II. Die andern Staaten des Deutschen Reiches.
Bayern, altes Stammherzogtum, seit 1180 unter Herzögen aus dem Hause Wittelsbach (S. 184). Herzog Ludwig I. wird 1214 durch Erwerbung der Rheinpfalz auch »Pfalzgraf bei Rhein« (S. 186, 189). Kaiser Ludwig der Bayer. Bayerische Markgrafen in Brandenburg (S. 198–200). Seit dem Hausvertrag von Pavia 1329 Bayern und Pfalz getrennt. Bayern 1392 unter drei Linien geteilt, 1503 wieder vereinigt: weitere Teilungen durch das Primogeniturgesetz 1506 verboten (S. 226).
Herzog Maximilian I., Oberhaupt der katholischen Liga im Dreißigjährigen Kriege (S. 252 ff.), wird 1623 Kurfürst und erwirbt die Oberpfalz (S. 254f.). Maximilian II. Emanuel tapfer in den Türkenkriegen 1683–1688, Statthalter der spanischen Niederlande 1691, aus Bayern vertrieben 1704, wiedereingesetzt 1714, † 1726. Sein Sohn Karl Albert 1742–1745 deutscher Kaiser (S. 280ff.). Maximilian III. Joseph (1745–1777) sorgt für gute Verwaltung, stiftet 1758 die Akademie der Wissenschaften in München; mit ihm stirbt die bisher in Bayern regierende Linie aus. Karl Theodor (1777–1799) vereinigt Pfalz und Bayern (S. 289 ff.), verliert 1797 das linksrheinische Gebiet (S. 316 u. 319).
Maximilian IV. Joseph (1799–1825), seit 1806 König Maximilian I., erwirbt 1803 und 1805 große Gebiete hinzu (S. 320, 324, vgl. S. 340) und tritt 1806 dem Rheinbunde bei (S. 324), erwirbt 1806 Ansbach, 1809 Baireuth, schließt sich vor der Schlacht bei Leipzig dem Bunde gegen Frankreich an (S. 336), erhält 1815 die linksrheinische Pfalz zurück (S. 340). Verfassung des Königreichs 1818. Ludwig I. (1825 bis 1848) fördert Kunst und Wissenschaft: Pinakothek und Glyptothek in München, Walhalla bei Regensburg. Universität Ingolstadt 1826 nach München verlegt. Maximilian II. (1848 bis 1864): Nationalmuseum in München, Historische Kommission bei der Akademie der Wissenschaften. Ludwig II. (1864 bis 1886): Schloßbauten in den bayrischen Alpen, Bühnenfestspielhaus in Baireuth. Für den geisteskranken König Otto (seit 1886) regiert sein Oheim Prinz Luitpold, Bruder Maximilians II.
Sachsen, hervorgegangen aus der Markgrafschaft Meißen (S. 161), einem Vorlande des alten Stammherzogtums Sachsen. Seit 1089 regiert in Meißen das Haus Wettin (S. 179 u. 189). Heinrich der Erlauchte erwirbt 1247 die Landgrafschaft Thüringen, Friedrich der Streitbare (1381–1428) 1423 das Kurfürstentum Sachsen Wittenberg (S. 204), einen Teil des alten Stammherzogtums (S. 184). Er gründet 1409 die Universität Leipzig (S. 203). Kurfürst Friedrich der Sanftmütige (1428 bis 1464, S. 205, 227). Unter seinem Sohn Kurfürst Ernst (1464–1486) Teilung 1485: die Ernestinische Linie (S. 227) erhält Sachsen-Wittenberg mit der daran haftenden Kurwürde und Thüringen, die Albertinische Linie Meißen. Die Kurfürsten Friedrich der Weise (1486–1525), Johann der Beständige (1525–1532) und Johann Friedrich der Großmütige (1532 bis 1547), Luthers Beschützer (S. 227 ff.). Umwandlung 1547, Sachsen-Wittenberg mit der Kurwürde kommt an die Albertinische Linie, S. 232f. (Kurfürst Moritz, Gründer der drei Fürstenschulen zu Meißen, Grimma und Pforta).
Kurfürst Friedrich August I. wird 1697 König von Polen (August II., S. 266), ebenso 1733 sein Sohn Friedrich August II. (August III., S. 279). Kunstpflege in Dresden (S. 285). Friedrich August III. (1763–1827) sorgt für bessere Verwaltung, tritt im Dez. 1806 als König Friedrich August I. dem Rheinbunde bei (S. 326), erhält 1807 das Herzogtum Warschau, wird 1813 nach der Schlacht bei Leipzig als Gefangener nach Preußen geführt, 1815 in die Regierung seines verkleinerten Landes wieder eingesetzt. Verfassung 1831 unter König Anton (1827 bis 1836); ihm folgen Friedrich August II. (1836–1854), Johann (1854–1873), Albert, 1870–71 als Kronprinz ruhmreicher Feldherr (1873–1902), Georg (1902–1904), Friedrich August III. seit 1904.
Württemberg, ursprünglich Grafschaft im alten Stammherzogtum Schwaben, das sich während des Interregnums auflöst. Eberhard der Erlauchte (1265–1325) und sein Nachfolger vergrößern das Gebiet, Eberhard der Greiner (1344 bis 1392) kämpft gegen Ritter und Reichsstädte, Eberhard im Barte stiftet 1477 die Universität Tübingen und wird 1495 Herzog. Ulrich 1519 vom schwäbischen Bunde vertrieben, 1534 durch Philipp von Hessen wieder eingesetzt, führt die Reformation ein; sein Sohn Christoph (1550–1568) sorgt für Kirche und Schule. Verwüstung im Dreißigjährigen Kriege; Mißregierung unter Eberhard Ludwig (1677–1733) und Karl Alexander (1733–1737); Wendung zum Besseren unter dem allerdings despotischen Karl Eugen (1737–1793), der 1770 die Karlsschule gründet. Prinz Eugen von Württemberg (1788 bis 1857) trat früh in russische Kriegsdienste, erprobter Heerführer in den Befreiungskriegen. Herzog Friedrich (1797–1816) wird 1803 Kurfürst (S. 320), 1806 König (S. 324); seine Nachfolger Wilhelm I. (1816–1864), Karl I. (1864–1891), Wilhelm II. seit 1891.
Baden, Markgrafschaft im alten Herzogtum Schwaben. Die Grafen von Zähringen nannten sich seit 1112 Markgrafen von Baden. Teilung 1535 in die beiden Linien Baden-Baden und Baden-Durlach. Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (reg. 1677–1707) zeichnet sich als Feldherr in den Türkenkriegen aus, leistet 1693 und 1702–1704 den Franzosen rühmlich Widerstand (S. 265 f.). Karl Friedrich von Baden-Durlach (1738 bis 1811) erbt nach dem Aussterben der andern Linie 1771 deren Besitz, sorgt für gute Verwaltung, erhält 1803 den rechtsrheinischen Teil des früheren Kurfürstentums Pfalz (Heidelberg und Mannheim, S. 320, vgl. S. 340), wird 1806 Großherzog (S. 324). Seine Nachfolger Karl (1811–1818), Ludwig (1818 bis 1830), Leopold (1830–1852), Friedrich I. (1852–1907), ein hervorragender Herrscher und Mitbegründer des Deutschen Reiches. Seit 1907 Friedrich II.
Hessen, ein Teil des alten Herzogtums Franken, kam 1130 an die Landgrafen von Thüringen und bildete nach deren Aussterben 1247 eine eigene Landgrafschaft; erster Landgraf Heinrich v. Brabant, Residenz Kassel. Seine Nachkommen vergrößern das Gebiet. Philipp der Großmütige (1509–1567) Beschützer der Reformation; von seinen Söhnen stammen die beiden Linien Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt; ein Zweig der letzteren regierte 1622–1866 in Hessen-Homburg. Die Landgrafschaft Hessen-Kassel, 1803 zum Kurfürstentum erhoben, wird 1866 mit Preußen vereinigt, ebenso Hessen-Homburg. Landgraf Ludwig X. von Hessen-Darmstadt wird 1806 Großherzog (Ludwig I.), erhält 1815 ein ansehnliches linksrheinisches Gebiet. Großherzog Ludwig III. tritt 1866 einen Grenzstrich an Preußen ab, schließt sich dem Norddeutschen Bunde an. Seine Nachfolger Ludwig IV. (1877–1892), Ernst Ludwig seit 1892.
Mecklenburg. Die Nachkommen des Wendenfürsten Niklot (S. 180) teilen sich 1229 in mehrere Linien; durch Aussterben der jüngeren Linien wird im 15. Jahrhundert das Land wieder vereinigt. Albrecht II. wird 1348 Herzog, erwirbt 1359 die Grafschaft Schwerin. Sein Sohn Albrecht III. 1364–1389 König von Schweden (S. 215). Stiftung der Universität Rostock 1419, Einführung der Reformation 1523–1540. Teilung in die Linien Schwerin und Güstrow 1621. Wallenstein Herzog 1628–1630. Teilung in die Linien Schwerin und Strelitz 1701. Beide Landesteile werden 1815 vom Wiener Kongreß als Großherzogtümer anerkannt. Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin Feldherr im Kriege 1870/71. Seit 1897 Friedrich Franz IV. in Schwerin; in Strelitz seit 1904 Adolf Friedrich.
Oldenburg, Grafschaft im alten Herzogtum Sachsen, vergrößert durch Kämpfe mit den Friesen, 1667–1773 mit Dänemark vereinigt, 1773 Herzogtum (s. S. 292), 1810–1813 französisch, 1815 Großherzogtum. Seit 1900 Friedrich August.
Die sächsischen Herzogtümer, entstanden aus dem Erbe, das 1547 der Ernestinischen Linie des Hauses Wettin verblieb. Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar (1604–1639) einer der berühmtesten Helden des Dreißigjährigen Krieges (S. 257f.) Weimar seit 1815 Großherzogtum; Großherzog Karl August 1775–1828, Karl Alexander 1853–1901. Seitdem Wilhelm Ernst. In Sachsen-Altenburg seit 1908 Ernst II.; in Sachsen-Koburg-Gotha seit 1900 Karl Eduard in Sachsen-Meiningen seit 1866 Georg II.
Herzogtum Braunschweig, ein Teil des Gebietes, das 1235 dem Welfenhause verblieb (S. 184, 188). Teilungen der Linien Braunschweig und Lüneburg 1267, 1409, 1635. Das Lüneburger Gebiet 1692 zum Kurfürstentum Hannover erhoben, 1866 mit Preußen vereinigt. Aus der Braunschweiger Linie sind eine Reihe von berühmten Heerführern hervorgegangen: Herzog Christian (1599–1626) kühner Heerführer im Dreißigjährigen Kriege (S. 254f.), Herzog Ferdinand (1721–1792) preußischer Generalfeldmarschall unter Friedrich dem Großen (S. 287ff.), Herzog Karl Wilhelm Ferdinand (1735–1806), Neffe des vorigen, Oberbefehlshaber des preußischen Heeres 1792–1794 (S. 313f.) und 1806 (S. 325f.), Herzog Friedrich Wilhelm (1771–1815), Sohn des letzteren, bekannter Held der Freiheitskriege (S. 330, 342). Mit dessen Sohn. Herzog Wilhelm (1806 bis 1884), starb die Linie aus. Regentschaft s. S. 395.
Herzogtum Anhalt, entstanden aus Grenzmarken des alten Herzogtums Sachsen. Otto der Reiche, Graf von Aschersleben und Ballenstedt, † 1123, sein Sohn Albrecht der Bär (S. 179f.). Von dessen älterem Sohne Otto stammen die Brandenburgischen Askanier (bis 1320), von dem jüngeren Sohne Bernhard die Herzöge von Sachsen-Wittenberg und Sachsen-Lauenburg (ausgestorben 1422 und 1689) und das fürstliche Haus Anhalt, welches sich in mehrere Linien teilt. Hauptteilung 1603: Dessau, Bernburg, Zerbst, Cöthen. Die Linie Zerbst stirbt 1793 aus, Cöthen 1847, Bernburg 1863. Herzogtümer seit 1806 und 1807; zu einem Herzogtum vereinigt 1863. Fürst Christian (1568–1630) s. S. 254. Fürst Leopold (1693–1747) preußischer Feldherr (S. 273, 284), Leopold Friedrich Franz (1751–1817), Begründer des Philanthropins in Dessau 1774, des Parks zu Wörlitz 1796. Seit 1904 Friedrich II.
Fürstentümer Schwarzburg, hervorgegangen aus der alten Landgrafschaft Thüringen. Teilung der Grafschaft Schwarzburg 1599 in die Gebiete Sondershausen und Rudolstadt, Erhebung der Grafen in den Fürstenstand 1697 und 1709. Seit 1909 beide Länder durch Personalunion vereinigt. Fürst Günther von Schw.-Rudolstadt seit 1890.
Fürstentümer Reuß, entstanden aus dem einst zu Thüringen gehörigen Besitz der Reichsvögte von Plauen, Weida und Gera. Teilung 1564, Hauptlinien Greiz und Gera. Erhebung in den Fürstenstand 1778 u. 1790. In Greiz (ä. L.) Fürst Heinrich XXIV. seit 1902, in Gera (j. L.) Fürst Heinrich XIV. seit 1867; Regent für beide Staaten Erbprinz Heinrich XXVII. (j. L.)
Fürstentümer Lippe, Grafschaft im alten Herzogtum Sachsen. Teilung 1603, Linien Detmold und Bückeburg; die letztere erbt 1640 die Grafschaft Schaumburg. Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe († 1777) Erbauer der Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer und Gründer einer berühmten Kriegsschule (s. S. 303). Erhebung in den Fürstenstand 1720 und 1807. In Lippe Fürst Leopold IV. aus der Biesterfelder Linie seit 1904; in Schaumburg-Lippe Fürst Adolf seit 1911.
Fürstentum Waldeck, Grafschaft im alten Herzogtum Sachsen. 1712 Fürstentum. Graf Georg Friedrich v. Waldeck († 1692), Staatsmann und Feldherr im Dienste des Großen Kurfürsten von Brandenburg. Durch Vertrag von 1868 ist die Verwaltung des Landes an Preußen übertragen. Seit 1893 Fürst Friedrich.
Die drei Hansestädte (S. 200 f.), seit 1630 nach dem Aufhören des Hansebundes besonders verbündet, 1815 als Freie Städte Mitglieder des Deutschen Bundes (vgl. S. 320).
Elsaß-Lothringen. Elsaß ein Teil des alten Herzogtums Schwaben; Straßburg 1205 freie Reichsstadt. Die österreichischen Besitzungen im Elsaß kommen 1648 an Frankreich, Straßburg 1681, die letzten noch deutschen Teile des Elsaß 1792. Das ganze Elsaß 1870 wieder gewonnen. Lothringen altes Herzogtum des deutschen Reiches, seit 1431 unter einer französischen Dynastie (S. 205); Metz seit dem 13. Jahrhundert freie Reichsstadt, 1552 von den Franzosen besetzt. Ganz Lothringen 1766 französisch (S. 279), der östliche Teil 1870 wieder gewonnen. Betreffs der Regierung des Landes s. S. 392, 397.