1906
Wie können Baumwipfel wie ein Mädchen aussehen, ja mehr noch: seinen ganzen Charakter zu enthalten scheinen? Und doch ist es manchmal so.
Ich habe heute ein paar Blumen für dich nicht gepflückt, um dir ihr — Leben mitzubringen.
Ich höre einen Vogel fortwährend ‚Chi—rur—gie‘ flöten.
46Diese zwei jungen Teckel da vor mir, wie sie schön sind in ihrer jungen Natürlichkeit und Zärtlichkeit zueinander! Wahrlich, bei keinem Menschen kann reizender aussehen, als wenn das Männchen dem Kameraden mit seinem Auge folgt oder wenn das Weibchen ihm im sonnigen Moos den Kopf auf den Rücken legt voll Anmut und Anschmiegungsbedürfnis. Und welches Wohlgefühl des Lebens, wenn sie so, die Nase dicht am warmen Moos, die sonnendurchwärmte Waldluft einsaugen mit ihren vielfältigen Reizen, von denen wir nur einen groben Begriff haben. Und welches stets rege Interesse für alle die kleinen und großen Töne, die eine Landschaft fortwährend erfüllen und beleben.
Gebell eines ‚Achtung‘-Hundes:
Nervosität durch Geschrei von Kindern
Argwohn, es könnte auf ihn gemünzt sein (monoman)
Gefahr! (Furcht, Wut, Anspannung)
Beschimpfung (da nichts erfolgt)
Selbstgerechter Ärger (mehr monologisch)
Mitteilungsgefühl (Klatschbedürfnis)
(er teilt die Sache der Außenwelt mit)
Quittungen über vieles
| Rivalität | } | mit andern Hunden |
| Solidarität |
Grundloser Unwille
Katzenjammer, der sich zu betäuben sucht.
Es ist mit Landschaften wie mit Menschen, man lernt sie nie aus. Jeder und jede vermögen unter 47Umständen alle Phasen von der ärmlichsten Häßlichkeit bis zur lebensvollsten Schönheit zu durchlaufen.
So schimmert ein Birkenwäldchen durch Kiefern, wie deine ferne Jugend in und durch meine Gedanken.
Die Natur ist die große Ruhe gegenüber unserer Beweglichkeit. Darum wird sie der Mensch immer mehr lieben, je feiner und beweglicher er werden wird. Sie gibt ihm die großen Züge, die weiten Perspektiven und zugleich das Bild einer bei aller unermüdlichen Entwickelung erhabenen Gelassenheit.
Es ist ein seltsames Gefühl, senkrecht in die Erde zu unseren Füßen hineinzudenken. Man kommt nicht weit, die Phantasie erstickt buchstäblich.
Keine Gegend setzt sich aus andern Elementen zusammen, als den uns bekannten. Das wissen wir und doch spielen wir damit, in einer Landschaft Geheimnisse zu vermuten, so lange wir sie noch nicht genau kennen.