kraft; unterscheidet wirkend: Tat und Duldung, Freiheit und Notwendigkeit, Lust und Leid; unterscheidet urteilend: gut und böse, Recht und Schuld, schön und häßlich; also in allen Dingen dieser Welt ur-Teil-gegen-Teil atmend wirkt s-Ich die Wirklichkeit, wirkt s-Ich das Verständnis dieser Welt. Alle unter-Scheidung durch ab-Scheidung im ur-Sprung; durch ur-Teil-ent-Scheidung alle ver-Schied-enheit; alles er-Schein-ende durch ur-Teils Urteil. Auf bloßen Worten beruhend die Vielheit, nur Namen—Eines ist es in Wahrheit. Sehend geworden erkennst du: Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen. — atma —

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Geringes Verständnis lebt in uns Menschen. Vom Trugbild dieser Welt geblendet, irren wir, einer dürstenden Herde gleich, dahin und dorthin, blind gegen den Quell alles Lebens. Wo ist Erlösung?—Da, wo Erkenntnis ist. Sagt dir jemand: zu verwerfen sei diese Lehre, sie hebe den Unterschied zwischen Recht und Unrecht auf, sie preise nicht das Gute und verabscheue nicht das Böse, so antworte ihm: Diese Lehre lehrt über sinnliche Erscheinung hinaus—Seelen- Einheit—über menschliches Urteil hinaus—der Menschheit höchstes Ziel: Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit löst aus den Fesseln des Ich, aus den Fesseln nimmer gestillten Verlangens, aus nimmer gestillter Hoffnung, aus dem Kerker dieser Welt zur urewigen Heimat. Und gewiß! Fest gefügt ist der Grundbau dieser Lehre, unerschütterlich, auf dem Grunde, der unsre Welt trägt. Ist das Eine, so ist das Andere—untrennbar; untrennbar Erlösung von dieser Lehre vollem Erleben. Nicht an vergänglichem Werke wirke ich, in der Gottheit Tiefen ruht die Lehre, Menschen im Körper schier unergründlich— unergründlich. Ehernes Tor der Erkenntnis—erlösende Wahrheit.

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So lautet in âranâda-upanishad der fünfte adhyâya: manas, Verstand und Urteil; nunmehr: buddhi, Erwachen.

VI. ERWACHEN AUS DER ERSCHEINUNG — buddhi —

Zu dem, was ich dir noch vom Kreislauf der Erscheinung zu sagen gedenke, o Teurer, erfasse wohl: Auf Einem Gedanken ruht wovon ich dir rede—Samsara; auf Umzulangen im Ur-sprüng—auf Verlangen ruht diese Welt. Eines ist, was wir, in dieser Welt erwachend, rastlos suchen; Eines, was wir, in irdischer Anschauung befangen, vielheitlich schauen; Eines nur, was wir mit zahllosen Worten benennen; alles Geschehen und alle Gestaltung, aller Geschöpfe und aller Welten all-einiger Gedanke: — Verlangen — Verlangen, dem Ursprung entquellend, Verlangen nach Überbrückung der Kluft, Verlangen nach Wiedervereinigung—unserer Leben Sinn und aller Welten Ziel: Verlangen nach Erlösung.

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Was ich dir von tiefer Erkenntnis verkündige, besitzt die Menschheit nicht, und nicht überliefert wurde mir die Lehre aus der Gemeinschaft hoher Meister—: den Sinnen entrückt, der Gedankenqual entronnen, in wunschloser Allhingebung versunken—fand ich mich erleuchtet. Erkenntnis trat zu Tage, wuchs und erstarkte. In solche Erkenntnis weihe ich dich ein; von solcher Erkenntnis getragen erachte dich auf rechtem Wege—du nahst den Wissenden.

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All-ur-sprung: ur-Teil und gegen-Teil; aus solcher Ent-zwei-ung—: ver-Langen nach Ergänzung; aus solchem Verlangen—: Tat; aus Tat-widerstand—: Erkenntnis — BUDDHI — aller Welten Hoheziel!—Erfasse den großen Gedanken, ehe deine Lippe ihn ausspricht— —Erwachen der Menschheit—

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Wer sein Heil im 'Ich' sucht, dem ist Selbstsucht Gebot, dem ist Selbstsucht Gottheit. Wer sein Heil in dieser Welt sucht, der bleibt dieser Welt verfallen; dem ist kein Entrinnen aus ungestilltem Verlangen; dem ist kein Entrinnen aus nichtigem Spiel; dem ist kein Entrinnen aus den engen Fesseln des 'Ich'. Wer sich aus dieser Welt nicht erhebt, der lebt und vergeht mit seiner Welt. Wem die Gnade des Ishvara das Auge geöffnet hat, der durchschaut diese Welt. Wer diese Welt durchschaut, der ist für diese Welt verloren. Darum ist Erkenntnis Enttäuschung, darum ist Erkenntnis Erwachen. Erwachen ist Erlösung—Erlösung ist Vollendung in Gottheit. Davon ist gesagt: "Erkenntnis—und einen andern Weg hat der Mensch nicht."

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Hüte das Urerbe—dir zum Heil und allen denen, die auf Erden mit dem Tode ringen.

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Also ist die Unterweisung: Aus Sinnes-wahr-nehmung wird, was du Wirklichkeit dieser Welt nennst. Was deinen Sinnen wirklich wahr scheint, ist deinem Nachsinnen hinfällig; was deinen Sinnen standhält, flieht vor deinem Besinnen, mündet, sich selbstwidersprechend, in Widersinn, und nur in sinnlicher Auffassung scheint Sinn in der Welt. Und gewiß: wäre letzter Sinn in der Erscheinung, so wäre Erscheinung Wesen. Sinneswahrnehmung in dir ist rings um dich sinnlich begrenzt. Grenze deines Schauens ist der Gegenstände sinnlicher Widerstand— Seele der Dinge bleibt deinen Sinnen ewig unnahbar. Wie ein Strom Ufer von Ufer trennt, so trennt sinnliche Anschauung Seele von Seele; und wie du von Ufer zu Ufer auf unsicher schwankender Fähre gelangst, so gelangt Seele zu Seele durch blind suchende Sinne; und wie ein mächtiger Strom jenseitiges Land völlig deckt, so decken zügellos stürmende Sinne alle Seele außer dir. Irdische Wahrnehmung ist der Blindheit vergleichbar—was wir hier in Gestalten und Farben gläubig schauen, ist nicht die Welt, Samsara zeugt blinde Kinder.

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Maya! Es scheint, es stellt sich dar, es mutet dich an, dich gelüstet danach und du erliegst der Lust.—Von gleißender Erscheinung geblendet, suchst du unsicher tastend dein Ziel, taumelst Wahnbildern folgend, von Trug zu Trug—wahrlich einem Trunkenen vergleichbar. Und wie ein Trunkener unter den Hufen einer Büffelherde sich im Paradiese träumt, so träumst du trunken von Sinneslust ein erlogenes Glück—die ewige Lüge! Verlangen in dir ist der Seele Verlangen nach ewigem Ziele; Sinneswahrnehmung in dir hält dich in vergänglicher Erscheinung zurück. Die Erscheinung ergreifend, bist du ergriffen—Seele in den Fesseln der Sinne. Darum sagt Maitrâyana Upanishad: "Seele von den Gegenständen überwältigt." Darum sagt man: sich ernüchtern, wieder zu sich kommen, sich auf sich selbst besinnen. Darum lehrt der Erlauchte: "Unterscheidung des Wandelbaren vom Unwandelbaren, des Ewigen vom Vergänglichen, Unterscheidung des Wesens von der Erscheinung."

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Unabsehbare Kluft, unlöslicher Widerspruch uns irdisch Schauenden zwischen Erkenntnis und Anschauung; Torheit, ewiges Ziel in vergänglicher Erscheinung zu suchen. Daraus sinnloses Hasten und Irren, endloser Wechsel, unablässige Erneuung; daher die Unbeständigkeit, die Friedlosigkeit, die Vergänglichkeit alles Irdischen, daher die Unsinnigkeit steter Wiederholung alles Geschehens, aller Gebilde, aller Gedanken—ein rastloser Kreislauf von Hoffnung zu Enttäuschung. Darum die Unzulänglichkeit, das Stückwerk, die Unvollkommenheit aller Dinge; die Unwiederbringbarkeit der Zeit, die Unüberwindbarkeit des Raumes; darum des Hohenzieles Unerreichbarkeit, des Zweifels Unstillbarkeit, die Trostlosigkeit, die Widersinnigkeit, Verruchtheit dieser Welt. Diese Welt ist für Kinder und Wölfe, und so sehr sind wir Kinder und Wölfe, daß wir uns in solcher Welt gefallen! Der Welt Lust ist Fraß, der Welt Lohn ist Trug, der Welt Ziel ist Vernichtung—und du solcher Welt williger Sklave. Ist Lust Frieden? Und ist nicht verlorene Lust Schmerz? Und wäre nicht dauernde Lust Qual? Und schließt nicht Lust Seeligkeit aus?— Wagst du es zu widersprechen?—Was auf Erden vermöchte Verlangen nach dem Höchsten zu stillen?—Verlangen nach Gottheit.

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Das Gepräge dieser Welt ist Vergänglichkeit.

Was von Gedanken und Dingen dieser Welt lebt, atmet in Einhauch und Aushauch, aus Entstehen zu Vergehen. Alles Werden durch Absonderung, durch Abstammung, durch Verzweigung, durch Spaltung, durch Unterscheidung von einander. Alle Empfindung und Wahrnehmung durch Abstand; alles Wollen und Tun durch Gegenstand und Widerstand. Ich-nicht-Ich-bewußtsein durch Anstoß und Hemmung; Leben und Dasein durch Wandel—nichts was unverändert, nichts was beständig, nichts in Frieden im Himmel und auf Erden. Samsara ist Wechsel; wer Frieden im wechselnden Samsara sucht, der ist betrogen; Frieden kann nur zu Unfrieden wechseln. Dieser Welt Bestand durch Gegen-stand, dieser Welt Sinn durch Gegen-sinn; darum dieser Welt Wider-spruch und Wider-sinn; darum dieser Welt ruheloser Kampf; darum dieser Welt Vergänglichkeit. Entzweiung will Paarung, Ansammlung will Auflösung; weil Entstehen ist, darum ist Vergehen; weil Verschiedenheit ist, darum ist ein Verscheiden; weil Leben ist, darum ist Tod. Alle Erscheinung ist durch Ur-sprung, durch Entzweiung in Gegensatz, und aller Gegensatz will Ausgleich. Was durch Entzweiung aus Einheit entspringt, endet in Einheit. Wie alles Urteil in seinem Gegenurteil sich auf hebt, wie aller Gedanke, zu Ende gedacht, durch seinen Gegensinn in sich selbst zurückkehrt, so kehrt alle Erscheinung in sich selbst zurück, sich selber aufhebend. Alle Wirklichkeit hält stand, so lange du Befriedigung im Wirken suchst, solange du, selbst Erscheinung, sinnliche Erscheinung wahr-nimmst, solange du an die Wirklichkeit dieser Welt glaubst. Erscheinung, durchschaut, hält nicht stand, verblaßt, zerrinnt, geht zugrunde, geht auf den Urgrund zurück. Wirklichkeit, als Schein erkannt, wirkt nicht mehr, ist nicht mehr wirklich—vergangen wie ein Traum, der beim Erwachen zu nichte ward.

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Was dir als gegenständliche Welt erscheint, ist nicht an sich; was du Wirklichkeit nennst, ist zu sinnlich anschaulichen Bildern gewordener Gedanke in dir—ist dein träumendes Verlangen, die unermeßliche Kluft zu überbrücken, der weite Irrweg zur ewigen Heimat. Die Gestaltung dieser Welt ist dein; Wirklichkeit folgt deinem Gebot—Wahr-nehmung in dir ist Be-dingung; das heißt: was du von Erscheinung für Wahrheit nimmst, gewinnt Gestalt, wird zu wirklichen Dingen. Du er-innerst dich aus zeitloser Vergangenheit—du er-innerst dich aus raumloser Nähe und Ferne—du ver-gegenwärt-igst dir aus seelisch ewiger Gegenwart sinnlich gegenwärtige Erscheinung. Deine Einbildung wird Vorstellung: das Verlangen in dir hat sinnliches Da-sein gewonnen, was du wirklich wahr nennst, hat sich geschaffen. Die gewaltige Welt ist aus deiner Empfindung geboren, deine eigene Schöpfung—du selbst.

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Dies wunderbar Einfache wird von Unmündigen widerstrebend erfaßt —volles Erleben hiervon ist nur dem Erwachenden beschieden.

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Was aus Ursprung dieser Welt lebt, lebt zwiefach: lebt als Empfindung in dir, lebt als Bewegung außer dir; Bewegung im unendlichen Raum—und Empfindung solcher Bewegung in ewiger Seele—: die also erscheinende Welt. Bewegung aus dem Raume trifft dich—du wirst der Bewegung inne. Inne-werden der Außen-bewegung ist Empfindung in dir; Auslegung dieser deiner Empfindung ist dir Bewegung im Raum. Empfindung: ver-inner-lichte Bewegung; Bewegung: ge-äußer-te Empfindung. Was aus-wendig Bewegung ist, ist in-wendig Empfindung. Äußerer Gegenstand schafft inneren Zustand; innerer Zustand schafft äußeren Gegenstand. Bewegt empfindest du—empfindend bewegst du. Seelische Empfindung von dir aus-gelegt, wandelt sich außer dem Bereich deiner Seele zu sinnlich anschaulicher Bewegung. Empfindung aus dir hinausverlegend, stellst du vor; vorstellend wirkst du; gegen-ständlich Vorgestelltes ist Gegenstand; Gegenstand widersteht; Widerstand ist Wirkung auf dich. Dein eigenes Werk, aus dir gewirkt, ist Wirklichkeit und wirkt auf dich zurück.

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Die Seele wird von äußerer Bewegung innen bewegt; die innen bewegte Seele bewegt nach außen. Du empfindest in dir, das heißt: du bewegst außer dir. Was du zeitliche und räumliche Ferne nennst, ist sinnlich befangene Auffassung; Seele wirkt außersinnlich, Seele wirkt seelisch, über Zeit und Raum hinaus.—Eines ist Auslegung deiner Empfindung und Rückwirkung des aus dir Hinausverlegten— Zusammenfließen der Seelen—Seele der Dinge—eigene Seele— Überbrückung des Ur-sprungs. Je nach Vorwiegen seelischer oder sinnlicher Auffassung im Ich scheint Empfindung oder scheint Bewegung, scheint eigener Zustand oder fremder Gegenstand, ist gedankliche Ein-bildung oder anschauliche Wahrnehmung, das ist: allen deinen Sinnen faßbarer Körper—der Gedanke ist leib-haftig geworden; Eines ist Gedanke und Sichtbarkeit des Gedankens. Angeschaute Gedanken sind Körper. Davon sagt Patandschali: "Körpererscheinung wird durch Wandlung der Auffassung im Ich." Davon sagt der Buddha: "Wie ich aus einem Schilfrohre den Halm ziehe—hier das Schilf—dort der Halm, so bilde ich aus diesem meinem Leibe nach dem Willen meines Herzens einen anderen Leib, mit allen Gliedern versehen und mit Gefühl begabt." Der verlangende Gedanke zu Fleisch und Blut geworden.

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Es scheint, als sei in dir seelische Empfindung, es scheint, als sei außer dir seelenlose Bewegung; deiner Seele Empfindung, deinen Sinnen Bewegung—Gegensatz und Einheit. Was sinnlich als Gegensatz erscheint, wird seelisch als Einheit erkannt. Was blindem Schauen durch unüberbrückbare Kluft getrennt scheint, unvereinbar und unlösbares Rätsel, ist Eines; Eines, was deinen Sinnen Bewegung, deiner Seele Empfindung ist—je nach sinnlicher oder seelischer Auffassung unterscheidende Benennung, ununterschieden in sich, zwei Worte für das Selbe—: Verlangen in dir. Und wie du in deinem eigenen, einheitlichen, ungespaltenen Verlangen Widerwillen von Willen unterscheidest, beides in dir, beides Eines—du selbst, so unterscheidest du Bewegung von Empfindung, bei des in dir, beides Eines—du selbst. Alle Empfindung ist Bewegung, alle Bewegung—Empfindung; Beid-einheit, seelisch-sinnlich geschaut. Empfindung in dir und die Welt ist bewegt; du durchschaust die Bewegung und still stehen alle Sonnen und Erden, und es empfinden alle Sonnen und Erden, ruhelos Ausgleich suchend.

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Ich ist Ur-sprung. Nichts dieser Welt, was sich nicht im Ich willig-un-willig schafft, zwiefach in Zeit und Raum. Aller Inhalt des Ich durch Gegen-sinn in sich, durch Gegen-stand zu sich. Die ganze Welt im verlangenden, im unter-scheidenden, im ur-teilenden, im ent-zweienden, im ent-zweiten Ich. Ich außer sich verlangend, spaltet in sich selbst, spaltet im Urteil, Wollen und Tun: bejahend verneint Ich, wollend en-will Ich, liebend haßt Ich. Kein Tun ist einwertig. Du vermagst dich keinem Dinge zuzuneigen, ohne dich einem anderen Dinge abzuneigen. Zuneigend neigst du dich ab, abneigend neigst du dich zu. Alle Zuneigung ist Abneigung, alle Abneigung ist Zuneigung. Du bejahst den Satz und verneinst damit den Gegensatz. Du glaubst Eines zu tun und tust zweierlei—: ewiger Zwiespalt, ewiger Ur-sprung in dir selbst. Kein Geschehen, kein Ding, kein Wort, kein Gedanke ist eindeutig. Mit deinem Leibe neigt sich deine Seele. Neigung ist körperliche Bewegung, Neigung ist seelische Empfindung. Neigung deines Leibes ist Neigung deiner Seele; seelische Neigung erscheint deinen Sinnen als Körperbewegung; Körperbewegung ist in dir als seelische Neigung wach. Neigung ist seelisch und sinnlich zugleich. In einem Worte ist Einheit von Zuneigung und Abneigung, Einheit von Empfindung und Bewegung, Einheit von Leib und Seele. Im einheitlichen Worte liegt sich selbst aufhebender Gegensinn: Ich und du, innen und außen, hier und dort, Zustand und Gegenstand, Zeit und Raum, Gedanke und Tat, Seele und Sinnlichkeit, Unfaßbares und greifbare Wirklichkeit; in einem Worte Anziehung und Abstoßung, Aufflammen und Verlöschen, Lust und Leid, Himmel und Hölle, Leben und Tod. In jedem Worte spiegelt sich zerfallene Einheit. Gegensinn im einheitlichen Wort—Einheit gegensinnlicher Worte ist Lösung nie gelöster Rätsel, Lösung nie gelösten Widerspruchs; törichter Streit durch Jahrtausende—: Allgottheit, Göttervielheit; Gutes und Böses in Gott; Wesenseinheit oder Doppelwesen der Welt; Weltgeist oder Weltenstoff; Allseele oder Seelenvielheit; Ursächlichkeit oder Selb-einheit; Zweck oder Zufall; eherne Naturgesetze oder freie Schöpfung—wie auch Irrende die seelisch sinnliche Kluft benannt haben mögen—müßige Fragen dem Wissenden, Lösung aller Gegensätze, Lösung des Widerspruchs dieser durch Widerspruch werdenden Welt.

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Und ferner, o Teurer, Lösung nie gelöster Rätsel—: das Wunder der Verkörperung. Es offenbare sich dir, aus welchen Tiefen solche Lösung fließt und der Weg zu Erlösung. Du fühlst dich Körper, du weißt dich Seele. Du empfindest dich selbst unmittelbar, du schaust aus dir mittelbar durch Sinne. Deine Sinne nehmen sinnlich wahr; Seele in dir nimmt sinnlich Geschautes für wahr. Auf fünffach verschlungenen Sinnenwegen suchend, seelenblind für alle Seele außer dir, verkennst du alles, was du nicht selbst bist und dich selbst. Du begreifst die ganze Welt sinnlich; du nimmst dich selbst sinnlich wahr. Also seelenblind schauend glaubst du dich von Allseele abgeschieden, vermagst abgeschieden Erachtetes nicht mehr seelisch zu dir zu einen. Was du nicht mehr als eigen erkennst, deuten deine Sinne als außer dir; du vermagst, was dir außen dünkt, nicht anders als fremd, als räumlich dir gegen-über-stehend, als gegen-ständlich zu dir aufzufassen; du kannst, was du nicht selbst bist, nur als Gegenstand schauen. Alles nicht-Ich muß dir Ding und Körper sein.

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Also sieht Seele kraft ihrer Sinne Körper; also ist Seele sinnlich erfaßt: Körper. Also sind Körper: Körper durch wahrnehmende Sinne—Körper durch Verkörperung der Seele, zwiefach Eines. Empfindend bist du Seele, empfunden Leib; be-seelter Körper— verkörperte Seele. Sinnliche Gestalt ist seelische Gestaltung, leibliche Zeugung—seelische Über-zeugung; Beid-einheit—: Gedanke leibhaftig geworden, dein schaffendes Verlangen. Du verlangst und es wird Ding und Bewegung, du verlangst und es ist Empfindung und Seele: —gottabgewandt: Welt—weltabgewandt: Gottheit genannt. Alles was dir als Wirklichkeit erscheint—welche Namen es auch trage—ist Seele, von Seele in dir sinnlich erfaßt. Seele—alles andere Sinnenmitgift. Alle Gestaltung Seele, alle Gebilde in die Sinne fallende Erscheinung—Sinn-bild der Seele—Seele im Bannkreis der Sinne—Seele in irdischer Umhüllung—in Sinnenwelt versunkene Gottheit. Nur für irdische Augen ist diese Welt—Samsara; seelisch durchschaut versinkt die Erscheinungswelt deinen Sinnen; nur für seelisches Schauen ist Erlösung—Verklärung der Welt—der Seele Seeligkeit—Nirvana.

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Raum-zeitlose Seele in zeit-räumlicher Welt.
Im unendlichen Raum alles zeitlos; in ewiger Zeit alles raumlos.
Ohne Raum ist alles im Laufe der unendlichen Zeit; ohne Zeit ist alles
im unendlichen Raum.
In der Zeit ist die Gegenwart—ohne Dauer, und nur im zeitlosen
Gedanken zu fassen. Im Raum ist der Punkt—ohne Ausdehnung, und nur
im raumlosen Gedanken zu fassen; in Zeit und Raum erscheinende
Körperlichkeit ist endlos teilbar, also körperlos und nur in Gedanken
zu fassen. Urteil von Zeit—nicht Zeit; Urteil von Raum—nicht
Raum; Urteil von Körper—nicht Körper. Das letzt Denkbare von Zeit,
das letzt Denkbare von Raum, das letzt Denkbare von Körper ist Gedanke
im Ich. Das letztdenkbare Urteil der Welt ist Ich-urteil.
Im Ich ist Bindung und Lösung dieser Welt.
Ich, erscheinend, ist Zeit in Raum, ist Empfindung in Bewegung,
Willen in Kraft, Ursache in Wirkung, Freiheit in Notwendigkeit,
Selbigkeit in Ursächlichkeit, Seele in Leib, Wahrheit in Täuschung,
Wesen in Schein.—Denkt die Welt, so denkt sie: Ich.
Zeiteinbildung, Raumvorstellung, Körperwahrnehmung—die Welt—
entspringt und endet im Ich. Ich-gegenwart ist Zeitewigkeit, ist
Raumunendlichkeit, ist Körper und Wirklichkeit.
Zeit-räumliches Ich aus raum-zeitloser Seele.
Davon ist gesagt: >>das Weltall hat nur in mir Bestand.<<

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Ich ist ur-Teil im entzweienden Ursprung der Welt. Ich ur-Teil, vom All abgesondert—un-zu-langend—ver-langt zum All zurück; darum ist Ich Verlangen. Ich ist ungestilltes Verlangen; Ich ist unstillbares Verlangen; Ich ist nur durch Verlangen. Ich, sich selbst wollend, muß Alles zu sich wollen, so lange Ich—Ich ist. Ich ist worin Ich erwacht. Ich ist was sich im Ich bewußt wird, was Ich sich einbildet, was sich im Ich bildet, was Leben im Ich gewinnt nennt sich Ich. Ich-inhalt erachtet sich für »Ich«. Ich ragt über sich hinaus: Ich ist was Ich wollend umfaßt, was Ich nicht wollend umfaßt, was Ich wollend nicht umfaßt; Ich ist soweit Ich-auffassung reicht. Kein Ich, wenn nichts umfassend; kein Ich, wenn allumfassend. Ich entspringt, Ich endet im Verlangen; Ich wechselt in sich mit seinem Verlangen; Ich wechselt in sich mit wechselndem Gegenstand; mit anderem nicht-Ich ist anderes Ich. Ich besteht ohne eigenen Bestand—ewig neu geborene Gegenwart, ewig erneute, ewig vernichtete Selbstherrlichkeit; das ewig Vergängliche aus dem ewig Unvergänglichen. Der Glaube, als habe das Ich ein Sein in sich, schafft Ich, erhält Ich, endet mit Ich—ein Nichts, das Alles ist. Ich ist Teil, so lange es sich Teil glaubt. Gibt Ich sich auf, so ist Ich alles.

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Ist Einbildung Ich, so ist Vorstellung nicht-Ich. Alles Ich baut sich auf am nicht-Ich; am nicht-Ich-gegen-stand findet Ich seinen Rück-halt; durch Wider-stand gegen alles nicht-Ich ist das Ich. Ich lebt nur durch Gegensatz—durch Gegensatz zu sich: Raum, durch Gegensatz in sich: Zeit. Verlangend einigt Ich allen räumlichen, allen zeitlichen Gegensatz in sich. Ich, alles nicht-Ich zu sich anziehend, stößt alles nicht-Ich von sich ab. Verlangend schwankt Ich von s-Ich zu nicht-Ich, von nicht-Ich zu s-Ich zurück. Ich verlangen spiegelt sich im nicht-Ich; nicht-Ich wirft das Ich verlangen zurück. In dem Maße wie Ich verlangt, widersteht das nicht-Ich dem Verlangen; in dem Maße wie Ich zu sich verlangt, wird Ich vom nicht-Ich verlangt—Ergreifend, ist Ich ergriffen. Also ist zwischen Ich und Ich Anziehung im Verlangen; also ist zwischen Ich und Ich Abstoßung im Verlangen; also ist Verlangen Anziehung und Abstoßung zugleich; also hält Verlangen Ich und Ich auseinander; also ist Verlangen nach Vereinigung zu sich Hindernis der Einigung—das Verbindende ist das Trennende. Ich will das All zu sich, enwill sich zum All— weltschöpferischer Irrtum.

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Ich überträgt sich ins nicht-Ich. Verlangend tritt Ich aus sich hinaus, langt außer sich, ist nicht mehr bei sich, ist außer sich, ist in seinem Gegenstand—Ich im nicht-Ich. Ich weiß nur von sich; Ich empfindet immer nur sich selbst; s-Ich einbildend stellt Ich s-Ich vor; vorstellend faßt Ich sich selbst gegen-ständlich auf. Wie Ich sich im gegen-Stand empfindet, so empfindet Ich den Gegenstand. Gegenstand dem Ich ist Ich im gegen-Stand. Soweit Ich den Gegenstand empfindet, soweit ist Zerklüftung im Ursprung überwunden, soweit ist das Empfindende und das Empfundene Eines. Die Empfindung ist das Empfundene. Ich-zu-stand im Gegen-stand nennt sich selbst mit anderen Namen. Ich verkennt sich im du—wie ein Hund sein eigenes Bild im Spiegel anknurrt. Eines ist Zustand und Gegenstand. Eines ist Ich und du— Einheit in sich, in dir unterscheidende Namen. Im Verlangen liegt Ich und nicht-Ich; im Verlangen fällt Ich und nicht-Ich aus-einander. Was Ich verlangend nicht will, will nicht Ich, will ein nicht-Ich—"ich will nicht" das heißt: "du willst". Ich und Ich—zerfallene Einheit, geschaffen und auseinander gehalten durch blindes Verlangen. Davon ist gesagt: "ich bin du".

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Alles was außer Ich ist, ist aus Ich. Alles nicht-Ich beginnt und endet im Herzen des Ich. Wie im Willen Unwillen liegt, so liegt im Ich das nicht-Ich. Ich will durch Willen und Unwillen; Willen wie Unwillen ist Ich-verlangen. Willen wie Unwillen hat dasselbe Ziel. Ich-loser Wille undenkbar; ziel-loser Wille, Wille ohne Gegen-stand des Wollens undenkbar. Ich will durch Bejahung und Verneinung: sogenannte Verneinung des Willens ist Bejahung geänderten Willens—das Eine Verlangen bei gewechseltem Ziel. In sich verneinen heißt außer sich bejahen; in sich vernichten heißt aus sich hinaus schaffen; aus sich hinaus schaffen heißt außer sich schaffen. Unwillig aus dir Entlassenes weicht aus dem Bereich deiner Seele, fällt in den Bannkreis deiner Sinne, tritt, selbständig geworden—ein eigenes Ich—dir sinnlich gegenüber. Abstoßung im Ich ist das Abgestoßene, ist aus eigenem Zustand geschaffener Gegen-stand. Das Angezogene ist im Ich Anziehung; das Angezogene ist Gegenstand im Zustand Ich: —Verlangen im Ich ist das nicht-Ich— Verlangen vom Ich ausgesprochen, vom nicht-Ich, dem Widerschein des Ich, 'wieder' ausgesprochen, das ist 'wider'sprochen, sieht sich selbst gegenüber, tritt sich selbst entgegen, ist sich selbst Gegenstand des Verlangens. Die Welt sich selbst wollend—darum ist Welt.

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Das Außereinander von Ich und Welt ist Erscheinung; das Durchschauen des Scheines ist Erlösung.—Verlangen im Ich ist das nicht-Ich; Verlangen im Ich ist die sich schaffende Welt; alles Geschaffene erkennt sich im erkennenden Ich. Kein Ich ohne Welt; das Verlangen in dir schafft die Welt, darum ist die Welt dein Verlangen; darum verlangt dich nach der Welt. Die Welt wird und wirkt wie du, verlangend, die Welt wirkst. Die Welt ist, so lange du an dich und deine Welt glaubst—mit dir entsteht, mit dir vergeht deine Welt. Keine Welt ohne Ich—: Ich geht in der Welt auf, die Welt geht im Ich auf; darum lösen sich vom Ich aus alle Fragen dieser Welt—: endlos wechselnde Namen endlos wechselnden Verlangens in dir— Widerschein deiner selbst—Und die ganze Welt erlangend, erlangst du dich selbst—nichts mehr. Verlangen ist Gedanke in dir; denken heißt urteilen, urteilen heißt zeugen. Dein Gedanke ist Dasein, dein Glaube ist Schöpfung, deine Überzeugung ist Zeugung. Eines ist der Schaffende mit dem Geschaffenen, Eines ist Ich und Welt. Davon ist gesagt: "der, fürwahr, baut aus sich diese ganze Welt— und ist ihre Vernichtung, der solches weiß." Du schaffst die Welt, die Welt schafft dich—schafft sich in dir. Die Welt sich selbst schaffend, sich selbst schauend, sich selbst verlangend, sich selbst vernichtend.

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Vielfach ist in Suchenden der Gedanke aufgestiegen, in Erkenntnis suchenden Weisen mancher Völker alter und neuer Zeiten; ausgesprochen hat die Lehre von den Gegensätzen Bhagavad-gîta-upanishad mit deutlichen Worten, aber unverstanden von der Menschheit blieb die Erkenntnis, unerkannt in ihren Tiefen: "Alle Geschöpfe dieser Welt lassen sich vom Trugbild der Gegensätze betören, die sie, liebend oder hassend, sich selber schaffen."

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Uraltes Wissen, o Teurer, verkündige ich dir wieder, Lösung nie gelöster Rätsel, Lösung des Weltwiderspruchs; der Erkenntnis Urgrund, die Lehre vom Gegensinn in der Erscheinung—dvamdva-vidya—die Lehre von der sich selbst aufhebenden Welt.

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Also ist die Unterweisung: Weltursprung—durch Ur-sprung: Ent-zweiung in ur-Teil und gegen-Teil, Ich und nicht-Ich. Weil durch Ur-sprung Kluft ist, darum steht alles dieser Welt ein-ander unerkannt gegen-über, darum ist alles dieser Welt durch Gegen-sinn, darum sieht alles dieser Welt einander als Gegen-stand, darum ist Widerspruch in der Erscheinung endlos, darum ist ewiger Kampf Davon ist gesagt: "Zweiheitlich ward All-Einheit, Wahrheit und Täuschung an sich zu erleben." "Ich weiß warum die Welt ist: Gott wollte leiden".

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Gegenteile schaffen sich aus-ein-ander, Gegenteile heben einander auf; Gegenteile scheinen endlos weit von einander, Gegenteile berühren einander; Gegenteile fallen, auseinander tretend, in einander; wie Ost und West auseinandertretend im Rücken der Erde ineinanderfallen, wie West im Osten, wie Ost im Westen wiederkehrt; wie Ost zu Ende gedacht zu West wird und West zu Ost; wie aller Gedanke zu Ende gedacht, durch seinen Gegensinn hindurch in sich selbst zurückkehrt—der geraden, nach durch messenem All in sich zurückkehrenden Linie vergleichbar. Wie farbloses Licht in Gegenfarben zerfällt, wie Gegenfarben, vereint, einander zu Farblosigkeit ergänzen, so ergänzen aus-ein-ander gefallene Gegenteile, vereint, einander zu nichts. Aller Gegensatz ist den Gegensätzen an einer Kugel vergleichbar; Vergleichbar den Gegensätzen eines im Kreise schwingenden Pendels. Aller Gegensatz dieser Welt erscheint durch wechselndes Urteil sinnlicher Wahrnehmung—bloße Auffassung im Ich. Mächtig bewegte Sterne stehen deinen Sinnen still; still stehende Sterne siehst du mit dem Himmelsgewölbe mächtig über dir bewegt.— Savitar hebt sich aus dem Meere: du schaust Sonnenaufgang; was dir Sonnenaufgang ist, ist Anderen Sonnenuntergang; was dir oder Anderen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, ist weder Aufgang noch Untergang —Savitar strahlt ewigen Tag. Indessen du die Sonne steigen siehst, sehen andere dieselbe Sonne fallen; es vermag die Sonne nicht zu steigen ohne zu fallen, vermag nicht zu fallen ohne zu steigen, steigt und fällt zu gleicher Zeit—steigt weder noch fällt.—Innere Erden scheinen im rechten Laufe umzukehren; Wandelsterne und Monde, Sonnen und Erden, nach überstiegenem Höhepunkt, werden rückläufig. Kein Gegensatz im rechten Laufe, keine Umkehr, kein Rücklauf—irriges Urteil vom wechselnden Standort des irrig schauenden Ich. Ich, zeiträumlich atmend, wechselt Standort, Ansicht, Urteil. Durch Ich-urteil-wechsel ist Gegensatz. Ur-teilend schafft Ich in sich zeitlichen Gegensatz—außer sich räumlichen Gegensatz. Wechselndes Urteil im Ich zeugt für Gegensinn im Einheitlichen— zeugt für Einheit im Gegensatz. Aller Gegensatz geht auf—wird und vergeht—im Ich; Ich schafft, Ich vernichtet allen Gegensatz. Nur in einem 'Ich' ist Willenswechsel, nur in einem 'Ich' ist Urteilsgegensatz; mit aufgehobenem 'Ich' ist aller Gegensatz aufgehoben. Scheinen Gegensätze, so ist Einheit. Ist das Eine Gegensatz des Anderen, so ist das Eine gleich dem Anderen—so ist weder das Eine noch das Andere.

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Raum-anstoß ist Zeitfolge: Wechselt Ich aus sich hinaus, so empfindet Ich durch nicht-Ich räumliche Wider-stand-wirkung, das ist—: wirklicher Gegensatz. Durch Widerstand Empfindung wechselt Ich in sich zeitlich eigene Empfindung, das ist—: eigentlicher Gegensatz.—Ur sache aus mir —Wirkung auf mich: Ich-m-Ich; wirklich räumlicher—eigentlich zeitlicher Gegensatz.—: Beid-einheit.—Raumanstoß ist Zeitfolge. Durch Zerfall im Ur-sprung: Urgegensinn; das ist sinnlich- seelische Auffassung in Ich und Ich. Eines ist innen und außen, Eines Ursache und Wirkung, Eines Zeit und Raum, Eines eigentlich und wirklich, Eines Bewegung und Empfindung, Eines Seele und Leib, Eines Ich und nicht-Ich—: durch Ich-ur-Teil, das ist durch Ich-Urteil sinnlich geschaffene Teilungserscheinung—Ur-sprung im Ich. Dvamdva—: aus Einheit Ich gezeugte gegen-Teile, Gegensinn und Gegenstand, Gedanken und Dinge gegenseitig gezeugt, gegenseitig gepaart; Hälften, die getrennt, einander zu nichts aufheben; die vereint, einander zu nichts ergänzen; Eigenschaffungen, die durch Spaltung sind und nicht sind—getrennt und vereint nicht sind. Daraus ist: Gegensinn im einheitlichen Wort, daraus ist: Einheit gegensätzlicher Worte. Nimmerrastender Widerschein des spaltenden Ursprungs, nichtige Schöpfung im Ich—Trugbild des Seins.

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Sinnlich geschaut: Durch Ursprung Raum, durch Raum Zeit; im Ursprung inzwischen entzweiten Teilen die sich schaffende Welt; die Welt in der Kluft inzwischen Ich und nicht Ich. Alle Wirklichkeit dieser Welt rastlos wechselnde Beziehung inzwischen Ich-zustand in sich—Ich-zustand im Gegen-Stand. Endloser Kreislauf der Erscheinung von Gegensinn zu Gegenstand, von Ich zu nicht-Ich, von nicht-Ich zu Ich zurück.— Gegensinn in s-Ich die werdende, Gegenstand zu s-Ich die gewordene Welt. Alles zeiträumliche Außereinander ist im Ich, alle Unterscheidung, aller Gegensatz, alle Worte, alle Vielheit—im Ich ist Ur-sprung und Unendlichkeit dieser Welt. Eines ist was du, durch ur-teilenden Willensgegensatz in dir, zu Gegensätzen außer dir prägst; Eines ist was du, ur-teilend, entzweit schaust—: willkürliche, an sich nichtige Unterscheidung, endlose Gestaltung deines in Einhauch und Aushauch atmenden Verlangens— deine eigene Schöpfung—du selbst. Davon sagt des Heilweges Buch des Lehrers Lao: "Diese Einheit der Gegensätze bezeichne ich als den Urgrund, die große Tiefe und das der Erkenntnis geöffnete Tor."

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Und noch einmal: Durch Ur-sprung-erscheinung scheint Entzweiung. Jedes der beiden Teile lebt das Leben des anderen—gleichwertige Bruchstücke. Durch Kluft geblendet verkennt sich eines im anderen—Sündenfall. Dem also gewordenen Zwiespalt folgt alle Erscheinung: aller Gedanke, alles Urteil, alles Wort—Wille und Tat gegen sich selbst gerichtet. Alles Urteil Widerspruch in sich;—Sinn und Widersinn in-ein-ander. Alle Unterscheidung in Wort und Urteil bedeutungslos— in sich selbst aufgehoben—bloße Lautver-schiedenheit. Nur Eines ist—alles Erscheinende ist irrendes Verlangen im Ich zum Ziel, nichts mehr.

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Wahn-sinn das Wesen der Welt in Worte fassen zu wollen. Seele,
Kraft, Geist, Stoff, Gedanke—Gottheit—gleichviel mit welchen
Lauten du das benennst, was dich lebt.
Erscheinung dieser Welt schafft sich, durchschaut sich, hebt sich
auf.
Was sich also erscheinend schafft, ist nicht Wahrheit—ist nicht
Täuschung—ist ewig vergängliches Sinn-bild des Ewigen.

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So lautet die Lehre von der sich selbst als nichtig aufweisenden
Erscheinungswelt—der Erkenntnis Höhe und Tiefe, der Erkenntnis
eherner Kern und Anker.
Und was du, o Teurer, durch solche Erkenntnis verlierst ist ein
Nichts; und was du durch solche Erkenntnis gewinnst ist Alles.
So lange dir der tiefen Lehre volles Verständnis nicht aufgegangen
ist, o Teurer! so lange wisse dich fern vom Hohenziele der Erkenntnis.

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Die ganze Sinnenwelt wächst, sich verklärend, zu Gottheit. Alles Samsara ist Verlangen nach Nirvana. Je nach dem Ziele deines eigenen Verlangens, nach Samsara oder nach Nirvana erscheint dir das Geschehen dieser Welt Vorgang oder Rückschritt, ziellos oder zielbewußt, blinder Zufall oder unabwendbare Bestimmung. Weder das Eine noch das Andere— in sich freie, durch Gegensinn in der Erscheinung gebrochene Kraft in dir—dein schaffendes Verlangen. Das Ziel der Welt bist du selbst, o Teurer! In dir, mit jedem Atemzug wechselnd, alle Stufen der Weltenschöpfung— Weltenvernichtung; von Samsara zu Nirvana, von Nirvana zu Samsara rastlos gegeneinander schwankend. Samsara heißt sich in irdischer Anschauung verlieren. Nirvana heißt sich wiederfinden. Irdisches Verlangen rückt Nirvana in zeit-räumliche Fernen—Nirvana ist—wenn dich nicht mehr nach Nirvana verlangt. Ewigkeit des Ursprungs im Ich, Ewigkeit der Weltenschöpfung und Weltenvernichtung. Ich, besinnungslos Seeligkeit außer sich suchend, jagt nach selbstgeschaffenen Trugbildern—Sinnenkampf zu Samsara; Ich, sich auf sich selbst besinnend, wendet sich von irdischen Trugbildern ab—Seelenkampf zu Nirvana. Verlangend schafft Ich Samsara, Verlangen verklärend schafft Ich Nirvana; Samsara und Nirvana schafft sich im verlangenden Ich. Blinder Kreislauf des Verlangens, Kreislauf der Wiedergeburt.—Samsara ist Verlangen; mit schweigendem Verlangen ist Nirvana. Wie ein Kind im nichtigen Spiele zum Manne wächst, so wachsen wir Menschen in Samsara zu Nirvana. Samsara hält uns das blendende Schild vor—gläubig hasten wir danach—und erwachen in Nirvana. Die große Täuschung, o Teurer, die ewige Torheit—Samsara—der weite Irrweg zu Nirvana!—Du folgst dem ewigen Kreislauf erkennend oder blind; du nahst dem ewigen Ziele unwillig-willig—aus Gottheit zu Gott und Gottheit—unser aller Ziel. Samsara ein Alles, das nichts ist; Nirvana ein Nichts, das alles ist—unendlich das eine, ewig das Andere—dem Erkennenden Einheit.

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Solches lehren seit Jahrtausenden unsere Brüder, Hohemeister in Tibet, Sser-od in Kâ'gdschur: "Wisse o Sohn der Erhabenen! um dem nach höchstem Ziele strebenden Bôdhisattva alle Schranken und Hindernisse aus dem Wege zu räumen, lehren Wissende die unwandelbare Wahrheit vom ungetrennten Samsara und Nirvana." "Wisse, daß die Buddha Samsara und Nirvana auf das Klarste als unverschieden erkannt haben."

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Keine Wahrheit im vielheitlichen Samsara: Vielheit muß sich selbst widersprechen; zerfallene Einheit hebt sich selbst auf Samsara zeugt blinde Kinder. Erscheinung wie Worte wandeln sinnlos von Sinn zu Gegensinn. Nur dem selbstisch verlangenden, dem einseitig wertenden Ich scheint Sinn in Samsara—wie dem Träumenden Sinn im sinnlosen Traume scheint. Alle Wahrnehmung in Samsara, alle Empfindung, und alle Deutung von Wahrnehmung und Empfindung—bedeutungslos. Lust wie Qual, Bewunderung wie Abscheu und alle Worte aller Welten— bedeutungslos, sinnlos, weil sinnlich.

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Ich, im Gefühl seiner Unzulänglichkeit, verlangt nach Ergänzung außer sich. Zeitlich wechselnde Empfindung im Verlangen, vom Ich ausgelegt, gewinnt sinnliche Gestalt im Raum. Mit Wechsel seelischer Empfindung wird Wechsel sinnlicher Anschauung. Im Ich zeitlich Geschiedenes erscheint, räumlich vorgestellt, als Verschiedenheit— erscheint und ist. Nach ein-ander wird neben-ein-ander; in-ein-ander wird außer-ein-ander. Seelisch empfunden: Gegen-sinn, zeitlich endlos wechselnd; sinnlich angeschaut: Gegen-stand, räumlich endlos vervielfacht. Folge in der Zeit ist Vielheit im Raum. Beid-einheit dem Wissenden. Endloses Verlangen in dir erscheint als endloses Werden— Gedanken zu Worten, Worte zu Dingen verkörpert. Die verlangende Welt denkt durch zahllose Worte Einen Gedanken. Alle Gedanken und alle Worte dieser Welt sagen nur Eines; alle Worte aller Sprachen aller Welten—endlos wechselnder Ausdruck endlosen Verlangens nach Alleinheit. Aus wechselnder Empfindung, wechselndem Urteil, wechselnden Worten schafft sich die Vielheit dieser Welt—die vielheitliche Welt aus dem schaffenden Wort. Davon sagt Tschhandogya-Upanishad: "an Worten haftend ist alle Umwandlung der Erscheinung."

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Aufleuchten möge in dir, o Teurer, voll die Einheitserkenntnis! Der Welten ewiger Ursprung hat nur Ein Ziel; dein rastlos wechselndes Irren nach dem Einen Ziele benennst du mit wechselnden Namen. Dein Wort benennt, dein Wort wertet, dein Wort schafft die Dinge—ein Zweites, glaubst du, sei es, wenn du es anders benennst—Aus Vielheit wertender Worte des wechselnden Urteils in dir schafft sich die Vielheit der Dinge. Endlose Sinnbilder des Einen Gedankens deuten wir sehend Blinden als endlose Vielheit verschiedener Dinge. Erfaß erbarmend wohl die tiefe Blindheit der Menschen!—Blindheit der Führenden und Geführten, Blindheit der Weisesten aller Völker und aller Zeiten—uns Armseligen der Weg zu Erkenntnis—Befangenen unnahbar—Suchenden die offene Schranke—lichte Einsicht dem Erwachenden. Nur Eines ist im Kreislauf der Erscheinung: Ver-langen! schlaftrunken suchendes Verlangen nachdem letzten Ziele.—Erwachen führt aus Verlangen und Tat, aus Gedanken und Worten zu willenloser, zu wortloser Wahrheit. —Wer also sieht, der ist sehend.— Davon sagt Taïttitiya-Upanishad: "Erkenntniswonne wird von keiner Sprache erreicht; vor der Wonne der Erkenntnis kehren alle Worte um, und alle Gedanken."—Ananda.

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Unsere Brüder, Hohepriester in Tübet, lehren seit Jahrtausenden: "Es ist, o Rabdschor, alles Erfassen in der Ichheit ein Nichterfassen. Wissende, o Rabdschor, gehen nicht in die Einbildung: 'Ich' ein. "Wenn ein Wissender also denkt: Wesen ist ohne Ich—Ichlos ist Wesen, solchen nennt De-schin-scheg-pa, der Feindbesieger und heilig vollendete Buddha einen erwacht Erkennenden. "O Rabdschor! Wenn du denken solltest, daß die in wahrhafte Reinheit Eingegangenen jegliches Sein völlig zerstört und demselben ein Ende gemacht haben, so gib, o Rabdschor, solcher Meinung nicht Raum… Es sind dies nur Worte—das Wesen selbst ist unausdenkbar und wird von Unmündigen nicht erkannt. "Das Wesen, o Rabdschor, ist in sich—und ist weder Verschiedenheit noch auch Gleichheit in ihm, weder Sein noch Nichtsein, und volle Erkenntnis hievon wird das allerhöchste wahrhaft rein vollendete Erwachen genannt. "Der Name dieses Lehrbegriffs lautet: "der an das jenseitige Ufer der Erkenntnis Gelangte." Dieser Lehrbegriff, o Rabdschor! ist unergründlich und seine voll gereiften Früchte stelle dir als unergründlich vor."

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Aus Nebelgluten sondern sich Schlacken, ballen sich, erkaltend, zu Sonnen und Erden; aus lebender Flut starre Gebilde, aus Gottheit— — Ich — —ur-sprung-er-schein-ung-ur-teil-gegen-teil-ver-langen— ein unabsehbarer Strom, der das All durchmessend, in seiner eigenen Quelle mündet—: Samsara!

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Uns schauend Blinden—Nichts. Da geschieht im All Einen das Unergründbare: Absonderung 'Ich'. Absonderung hält sich zurück—der Strom überflutet; Absonderung drängt vor—der Strom hemmt; Empfindung und Empfundenes—Wirkung aus dir und Wirkung auf dich.— Das Eine, Einheitliche, Ungeteilte, Unteilbare—: als sei zwiefach Sein. Es scheint als seist du—es scheint als sei außer dir, es scheint, erscheint, und ist wirklich: Ich und Sinnenwelt, ja und nein, Lust und Leid, und alle Worte. Aus dem seelisch Einen das sinnlich Zerklüftete: die im Ich-bewußtsein erwachte Welt. Aus dem Ewigen das ewig Vergängliche— Vergängliche Welten zeugen wider sich selbst: Absonderung "Ich" aus Gottheit ist Sündenfall. Ur-sprung—atmende Kluft, die trennend verbindet—Anziehung und Abstoßung, Entzweiug und Zu-eins-paarung, Werden-Verwerden zugleich —Spiel in sich selbst—unsere Welt— —eine Welt durch ewig erneuten Ursprung in sich; eine Welt in ewiger Selbstentzweiung, in ewigem Kampfe gegen sich selbst, in ewiger Blindheit sich selbst gebärend, sich selbst vernichtend—die im Wahn gewordene, im Wahnsinn verharrende Welt. Unabsehbar grauenerfüllte Wahlstatt nie gestillten Verlangens, nimmer endender Tat—Ringen um verlorenes Paradies, Ringen um Erkenntnis, Ringen um Erlösung—Seele wider Sinne, Gedanke wider Tat, Himmel wider Hölle; endloses Ringen von Lust wider Seeligkeit, Samsara wider Nirvana, Abgott 'Ich' wider Gottheit —allüberall blind stürmende Erscheinung, von Sinneswahn zu Widersinn sinnlos wechselnd; hinfällige Gebilde, Scheingestalten, flüchtige Schatten, im Entstehen dem Untergang, in der Geburt dem Tode geweiht—Trugbilder, bloße Namen, bloße Worte im nichtigen Urteil Ich— —endloser Widersinn ewig erneuter Entzweiung, ewig neuer Wiedervereinigung—werdend verwerdende, seiend nicht seiende Welten.

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Durch blindes Vergaffen ist Sinnenwelt.
Sinnenwelt schafft sich wie Liebesrausch, wie aus deinem
inne-Befinden der Traum sich schafft—sinnvoll—sinnlos. Wie ein
Weib, verlangend angeschaut, zu sinnberückendem Reiz wird, so wird
Seele, verlangend angeschaut, zu berückender Sinneswelt—: unsere
Welt! wirklich zwar, doch nicht wahrhaft. Und wie es aus Traum und
Rausch ein Erwachen gibt, so gibt es ein Erwachen aus verlangenden
Sinnen.
Was du in dir Traum und was du außer dir Wirklichkeit nennst, ist
wesenseines—: zu sinnlichen Bildern geworden er Gedanke.

Wie die Schlange, die dich im Traume schreckt, nicht wahrhaft lebt; wie das Schwert, das dich im Traume trifft, nicht von Eisen ist; die Geliebte, die dich beglückt, nicht Fleisch und Blut— —wie Lust und Qual, wie Schlange und Weib im Traum— —so alle Dinge dieser Welt—wirken und sind nicht. Und wie unter deiner Schädeldecke Schwert und Weib Raum hat und alle Gebilde dieser Welt, dazu alles Geschehen und Werden— —so ist die ganze Welt in dir und ist nicht; wirklich zwar, doch nicht wahrhaft— und wie die im Traume wahrgenommenen Gesichte alsbald zu nichts verflattern, so schwindet im Leben alles dahin, was du für wahrhaft geworden hieltest; von allen Welten bleibt Erinnerung, und Erinnerung verweht— und wie es im Traume ein leises Besinnen gibt, so dämmert dir wohl in lichten Augenblicken die Erkenntnis: ich träume diese Welt— und wie du, aus dem Traume voll erwachend, Lust und Grauen abgeschüttelt hast, so erwachst du aus den Freudenqualen unseeliger Erscheinung und schaust wahrhaft—überwunden ist alles Verlangen, geschlossen der Ursprung—nicht mehr ist diese Welt.

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Befangen hält uns alle ein tiefer Traum—ein allfesselnder, ein allumstrickender Wahn, ein unermeßliches Blendwerk—Maya—unsere Welt.

Wie, wenn ein Pilgerzug, in wasserloser Strecke vom Wege abgeirrt, dem Tode ins Antlitz schaut und es ersteht den Dürstenden das Wüstentrugbild: Zelte und Paläste unter wehenden Palmen spiegeln sich in weiten Wasserflächen—was verzweifelnd zu Boden lag, rafft sich freudig auf und strebt entschlossen dem verheißenden Ziele zu und lobpreist bewegten Herzens—vergessen ist alle Qual!—die rettenden Götter. Du aber, mit dem Auge des Wissenden schauend, stehst unbewegt— und die an dir vorübereilen, nach vermeintlichem Glücke jagend, weisen höhnend auf dich zurück: da steht er, der uns lehren wollte, wohl in weisen Gedanken versunken! Ihm vor Augen ist Leben und Lust—und der Narr grübelt, statt zuzugreifen. Durchschaut ist die blendende Erscheinung, als Wahn-sinn erkannt —diese wahr-genommene Welt ist vergänglicher Schein.

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Die Welt ist Erscheinung im Ich—Ich ist Erscheinung in der Welt —wesenlose Erscheinung—Erscheinung des Wesens dieser Welt;— Gottheit in der Erscheinung zum Ich gesunken, im Ich zeitlich an Ort gebannt, im Ich leidende Gottheit—unseelig—selbstvergessen.

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Samsara ist durch Widersinn, keine Wahrheit in Samsara. Aus traumlosem Schlafe erwachst du träumend—träumend glaubst du an die erträumte Welt und an dich selbst. Du jagst nach Träumen und was du erreichst, ist Traum. Erfaß es wohl: nichts mehr. Vom Traum zu Traum enttäuscht, schaffst du in dir den rettenden Gedanken: diese Welt ist nicht Wahrheit, diese Welt ist eigengeschaffenes Trugbild. Was du draußen suchst ist in dir selbst: nach außen langend erlangst du räumlich, was du zeitlich aus dir hinausverlegst; die ganze Welt erlangend, erlangst du dich selbst. Im Feuer der Erkenntnis entzündet sich in dir die Kraft von solchem Trug zu lassen. Du gehst in dich, du entsagst dem Schein, du kehrst dich dieser Welt ab, du bekehrst dich zu Gottheit—Gottheit in dir entringt sich der Erscheinung. Und wie du aus ureigener Kraft die vergängliche Welt schufst, so schaffst du in dir ewige Gottheit—aller Gottesverehrung, aller Völker, aller Zeiten, aller Welten ewiges Ziel—der gewaltige Unterstrom, das Ungestillte in höchster Lust, das Tröstende in tiefstem Leid—: Religion.

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Nur Eines ist: Gottheit—alles Andere ist Lüge. Erwache! Blinder Glaube in dir hält dich in den Fesseln törichter Hoffnung, in ewig erneuter Enttäuschung; deine Sinne halten dich in Leiden und Tod. Erwache aus dem Banne nimmer gestillten Verlangens, erwache aus friedloser Tat, erwache aus Geburt und Tod. Tod ist für Tote. Im Kerker und an den Karren geschmiedet schwinge ich mich aus Ketten und Mauern hinaus—aus Qualen und Herrlichkeiten dieser Welt —in zeitlosem Augenblicke durcheile ich, des Leibes ledig, alle Räume und alle Zeiten, schaue alle Welten und alles Geschen… was von mir, im Kerker oder im Purpur, verachtet oder angebetet, im Reiche des Todes zurückbleibt—bin ich nicht. Davon ist gesagt: "und dieser Leib mag endigen in Asche." Überwunden ist der unseelige Irrtum, gestillt das Verlangen, gefunden der heilige Weg aus Erdenlust und Erdenqual, aus Grauen zu Seeligkeit, aus Tod zu Unsterblichkeit. Nur Eines ist: Gottheit—alles andere ist nichtig. Erkenne dich selbst, besinne dich auf deine Seele. Erfasse das große Wort, das größte, das je eines Menschen Seele erfaßte—erbebe in der Erkenntnis: —ich bin Gottheit— Davon ist gesagt: "brahma bist du und in brahma gehst du auf." Was in dieser Welt zeiträumlich auf einander wirkend, als endloses Werden erscheint, ist deiner träumenden Lust freudiger Widerschein,— von Zeugung zu Überzeugung—deiner Seele blind tastendes Verlangen —und was in dir lebt, lebt in allen Welten. Und wie dein Verlangen ist, solche Welt wird dir, in solcher Welt entstehst du, solche Welt entsteht in dir.

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Welten erglühen—Welten erkalten. Wie Pradschapati von eigener Schöpfung erschöpft ist, so erschöpft sich alle Erscheinung—nicht zu Vernichtung,—zu Erneuung. Alle Welten fallen in sich zusammen, voll-enden in Nichts—ein Nichts, das Alles ist.

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Alle Erscheinung sucht Frieden.
Ebbe folgt auf Flut, Flut folgt auf Ebbe; Flut hier ist Ebbe dort,
Flut dort ist Ebbe hier; Flut und Ebbe zu gleicher Zeit, Flut und Ebbe
am selben Ort.
Die Welten atmen von Nirvana zu Samsara—durch unermeßliche
Freudenqualen von Samsara zu Nirvana—von Wesen zu Dasein in allen
Ewigkeiten und Unendlichkeiten.—
Tagen die Sinne, so nachtet die Seele; wacht die Seele, so ruhen
die Sinne. An Stätten ohne Zahl—in endlosen Räumen—zahllose
Stufen ewiger Entfaltung von Seele zu Sinnen, von Sinnen zu Seele.
Hier deiner Gegenwart leuchtender Sinnentag, brennende Mittagsglut
—dort, deinen Sinnen entrückt, in dunkel geahnten Gedankenfernen:
Frieden, Seelenreich, Gottheit—
Einst, in ungezählten Tagen, leises Entschlummern der Erscheinung,
Aufdämmern der Seele auch hier; Seeligkeit, Erwachen der Gottheit auch
in dir—und in Weltenfernen versunken alle Sinnesherrlichkeit.—
Bin ich, so ist Welt; gebe ich die Welt auf, so ist Gottheit; ist
Gottheit, so bin ich nicht und keine Welt. Darum keine Gottheit da ich
bin, keine Gottheit da Welt ist—und kein Ich, keine Welt in der
Gottheit—Gottheit Welt.
Weltenzeugung—in sich gebundene Gottheit—Sinnenherrschaft—
Samsara—Entsagung—Bekehrung—Überwindung—Erlösung—
Verklärung der Welt in Gottheit—der Seele Seeligkeit—Nirvana.
Also entstehend vergehend sind diese ringenden Welten—sind
nicht—das schweigend sprechende All-Eine:
— brahma —

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So, o Teurer, mühen wir uns, wir in der Geburt Erblindeten, vergängliche Erscheinung zu durchschauen und der Welt, der ewigen, zu nahen. Möge uns ein Lehrer beschieden sein, möge uns ein Führer erstehen—ein Seher—ein Gott. Frieden sei mit dir, o Teurer! Ich habe zu dir vom Endziel des Wissens gesprochen—gesagt, so viel zu sagen deinem Verständnis angemessen war—zu irdischem Heil und zu der Welt Erlösung—stammelnde Worte suchender Seele. Die ersten Hügel im Tiefland sind erstiegen, es lichten sich die Nebel—: vor dir in schier unabsehbaren Fernen leuchten die Höhen von Himavat. Öffne dein Auge göttlichem Lichte—du schaust wahrhaft —und zuschanden geworden ist alle irdische Weisheit—zerstoben die allblendende Erscheinung—erloschen der Weltenschein—ein Traum— was in dir erwacht ist, ist größer als alle Welten—erreicht das Hoheziel der Erkenntnis, erreicht Vollendung—Vollendung in Gottheit.

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So lautet in âranâda-upanishad der adhyaya: Erwachen; wortlos das Letzte: Nirvana.

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So lautet die Upanishad vom Erwachen der Menschheit aus der
Erscheinung—Hüte das Erbe