V
Ihr Baden nahm viel Zeit in Anspruch, die Pflege ihres Haars fast sogar noch mehr. Aus ihrer Kommode, dieselbe auf demselben Platz, die sie von Kind auf benützt hatte, — aus dem untersten Schubfach nahm sie das allerfeinste Unterzeug hervor, das sie getragen hatte. Getragen nur ein einziges Mal, nämlich an ihrem Hochzeitstage — vor der Entweihung. Nachher nie wieder. Aber heute — jetzt, jetzt, jetzt! Jedes Stück, daß sie außerdem noch anzog, war etwas, das kein anderer berührt hatte. Sie wollte sein wie die, die sie in ihren Träumen gewesen.
Sie ging zu den Knaben hinein, die wach, aber noch nicht angezogen waren: „Wißt Ihr was, Kinder, heute soll Tea Euch zur Großmutter bringen!“ Große Zustimmung — auch von Tea, denn das bedeutete einen freien Tag. „Mama, Mama!“ hörte sie hinter sich her rufen, als sie in die Küche hinunter lief, um eine Tasse Kaffee zu trinken, und dann fort. Zuerst wollte sie Blumen holen, dann wollte sie ihre Stunden absagen. Denn jetzt, jetzt, jetzt —!
Auf der Straße fiel ihr ein, daß es zu früh sei, um jemand aufzusuchen. Darum machte sie einen Spaziergang vor die Stadt, den frischesten, fröhlichsten, den sie je gemacht. Sie kam gerade zurück, als Frau Holme aufmachte. Als Ella eintrat, hielt die „Blumenfrau“ ein kostbares Bouquet in der Hand, das gerade fortgeschickt werden sollte. „Das will ich haben!“ rief Ella, sie schloß die Thür hinter sich. „Sie?“ entgegnete Frau Holme, etwas mißtrauisch; das Bouquet war sehr teuer. „Ja, ich! Ich muß es durchaus haben!“ Ella’s kleine grüne Börse war schon heraus. Das Bouquet war vom reichsten Hause der Stadt bestellt, und Frau Holme sagte das. „Das macht nichts!“ antwortete Ella. So viel ehrliche Anbetung für ein Bouquet hatte die andere nie gesehen — und Ella bekam es.
Von da zu Andresens an der Ecke; einer von den Kommis nahm bei Ella Unterricht in Handelsrechnung; sie wollte ihm absagen und ihn ersuchen, dem ganzen großen Kreis Bescheid zu sagen. Sie bat ihn darum mit zündenden Augen, und er versprach es mit Feuer. Das appetitlichste rote Tuch hing gerade vor ihr. Das mußte sie heute um den Kopf binden, wenn sie ausfuhr, denn daß sie heute ausfahren würde, daran war kein Zweifel! Andresen selbst kam dazu, als sie gerade nach dem Preis des Tuches fragte; er sah ein Paar Blumen aus der Papierhülle hervorkommen; „das sind ja herrliche Rosen,“ sagte er. Sofort brach sie eine ab und gab sie ihm. Von der Rose sah er zu ihr hin; sie lachte und fragte, ob er ein wenig von dem Tuche ablassen würde; sie habe nicht ganz soviel Geld bei sich. „Wieviel haben Sie?“ fragte er. „Genau eine halbe Krone zu wenig.“ Er selbst packte ihr das Tuch ein. — Auf der Straße traf sie Cäcilie Monrad; Ella gab einer ihrer Schwestern Klavierunterricht und sparte es sich nun, bis ans andere Ende der Stadt zu traben. Heute glückt mir alles. „Haben Sie von den beiden gelesen; die sich in Kopenhagen zusammen umgebracht haben?“ fragte Cäcilie. Ja, Ella hatte es gelesen; Fräulein Monrad fand es grauenhaft. „Weshalb?“ — Der Mann war ja verheiratet. — „Allerdings,“ erwiderte Ella, „aber nun liebten sie sich!“ Ihre Augen waren ein Glutmeer; Cäcilie schlug die ihren nieder und wurde rot. Da nahm Ella ihre Hand und drückte sie. — Da bin ich in eine Liebesgeschichte hineingekommen, dachte sie und flog mehr als sie ging durchs Villenviertel; der größte Teil ihrer Eleven wohnte dort oben. Auf einem Dache sah sie zwei Staare, die ersten vom Jahr; das Tauwetter vor einigen Tagen hatte sie wohl verlockt. Aber nicht, daß die Staare etwa verzagt gewesen wären; keineswegs, sie liebten! „Mama, Mama!“ hörte sie im selben Augenblick. Das waren doch deutlich ihre Jungen! Sie hatte wohl an sie gedacht, als sie die Staare sah. So sehr hatte es sie in Anspruch genommen, daß sie zu weit an den Straßenrand kam; dabei trat sie auf ein Brettende, das ins Schwanken kam; sie wäre beinahe gefallen. Aber unter dem Brett war es Frühling! Von der Tauwetterzeit übrig geblieben stand da — ja freilich war es Löwenzahn! So langweilig wie er weiter in den Sommer hinein wird — als erster Mann ist er willkommen! Sie beugte sich nieder und nahm die Blumen. Sie steckte sie zwischen die Rosen; der Löwenzahn nahm sich dort dürftig aus; aber der erste im Jahr, und heute gefunden!
Hiernach war sie ganz ausgelassen. Hüpfte die Anhöhen hinunter, als sie fertig war; grüßte gleichmäßig Bekannte und Halbbekannte, und als sie dann Cäcilie wiedersah, legte sie die Blumen aus der Hand, machte einen Schneeball und warf ihr den in den Rücken.
Zu Hause angekommen, ließ sie die Knaben zusammen mit Tea in den Schlitten packen. „Mama, Mama!“ riefen sie und zeigten nach dem Hotel hinauf; Axel Aarö stand dort und grüßte.
Gleich darauf kam er herüber. „Sie sind wohl ganz allein?“ er trat zu ihr. — „Ja;“ — sie machte sich mit den Blumen zu schaffen und blickte nicht auf, denn sie zitterte. „Ist heute Geburtstag im Hause?“ — „Sie meinen wegen der Blumen —?“ — „Ja. Das sind ja herrliche Rosen! Und die da im Glase? Löwenzahn!“ — — „Die ersten im Jahr.“ Er sah sie nicht an. Er stand so unentschlossen da, als überlege er etwas. „Darf ich Ihnen etwas vorsingen?“ sagte er endlich. — „Ja, bester —!“ sie ließ die Blumen, um das Klavier zu öffnen und den Stuhl herunter zu schrauben — und zog sich dann bescheiden zurück. Nach einem längeren, gedämpften Vorspiel, begann er Ole Olsen’s „Sonnenuntergang“ ganz ruhig, ja, so wie er gesprochen und gewesen war, seit er bei ihr eingetreten. Nie hatte er schöner gesungen; seine Gesangskunst war so viel größer geworden. Aber in der Stimme lag derselbe, nein, ein noch trostloserer Schmerz als der, den sie das erste Mal vernommen. „Trauer, Trauer, — ach, ich bin verloren!“ — sie hörte es wieder so deutlich. Als er den ersten Vers zu Ende gesungen hatte, saß sie vorübergebeugt und weinte; sie hatte nicht einmal versucht, sich Zwang aufzulegen. Er hörte es und drehte sich um; gleich darauf fühlte sie daß er ihren Zopf berührte, ja, ihr war, als küsse er ihn; jedenfalls hatte er sich ganz über sie niedergebeugt, denn sie fühlte seinen Atemzug. Aber sie hob den Kopf nicht, sie hatte nicht den Mut.
Er ging durchs Zimmer. Kam zurück, ging wieder. Da wurde es still in ihr, sie saß unbeweglich und wartete.
„Darf ich Sie heute spazieren fahren?“ vernahm sie. Den ganzen Tag wußte sie schon, daß sie zusammen ausfahren würden, sie wunderte sich daher nicht. Gleichwie dies nun in Erfüllung gegangen war, würde das andere kommen. Alles. Sie blickte durch Tränen auf und lächelte. Er lächelte ebenfalls! „Ich gehe und bestelle das Pferd.“ Und als sie nicht antwortete, tat er’s.
Wieder zu den Blumen. Sie hatte sie ihm also nicht geben dürfen. Die paar Blüten Löwenzahn wollte sie fortwerfen.
Als sie sie aus dem Glase nahm, fielen ihr die Worte ein: „Da haben Sie doch etwas Reelles.“ Die Worte waren allerdings nicht vom Löwenzahn gesagt: aber sie waren ihr oft wieder eingefallen; es war nicht wunderlich, daß sie ihr jetzt einfielen. Sie ließ den Löwenzahn stehen.
Aarö blieb lange fort, länger als eine Stunde. Als er aber kam, war er außerordentlich munter. Er saß hinten auf einem flotten Damenschlitten in dem eleganten Pelz von gestern, dem kostbarsten, den sie je gesehen; grüßte mit der Peitsche hinein und sprach und lachte mit den Kindern sowohl wie mit den Erwachsenen, die sich um ihn sammelten, während sie sich ankleidete. Das war bald geschehen; sie hatte nicht viel anzuziehen, brauchte es auch nicht.
Er stand sofort auf, grüßte, packte sie ein, und fort ging es im Trabe. Unterwegs beugte er sich zu ihr und flüsterte: „Wie gütig von Ihnen, daß Sie mitkommen!“ Seine Stimme war so warm, aber sein Atemhauch war anders als vorhin. Sobald der prächtige Hengst im Laufe nachließ, beugte er sich wieder vor: „Ich habe per Telephon ein Lunch in Baadshaug bestellt. Es ist bereit, wenn wir kommen. Sie haben doch wohl nichts dagegen?“ Sie drehte sich um damit sie ihm den Kopf zuwenden konnte; sie stießen beinahe zusammen: „Ich habe vergessen, Ihnen für die Karte von gestern zu danken.“ — Er wurde rot: „Ich habe es nachher bereut,“ sagte er; „aber in dem Augenblick, wo ich die Karte sah, mußte ich an Sie denken. Wie Sie hier heraus passen!“ Jetzt wurde sie rot und zog sich zurück. Da hörte sie dicht neben sich: „Sie dürfen nicht böse werden. Es pflegt so zu gehen; wenn man eine Dummheit wieder gutmachen will, so macht man eine zweite.“ Gern hätte sie seine Augen gesehen während er das sagte; aber sie wagte es nicht. Jedenfalls war es mehr, als was er bis jetzt gesagt hatte. Die Worte fielen weich wie Flaum! Bis heute hatte sie seine Zurückhaltung beinahe mißdeutet, — aber wie schön sie doch alles machte; sie betete sie an. „In einer Weile sind wir im Walde; dort werden wir anhalten und uns umsehen,“ sagte er. Dort dachte sie! Er fuhr im raschen Trabe dahin; sie freute sich, freute sich. Die Sonne funkelte auf dem Schnee, die Luft war warm, sie mußte das Kopftuch lösen, und dabei half er ihr. Wieder fühlte sie seinen Atem; es war etwas — nicht wie Tabak, feiner, angenehmer, aber was war es? Es entsprach ihm selbst gleichsam. Ihr war so wohl, mit solchem Überfluß von Glück in der Landschaft, durch die sie nun fuhren, und die beständig schöner wurde. Auf der einen Seite des Weges die Berge, die weißen Berge, denen die Sonne einen rötlichen Glanz gab! vor den Bergen Anhöhen, zum Teil mit Wald bewachsen, und zwischen den Anhöhen lagen Höfe. Auf der anderen Seite des Weges hatten sie die ganze Zeit das Meer; aber zwischen ihnen und dem Meer flache Strecken, vielleicht Moore. Das Meer selbst grauschwarz gegen die Schneegrenze; das sprach herein von anderen Seiten des Lebens. Von ewiger Unruhe, salzigem Ernst, nur Protest auf Protest gegen das Schnee-Idyll.
Während des Tauwetters waren Zweige, Stämme, Zäune feucht gewesen; der erste Schnee der dann kam, war ebenfalls feucht an sich und klebte gut fest. Als dies dann zusammenfror, und das Schneegestöber immer gleichmäßig überwältigend blieb, da bildeten sich Figuren über den ersten erstarrten Formen, wie man selten etwas Ähnliches sieht. Die Schwere des ersten feuchten Schnees machte, daß er hinabsickerte, an irgend einer Unebenheit haften blieb und sich dort sammelte; oder unter die Zweige hinabglitt oder zu beiden Seiten der Zaunpfähle. Als dies sich nun in Ruhe fügte und vermehrte, kamen die schnurrigsten Tiere zum Vorschein, — weiße Katzen, weiße Hasen, die mit krummem Rücken und gestrecktem Vorderleib an den Baumstämmen in die Höhe kletterten, oder unter den Zweigen manövrierten, oder oben auf den Hürdenstangen einen Buckel machten. Zottige, weiße Tiere, oft so groß wie der Marder, aber sogar auch groß wie der Luchs, ja, wie der Tiger. Demnächst allerhand kleines Getier, weiße Mäuse, Hermeline, oben und unten und drüben. Und alle möglichen Raritäten, Kobolde, die an den Beinen hingen, Pierrots, Gnomen auf den äußersten Spitzen der Hürdenpfähle, Heinzelmännchen mit Rucksäcken; oder eine hingeworfene Kappe, eine Nachtmütze, ein Tier ohne Kopf, ein anderes mit einem Schweif von ungeheurer Länge, ein großer Fausthandschuh, eine umgestülpte Wasserkanne. An einigen Stellen bloßes, schwarzes Laubwerk als Verzierung an der weißen Wand, an andern große Schneelasten in den Nadelbäumen mit Grün drüber und drunter, mächtige Farbenmengen gegeneinander.
Aarö hielt an; sie stiegen beide ab.
Da stürmte eine Reihe ganz anderer Eindrücke hervor. Dicht neben ihnen lag ein alter Bursche von einem Stamm, halb umgestürzt im Spiel des Lebens. Aber träumte er nicht jetzt im Winter den schönsten Traum, nämlich daß er jung sei? Beim ausgelassenen Aufbauen schneeweißer Herrlichkeit hatte er alle Schmerzen und Hinfälligkeit vergessen; versteckt war das Moos auf seiner Haut, die Fäulnis der Wurzel war zugedeckt, die Narben von den verlorenen Zweigen unsichtbar. Eine gebrechliche Pforte war ausgehängt und an den Zaun gelehnt, sie war zerbrochen und unbrauchbar. Auch sie hatte des Winters Künstlerhand aufgesucht und erneuert; jetzt war sie ein architektonisches Meisterwerk. Die schiefstehenden, dunklen Zaunpfähle waren junge Stutzer mit schiefem Hut und munteren Mienen. Die alten, schmutziggrauen, moosbewachsenen Hürdenstangen — man kann sich das Paradies hinter keiner schöneren Einfriedung träumen! Ihre Schwäche war bei der Auferstehung ihre Stärke geworden, Sprünge und Äste im Holz der vorzüglichste Baugrund für den Schnee, jedes Loch mit einem Wisch himmlischer Krystalle zugestopft; entstellende Unebenheiten schon seit der Zeit, wo sie gespalten worden, waren nun zugedeckt und geküßt, beruhigt und geschmückt, alle Fehler mit aufgenommen in die weiße Gemeinschaft.
Eine verfallene Tenne unterhalb des Weges, ein wohlausgedienter Mutterarm für Laub und Torf, — ebenfalls aufgesucht und verschwenderischer übergossen, als die reichste Braut der Welt. Aus des Himmels reichstem Schoß mit solchem Überfluß beschüttet, daß der Schnee in weißen Fahnen einen halben Meter weit über das Dach hing, an einigen Stellen mit hoher Kunst wieder aufgefaltet. Die grauschwarze Wand unter den Fahnen sah dadurch aus wie ein altes persisches Gewebe; die ganze Tenne hätte fertig in einem Shakespeareschen Drama auf die Bühne gestellt werden können. Hinten die Berge, vorn die Höhen, alles glänzte in der Sonne wie einst im Hosianna der Juden.
Ella vernahm aus der Ferne fortwährend zwei zarte Stimmen „Mama, Mama!“ die in dies alles hineinklangen. Als sie sich nach ihrem Begleiter umsehen wollte, saß er tiefergriffen auf dem Schlitten, während die Tränen ihm über die Backen liefen.
Bald fuhren sie weiter, aber langsam. „Ich erinnere mich dieses schmutzigen Weges,“ sagte er; die Stimme klang so wehmütig, „die Bäume gaben so viel Schatten, so daß er selten trocken wurde; aber jetzt ist er doch sehr fein!“ Da drehte sie sich um und hob den Kopf empor: „Ach, singen Sie etwas!“ — Er antwortete nicht gleich; sie bereute, daß sie darum gebeten hatte; dann aber sagte er: „Ich wollte schon, aber da kam eine solche Erregung über mich. — Sprechen Sie jetzt eine Weile nichts, dann kann ich’s vielleicht. Das alte Winterlied nämlich.“ — Sie sah ein, daß er nicht eher singen konnte, als bis es für ihn selbst so recht zur Wahrheit wurde. Solche stillen Schwärmer dachte sie, sind wählerischer in Bezug auf das, was echt ist. Das meiste ist ihnen nicht echt genug. Deshalb berauschten sie sich auch so gern, sie wollten hinaus, mußten eine Welt für sich allein schaffen. Ja, nun sang er:
Müde schlummert der Sommer ein,
Winter decket ihn sorglich zu.
„Bächlein,“ sagt er, „geht nun zur Ruh,
Wogen, lasset das Plätschern sein!“
Weste schweigen die kosenden,
Stürme heulen, die tosenden.
Somren sovned i Vintrens Favn,
Vintren rejste sig, daekked til,
„rolig“ sa han til Elvens Spil,
„rolig“ sa han til Gaard og Havn.
Tause blev de saa, Skogerne.
Hjemme hörtes kun Slogerne.
All den Duft, den der Sommer gab,
Fein verwahrt er fürs nächste Blüh’n,
Ruhen durft er für all sein Müh’n.
Bäume senken das Laub herab,
All, die Blumen, die prächtigen,
Bergen sich vor dem Mächtigen.
Al den Ting, som var Somren kjaer,
fint forvartes til naeste Gang;
Hvile fick det for al sin Trang,
Markens Spirer og Vand og Traer.
Gjemtes som Kjaernen i Nödderne,
Mulden smuldred am Rödderne.
Was der Sommer an Krankheit bracht,
Pestkeim, den seine Glut erzeugt,
Winterkälte hat ihn verscheucht,
Hoch auf Bergeshöh er erwacht,
Atmet die Lüfte, die tauenden,
Grüßet die Gipfel die blauenden.
Alt, hvad Somren af Sygdom led,
Pestfrö over dens Liv og Frugt,
Vintren draebte i Frost og Flugt —
vaagne skal hun i fjaeldblaa Freed,
toet af Sneen og Vindene,
hilset af Sundhed i Sindene.
Über des schlafenden Sommers Stirn
Streut der Winter gar holden Traum,
Sternenhoch trug er im Weltenraum
Ihn zu der Nordlicht umstrahlten Firn,
Durch die Zeit, die nie säumende
Fort — bis erwacht der Träumende.
Over den sovendes höstgraa Bryn
Vintren strödde saa fager Dröm,
stjaernehöj, hvid-hvid i Nordlys-Ström
bar den hende fra Syn til Syn
gjennem de lange Dögnene
Er, den grausam und bös’ sie schmähn,
Schaffet, was er doch nie darf seh’n;
Er, der Räuber und Mörder genannt,
Schirmet und wachet all Jahr im Land, —
Weiter eilt dann der Flüchtige,
Harrt auf die Zeit, die richtige.
Han, som skjaeldtes for vond og vred,
lever for det, han ej faar se;
han, som skjaeldtes for Morder, han
skjaermer og tor hvert Aar vort Land, —
gjemmer sig saa i Fjaeldene,
til det blir kaldt am Kvaeldene.
Die vielen kleinen Schellen begleiteten den Gesang wie Sperlingszwitschern; seine Stimme läutete zwischen den Bäumen den Gottesdienst des Menschengeistes in den weißen Hallen ein.
Ein Tag, das fühlte Ella, bezahlte für tausend. Ein Tag tut das, was das Winterlied erzählt, er wiegt einen müden Sommer zur Ruhe, dämpft seine Krankheitskeime, zerbröckelt die Erde für den neuen, macht die Nerven stark und die dunkelste Zeit hell. In ihm sammeln sich all unsere langen Träume. Was hätte nicht auch aus ihr werden können, wie klein sie auch war, wenn sie viele solche Tage gehabt hätte? Was hätte sie dann nicht für ihre Knaben werden können?
Sie kamen an ein langes, weißes Gebäude zwischen zwei Flügeln, alle von Holz. Auf dem Hofplatz standen viele Schlitten mit aufgestellten Gabeldeichseln; es waren also schon mehrere Gesellschaften hier. Ein Stallknecht führte ihr Pferd fort; der Diener, der sie bedienen sollte, war gleich zur Hand, um ihnen zu helfen, und ein Mann im bloßen Kopf mit jovialem Gesicht kam dazu; es war Peter Klausson! Er schien sie erwartet zu haben und wollte Ella durchaus beim Ablegen behilflich sein. Aber er roch nach Cognac oder was es war; um ihn los zu werden, fragte sie nach dem Zimmer, in dem sie speisen sollten. Sie wurden in ein warmes, gemütliches Zimmer mit gedecktem Tische geführt; dort half Aarö ihr mit den Sachen. „Ich konnte Peter Klaussons Atem nicht ertragen,“ sagte sie. Da lächelte Aarö.
„In Amerika hat man Mittel gegen dergleichen.“ — „Was meinen Sie?“ — „Man nimmt etwas, das den Atem anders macht.“ — Gleich darauf bat er, ihn zu entschuldigen, er habe noch dies und jenes anzuordnen. Sie war also allein, bis angeklopft wurde; es war wiederum Peter Klausson! Er sah ihr Erstaunen und lächelte: „Wir werden ja zusammen speisen,“ sagte er. — „So?“ — Sie sah nach dem Tisch; er war für fünf gedeckt! — „Haben Sie kürzlich von Ihrem Manne gehört?“ — „Nein.“ — Lange Pause. Ist Peter Klausson eine Gesellschaft für Axel Aarö? Der beste Kumpan ihres Mannes? Aarö, der nur haben wollte, was echt war? Aber im selben Augenblick, da sie dies gedacht hatte, mußte sie auch zugeben, daß Peter Klaussons unmittelbare Natur vollkommen ehrlich sei, was er sonst auch immer sein mochte.
Der Diener brachte einen Korb mit Wein ins Zimmer, schloß die Tür aber nicht eher hinter sich, als bis er von draußen noch mehr hereingeholt hatte, nämlich Champagner in Eis. „Ist all der Wein für uns?“ fragte Ella. — „Wie ich sehe,“ erwiderte Peter Klausson; er war sichtlich erfreut. — „Aarö trinkt doch keinen Wein?“ — „Aarö? Er hat mich aufgefordert, heute herauszukommen — ich kam zufällig zu ihm hinauf, — und da haben wir beide den allerfeinsten Cognac getrunken.“ — Ella kehrte sich nach dem Fenster um, denn sie fühlte, wie sie erbleichte.
Gleich darauf trat Aarö ein, so höflich und vornehm, daß Peter Klausson die Hände aus den Hosentaschen ziehen mußte; er wagte beinahe nicht zu sprechen. Aarö teilte mit, daß er Holmbos eingeladen habe; gerade eben hätten sie abgesagt; sie mußten sich jetzt alle drei an ihrer gegenseitigen Gesellschaft genügen lassen. Er führte Ella zu Tisch. Aarö zeigte sich als der liebenswürdigste und der erfahrenste Wirt. Mit dem deutschen Diener sprach er englisch und gab fortwährend kleine Winke in Bezug auf das Anrichten; er verdeckte die Sünden des Dieners, brachte Kleinigkeiten zur Geltung — alles so, daß man es kaum merkte. Gleichzeitig nährte er eine einfache Unterhaltung durch kleine Anekdoten aus seinem gesellschaftlichen Leben. Er schenkte niemals selbst ein; wenn er trank, zitterte ihm die Hand. Auch früher glaubte sie dies schon bei ihm gesehen zu haben; jetzt quälte es sie.
Der erste Gang waren Austern, und davon aß sie tüchtig; sie war sehr hungrig. Aber später konnte sie weniger und immer weniger mitkommen, ja, zuletzt war es, als würde ihr die Kehle zusammengeschnürt. Sie hätte ebenso gut weinen wie essen und trinken können.
Anfangs war es ihr nicht recht klar, weshalb. Wohl, daß es so ganz anders war, als sie geträumt hatte: der herrliche Tag war im Begriff eine Enttäuschung zu werden. Im Beginn dachte sie: dies wird wohl einmal ein Ende nehmen, und dann haben wir es auf dem Heimwege wieder angenehm. Aber nach und nach, als seine Laune immer ausgelassener wurde, erwies er ihr alle erdenkliche Aufmerksamkeit, ja, sie wurde von beiden Kavalieren zugleich gefeiert — bis sie hätte schreien mögen. Nach der Mahlzeit wurde sie elegant an Aarös Arm in ein anderes Zimmer geführt, das ebenfalls in Bereitschaft gehalten war — gemütlich, prächtig mit einem Klavier.
Der Kaffee wurde sofort serviert (mit einem „Avec“) und unmittelbar darauf baten die Herren um Erlaubnis, einen Augenblick rauchen zu dürfen, es solle nur ganz kurz sein. Sie gingen — und ließen sie allein. Dies war nicht einmal mehr höflich — und nun erst begriff sie, daß nicht nur der Tag, sondern Aarö ein anderer geworden, als sie gedacht hatte! Das große Dunkel der Ballnacht kam über sie hergezogen; sie kämpfte dagegen, sie erhob sich und ging, wollte hinaus, als könne sie ihn dort so wiederfinden, wie sie ihn in ihrer Vorstellung hatte. Sie suchte den Weg nach dem ersten Zimmer, nahm dort ihr rotes Tuch um und war gerade auf den breiten Platz vor dem Gebäude gekommen, als der Diener vom Mittag hinter ihr her kam und etwas auf englisch sagte, was sie anfangs nicht verstand; sie war nämlich zu sehr mit den eigenen Gedanken beschäftigt, um sofort die Sprache wechseln zu können. Der Diener erzählte, daß einer von ihren Begleitern krank geworden sei; der andere sei nicht zu finden. Als sie die Worte bereits verstand, begriff sie nicht, was es sei, sondern folgte ihm mechanisch. Unterwegs fiel ihr ein, daß Aarös Zunge ihm nicht ganz gehorcht habe, als er nach dem „Avec“ um Erlaubnis gebeten, hinausgehen und ein wenig rauchen zu dürfen; ihn hatte doch wohl nicht der Schlag getroffen —!
Sie kamen am Rauchzimmer vorbei, das ihr im Vorübergehen voll erschien — jedenfalls voll Rauch und Gelächter. Die Tür zu einem kleinen Zimmer daneben wurde geöffnet; dort lag Axel Aarö auf dem Bette; er mußte sich dort hinein geschlichen haben — vielleicht um noch mehr zu trinken. Er hatte nämlich eine kleine, dicke Flasche mit hineingenommen, die auf einem Tische neben dem Bette stand. Auf diesem lag er selbst, vollständig angezogen mit erloschenen Augen, ohne Kraft oder Empfindung; er sagte zu ihr: „Tip, tip, Peté!“ Er wiederholte es mit ausgestrecktem Finger: „Tip, tip, Peté!“ Beidemal in der Fistel. Sollte das Peter heißen? Glaubte er, sie sei ein Mann? Hinter ihm auf dem Kopfkissen lag etwas Haariges; es war ein Toupet; jetzt sah sie’s, er hatte eine Glatze. „Tip, tip, Peté!“ hörte sie hinter sich, als sie hinausstürzte.
Armseliger als jetzt Ella in ihren Pelzschuhen und Winterkleidern so schnell, wie ihre kurzen Beine sie tragen konnten, nach der Stadt zurücktrabte, ist wohl selten jemand über einen Landweg gelaufen. Der schwere Mantel, den sie auf der Fahrt gehabt, war aufgeknöpft, das Kopftuch trug sie in der Hand, und doch schwitzte sie, daß es herab tropfte; die Vorstellung beherrschte sie, daß es die Träume seien, die von ihr abfielen!
Anfangs dachte sie nur an Axel Aarö, den unglückselig Verlorenen! Morgen oder übermorgen hatte er das Land verlassen, sie wußte es bereits, und diesmal für alle Zeiten!
Aber wenn sie es sich so recht entsetzlich ausmalen wollte, wie es war, dann lag das Toupet auf dem Kopfkissen und sagte: „Es war doch wohl nicht alles so echt mit Axel Aarö?“ Doch, doch, — was konnte er dafür, daß er so früh kahl geworden war? Hm, erwiderte das Toupet, er hätte es eingestehen können.
Ella arbeitete sich vorwärts. Glücklicherweise begegnete sie niemand, auch kam niemand von all denen, die jetzt auf Baadshaug waren, hinter ihr her; sie mußte ja komisch aussehen, schwitzend und weinend mit aufgeknöpftem Mantel, in Pelzschuhen mit dem Tuch in der Hand. Sie versuchte ein paarmal, langsamer zu gehen, aber der Aufruhr in ihr war zu stark, und dann lag es in ihrer Natur, sich vorwärts zu arbeiten.
Aber in ihrem gejagten Blut meldete sich die kräftige Frage: Möchtest du, Ella, nun all deine Träume entbehren, da es jedesmal so jämmerlich damit gegangen ist? Da flennte Ella laut auf und erwiderte: nicht, wenn es mein Leben gälte! Nein, denn die Träume sind das Beste, was ich gehabt habe; sie haben mich gelehrt auszuhalten, sie haben mir gegeben, womit ich all das andere messen kann, so daß ich niemals etwas für hoch halte, was niedrig ist. Nein, meine Träume, die habe ich auch um meine Kinder gewebt, so daß ich jetzt tausendmal mehr Vergnügen an ihnen habe. Die, und dann die Blumen, das ist alles, was ich habe. Und sie flennte und arbeitete sich vorwärts.
Aber nun sind dir ja keine Träume mehr geblieben, Ella!
Anfangs wußte sie nicht, was sie darauf antworten sollte; es schien ja allzu wahr, allzu entsetzlich wahr, — und das Toupet zeigte sich wieder.
Gerade hier hatte Aarö das Winterlied gesungen. Wie das Zwitschern der Schellen die Weise begleitet hatte, so begleitete jetzt das „Mama, Mama!“ der zarten Stimmen ihre Tränen. Es war nicht wunderlich, denn sie lief ja zu ihren Knaben, aber jetzt meldeten sie sich, als wären sie’s, von denen sie träumen sollte. Nein, nein, „da haben Sie doch etwas Reelles,“ antwortete es mit Aarös Stimme; sie erinnerte sich, wie er es gesagt, sie erinnerte sich seiner Wehmut dabei. Hatte er wirklich an sie und sich gedacht und an die Knaben und sie? Hatte er seine eigene Schwäche mit ihrer Gesundheit und Zukunft gemessen? Sie kam wieder weit von den Knaben ab; sie war wieder bei all seinen Worten und Blicken, um das Rätsel zu deuten; aber darunter brach das Sehnen und der Schmerz wieder auf, wie nie zuvor; das ganze Leben war vorbei, der Traum zu alt in ihr, zu stark, zu lieb, die Wurzeln konnten nicht ausgerissen werden, unmöglich! Sie waren ja ungefähr alles, was sie den nächsten Tag sehen würde, berühren, vornehmen würde! — — Zu aller Verzweiflung kam noch, daß die Knaben nicht zu Hause waren; sie kam an ein leeres Haus.
Aber Kräfte waren in ihr. Denn als sie nach Hause kam und gebadet und sich schlafen gelegt hatte, und der Mondschein von gestern abend ins Zimmer sah und erwähnte, was sie mit einander gehabt hatten, da warf sie sich im Bett umher und weinte laut wie ein Kind; hier konnte niemand sie hören, niemand hereinkommen. Ihr Herz war jung, wie damals, als sie siebzehn Jahre alt war; es konnte und wollte nicht aufgeben!
Was war es denn eigentlich, was sie heute gewollt hatte? Ja, das wußte sie nicht; — nein, sie wußte es nicht! Sie wußte nur, daß dort ihr Glück sei, und nun hatte sie es darauf ankommen lassen. Jetzt lag sie hier enttäuscht und betrogen in einer Weise, wie gewiß wenige vor ihr es gewesen.
Sie vermochte aber auch nicht, ihn zu entheiligen. Deshalb zog die Winterweise mit seiner Stimme vorüber, gut, voll, traurig; die wollte gleichsam alles für sie ordnen. Und gehorsam wie ein Kind legte sie sich zurecht und lauschte. Was sagte sie? Freilich, die sagte, daß die Träume zwei Sommer zusammenbänden, den, der war, und den, der sich langsam aufs neue emporarbeitete, dank den Träumen, die gewacht hatten. Sie sagte auch, daß die Träume etwas für sie seien, oft höhere Wirklichkeit, als die der Verhältnisse. Sie hatte das ja oft so empfunden, wenn sie mit ihren Blumen beschäftigt war.
Bei all ihrer Ruhelosigkeit im Bette war der Zopf an ihre Seite geraten. Wehmütig zog sie ihn herauf; noch heute hatte er ihn geküßt.
Und dann legte sie sich auf die Seite und nahm ihn zwischen die Hände und weinte.
„Mama, Mama,“ flüsterte es. Und so schlief sie ein.
Ivar Bye
Deutsch von G. I. Klett
An seinem Sterbebett gab ich mir selbst das Versprechen, sobald seine Geschichte einst öffentlich erzählt werden könnte, wollte ich es tun. Aber ich wußte, in dem ersten darauf folgenden Menschenalter konnte dies kaum geschehen.
— — — — — — — — — —
Nun hat sich öffentlich vor aller Augen in Norwegen etwas ereignet, das bis zu mir dringt und fragt: Ist die Zeit noch nicht gekommen?[1]
Ivar Bye’s Name war den Meisten bekannt, welche die Eröffnung des norwegischen Theaters in Christiania sahen. Bis in die fünfziger Jahre waren wir künstlerisch ein von Dänemark abhängiges Land; wir waren ohne dramatische Literatur, ohne Schauspieler und, der Ansicht vieler gebildeter Norweger zufolge, absolut unfähig, dies Beides zu erlangen, — bis Ole Bull den Braven zeigte, daß dennoch ein großes Schauspielertalent im Volk steckte, und daß die Stücke von selbst kamen. Nach dem Bergenser norwegischen Theater, das er errichtete, erstand das Christianiaer norwegische Theater, in Gang gebracht von einigen Patrioten, deren einziger überlebender der alte Oberlehrer K. Knudsen[2] ist. Am Eröffnungstag des norwegischen Theaters war Ivar Bye mit dabei. Ein dunkler, breitschultriger Mann von schlanker Taille, einen Kopf so schön von Form, so gut und edel von Gesichtsausdruck, daß keiner ihn vergaß. Die Stirn breit und hoch, das Haar fast schwarz, die Augenbrauen gewölbt, eine Adlernase, schmal, fein, — und dazu die guten, grauen Augen mit einem Schelm drin, sobald er sprach. Dann verzog sich auch der Mund gern zu einem Lächeln, voll von Erotik und erhellt von einem Schimmer herrlicher Zähne in breiter Rundung. Diese grauen Augen und der Mund taten gute Dienste zusammen, machten unablässig Eroberungen unter Männern und Frauen, alten und jungen. Aber im Stillen. Obgleich sein Kopf auf einem recht langen Hals aufrecht getragen wurde, und obschon das Kinn vorspringend war und Mut bekundete und obschon das hagere, bräunliche Antlitz Energie verhieß, — immer kam er gedämpft und rücksichtsvoll.
Zwei Mängel hatte der Körper; er war nicht rund ausgebaut, sondern eher flachgedrückt, und die Kniee waren nicht frei von der Neigung, auseinander zu gehen. Die Meisten sahen das nicht; sie hielten sich an seinen schönen Gang, dessen angenehmen Rhythmus sie empfanden. Nie hat jemand ihn irgendwo im Vordergrund gesehen, wo sie ihn aber zu Gesicht bekamen, da zog er die feineren Naturen an. Und auch die andern fühlten, hier war ein Mann von Rasse.
Und das war er. Aus einer alten norwegischen Beamtenfamilie, in der das Erbe unsrer ältesten Geschlechter steckte, er hieß nicht Bye.
Sein Großvater hatte als Beamter Kassendefraudation begangen, und obwohl die Umstände nicht sonderlich gravierend waren, empfanden es die Kinder als eine solche Schande, daß sie einen andern Namen annahmen. Ivars Vater war zum Offizier bestimmt, ich glaube auch, er war auf der Kriegsschule; aber nach des Vaters Fall mußte er sich damit zufrieden geben, Sergeant zu werden.
Jeder Moldenser Schuljunge aus meiner Zeit erinnert sich an Sergeant Bye, wenn er in der Stadt war .... stets betrunken. Ein mittelgroßer, breit ausgehauener Mann mit großer Adlernase und mit einer gewissen Würde in seinen Bewegungen. Selbst wenn er am allerbetrunkensten war, bewahrte er die. Er konnte nicht gedeihen in der Umgebung, zu der er herabgesunken war, und so schuf sein romantisches Naturell sich manche sonnige Stunde, in denen er den Herrn spielte. Alle rühmten seine Güte und Rechtschaffenheit.
Der Sohn hatte denselben Drang aus dem Bauernleben heraus. Draußen an der Küste ging es damals recht eng und ärmlich zu. Da saß er als Hirte und träumte davon, das Geschlecht zu ehemaliger Herrlichkeit emporzuheben; er erzählte diese großen Träume bloß seiner kleinen Schwester, sonst niemand. Die beiden Geschwister hielten sich ganz für sich.
Der kleine Ivar hatte ein unglaubliches Talent, sie und sich selbst herauszuputzen. „Etwas zu machen aus nichts oder aus einer ungeeigneten Materie,“ wie das religiöse Lehrbuch meiner Zeit „die Schöpfung“ definierte. Zum Lohn für dies Talent wurde, als er älter war, Vaters abgelegte Uniform für ihn gewendet und zugeschnitten, so daß er sich eines Tages in der Stadt in blauem Tuchanzug, mit blauer Mütze zeigen konnte! Das war wohl der höchste Festtag seines Lebens! Er wurde auch gleich um seiner ungewöhnlichen Schönheit willen bewundert. Die Gesellschaft anderer als der Zöglinge der höheren Schule verschmähte er. Er erzählte mir später, wie er lange vergebens darauf brannte, mit in das Spiel der großen, vornehmen Jungens zu kommen. Und es glückte, — dank Einem insbesondere, dem Herrn über alle andern. Die Hingebung und der Stolz des kleinen Jungen kannte keine Grenzen.
Hier hatte er auch seine erste Liebe. Es war kein Mädchen, sondern ein fast erwachsener Kamerad unter denen, die sich seiner angenommen hatten, — schön, verwegen, herrschsüchtig, schon recht lebenserfahren, schon ziemlich verdorben. Aber das verstand Ivar nicht; er bewunderte seine Flottheit, sein Befehlshabertalent, seine herablassende Leutseligkeit, — und vielleicht vor allem seine große Schönheit, seine hohe, schlanke Figur, seine ungewöhnlich weiße Haut zu schwarzem Haar — nicht zu vergessen seine gesellschaftliche Gewandtheit und die Gunstbeweise der Frauen ihm gegenüber; das war für den Knaben etwas ganz Neues. Das war der Herrentyp, das Ideal des Knaben.
Unter all diesen Kameraden war Ivar der kleinste und behendeste, wenn es gefahrvolle Schelmenstreiche galt, z. B. Äpfel und Beeren in den Gärten stehlen und verschwunden sein, wenn der Eigentümer oder andre den Lärm hörten und herbeikamen. Jedesmal, wenn sie etwas derartiges angestellt hatten, wie eine Schnur über den Weg spannen, so daß die Bauern, wenn sie betrunken von der Stadt zurückkehrten, drüber fielen und die Pferde durchgingen, oder wenn sie die Leinen an den Booten der Bauern durchschnitten hatten, so daß sie ins Meer hinaustrieben ... jedesmal, wenn sie etwas derartiges angestellt hatten, ohne entdeckt zu werden, so hielten sie das für „eine Tat“. In Stadt und Umgegend davon reden zu hören, das war ein Jux!
An einem Ende der Stadt lebte eine geizige, zornmütige Witwe, die einen Laden und einen großen Garten besaß; mit diesem Zornbesen lagen sie ganz besonders in Fehde, d. h. sie wußten, wem sie ihren Schabernack spielten; aber die Alte wußte nicht, gegen wen sie Wachen ausstellte, den Hund hetzte, in die dunkeln Herbstabende hinaus schalt und drohte. So lange trieben sie das, bis sie fanden, es sei nötig, noch mehr zu tun. Der Vorschlag des Anführers, daß sie sich eines Abends in den geschlossenen Laden schleichen und ihre Kleingeldkasse (sie wußten, in welcher Schiebelade sie stand) entwenden wollten, fand allgemeine Zustimmung. Das war ein „Hauptulk“; ihr Zorn würde gradezu in „Besessenheit“ ausarten! Der Jüngste und Behendste wurde durchs Kellerfenster hineinkommandiert, die Andern standen Wache.
Aber wie es nun zuging, — der Jüngste und Behendste wurde entdeckt. Und mit einem Mal erhielt die Sache ein Aussehen, wie es keiner der Spaßmacher sich gedacht hatte.
An die Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr. Das Ende war, daß er, der den Streich auf Befehl ausgeführt, die Kasse abgeliefert und keinen Vorteil davon gehabt hatte, — der Einzige war, der gefaßt, angeklagt und verurteilt wurde. Die andern waren „guter Leute Kinder“. Es waren auch verschiedene Konfirmierte unter ihnen, für die die Strafe allzu ernst geworden wäre; denn die Gesetze jener Zeit waren streng.
So drangen denn die andern Knaben und deren Eltern mit Bitten und Versprechungen auf ihn ein; der Gefängniswärter gab freien Zutritt. Es wäre gar nicht notwendig gewesen, ihn zu bitten, alles auf sich zu nehmen; er hätte gern sein Leben für die Kameraden gegeben. Besonders für den Großen mit der weißen Haut und dem schwarzen Haar. Es war eine Freude für ihn, als schließlich auch der kam und sagte: „Du sollst es nicht bereuen,“ — und ihm dazu übers Haar strich.
Wohl tat es weh, als Vater und Mutter kamen und ihn gar nicht verstehen konnten. „Er, der immer so lieb und gut gewesen war, — er sollte nun ihre Schande werden!“ Der Knabe weinte bitterlich mit ihnen; aber schwieg.
Und dabei bliebs auch an dem schweren Tag, als er in seinem hübschen blauen Anzug an Bord des Dampfschiffes mußte; er sollte in das Trontheimer Zuchthaus überführt werden, um dort „konfirmiert“ zu werden. Er durfte an der Reeling stehen und nach der Stadt hinüberblicken; er wollte gern aufpassen, ob keiner von denen, für die er die Reise tat, in einem der Boote drunten war. Er durfte an der Reeling stehen, bis das Dampfboot abfuhr. Aber er sah keinen von ihnen.
Im Zuchthaus wurde er vom ersten Tag an aller Liebling. Sie hatten Mitleid mit dem schönen, lieben Jungen; sie wetteiferten darin, etwas für ihn zu tun, damit er vorwärts käme, wenn er einst entlassen würde.
Hier, im Trontheimer Zuchthaus, wurde er auch konfirmiert. Hier las, rechnete und schrieb er, und noch eh er heraus kam, war ihm eine Stelle als Laufbursche bei einer der ersten Familien der Stadt gesichert. An dem neuen Platz wiederholte sich dasselbe, — alle nahmen sich seiner an. Sein Unterricht wurde fortgesetzt, er bekam hübsche Kleider; es machte ihnen Spaß, ihn zierlich gekleidet zu sehen, so schön, wie er war. Ja, er erhielt eine Guitarre geschenkt und lernte darauf spielen, denn er hatte Stimme und begleitete sich nun selbst. Die guten Feen, die in dieser Weise Rosen auf seinen Weg streuten, waren natürlich hauptsächlich Damen; auch ein Liebesverhältnis spielte dabei mit.
Und bald mehrere.
Er erlebte in dieser Richtung die wunderlichsten Dinge, von denen ich je gehört habe. Ich bin wohl der Einzige, zu dem er davon gesprochen hat; aber auch da fast nur in Andeutungen. Näheres darüber zu erzählen, habe ich nicht das Recht. Ich glaube, daß diese seine Gabe, zu schweigen, eben weil sie aus rücksichtsvoller Güte geboren war, die Frauen zu ihm hinzog, — mehr noch als seine Schönheit; mehr noch als andre erotische Eigenschaften, die wie ein Geheimnis unter ihnen umgingen. Über derartiges können Frauen ja nicht schweigen.
Nach außen hin war dies sicherlich seine glücklichste Zeit. Aber wenn ich später darüber nachgedacht habe, ist mir mehr und mehr der Glaube gekommen, daß er da einen Knax fürs Leben bekommen hat.
Man darf ja wohl annehmen, daß die Knabenträume, die er mir erzählte, aus Kräften in ihm entsprangen, aus einer Energie, die später nicht zur Reife gedieh. Ich gebe jedoch zu, daß ich sein Geschlecht nicht kenne und es deshalb so genau nicht wissen kann. Nicht alle Träume sind eine Selbstprophezeihung von Kräften; sie können auch nur als Erinnerungen aus der Vergangenheit des Geschlechts mittreiben.
Später, als ich ihn traf, war er ohne starken Lebensdrang, ohne sonderliche Unternehmungslust; und unter all der Liebe, in deren Mitte er lebte, war keine, die seinen Sinn ganz erfüllte. Seine Schwärmerei war damals, mit einem oder dem andern seiner Freunde unter den Kapitänen hinauszukommen. Eine Reise nach Hamburg, Bremen, Kopenhagen, Schweden machen, oder andre Städte in Norwegen besuchen zu können. Ich erwähne dies besonders, weil es besonders charakteristisch ist.
Die Sache war nämlich die: er wußte nicht, oder wollte nicht wissen, wohin.
Es war, als müßte ein andrer kommen und bestimmen. Er verließ Trontheim und kam nach Christiania, wo man den hübschen Menschen in einem Laden sehen konnte. Rasch hatte er einen neuen Kreis von Freunden und Freundinnen; aber immer dieselbe Unentschlossenheit.
Da liest er in der Zeitung, daß seine Bewunderung aus den Kindertagen, der Mann mit der weißen Haut und dem schwarzen Haar, im ersten Hotel der Stadt wohnt!
Er hat mir später erzählt, daß er vor Erregung zitterte und sich krank melden mußte; er konnte seine Gedanken nicht zur Arbeit sammeln. All die Jahre hindurch hatte er, oft ohne es sich selbst zu gestehen, auf ihn gewartet. Das Letzte, was er aus dem Mund des Freundes, in dem ihm eigenen, selbstherrlichen Ton gehört hatte, war ja: „Du sollst es nicht bereuen!“ Eine runde, volle Anweisung, ausgestellt von einem Mann, der die Ritterlichkeit selbst war. Bye hatte ihn in all diesen Jahren nicht belästigt; zu der Schuldsumme hatten sich also Zinsen gehäuft. Der Freund war nun auch im Auslande ein reicher Mann geworden, wenn das Gerücht nicht trog; Bye würde auch ins Ausland kommen, das fühlte er! Nun galt es also, ihm zu sagen, daß er hier war. Aber es mußte so geschehen, daß andre es nicht hörten oder sahen; das hätte den Nichtsahnenden in Verlegenheit bringen können! Er erkundigte sich deshalb im Hotel, wo der Fremde abends hinginge; und Nacht für Nacht ging er selbst vor sein Hotel; er wollte ihm begegnen, wenn er heimkam. Aber es traf sich nie günstig. Da faßte er Mut und schrieb. Erzählte ihm, daß er in der Stadt sei, und erbat sich eine Unterredung, gestattete sich, die Zeit und den Ort ihres Zusammentreffens, des Freundes Zimmer im Hotel, vorzuschlagen.
Zur bestimmten Zeit fand er sich vor der bestimmten Tür ein. Er stand und lauschte, eh er anklopfte; es war Licht darin — aber kein Geräusch. Endlich klopfte er. Ein kräftiges „Herein!“ antwortete ihm. Als Bye nicht sogleich zu öffnen vermochte, wurde es wiederholt — noch kräftiger — vom besten Gewissen der Welt.
Ivar Bye stand vor einem hohen, stattlichen Mann in eleganter Gesellschaftstoilette, der eben Parfüm auf sein Taschentuch goß.
Sie sahen einander an; und die erste Folge davon war, daß keiner von ihnen grüßte. „Ich habe Ihren Brief erhalten; aber ich bedaure, daß die Zeit, die Sie vorgeschlagen haben, nicht günstig ist; ich bin im Begriff auszugehen. Bitte, nehmen Sie Platz!“
Bye blieb stehen.
„Ich sehe, es geht Ihnen gut. Was treiben Sie?“ — „Ich bin im Handelsfach.“ — „So, wirklich? Sind Sie schon lange hier?“ — „Ein Jahr oder so.“ — Er wußte nicht mehr, was er redete, das Zimmer fing an, sich im Kreis zu drehen. „Ja, Sie müssen wirklich entschuldigen, aber ich höre eben den Schlitten vorfahren.“ Er wandte sich um und legte ein großes seidnes Halstuch um, eh er den Pelz umnahm. Es klopfte. Ein Diener meldete, daß der Schlitten da war, eilte herbei und half dem Herrn in den Pelz. Bye stand noch immer unbeweglich, als der Herr mit einem höflichen Adieu an ihm vorbei in den Gang hinaus und die Treppe hinab ging.
Bye war über dreißig Jahre alt, als er mir dies erzählte, und mehrere Jahre waren vergangen, seit es geschehen war. Aber er weinte wie ein betrogenes Weib.
Nach dieser Begegnung wurde er langsam ein anderer. Wie ich es später begriff, müssen die ersten äußeren Anzeichen davon gewesen sein, daß er seine Lieder nicht mehr sang, es kaum ertrug, sie von andern singen zu hören; die Guitarre rührte er nicht mehr an. Es ist dies nicht so zu verstehen, daß das Leben der Erwartung, das er bisher geführt hatte, von dem energischen Bestreben abgelöst wurde, sich eine Zukunft zu schaffen. Das lag ihm gar nicht mehr, wenn er das je getan hatte. Sondern so, daß die Schwärmerei, die er im Innersten genährt hatte, ihre sentimentalen Erinnerungen fahren ließ und statt dessen ihre Dichtung um die zu spinnen begann, in deren Kreis er gerade stand; wenigstens um Einzelne von ihnen. Es begann damit, daß er bei guten Menschen Trost und Zuflucht suchte für das Beste in ihm; aber auf die Dauer ward es zu einer Lebenskette, welche die Geschichte des einen Freundes oder der einen Freundin an die der andern schloß, und alle zusammen bildeten sein Glück. Nach und nach lebte er ausschließlich für Andere.
Wie andre junge Leute nach Enttäuschungen und Wunden in einem Kloster eindämmern, so er in guten Werken.
Als das norwegische Theater in Christiania errichtet werden sollte, war der ehemalige sentimentale Sänger und Guitarreklimperer der erste, der sich meldete. Viele Moldenser erschraken, als sie seinen Namen hörten. Daß er es wagte, auf einer Bühne aufzutreten! Kurz darauf lernte ich ihn kennen und begriff sofort, wie natürlich es für diesen Träumer war, nach Aladdins Schloß zu suchen. Da würde er leben — nicht in den Prachtgemächern, nicht an den Fenstern und auf den Balkons paradierend, bereit, Huldigungen zu empfangen; sondern in den weinlaubumschatteten Bogengängen, in den Alkoven, in den heimlichen Plätzchen rund um die Kaskaden draußen im großen Park. Der Mitwisser aller Geheimnisse, der Vertraute und Helfer aller. Immer im Hintergrund mit kleinen Diensten und guten Ratschlägen bereit; immer bereit, die Jüngsten zu loben, die Unglücklichen zu trösten, sich mit den Glücklichen zu freuen. Er selber hatte keinen Ehrgeiz; sein Trontheimer Dialekt (welchen die Bühnenleiter nicht zu brechen verstanden, solange es noch Zeit war), und seine Dilettanten-Furcht vor dem Unnatürlichen, die ihn verhinderte, ordentlich loszulegen, waren ihm überall im Wege. Aber wenn wir fragen, so wird uns jeder Einzelne von denen, die noch vom ersten Personal des norwegischen Theaters leben, erzählen, was er für die war, die er gern hatte, denn er war ein verwöhnter Menschenkenner! Sie werden uns erzählen, was sie seinem Geschmack, seiner Erfindungsgabe, wo es ihr Wohl galt, seiner taktvollen Aufrichtigkeit, seiner Treue und Diskretion verdanken. Heiter und warmherzig, phantasievoll und vertrauenerweckend, ihre kleinen Fehler verspottend und züchtigend; das, was er liebte, hervorlockend.
Er war noch nicht lange da, als er zum ersten Mal in seinem Leben festen Boden unter den Füßen zu fühlen begann; es schwankte nicht mehr alles. Aber just da erhielt er einen anonymen Brief von „einem Moldenser“. Darin wurde er gefragt, „wie er es wagen könne —?“
Und hier war’s, wo ich dazu kam.
Eins von den ersten Dingen, die ich erzählen hörte, als ich Zögling der höheren Schule zu Molde wurde, war, wie dieser gutherzige, schöne Junge von älteren, „vornehmeren“ Kameraden mißbraucht und dann schmählich verlassen worden war. Darüber herrschte in Molde sowohl damals als später nur eine Stimme. Als es nun mit Schlangenzungen zu zischen begann, schien es mir deshalb, wir Moldenser müßten die Ersten sein, sie in ihre Löcher zurückzupeitschen. Ich habe ein Talent für Organisation; in aller Eile veranlaßte ich die Moldenser Studenten, eine Leibwache um ihn zu schließen, eine Wache des Schweigens und der Freundschaft. Und zu äußerer Sicherheit nahmen wir ihn in die Studentenkolonie auf, die ein paar von uns gegründet hatten. Er zog mit seiner langen Pfeife, seinem kleinen Hausrat — vor allem seiner kleinen Beefsteakpfanne, an der so viele von uns sich erfreut haben! — bei uns ein; seine Bude oben wurde bald unser Lieblingsaufenthalt.
Als Theaterkritiker konnte ich ihm auch indirekt eine Stütze sein, wenn die Leute uns überall zusammen sahen. Ich stutzte einen französischen Lustspiel-Einakter für ihn und noch einen andern Notleidenden, Kapitän David Thrane, zurecht; letzterer hatte Walzer- und Operettenmelodien komponiert, die er darin angebracht haben wollte. Bye erhielt eine kleine erotische Rolle; ich wollte sehen, ob er vielleicht am Ende doch einmal mit etwas von dem, was er besaß, herauskommen könnte. Er wagte sich jedoch kaum zu rühren, so daß das Stück glänzend Fiasko machte. Wir tranken unter großem Gelächter auf seinen Tod.
Für das norwegische Theater kamen bald böse Tage. Wir Norweger haben nämlich die Gewohnheit, jedes nationale Unternehmen dreimal an unsrer Gleichgiltigkeit oder Uneinigkeit zugrunde gehen zu lassen. Erst beim viertenmal ist es lebensfähig. Bye ging mit einer schlechten Truppe auf die Wanderschaft. Aber eben damals war ich Direktor am Bergenser Theater geworden und schickte ihm Reisegeld.
Ich seh ihn noch, wie er am ersten Tag meine Garderobe musterte und sich daraus ein paar Hosen mit Seidenstickerei an den Säumen herunter auswählte; ich seh ihn mit einem Taschenmesser sitzen und diese Verzierungen austrennen; denn grade diese Hosen hatte er sich nun einmal ausgesucht. Er war bettelarm. Er hatte nämlich alles, was er hatte, weggegeben, solchen, die es nötiger brauchten, als er. „Für mich war ja noch immer Rat,“ sagte Bye, „ich wußte ja, ich hatte dich in der Hinterhand.“ Ich möchte wissen, ob ich jemals in meinem Leben stolzer auf etwas gewesen bin, das er mir gesagt hat. Es war auch das Einzige dieser Sorte, was er mir zu spendieren für zuträglich hielt.
Er nannte mich — wie alle Kameraden — „Björnen“ (Bär) oder „Bjö’en“ und behandelte mich wie ein Kind, oder wie einen hellen Toren — insonderheit wie das letztere, indem er mich vollständig entmündigte. Ich bekam mein eignes Geld nicht in die Hand, — wobei ich mich ausgezeichnet stand, — sondern mußte ab und zu etwas von ihm „leihen“. Er umgarnte mich geradezu mit den abscheulichsten Schlichen und stiftete Verschwörungen gegen mich unter meinen Freunden an. Obschon es immer zu meinem eignen Besten geschah, — wenn ich dahinter kam, oder wenn es zu stark gegen meine Passionen ging, so kriegte er Prügel; aber in der Regel ging’s nach seinem Willen. Wenn alles vorüber war, hielt er mich unbarmherzig zum Narren, und dann lachten wir alle beide.
Im Frühling zogen wir nach Trontheim, um wieder vor den Trontheimern zu spielen — ich darf wohl sagen, ein gut einstudiertes Repertoire. Die Trontheimer wollten uns erst das Theater nicht vermieten; „es sollte repariert werden“. Ich mußte hinauf und es erobern, und die andern kamen nach. Bye war mit dabei. Eine lustige Gesellschaft waren wir — lauter junge Leute, der Direktor der zweitjüngste von allen! Eine Sommerreise, wie sie kaum ihresgleichen gehabt hat in Norwegen! Sie hätte ihren Dichter haben müssen; — der aber starb mit Georg Krohn.
Proben und Vorstellungen, Gesellschaften, Ausflüge, Tollheiten und Reden, — ich hielt zu jener Zeit beständig Reden! ... man kann sich eine Vorstellung davon machen, wie wir mit den Trontheimern umsprangen, wenn ich erzähle, daß wir jeden Abend bei gutem Wetter damit endeten, daß Rektor Müller — man denke, der Rektor der Stadt! — auf der Feuerleiter in den Stiftsgarten stieg, ohne sich festzuhalten, und weiter über die Dachrinne und wieder zurück!
Ich wohnte im ersten Hotel der Stadt.[3] Ivar Bye wohnte natürlich bei mir. Er sagte nichts und ich sagte nichts; aber wir waren im voraus darüber einig, so und nicht anders mußte er Trontheim wiedersehen.
Den Tag, nachdem wir angekommen waren, gingen wir miteinander an dem langen, düstern Haus vorbei, in dem er einmal als Gefangener gesessen hatte. Nie vergeß’ ich, welche Stimmung in mir zitterte, meine Augen begegneten den seinen. Er sagte irgend etwas, wie: sie haben ein neues Tor; oder: das Tor ist neu angestrichen. Ich weiß nicht mehr, was. Ich sagte nichts; d. h. ich schwatzte unaufhörlich von ganz andern Dingen.
In Trontheim waren nur Wenige, die sein Geheimnis kannten, und diese Wenigen waren seine guten Freunde. Hier war er also sicher. Ich seh ihn noch draußen auf einem Stein mitten in dem großen Lerfoß, ein Stück weit von der Stadt; Gott weiß, wie er da hinaus gekommen war. Er hockte da — nackt. Da war er einmal ganz losgelassen! Eine solche Wildheit und ein solcher Übermut offenbarte sich da, daß man erwartete, er würde sich in den Strom werfen. Ich stand und dachte: Jetzt ist Bye froh!
Später sagte ich zu ihm: „Was hätte aus dir werden können, Bye, wenn du dich hättest frei entwickeln können.“
„Ja,“ antwortete er, „etwas zwischen Aschenputtel und Nöck. Auch wenn der Nöck weint.“
Und eine Weile darauf: „Aber für mich war von Anfang an die Schranke gezogen.“
Zwei Tage zuvor hatte ich mich verlobt, deshalb lebt der Tag in meinem Gedächtnis wie Sonnenschein; jedes Wort steht vor mir in gleicher Klarheit wie die Landschaft. Solange diese Verlobung sich vorbereitet hatte, schwieg er; nicht mit einem Hauch seines Mundes, so schwach, daß er die kleinste Feder bewegt hätte, versuchte er auf meinen Entschluß einzuwirken. Und doch sagte er mir, sogleich nachdem es geschehen war, daß es sein höchster Wunsch gewesen war! Herrliche Tage hatten wir drei! Und es blieb so, als ich mich verheiratete, obwohl er ausziehen mußte und meine Frau einzog; er kam beständig zu uns.
Jenes Jahr ist zweifellos das für meinen Charakter gefahrvollste gewesen. Ich hatte eine unbändige Arbeitskraft; ich leitete das Theater und das Oppositionsblatt der Stadt und damit die große Wahl, die erste in Norwegen auf ganz nationalem Grund. Gleichzeitig nahm ich in ausgedehntestem Grad am Vereinsleben und an Gesellschaften teil, schrieb an einer Erzählung und dichtete Lieder. Aber mir war nicht leicht eine Schranke zu setzen, wenn ich etwas erreichen wollte; ich hatte ja auch immer Glück.
Ihm und ihr verdanke ich es, und der Mithilfe meiner teuren Freunde Georg und Henrik Krohn, Dankert Roggen, Andreas Behrens, Henrichsen, Dahl u. a., daß ich so einigermaßen unversehrt daraus hervorgegangen bin.
Unter den warmen, unmittelbaren Menschen in Bergen fanden sich Freunde für Ivar Bye. Als Garderobier am Theater, wo man ihn seines guten Geschmacks willen angestellt hatte, kam er mit vielen verschiedenen Schichten der Bevölkerung zusammen, und er traf wie gewöhnlich, seine Auswahl. Durch uns andre lernte er noch mehr kennen, — so daß er nun endlich Menschen gefunden hatte, die er brandschatzen konnte für seine armen Freunde in allen Ecken und Winkeln des Landes! Nach und nach gewann er, — das war unausbleiblich — vollständige Herrschaft über die, die er gern hatte, und er erhielt sie sich auch, weil er genau wußte, wie er jeden Einzelnen zu nehmen hatte. Eine alte Verwandte meiner Frau liebte ihn so, daß sie den Tag für verloren hielt, an dem er nicht vorgesprochen hatte. Trotzdem wollte sie ihm das Kleid nicht geben, das sie eben an hatte; es war ja auch wirklich zu toll, um so etwas zu bitten. Bye hatte nämlich ein altes armes Fräulein, dem dies Kleid akkurat paßte; es war so hübsch warm, so recht ein gutes Winterkleid, und sie besaß mehrere, das alte Fräulein aber gar keines. Kaum war Bye gegangen, so fing das, was er gesagt hatte zu wirken an. Vielleicht mußte es eben grade solch ein Kleid sein? Sie zog es aus und packte es ein. Eh’ Bye von seinen vielen Besorgungen nach Hause kam, lag das Kleid auf seinem Zimmer. — Für andre hatte er eine andere Art des Vorgehens. Wenn sie mit einem ausgedienten Kleidungsstück nicht herausrücken wollten (es gibt ja liebenswürdige Menschen, die in diesem Punkt unglaubliche Gewohnheitstiere sind), so nahm er es ganz einfach und ließ uns andre dann arglos fragen: „Aber, Liebe, haben Sie denn das graue Kleid nicht mehr? Es stand Ihnen so gut!“
Was er sich und uns Spaß machte mit all seinen Schlichen, um uns Geld für seine alten Fräuleins abzulocken! Er hatte ein wahres Genie dafür, solche aufzustöbern und sie mit seinem Geplauder und seinen diskreten Gaben zu erfreuen.
Ivar Bye hat uns in Wahrheit gelehrt, gut zu sein, und viele, viele außer uns.
Als Beweis dafür, wie sicher er sich seiner Freunde fühlte, muß ich einen kleinen Streich erzählen, über den seinerzeit halb Bergen lachte. Wir waren in Gesellschaft bei einer Dame, die für ihre ausgezeichneten Kuchen bekannt war. „O,“ sagte meine Frau, „besonders der da schmeckt köstlich!“ — „Den sollst du mit nach Hause nehmen,“ antwortete Bye. Alle Kuchen wurden aufgegessen, nur nicht diese Sorte; sie waren fast unberührt. „Ich begreif’ es nicht,“ sagte die Wirtin, als die andern Gäste fort waren und wir noch allein da waren. „Ich glaubte, die Kuchen seien die Besten.“ — „Ich begreif’ es gut,“ sagte Bye, „ich bin nämlich zu allen Leuten gegangen und habe ihnen gesagt, daß in den Kuchen da faule Eier seien!“ —
Der reichste Teil aber seiner Menschenkenntnis, seiner Wärme und Güte sammelte sich in seinem Beruf als Ratgeber und Vertrauter. Er war dazu geboren. Keine Instinkte sind im Menschen feiner entwickelt, als die, die Verständnis ahnen! Und andrerseits gibt es kein sichereres Zeugnis moralischer Macht, als das, Bekenntnisse zu erzwingen einfach dadurch, daß man ist, der man ist! Und diese Macht hatte er.
Unsre Literatur hat ein Denkzeichen für seine Art und Weise, Vertrauen entgegen zu nehmen. Es ist niedergelegt in dem Gedicht:
Ich hab’ einen Freund — In schlafloser Nacht — —
Ich schrieb es fern von ihm — nicht, damit er es bekommen sollte, sein Name ist nicht genannt und er hat es nie erhalten; sondern weil das Leben damals schwer für mich war.
— — Als meine Frau und ich mit unsrem kleinen Jungen vom Auslande heimkehrten, vier Jahre nach meinem Abschied von ihm und vom Theater, sehnten wir uns tiefinnerlichst nach Bergen und ich ganz besonders nach ihm. Das Theater war aufgehoben. Natürlich. Aber Bye hatte sich Vertrauen erworben, er blieb zurück als Aufseher über Haus und Habe, und die kleine Einnahme genügte für ihn.
Wir hatten uns darauf gefreut, ihm unsern Jungen zu zeigen, — und wir mußten hören, daß Bye gefährlich krank sei. Trotzdem war viel Freude bei der Rührung des Wiedersehens, denn er war ja auf, er hob unsern Jungen hoch; wir wollten viel zusammen sein, sagte er.
Darin aber täuschten wir uns. Den Tag darauf mußte er zu Bett, um nicht mehr aufzustehen. Es war, als hätten die Kräfte ausgehalten, bis wir kamen; jetzt ging es rasch bergab.
Daß es schnell zu Ende ging, begriff ich zum erstenmal bei einem Vorfall, einige Tage später; ich will ihn nicht verschweigen. Ich kam zu ihm — „kam“ ist nicht das Wort, denn ich war wütend und stürmte die Treppen hinauf. Ich war mit einer Sache beschäftigt, die mich erregte und ich vergaß, — wie junge gesunde Leute nur allzu oft tun, — wie es Schwachen und Kranken zumute ist. Nach alter Gewohnheit wollte ich mich vor allem vor ihm austoben, und das tat ich auch. Da traf mich auf einmal ein hilfloser Blick und ich hörte die Worte: „Ach nein — ich kann nicht fassen, was du sagst!“ ... Wie ich erschrak, wie ich mich schämte und unglücklich war! Und wie das sich verschärfte, als er ein paar Tage darauf starb! So nahe war er dem Tod, und wir ahnten es nicht!
Es ist mir leider oft passiert, daß ich mit meinem unbändigen Eifer denen weh getan habe, die ich am wenigsten kränken wollte, — und alle diese Fälle haben mich später heimgesucht, einzeln oder miteinander, mich gequält, mich gedemütigt. Keiner aber öfter als dieser.
Denn war es nicht, zum Ausgang seines Lebens, wie eine letzte Wiederholung all des rücksichtslosen Gebrauchs, den andre von seiner hingebenden Natur gemacht hatten?
Wie wenn Anfang und Ende sich zusammenschließen sollten, stand, als die Wirtin seine Augen geschlossen hatte und in seine Wohnung hinunter kam, ein Fremder da; er fragte nach Ivar Bye. Sie erzählte ihm weinend, daß sie ihm soeben die Augen geschlossen habe; der Fremde ward davon so stark ergriffen, daß er sich setzen mußte. Er fing an, sie auszufragen, und der Wirtin war es eine Erquickung, grade jetzt ihn aus ihres Herzens reichster Fülle preisen und zuletzt sein geduldiges, ruhiges Sterbebett schildern zu können. All das machte einen tiefen Eindruck auf den Fremden. Er blieb lange sitzen. Als er sich erhob, um zu gehen, wollte er aber seinen Namen nicht nennen. Er habe wie ein Beamter ausgesehen, sagte sie. Sollte es einer der Kameraden von Molde gewesen sein, den späte Reue grade in diesem Augenblick herbeigezogen hatte?
Der Anführer von damals war es nicht; der war längst tot.
Ich stand an Ivar Byes Grab und sagte mir, daß ich dies alles einmal niederschreiben wollte. Für das juristische norwegische Volk.
Ich stand am Grab und blickte auf das Gefolge. Das war ja eine große Beerdigung; ich kannte nicht den zwanzigsten Teil! Theatervolk, Handwerker, Kaufleute, Seeleute, Beamte, arme Kerle, Reiche, die Ältesten und die Jüngsten. Und am Grab erwarteten uns die Frauen. Mütter waren da, die ihre Kinder mit sich hatten, und Mütter und Kinder weinten um die Wette. Alte Fräulein aus dem Jungfernstift, arme Weiber, junge Mädchen, alle mit Blumen und Tränen.
Ich kenne manche, die ihre Tränen wiederfinden werden, wenn sie dies lesen. —
Wenn ich mir meine verstorbenen Lieben denke, so mag ich sie mir nicht als Leichen, geschweige denn als abgemagerte Skelette denken. Ich denke sie mir wieder mit der Röte des Lebens auf den Wangen, ihre Augen auf mich gerichtet. Bye aber kann ich mir denken, so wie er jetzt aussehen muß, — ja, ich denke ihn mir meistens so, mit seiner Reihe herrlicher Zähne in breiter Rundung, mit dem Nasenbein und den Höhlen unter dem schönen Schädel. Ohne Scheu seh’ ich die kalkgrauen Kniee, — etwas aufwärts- und auseinandergekrümmt, und die langen, gegeneinander gelegten Knochenfinger.
Ich glaube nicht, daß dies ist, weil sein Gesicht hager war, so daß es der Phantasie Vorschub leistete. Auch nicht, weil er, als Nöck draußen in Lerfoß hockend, mitten im Sturz und Schaum des Wassers, mehr aus Höhlen als aus Augen um sich starrte, während seine Zähne gleißten.
Nein, es ist wohl, weil sein Verstehen der Menschen und Dinge ein so tiefes geworden war, ein so liebevolles, daß es für ihn nichts Abstoßendes gab. Nicht in den Formen des Lebens und nicht in den Formen des Todes. Und das symbolisiert sich auf diese Weise in meiner Erinnerung.
Einsame Reue
Ich hab’ einen Freund — in schlafloser Nacht
tönt mir sein Friedensgruß.
Wenn das Licht erstirbt und das Grau’n erwacht
naht er auf leisem Fuß.
Nie redet in harten Worten sein Mund —
selbst kennt er Leid und Reu’ —
sein weicher Blick macht Krankes gesund —
wer ist, wie er, so treu?
Begangene Sünde, die mich kränkt,
nimmt still er auf sein Herz,
und wenn mein Glaube die Flügel senkt,
hebt er ihn himmelwärts.
So kämpft er auch heute, wie immerdar,
mein einsames Ringen mit —
Übers Jahr, mein Freund, wird offenbar,
um was ich heute stritt!
[1] Ein begabter Arbeiter war im Jahr 1894 zum Stortings-Mann für Trontheim gewählt worden, gab sich aber darauf selber als wegen einiger Jugendvergehen vorbestraft an.
[2] † im Jahr 1895.
[3] In einer wehmütigen Stunde, mitten unter allem Jubel, schrieb ich da:
„Auf Sankte-Hans
ist Lachen und Tanz;
ich aber weiß nicht, ob sie flicht ihren Kranz.“
Anmerkungen zur Transkription
Das Original ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit einem anderen Schriftstil gekennzeichnet.
Offensichtliche Fehler wurden, zum Teil unter Zuhilfename der norwegischen Originale, korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
- ... „Trauer! O Trauer ist das Los meines Lebens ...
... „Trauer! O Trauer ist das Los meines Lebens[!] ... - ... stehen und knixte wie ein Schulmädchen in kurzen ...
... stehen und knixte wie ein Schulmädchen [im] kurzen ... - ... Elsa war mit dabei! Sie kam zu früh, — ...
... [Ella] war mit dabei! Sie kam zu früh, — ... - ... Men I, som höhrer, styrk deus Klang; ...
... Men I, som höhrer, styrk [dens] Klang; ... - ... Teilnahmlosigkeit kühlte sie ab; sie kam wieder ...
... [Teilnahmslosigkeit] kühlte sie ab; sie kam wieder ... - ... der kleinen Person irgenwo unten an seiner Weste ...
... der kleinen Person [irgendwo] unten an seiner Weste ... - ... for mig hun löfter den og ler ...
... [For] mig hun löfter den og ler ... - ... Fordi det aevet er af Smerte, — ...
... Fordi det [vaevet] er af Smerte, — ... - ... wie es ihm füher schon zweimal gegangen war. ...
... wie es ihm [früher] schon zweimal gegangen war. ... - ... draußen im Schneehaufen, er sah ihre Blumen ...
... draußen im Schneehaufen, er sah ihre Blumen[,] ... - ... kenne es, — und jetzte erst sollte er lernen, wie ...
... kenne es, — und [jetzt] erst sollte er lernen, wie ... - ... auf ein Brettende, das ins schwanken kam; sie wäre ...
... auf ein Brettende, das ins [Schwanken] kam; sie wäre ... - ... Worte ein: „Da haben Sie doch etwas reelles.“ ...
... Worte ein: „Da haben Sie doch etwas [Reelles].“ ... - ... ihnen, daß Sie mitkommen!“ Seine Stimme war ...
... [Ihnen], daß Sie mitkommen!“ Seine Stimme war ... - ... Wisch himmlicher Krystalle zugestopft; entstellende ...
... Wisch [himmlischer] Krystalle zugestopft; entstellende ... - ... frem, til hun optlog Öjnene. ...
... frem, til hun [opslog] Öjnene. ... - ... Han, som skjaeldtes for ond og vred, ...
... Han, som skjaeldtes for [vond] og vred, ... - ... Weise bekleidet hatte, so begleitete jetzt das „Mama, ...
... Weise [begleitet] hatte, so begleitete jetzt das „Mama, ... - ... Mama!“ der zarten Stimmen ihrer Tränen. Es ...
... Mama!“ der zarten Stimmen [ihre] Tränen. Es ... - ... dessen angenehmen Rythmus sie empfanden. Nie ...
... dessen angenehmen [Rhythmus] sie empfanden. Nie ... - ... diese großen Träume blos seiner kleinen Schwester, ...
... diese großen Träume [bloß] seiner kleinen Schwester, ... - ... Leinen an den Boten der Bauern durchschnitten ...
... Leinen an den [Booten] der Bauern durchschnitten ... - ... als er in seinen hübschen blauen Anzug an Bord ...
... als er in [seinem] hübschen blauen Anzug an Bord ... - ... bestimmen. Er verlies Trontheim und kam nach ...
... bestimmen. Er [verließ] Trontheim und kam nach ... - ... selbst vor sein Hotel; er wollte ihn begegnen, ...
... selbst vor sein Hotel; er wollte [ihm] begegnen, ... - ... ich erschrack, wie ich mich schämte und unglücklich ...
... ich [erschrak], wie ich mich schämte und unglücklich ... - ... wie eine letzte Wiederholung all des rücksichtlosen ...
... wie eine letzte Wiederholung all des [rücksichtslosen] ...