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Der November war gekommen, der Reifmond, wo sich die Hustenden an der Musik des Ausspeiens ergötzen. Es ist auch der Monat, da die Buben sich haufenweis auf den Rübenfeldern tummeln und plündern, so viel sie vermögen, zum großen Zorne der Bauern, die vergebens mit Knütteln und Forken hinterdreinlaufen.
Eines Tages nun, da Ulenspiegel vom Räubern heimkam, vernahm er nicht weit in einer Zaunecke ein Stöhnen. Er bückte sich und sah auf etlichen Steinen einen Hund liegen.
„Holla,“ sprach er, „kleines jammerndes Vieh, was treibst Du da so spät?“
Dieweil er den Hund streichelte, fühlte er, daß sein Rücken feucht war, und er dachte, daß man ihn hätte ertränken wollen. Er nahm ihn auf den Arm, um ihn wieder zu erwärmen.
Als er ins Haus trat, fragte er:
„Ich bringe einen Verwundeten mit: was soll ich tun?“
„Ihn verbinden“, erwiderte Klas.
Ulenspiegel setzte den Hund auf den Tisch. Da sahen Klas, Soetkin und er bei dem Lichte der Lampe einen kleinen Luxemburgischen Rattenfänger, welcher auf dem Rücken verletzt war. Soetkin wusch die Wunde mit einem Schwamm aus, bestrich sie mit Balsam und umwickelte sie mit Linnen. Ulenspiegel trug das Tier in sein Bett, wiewohl Soetkin es in dem ihren haben wollte. Denn sie fürchtete, sagte sie, Ulenspiegel, der sich damals herumwarf wie ein Teufel in einem Weihwasserbecken, möchte den Hund im Schlafe verletzen.
Doch Ulenspiegel tat, was er wollte, und pflegte seiner so gut, daß der Verwundete binnen sechs Tagen mit der ganzen Selbstgefälligkeit der Köter einherlief.
Und der Schulmeister nannte ihn Titus Bibulus Schnuffius: Titus zur Erinnerung an den guten römischen Kaiser, welcher herrenlose Hunde gern auflas, Bibulus, maßen der Hund das Braunbier gleich wie ein Trunkenbold liebte, und Schnuffius, dieweil er seine Nase ohn Unterlaß in die Löcher der Ratten und Maulwürfe steckte.