Die Muster-Erziehung.
Eufrosinchen, klein und putzig
Die ist heute schrecklich schmutzig.
Doch als Mutter waschen will,
Schreit sie sehr und hält nicht still.
Vatern macht das Schreien wild:
Was er tut — zeigt dieses Bild.
Kaum sieht das der Galgenstrick,
Lacht er laut und voller Glück.
Mutter wundert sich indessen,
Daß der Schmerz so rasch vergessen.
Derweil Mädi mit Bedacht — — —
Tut, was Vater vorgemacht.
Dies gefällt der Mutter nicht:
Furchtbar ist das Strafgericht.
„Wenn Du’s wagst — —“
oder
„Der Respekt geht über alles.“
„Du! mein Bild — das ist noch naß!
Lisbeth Göre, läßt Du das!“
Lisbeth läßt es gleich dabei
— kehrt den Rücken der Stafflei.
„— Lisbeth, wage Dich nur dran,
gleich holt Dich der Kuckuck dann!“
Lisbeth ihr Vorhaben läßt,
aber — die Idee sitzt fest.
„Lisbeth, rührst mein Bild Du an,
Haue kriegst gewiß Du dann!“
Lisbeth, die vor Neugier bebt —
Dennoch ihren Finger hebt.
Niemand ernst noch bleiben kann,
Lisbeth tippt zuletzt doch dran.
Hieraus lebt: Zu jeder Frist
Lisbeth ein Charakter ist.
Unter der großen Birke.
Die Schneeschuhe.
Die Weihnachtsgarbe der Vögel.
Eine Scherzfrage lautet: „Welche Ähnlichkeit besteht zwischen Kronos und Carl Larsson?“ Und wenn der Dumme, der so gefragt wird, dann zunächst nur den Mund aufsperrt, dann bekommt er zur Antwort: „Daß beide von ihren Kindern leben!“
Allerdings. Doch laßt mich jetzt, bevor ich diese Zeilen schließe, auch noch ein paar ernste Worte hinzufügen. Daß diese Bilder mit Motiven aus meinem Heim in die Welt verstreut werden, macht wenigstens mich selbst froh. Es liegt darin etwas von dem „Hinausgehen und allen Völkern predigen“. Worüber? Über das Glück des Fünfzigjährigen? Glück? Ganzes Glück gibt es nicht! Der Schuh drückt stets irgendwo, und das ebenso gut bei denen, die viele Schuhe besitzen als bei denen, welche gar keine haben. Aber die Kinder — und von ihnen handelt eigentlich dieses Buch — sind die Träger unserer Hoffnungen und unserer Sehnsucht. Diese sind ebenso wie Du und ich tot geboren. Und doch: ihre rosigen Wangen und dicken krummen Beinchen, ihr fröhliches Geplapper, ihre bitteren Puppen- und Schularbeitssorgen, ihre verdrehte Ausdrucksweise, ihr Appetit, all’, all’ dieses erregt unser Entzücken, wir lachen, bis uns die Tränen an den von des Lebens Sorge durchfurchten Wangen herunterrollen, und wir drücken sie fast tot, diese Kleinen und danken Gott, daß er sie uns gab, denn wenn wir einst fort sind, dann — zum Kuckuck! — sind diese noch da! Schließet sie, diese meine Kleinen, in Eure Arme, Ihr seid es mir schuldig, denn Eure Kleinen sind mir fast ebenso lieb, wie meine eigenen. Ihnen gehört das Himmelreich! Sowohl Deinen wie meinen Kindern!
C. L.