Einteilung der Mollusken.

Die im Wasser lebenden Conchylien gehören zwei sehr verschiedenen Klassen an. Die eine besteht aus Tieren, welche einen Kopf mit Fühlern und Augen haben, die gewöhnlich an der Basis der Fühler sitzen, im übrigen aber jenen der Landschnecken, der Klasse der Gasteropoden oder Bauchfüssler ähnlich sind. Sie haben mit wenig Ausnahmen (Genus Ancylus Geoff. und Velletia Gray[LXV]) eine gewundene Schale, und ist das Gehäuse zuweilen mit einem Deckel verschlossen. Die zweite Klasse die Muscheltiere, Bivalven oder Zweischaler, haben keinen Kopf und keine Augen; das Tier besteht nur aus einem sackartigen Körper, dessen unterer, ausdehnbarer Teil als „Fuss“ die Bewegung vermittelt. Den Körper umhüllen auf jeder Seite zwei buchblattartig am Rücken angeheftete Kiemen und wird das ganze Tier von einem Mantel umschlossen, dessen Ränder entweder ganz frei bleiben, oder teilweise zusammengewachsen sind; im letztern Falle hat der Mantel einen Schlitz am Vorderteile des Tieres zum Durchgange des Fusses und eine Öffnung für die Anal- und Atemröhre. Die Schalen der Bivalven sind nicht gewunden, sondern bestehen aus zwei gleichgrossen Klappen, die durch ein elastisches Band, das Ligament, verbunden sind und sich nur wenig öffnen können. Das Tier ist an den gegenüberstehenden Enden durch zwei sehr starke Muskeln (die Schliessmuskeln), welche zugleich das Öffnen der Schalen regeln, und durch einen kleinen Wirbelhaftmuskel an die Schale angeheftet sind.

[LXV] Bezüglich der Arten und Genera verweise ich auf meine Werke: „Deutsche Excursions-Mollusken-Fauna“. 2. Aufl. Nürnberg 1884, Bauer & Raspe, und „Molluskenfauna von Österreich-Ungarn und der Schweiz“. Nürnberg 1890, Bauer & Raspe.

Die meisten Süsswassermuscheln sind freibeweglich; nur eine Art unserer heimischen Arten heftet sich durch einen Byssus (einen Büschel spröder Haare) an anderen Gegenständen an (Dreissena polymorpha Pallas [Fig. 11]).

Fig. 11.
Dreissena polymorpha.

Fig. 12.
Ancylus fluviatilis mit Tier.

Fig. 13.
Valvata piscinalis mit Tier.

Die Genera der nicht gedeckelten Süsswasserschnecken sind durchweg Lungenatmer. Sie haben sehr verschiedene Formen, indem der Modus des Aufwindens der Umgänge sehr mannigfaltig ist. Die meisten Arten haben eine rechtsgewundene Schale, nur die Genera Amphipeplea, Physa und Aplexa winden ihre Umgänge nach links. Ferner besitzen die Genera Limnaea, Physa, Aplexa, Amphipeplea ein mehr oder weniger erhöhtes Gewinde, nur Genus Planorbis rollt seine Umgänge in platter Form auf, für welche der Name „Tellerschnecke“ sehr bezeichnend ist. Die Genera Ancylus ([Fig. 12]) und Velletia haben eine napfförmige Schale, von denen diejenige des ersteren Genus einer Jakobinermütze sehr ähnlich ist; bei beiden beschränkt sich die Windung des Gehäuses auf eine geringe Neigung des Wirbels nach rechts oder links. Die meisten Arten haben eine rauhe Schale, an welcher die Zuwachsstreifen deutlich erkennbar sind. Nur Genus Physa und Aplexa haben glatte, glänzende Gehäuse.

Die Deckelschnecken, mit Ausnahme des Gen. Vivipara, bestehen aus kleinen Arten. Alle sind mit Kiemen zur Wasseratmung ausgerüstet. Gewöhnlich bleiben die Kiemen in der Kiemenhöhle verborgen, nur Genus Valvata ([Fig. 13]) besitzt die Fähigkeit, die federförmige Kieme auszustülpen und frei hervortreten zu lassen.

Das Gewinde ist bei diesen Schnecken ein kreiselförmiges (Gen. Vivipara und Valvata) oder ein mehr oder weniger getürmtes, nur Gen. Neritina und Lithoglyphus haben ein kurzes, wenig hervortretendes Gewinde und eine starke Schale und weite Mündung; die Oberfläche der Arten des Gen. Neritina ist mit hübschen netzartigen Zeichnungen bedeckt.

Die frei beweglichen Muscheln gehören zwei Familien an. Die grossen Arten gehören in die Familie der Najaden. Diese haben offenen Mantel, zwei gleichgrosse Kiemen und an der Mundöffnung jederseits zwei Mundlappen; der Mantel ist an seinem Rande am Hinterteile mit einem Kranze dunkelgefärbter Papillen besetzt. Die Kiemen dienen zugleich als Brutbehälter, haben gitterförmige Abteilungen, die, wenn Brut vorhanden, mit einer ungeheuren Anzahl von Embryonen besetzt sind.

Die kleineren Zweischaler der Familie Cycladidae haben geschlossenen Mantel, und je eine Anal- und Atemröhre, welche mehr oder weniger über den Mantelrand hervortritt.