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Er schien jedoch zu genesen.
Alle Samstage sahen die Geusen, wie er den Leibesumfang des Mönches mit einem langen Lederriemen maß.
Am ersten Samstag sagte er:
„Vier Fuß.“
Und sich selber messend, sprach er:
„Vier und einen halben Fuß.“
Und er schien schwermütig.
Doch am achten Samstag war er fröhlich und sagte von dem Mönche:
„Vier dreiviertel Fuß.“
Und als er ihm Maß nahm, erboste sich der Mönch und sprach:
„Was hast du mit mir vor, Dicker?“
Aber Lamm steckte die Zunge heraus und schwieg.
Und siebenmal am Tage sahen die Matrosen und Soldaten ihn mit irgend einem andern Gericht ankommen und dabei sagen:
„Hier sind fette Bohnen mit flandrischer Butter; hast Du je so gute in Deinem Kloster gegessen? Du hast ein volles Gesicht, hier auf dem Schiff magert man nicht ab. Fühlst Du nicht, wie Dir die Fettpolster im Rücken wachsen? Bald wirst Du kein Pfühl mehr brauchen, um zu schlafen.“
Bei der zweiten Mahlzeit des Mönches sprach er:
„Sieh da, das sind Krapfen nach Brüsseler Art. Die Wälschen nennen sie Crèpes, denn sie tragen sie zum Zeichen der Trauer am Hut. Diese jedoch sind nicht schwarz, sondern blond und im Ofen goldig gebacken. Siehst Du die Butter darauf rinnen? So wird auch Dein Bauch werden.“
„Ich habe keinen Hunger,“ sprach der Mönch.
„Du mußt essen,“ sagte Lamm. „Glaubst Du, daß es Krapfen von Buchweizenmehl sind? Es ist reines Weizenmehl, frommer Vater, Vater im Fett, es ist feinstes Weizenmehl, Vater mit vierfachem Kinn; ich sehe schon das fünfte keimen, und mein Herz ist froh. Iß!“
„Laß mich in Ruhe, Dicker,“ sprach der Mönch.
Lamm ward zornig und antwortete:
„Ich bin Herr über Dein Leben. Ziehst du den Strang einem guten Napf Erbsenbrei mit gerösteter Brotrinde vor, die ich Dir alsbald bringen werde?“
Und als er mit dem Napf kam, sagte Lamm:
„Der Erbsenbrei hat es gern, wenn er in Gesellschaft gegessen wird; darum habe ich deutsche Knödel dabei gegeben, schöne Klöße von Korinther Mehl, ganz frisch ins kochende Wasser geworfen. Sie sind schwer, aber sie setzen Speck an. Iß, soviel du kannst. Jemehr Du issest, um so größer ist meine Freude. Ziere Dich nicht, und schnaufe nicht so stark, als ob es Dir zu viel würde. Iß! Ist Essen nicht besser als gehenkt werden? Laß mal Deine Schenkel sehen? Sie werden auch fetter. Zwei Fuß und sieben Zoll rund herum. Wo ist ein Schinken, der soviel mißt?“
Eine Stunde darauf kam er wieder zum Mönche.
„Sieh,“ sprach er, „hier sind neun Tauben. Sie sind für Dich geschlachtet, die unschuldigen Tierchen, die ohne Furcht über den Schiffen flogen. Verschmähe sie nicht, ich habe ihnen eine Butterkugel in den Leib gelegt, samt Weißbrot, geriebener Muskatnuß und Gewürznelken, in einem kupfernen Mörser gestoßen, der wie Deine Haut glänzt. Die liebe Sonne freut sich, in einem Gesichte, so blank wie das Deine, sich spiegeln zu können. Das kommt vom Fett, vom guten Fett, das ich Dir verschafft habe.“ Bei der fünften Mahlzeit brachte er ihm ein „Waterzoey“.
„Was denkst Du von diesem gedämpften Fische?“ fragte er. „Das Meer trägt Dich und ernährt Dich, mehr würde es auch nicht für Seine Königliche Majestät tun. Ja, ja, ich sehe das fünfte Kinn deutlich sprossen, ein wenig mehr an der linken als an der rechten Seite. Wir werden diese Seite, die zu kurz gekommen ist, fett machen müssen, denn Gott hat uns gesagt: „Seid gerecht gegen jedermann.“ Wo wäre Gerechtigkeit, wenn nicht in gleichmäßiger Verteilung von Fett? Für Deine sechste Mahlzeit werde ich Dir Muscheln, die Austern der armen Leute, bringen, dergleichen man Dir in Deinem Kloster nie aufgetragen hat. Die Unwissenden kochen sie und essen sie so, aber das ist nur der Prolog ihrer Zubereitung. Man muß hernach die Schalen abnehmen, ihre zarten Körper in ein Pfännlein tun und sie da sanft mit Sellerie, Muskat und Nelken dämpfen, die Brühe mit Bier und Mehl binden und sie mit gerösteten Brotschnitten anrichten. So habe ich sie für Dich gemacht. Warum schulden die Kinder ihren Vätern und Müttern so großen Dank? Weil sie ihnen Obdach, Liebe, doch sonderlich die Nahrung gegeben haben. Demnach mußt Du mich wie Deinen Vater und Deine Mutter lieben und gleich ihnen bist Du, Vielfraß, mir Dank schuldig. Drum sieh mich nicht mit so wilden, rollenden Augen an.
„Bald werde ich Dir eine Biersuppe mit Mehl bringen, gut gezuckert, mit viel Zimmt. Weißt Du, warum? Damit Dein Fett durchsichtig wird und unter Deiner Haut bebt: so sieht man es, wenn Du Dich bewegst. Horch, da läutet es Schlafenszeit: schlummere in Frieden, ohne Sorgen für den kommenden Tag, und sei sicher, Deine geschmälzten Mahlzeiten wiederzufinden, und Deinen Freund Lamm, der nicht ermangeln wird, sie Dir zu geben.“
„Geh von hinnen und laß mich beten,“ sagte der Mönch.
„Bete,“ sprach Lamm, „bete in fröhlicher Schnarchmusik. Bier und Schlafen werden Dir Fett, gutes Fett ansetzen. Ich bin froh.“
Und Lamm ging, sich ins Bett zu legen.
Und die Matrosen und Soldaten fragten ihn:
„Was hast Du davon, diesen Mönch, der Dir nicht wohl will, so reichlich zu füttern?“
„Laßt mich nur machen,“ sprach Lamm. „Ich vollführe ein großes Werk.“