Das fünfte Kapitel.

Von denen
Beschwerungen, welche von den
Kopfzeugen entspringen.

§. 29.

Ich komme nun endlich auf den übrigen Kopf- und Haarputz der Schönen, nämlich auf die Hauben, Kopfzeuge und Blumen: denn mit allen diesen geben sie sich Mühe, sich schöner zu machen. Gewiß, es fehlt den Frauenzimmern nicht an Erfindungen, ihren Kopf auf tausend Arten zu verherrlichen, und ich kann ihnen diese Bemühung nicht übel auslegen, zumal da ich weis, daß der Kopf das vornehmste Stück des ganzen Körpers ist. Aber sollte man es denn auch glauben, daß unsre Schönheiten einen Lust- und Ziergarten auf ihren Köpfen anzulegen gewohnt wären? Mir würde es im Traume nimmermehr eingekommen seyn, daß ein Frauenzimmer ihren Witz so hoch zu treiben fähig wäre, einen Blumengarten auf ihrem Kopfe anzubauen. Und dennoch zeigt mir die Erfahrung die Möglichkeit von allem demjenigen, was ich außerdem nur für eine Fabel gehalten haben würde. Mir sind Weibsbilder vorgekommen, an welchen ich mehr Blumen als Haare erblicken konnte. Denn bey dem ersten Anblicke dieser Schönheiten wurde ich für Verwunderung fast ganz außer mich gesetzt, so, daß ich mich gleichsam vor bezaubert hielt, und glaubte, daß sich die Blumengöttinn nebst ihren Spielgesellinnen wieder auf die Welt begeben hätte. Ey! was werden denn noch endlich die Schönen auf ihren Köpfen anlegen? Wer weis, ob es ihnen nicht einmal einfallen wird, Schlösser, Städte und Vestungen auf ihre Köpfe zu bauen. Wer weis, ob sie nicht gar auf die thörichten Gedanken gerathen werden, besondere Pflanzgärten auf ihre Köpfe zu machen. Doch dieser Putz macht die Frauenspersonen mehr eitel, als ungesund. Ich werde also von diesem eitlen Putze lieber stille schweigen, zumal, da ich an solchem als ein Arzt eben keine Gelegenheit finde, welche ihrer Gesundheit einigen Schaden zuzufügen im Stande wäre. Kurz, dieser Hauptputz ist ein bloßes Spielwerk, welches aus einer überflüßigen Eitelkeit entsprungen ist, und die ganze Welt hält es ohnedem mit mir vor wahr, daß die Schönen mehr der Eitelkeit als andern Beschäftigungen zugethan sind.

§. 30. Das schöne Geschlecht ist eben so veränderlich in den Arten der Hauben und Kopfzeuge, deren es sich zu bedienen pflegt, um ihrem Haupte eine Zierde geben zu mögen, als veränderlich solches selbst in seinem Gemüthe ist. Ja die Hauben und Kopfzeuge sind bey den Schönen eben so verschiedentlich, als verschiedentlich die Neigungen derselbigen sind. Denn bald stellt ein Kopfzeug die Fliegel eines Schmetterlings oder einer Fledermaus, bald aber auch die Figur eines andern Ungeziefers vor. Ich habe Frauenzimmer gesehen, welche Kopfzeuge trugen, die auf beyden Seiten ordentliche lange Lappen herunterhängen hatten, und man würde schwören, man erblickte ein Schiff, welches mit ausgespannten Segeln versehen wäre, wenn man eine solche Flatterschöne bey etwas windigen Wetter von weiten herkommen sieht. Manche Frauenspersonen bekleiden ihren Kopf mit einer ganz besondern Art der Kopfzeuge, welche einem großen Rade ziemlich gleich sind. Man würde sich einbilden, solche Leute wären bey lebendigem Leibe canonisirt worden, weil sie einen fast übernatürlichen Schein um ihren Kopf herum hätten. Doch es mag genug hiervon geschrieben seyn. Denn wenn ich alle Arten der Kopfzeuge mit Namen benennen, und ihre Figuren beschreiben wollte; so würde ich mich aus einer gewissen Nothwendigkeit entweder entschließen, zu den Putzmachermägdchen in die Schule zu gehen, oder wenn ich dieser Last überhoben seyn wollte, würde ich mir ein Frauenzimmerlexicon zulegen, und fleißig in solches sehen müssen. Doch da eben dieses nicht meine Beschäftigung ist, so habe ich es auch nicht nöthig, mich in diese unnöthige Weitläufigkeit einzulassen: Aber gleichwohl werde ich derjenigen Kopfzeuge Erwehnung thun, und solche etwas genauer beschreiben, welche den Schönen Anlaß, krank zu werden geben.

§. 31. Ein Kopfzeug ist eine aus weißen Flor oder Schleyer mit Spitzen besetzte, und nach der Mode verfertigte Art der Kleidung, der sich die Frauenspersonen bedienen, um den Kopf damit zu bedecken. Wie aber diese Kopfdeckel gemacht werden, kann ich darum so genau nicht wissen, weil ich solche selbst niemals mit meinen Augen habe verfertigen sehen, und nicht das mindeste von der Nehkunst verstehe. Doch ich besinne mich, einmal ein zerlegtes Kopfzeug gesehen zu haben, und wo ich nicht irre, so war es ein von weißen Kannevaß, einer Hand lang und breit gemachtes Herz, welches von innen etwas hohl, von außen aber etwas erhoben war. Dieses Herz aber pflegen die Schönen nach ihrer Redensart den Teller zu nennen. Doch so viel als ich von den Frauenputze verstehe; so glaube ich, daß dieses Herz vielleicht der Grund gewesen seyn mag, über und um welches der weiße Flor oder Schleyer, entweder mit weißen Zwirne angeneht, oder mit Stecknadeln angeheft werden muß. Betrüge ich mich nun in meiner Muthmaßung, so geschieht es gewiß aus Unwissenheit. An und um diesen mit Flor oder Schleyer überzogenen herzförmigen Teller pflegen die Schönen die Spitzen mit verschiedenen Falten anzunehen, und hernach mit oder ohne herabhängenden Flügeln zu versehen. Zuweilen schmücken sie auch, um mehrer Zierlichkeit willen, diese Kopfzeuge entweder mit goldnen, silbernen, und andern seidnen Bändern, oder mit Blumen, welche aus Gold, Silber oder Seide gesponnen worden sind. Es ist aber doch bey alle dem eine wunderbare Sache, daß die Schönheiten auch so gar Herzen auf dem Kopfe, fast so wie die Fische im Kopfe tragen. O wie gut würde es doch seyn! wenn manche Frauenzimmer zuweilen eben so stumm, wie die Fische wären: Ich versichre, sie würden sehr vieler zufälliger Uebel und harter Unglücksfälle überhoben bleiben, welche sie doch nur gemeiniglich ihrem ungezähmten Maule einzig und allein zu danken haben. Aber nun wieder auf die Kopfzeuge zu kommen. Manchmal werden auch solche Teller von Pappier gemacht, die aber doch vorher mit goldnen, silbernen und andern farbigten Zindel überzogen werden, ehe der Flor oder der Schleyer über selbige geneht wird. Die Figur dieser Teller mag wohl eben so, wie die Kopfzeuge selbst, von verschiedentlicher Gestalt seyn. Mir sind Teller zu Gesichte gekommen, welche eine eyähnliche Figur hatten. Mit einem Worte: Die Kopfzeuge werden fast alle Monate, und vielleicht auch wohl gar alle Mondwechsel verändert: Aber eben dieses ist auch die Ursache, warum man solche nicht so eigentlich abzuschildern fähig ist. Nichts ist veränderlicher als die Moden der Frauenzimmertracht, und ich wollte fast lieber sagen, daß die verschiedenen Moden der Schönen ein offenbares Zeugniß, und eine gewisse Wirkung ihres unbeständigen, veränderlichen und wankelmüthigen Gemüths wären. Denn

Das Frauenzimmer ist, wie im April das Wetter

Voll Unbeständigkeit, voll Wankelmuth wie Blätter:

Es lacht, betrübet sich, und weint, es schimpft und schmählt,

Es zürnt, verfolgt, haßt, liebt, hofft, wünscht, begehrt, und wählt.

§. 32. Aus dem [31sten] Absatze wird man also gar wohl, ohne sich einer Brille bedienen zu dürfen, einsehen können, daß diese Art der Kopfzeuge, der ich nur itzo Meldung gethan habe, der Gesundheit eben nicht am zuträglichsten sey. Denn da der Teller solcher Kopfdeckel nur einer Hand lang und breit ist; so wird solcher kaum den Wirbel des Kopfs zu bedecken im Stande seyn. Wird also wohl der Kopf gehörig genug durch diesen Kopfputz wider die Kälte sowohl, als wider die Sonnenhitze verwahrt werden können? Ich zweifle. Wird aber die Kälte den Kopf angreifen; so werden die oben erwehnten Zufälle [§. 28.] [17.] [12.] und [5.] nothwendiger Weise entstehen. Wird aber die Hitze der Sonne den Kopf belästigen; so werden sich die Schönen über Kopfschmerz beklagen, welcher ihnen den Schlaf zu berauben nur gar zu fähig wird. Denn mich deucht, daß es auch so gar die alten Weiber wissen, daß die Sonnenhitze, wenn sie zu heftig auf den Kopf sticht, Hauptschmerzen erzeugen könne. Aber dieses ist es nicht allein, was die Hitze der Sonne bey den Schönen zum Vorscheine bringet. Es werden auch von den Strahlen der Sonne, wenn sie den Kopf gar zu heftig brennen, rothe und entzündete Augen, Trockenheit in der innern Nasenhaut, in den Ohren, im Munde und in der Luftröhre, folglich Stockschnupfen, Krankheiten der Ohren, Harthörigkeit, kurz, nichts als solche Zufälle, welche von einer gar zu großen Verhärtung des Ohrenschmalzes, und von einer widernatürlichen Austrocknung des innern Ohrganges und des Trummelfells herzukommen pflegen, und Heiserkeit, brennende Blasen auf der Zunge, und trockner Husten, ihren Ursprung ableiten. Ich würde meinen Lesern zuwider werden, wenn ich ihnen alle diejenigen Ungelegenheit der Ordnung nach anführen wollte, welche allesammt von der Sonnenhitze ihre Erzeugung hätten. Sehen sie nun die schönen Folgen, welche von der eitlen Bemühung, nämlich von dem Putze des Haupts zu entstehen pflegen? Es ist, so wahr ich einen Geschlechtsnamen führe! eine mehr als tadelhafte Thorheit, wenn die Schönen darum hoffärtig werden, um den Aerzten in die Hände zu fallen. Es trifft also wohl recht ein, daß sich der Fall gemeiniglich nach der Hoffahrt einzustellen pflege. Mir wird es wohl schwerlich jemand aus dem Kopfe bringen, daß ich nicht das schöne Geschlechte, in Ansehung ihres Putzes, vor eine recht eitle und thörichte Art von Menschen halten sollte. Das ist freylich eine Wahrheit, welche den Schönheiten höchst unangenehm zu vernehmen seyn wird. Aber wird sie deswegen zu einer Lügen werden, weil man sie mit Verdruß anzuhören gewohnt ist? Nimmermehr. Wer das Glück hat, das artigste Geschlecht so genau, wie ich zu kennen, der wird mit mir in Betrachtung dieser Wahrheit einstimmig seyn. Es wäre denn, daß die Macht der Schönen sein Herz gar zu sehr übermannet, ihn aller seiner Sinnen beraubet, und ihm die Zunge, um der Wahrheit kein Recht wiederfahren zu lassen, gänzlich gelähmet hätte.

§. 33. Ich habe mich wohl recht wie eine Fledermaus in die Haare und in den Kopf der Schönen verwickelt. O! wie gut ist es doch, daß ich einmal so glücklich habe seyn können, denen Schönen in die Haare zu gerathen. Ob ich ihnen aber damit auch viel Weh gethan haben werde, werden sie am besten wissen. Nimmermehr wird sich ein Peruckenmacher so lange mit den Haaren und Kopfe beschäftigen, als ich gethan habe. Aber itzo will ich mir auch alle Mühe geben mich mit Ehren wiederum aus den Haaren der Schönen, wie ein Seidenwurm aus seinem eigenen Gespinnste, zu entwickeln, ohne, daß sie bey meiner Entwicklung um ein einziges Härchen kommen sollen. Doch daß ich es kurz heraus sage: ich will hiermit meinen Abschnitt von den Krankheiten, welche von dem Haarputze und Hauptschmucke herzukommen pflegen, auf das feyerlichste geendiget haben.