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Zu jener Zeit kurierte Katheline durch Heilkräuter einen Ochsen, drei Hämmel und ein Schwein, die Speelman gehörten; eine Kuh aber, die Jan Beloen hatte, konnte sie nicht heilen. Dieser klagte sie der Zauberei an. Er erklärte, daß sie das Tier behext hätte, in Ansehung dessen, daß sie es streichelte und zu ihm sprach, dieweil sie ihm die Heilkräuter gab, sonder Zweifel in einer teuflischen Sprache, denn eine rechtschaffene Christin soll nicht zu einem Tiere reden.

Besagter Jan Beloen fügte hinzu, daß er Speelmanns Nachbar sei, welchem sie den Ochsen, die Hämmel und das Schwein kuriert habe. Wenn sie seine Kuh umgebracht habe, so sei das sonder Zweifel auf Anstiften Speelmanns geschehen, welcher mit Neid sähe, daß seine, Beloens Äcker, besser bestellt wären und mehr Frucht trügen denn seine, Speelmanns Äcker. Auf das Zeugnis von Pieter Meulemeester, einem Manne von gutem Wandel und Sitten, sowie von Jan Beloen, welche bezeugten, daß Katheline in Damm als Hexe verrufen sei und sonder Zweifel die Kuh umgebracht habe, ward Katheline gefänglich eingezogen und verurteilt, gefoltert zu werden, bis sie ihre Verbrechen und Missetaten bekannt hätte.

Sie ward durch einen Schöffen verhört, der beständig wütend war, denn er trank den ganzen Tag Branntwein.

Vor ihm und den Männern der Vierschare ward Katheline auf die erste Folterbank gelegt. Der Henker zog sie ganz nackt aus, dann schor er ihr die Haare am ganzen Körper und sah überall nach, ob sie irgend einen Zauber verberge. Da er nichts gefunden hatte, band er sie mit Stricken auf die Folterbank fest.

Da sprach sie:

„Ich schäme mich, also nackt vor diesen Männern zu sein, heilige Frau Maria macht, daß ich sterbe.“

Alsobald legte ihr der Henker nasse Lappen auf die Brust, den Leib und die Beine, hob die Bank in die Höhe und goß ihr heißes Wasser in so großer Menge in den Magen, also daß sie ganz aufgeblasen schien. Dann ließ er die Bank zurückfallen.

Der Schöffe fragte Katheline, ob sie ihr Verbrechen bekennen wollte. Sie machte ein Zeichen der Verneinung. Der Henker goß ihr noch mehr heißes Wasser ein, aber Katheline brach alles aus. Da ward sie auf Anraten des Arztes losgebunden. Sie sprach nicht, aber sie schlug sich auf die Brust, zum Zeichen, daß das heiße Wasser sie verbrannt hätte. Als der Schöffe sah, daß sie sich von dieser ersten Folter erholt hatte, sagte er zu ihr:

„Bekenne, daß Du eine Hexe bist und daß Du die Kuh verzaubert hast“.

„Ich werde nicht bekennen“, sagte sie. „Ich liebe alle Tiere, so sehr mein armes Herz vermag, und lieber würde ich mir ein Leides tun als ihnen, so sie sich nicht verteidigen können. Um die Kuh zu heilen, habe ich die Mittel angewandt, die von Nöten sind“.

Doch der Schöffe erwiderte:

„Du hast ihr Gift gegeben, denn die Kuh ist tot“.

„Herr Schöffe,“ sprach Katheline, „ich bin hier vor Eurem Richterstuhl und in Eurer Gewalt. Dennoch wage ich Euch zu sagen, daß ein Tier an einer Krankheit sterben kann wie ein Mensch, trotz des Beistandes der Chirurgen und Ärzte. Und ich schwöre beim allerhöchsten Herrn Christus, der gern bereit war, für unsere Sünden am Kreuze zu sterben, daß ich dieser Kuh nichts antun wollte, sondern vielmehr sie durch einfache Mittel heilen.“

Da sagte der Schöffe wütend:

„Diese Teufelsdirne soll nicht unaufhörlich leugnen. Bringt sie auf eine andere Folterbank!“

Und er trank ein großes Glas Branntwein.

Der Henker setzte Katheline auf den Deckel eines Sarges von Eichenholz, welcher auf Holzböcken ruhte. Besagter Deckel in Form eines Daches war scharf wie eine Klinge. Im Kamin brannte ein großes Feuer, denn es war im Monat November. Da Katheline auf dem Sarge und auf einem Spieß von spitzem Holze saß, ward sie mit zu engen Schuhen aus frischem Leder bekleidet und vor das Feuer geschoben. Als sie fühlte, wie das schneidende Holz des Sarges und der spitze Spieß in ihr Fleisch drang und die Glut das Leder ihrer Schuhe erhitzte und zusammenzog, schrie sie:

„Ich leide tausend Schmerzen! Wer gibt mir schwarzes Gift?“

„Rückt sie näher ans Feuer“, gebot der Schöffe.

Dann befragte er Katheline:

„Wie oft bist Du auf einem Besen zum Hexensabbat geritten? Wie oft hast Du das Korn in der Ähre, die Frucht auf dem Baum, das Ungeborne im Mutterleibe zu Grunde gerichtet? Wie oft hast du aus zwei Brüdern geschworne Feinde und aus zwei Schwestern Nebenbuhlerinnen voll Haß gemacht?“

Katheline wollte sprechen, doch sie vermochte es nicht, und bewegte die Arme, wie um nein zu sagen. Der Schöffe sagte darauf:

„Sie wird nicht eher sprechen, als bis sie am Feuer all ihr Hexenfett schmelzen fühlt. Rückt sie näher heran“.

Katheline schrie. Der Schöffe sprach zu ihr:

„Bitte Satan, daß er Dich kühle“.

Sie machte eine Bewegung, als sei sie willens, ihre Schuhe auszuziehen, die bei der Feuersglut rauchten.

„Bitte Satan, daß er Dir die Schuhe auszieht“, sprach der Schöffe.

Es schlug zehn Uhr, die Mittagszeit des Wüterichs; er ging mit dem Henker und dem Schreiber hinaus und ließ Katheline allein vor dem Feuer in der Folterkammer.

Um eilf Uhr kamen sie zurück und fanden Katheline steif und unbeweglich sitzend. Der Schreiber sprach:

„Mich deucht, sie ist tot.“

Der Schöffe befahl dem Henker, Katheline vom Sarge zu nehmen und ihr die Schuhe auszuziehen. Der Henker konnte sie nicht ausziehen und schnitt sie los. Kathelinens Füße kamen rot und blutend zum Vorschein.

Und der Schöffe, seiner Mahlzeit gedenkend, blickte sie an, ohne ein Wort zu sagen. Aber alsbald kam sie wieder zu sich und stürzte zu Boden, von wo sie sich aller Anstrengung zum Trotz nicht wieder erheben konnte.

Sie sprach zum Schöffen:

„Ehedem hast Du mich zum Weibe gewollt, nun aber sollst Du mich nicht mehr bekommen. Viermal drei, das ist die heilige Zahl, und der dreizehnte ist der Ehemann“.

Und da der Schöffe sprechen wollte, sagte sie zu ihm:

„Sei still, er hört schärfer denn der Erzengel, der im Himmel die Herzschläge der Gerechten zählt. Warum kommst Du so spät? Viermal drei, das ist die heilige Zahl; er tötet, die mich begehren“.

Der Schöffe sagte:

„Sie empfängt den Teufel in ihrem Bette“.

„Sie redet irr wegen der Folterqualen“, sagte der Schreiber.

Katheline ward ins Gefängnis zurückgebracht. Drei Tage hernach, da das Schöffengericht sich in der „Vierschare“ versammelt hatte, ward Katheline nach Beratung zur Feuerstrafe verurteilt.

Der Henker und seine Büttel führten sie auf den großen Markt von Damm. Daselbst war ein Gerüst, auf welches sie stieg. Auf dem Platze standen der Profoß, der Herold und die Richter.

Die Trompeten des Stadtherolds erschallten dreimal, und dieser sagte zum Volke:

„Dieweil der Magistrat von Damm mit Jungfer Katheline Mitleid gehabt hat, so hat er nicht gemäß der äußersten Strenge des städtischen Gesetzes sie bestrafen wollen. Um aber bekannt zu geben, daß sie eine Hexe ist, sollen ihre Haare verbrannt werden; auch soll sie zwanzig Goldkarolus Buße zahlen und auf drei Jahre aus dem Weichbild von Damm verbannt werden, bei Gefahr, ein Glied ihres Körpers zu verlieren.“

Und das Volk begrüßte diese rauhe Milde mit Beifall. Danach band der Henker Katheline am Pfahle fest, setzte eine Perücke von Werg auf ihren geschorenen Kopf und steckte sie an. Das Werg brannte lange und Katheline schrie und weinte.

Dann wurde sie losgebunden und auf einem Karren aus dem Weichbild von Damm gefahren; denn ihre Füße waren verbrannt.