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Im folgenden Mond gab ein gewisser Doktor Agileus Ulenspiegel zwei Gülden und Briefe, mit denen er sich zu Simon Praet begeben sollte; der würde ihm sagen, was er tun sollte.
Ulenspiegel fand bei Praet Kost und Obdach. Sein Schlaf war gut und gut war auch sein jugendlich blühendes Antlitz. Praet hingegen war schwächlich und von kläglichem Aussehen und schien immer in traurigen Gedanken befangen. Ulenspiegel verwunderte sich des Nachts, wenn er von Ohngefähr erwachte und hämmern hörte.
So zeitig er aufstand, Simon Praet war vor ihm auf und sein Aussehen war noch kläglicher und seine Blicke noch trauriger. Sie erglänzten wie die eines Mannes, der sich auf den Tod oder die Schlacht bereitet.
Oft seufzete Praet, die Hände zum Beten gefaltet, und allezeit schien er voller Grimm. Seine Finger waren schwarz und schmierig, desgleichen seine Arme und seine Hand.
Ulenspiegel beschloß zu erfahren, woher das Hämmern, die schwarzen Arme und Praets Trübsinn kämen.
Eines Abends, da er in Simons Gesellschaft, der wider Willen dort weilte, in der Schenke zur „Blauen Gans“ gewesen war, stellte er sich als ob er so viel getrunken und solch einen Rausch im Kopf hätte, daß er ihn stracks auf das Kissen hinlegen müßte. Und Praet führte ihn traurig nach Hause.
Ulenspiegel schlief auf dem Boden bei den Katzen; Simons Bett war unten beim Keller.
Ulenspiegel stellte sich fürderhin trunken, stieg taumelnd die Stiege hinauf, tat, als ob er fiele, und hielt sich am Strick fest. Simon half ihm mit zärtlicher Sorgfalt wie ein Bruder. Nachdem er ihn zu Bett gebracht, ob seiner Trunkenheit bedauert und Gott gebeten hatte, sie ihm zu verzeihen, ging er hinunter, und alsbald vernahm Ulenspiegel die nämlichen Hammerschläge, die ihn manches Mal geweckt hatten.
Er stand geräuschlos auf, stieg barfuß die schmale Stiege hinunter, also daß er sich nach zweiundsiebenzig Stufen vor einer niederen Tür befand, durch deren Spalte ein schwacher Lichtschein drang. Simon druckte Flugblätter mit alten Lettern aus der Zeit von Laurens Costers, dem großen Verbreiter der edlen Buchdruckerkunst. „Was machst Du da?“ fragte Ulenspiegel.
Simon antwortete erschrocken:
„Wenn Du des Teufels bist, zeige mich an, auf daß ich sterbe. Bist Du aber Gottes, so sei Dein Mund Deiner Zunge Kerker.“
„Ich bin Gottes,“ antwortete Ulenspiegel, „und will Dir nichts Übles tun. Was tust Du da?“
„Ich drucke Bibeln,“ antwortete Simon. „Denn wenn ich über Tag, um mein Weib und meine Kinder zu ernähren, die grausamen und schlechten Edikte Seiner Majestät veröffentliche, so säe ich nachts das wahrhaftige Wort Gottes aus und mache so das Übel wieder gut, das ich am Tage tue.“
„Du bist tapfer,“ sagte Ulenspiegel.
„Ich bin im Glauben,“ entgegnete Simon.
Und wahrlich, aus dieser frommen Druckerei gingen Bibeln in vlämischer Sprache hervor, so sich in den Ländern Brabant, Flandern, Holland, Seeland, Utrecht, Nord-Brabant, Ober-Yssel und Gelderland verbreiteten, bis an den Tag, wo Simon verurteilt wurde, geköpft zu werden, und also sein Leben für Christum und die Gerechtigkeit vollendete.