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Doch Ulenspiegel und Nele liebten sich heiß. Es war am Ende des Aprilmonds, und alle blühenden Bäume, alle saftstrotzenden Pflanzen harrten des Mai, der von einem Pfauen begleitet, blütenreich wie ein Blumenstrauß, auf die Erde kommt und die Nachtigallen in den Büschen singen heißt.

Oftmals streiften Ulenspiegel und Nele selbander auf den Wegen umher, Nele hing an Ulenspiegels Arm und umschlang ihn mit beiden Händen. Er fand an diesem Spiele Gefallen und legte oftmals seinen Arm um ihre Hüften, um sie besser zu halten, wie er sagte. Sie war glücklich, aber sie sprach nicht.

Der Wind wälzte den Duft der Wiesen warm und feucht auf die Wege. In der Ferne rauschte das Meer träg im Sonnenschein. Ulenspiegel war hoffärtig wie ein junger Teufel, doch Nele gleich einer kleinen Heiligen aus dem Paradiese gar verschämt ob ihrer Freude.

Sie lehnte den Kopf an Ulenspiegels Schulter; er faßte ihre Hände, und im Gehen küßte er sie auf die Stirn, die Wangen und ihren lieblichen Mund. Doch sie schwieg.

Nach etlichen Stunden waren sie heiß und durstig, tranken Milch beim Bauern und waren doch nicht erquickt.

Sie setzten sich an den Rand eines Grabens auf den Rasen. Nele war ganz bleich und nachdenklich und Ulenspiegel betrachtete sie furchtsam.

„Du bist traurig?“ fragte sie.

„Ja“, sagte er.

„Warum?“ fragte sie.

„Ich weiß es nicht,“ sprach er, „aber diese Apfel- und Kirschbäume in voller Blüte, diese laue Luft, die wie mit dem Feuer des Blitzes geladen ist, diese Maßliebchen, die sich errötend auf den Auen öffnen, der Schlehdorn dort nahebei in den Hecken, ganz weiß ... Wer sagt mir, warum ich mich so unruhig fühle und immerdar bereit bin, zu sterben oder zu schlafen? Und mein Herz schlägt so stark, wenn ich die Vögel in den Bäumen erwachen höre und sehe die Schwalben, die wieder da sind. Dann möchte ich weiter wandern als Sonne und Mond. Und bald ist mir kalt, bald heiß. Ach, Nele, ich wollte, ich wäre nicht mehr auf dieser erbärmlichen Welt, oder ich könnte der, die mich liebte, tausend Leben geben“ ...

Aber sie schwieg, und blickte Ulenspiegel mit frohem Lächeln an.