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Eines Tages sprach Soetkin zu Klas:
„Mann, mir blutet das Herz. Nun sind es drei Tage, daß Thyl das Haus verlassen hat; weißt Du nicht, wo er ist?“
„Wo die herrenlosen Hunde sind, auf irgend einer Landstraße mit etlichen Taugenichtsen seiner Art. Gott war grausam, daß er uns einen solchen Sohn gab. Da er geboren ward, sah ich in ihm die Freude unserer alten Tage, ein Werkzeug mehr im Hause. Ich gedachte einen Handwerker aus ihm zu machen, und das böse Schicksal macht ihn zum Schelm und zum Tagedieb“.
„Sei nicht so hart, Mann“, sprach Soetkin. „Unser Sohn ist erst neun Jahre alt und in der Blüte der Jugendtorheit. Muß er nicht gleich wie die Bäume seine Blatthülsen auf den Weg streuen, ehe er sich mit den Blättern schmückt, die bei Gewächsen aus dem Volke Rechtschaffenheit und Tugend heißen? Er ist ein Schalk, aber seine Schalkheit wird ihm dereinst zum Nutzen gedeihen, wenn er sie nicht zu schlimmen Streichen, sondern zu einem nützlichen Handwerk gebraucht. Er macht sich gern über seinen Nächsten lustig, doch ebenso wird er dereinst seinen Platz in einer lustigen Bruderschaft behaupten. Er lacht immerdar, aber die Gesichter, so mürrisch dreinschauen, sind eine üble Vorbedeutung für die künftigen Mienen. Wenn er läuft, so tut er es, weil er wachsen muß, maßen er noch nicht in dem Alter ist, wo man fühlt, daß die Arbeit Pflicht ist. Und wenn er zuweilen eine halbe Woche lang Tag und Nacht ausbleibt, so weiß er nicht, welchen Harm er uns zufügt, denn er hat ein gutes Herz und liebt uns.“
Klas schüttelte den Kopf und antwortete nichts, und da er schlief, weinte Soetkin für sich allein. Und am Morgen gedachte sie, daß ihr Sohn etwa an irgend einer Straßenecke krank läge, und trat auf die Türschwelle, um zu sehen, ob er nicht heimkehrte; aber sie sah nichts und setzte sich ans Fenster und schaute von da auf die Straße. Und manch liebes Mal hüpfte ihr das Herz in der Brust, wann sie den leichten Schritt eines Knaben hörte. Doch wenn er vorüberging, sah sie, daß es nicht Ulenspiegel war, und dann weinte sie, die betrübte Mutter.