Ulf und Pontus.

In einer Oktobernacht, nachdem ich eine Stunde geschlafen hatte, wurd’ ich um eins geweckt, und Karin sagte mit einem leidenden Lächeln: „Mein armer Junge, ich hätte es Dir so gern gegönnt, etwas zu schlafen, aber Du wirst wohl Madame Chose holen müssen“.

In jener Zeit arbeitete ich am eifrigsten an meinem Triptychon, hatte Modelle für das Gemälde von früh 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr, und für die Skulpturen von 8 bis 12 Uhr abends, so daß ich wirklich abgearbeitet war.

Aber dieses war doch ein Beweis dafür, was für eine tapfere Seele meine Frau ist, und das wollte ich hier nicht unerwähnt lassen. Eine Stunde später fand sich der Junge ein.

Als ich in dieser freien Republik und im sozialistischen 22. Revier der Stadt Paris den Bengel Björn nennen wollte, wurde mir das mit der Bemerkung, daß dieses kein Name sei, ganz einfach verweigert. (Daß er Pontus heißen sollte, wurde mir erst einige Tage später klar!) Sie verwiesen mich auf sechs starke Bände, die Namen der gesamten Christenheit und aller Heiligen enthaltend, worin ich nach der Meinung dieser Beamtenseelen „tout ce que fairait votre bonheur“ finden würde. Idioten!

Ich nannte ihn vor Ärger auf der Stelle Robert, weil ich am selben Morgen von jemanden diesen Namen mit der Bemerkung, daß er häßlich sei, hatte nennen hören.

Jetzt aber steht er jedenfalls in dem schwedischen Kirchenbuch als Pontus Robert eingetragen, während er in einigen Jahren aus den französischen Geburtslisten aufgerufen werden wird als der „Citoyen Robert“ geboren von ausländischen Eltern.

Ulfs Name träumte ich. Obgleich damals statt seiner, seine Schwester Suzanne ankam: Selbst kam er erst zwei Jahre später.

Ob diese Jungens irgendwelche militärische Veranlagung besitzen, wird sich zeigen, wenn „jemand unseren Felsen zu nahe kommen sollte“. Ich für meine Person hoffe, daß sie tapfer in und durch das Leben wandern werden, um einmal, wenn der Zeitpunkt da ist, dem Tode mit Ruhe ins Auge schauen zu können. Ich erinnere sie an die Worte unserer heidnischen Vorfahren:

Es gibt nur ein Unglück, und das ist die Schande.

„Papa, ich esse Waffeln!“

Kersti ist das liebenswürdigste kleine Kind, welches es gibt. Wenigstens kann man sich kein braveres denken. Sie ist immer vergnügt und langweilt sich nie, ganz gleich, ob sie mit Kameraden oder Geschwistern spielt oder ob sie allein ist. Vor einigen Jahren war sie zart und durchsichtig. Wenn sie uns damals weggerafft wäre, hätten wir das ganze natürlich gefunden und wir wären davon überzeugt gewesen, daß sie bei der Jungfrau Maria als Hofdame einherginge. Denn ein solch’ kleines Juwel zu entbehren hätte selbst das Himmelreich sich nicht leisten können. Alles, was sie in die Hände bekommt, wird ein Spielzeug. Und oft redet sie in Reimen und Versen.

Bei der Arbeit.

Liebhabertheater.