ERSTER AUFTRITT

Christian im Frack und Orden unter dem Mantel, Marianne Brautkleid unter dem Überwurf treten auf.

CHRISTIAN:

Endlich Luft, Ruhe.

MARIANNE:

Diese Blumen.

Bei einem Strauß:

Vaters.

Sie nimmt eine Karte und liest:

Für meinen verlorenen Engel Marianne. Und hier hier — welch himmlische Orchideen!

Liest:

Von einer Unbekannten.

CHRISTIAN:

So? Sentiment. — Was sprach er am Tisch fortwährend mit meinem alten Herrn. Hörtest du die beiden?

MARIANNE:

Wer soll das sein?

CHRISTIAN:

Fiel's dir nicht auf? Keiner war für seine Tischdame zu haben. Die dicke Gräfin ...

MARIANNE:

Tante Ursula ist fast taub und hatte schließlich das halbe Essen auf der Serviette.

CHRISTIAN:

Wer war der Johanniter zwei Plätze rechts von ihr?

MARIANNE:

Mutters Vetter Albert Thüngen.

CHRISTIAN:

Der Bengel starrte mich unaufhörlich wie eine Erscheinung an und aß darüber nicht.

MARIANNE:

Er hat eine richtige Froschschnute; heißt Frosch darum.

CHRISTIAN:

Seltene Dekorationen waren am Tisch. Bist du mit der Prinzessin so intim, wie sie dich behandelte?

MARIANNE:

Wir wurden sieben Jahre gemeinsam erzogen.

CHRISTIAN:

Sieben Jahre. Ihr duzt euch?

MARIANNE:

Sind doch durch unsere Urgroßmutter miteinander verwandt.

CHRISTIAN:

Die Erzherzogin?

JUNGFER tritt auf:

Wollen gnädigste Komtesse sich nicht umkleiden?

MARIANNE:

Ich bin nun gnädige Frau geworden, Anna.

JUNGFER:

Gut, gnädige Komtesse.

MARIANNE:

Aus mit der Komtesse und Albernheiten. Ich verlange Respekt!

JUNGFER schluchzt:

Ja, gnädige Frau.

MARIANNE:

Was gibt's?

JUNGFER auf Mariannes Hand gebeugt:

Es ist alles so rührend; gnädige Frau gehören uns nicht mehr.

MARIANNE:

Mir selbst nicht mehr. Mädchenlos. Auch deins.

Beide durch den Vorhang ab.