2. Kapitel

Wir erwachten und begrüßten einander zärtlich. Da wurde die Frau gemeldet, die am Vormittag bei mir auf so seltsame Weise Maß genommen hatte. Sie legte mir zu meinem nicht geringen Erstaunen eine Art von Seidenhose an, die sich nur bis zur Mitte der Schenkel abstreifen ließ. Sie war gut gearbeitet und genierte mich nicht. Nur, der Gürtel, der sie in der Taille zusammenhielt und von dem eine Art Riemenzeug zwischen meinen Schenkeln hindurchführte, war ein wenig knapp. Dieses Riemenzeug hatte vorn und hinten je eine Öffnung, und in dieser befestigte mein Vater zu meinem Unbehagen mittels eines kunstvoll gearbeiteten Kettchens eine samtbezogene Metallplatte, die an zwei Stellen durchbrochen war, um den natürlichen Bedürfnissen Genüge zu tun. Er verschloß das Ganze mittels eines kleinen, sehr kostbar gearbeiteten Schlüssels.

„Meine teure Laura, geliebtes Kind“, sagte mein Vater und schloß mich in seine Arme, „glaube nicht, daß andere Regungen als die meiner Liebe zu Dir mich leiten. Der Zufall hat Dich Dinge gelehrt, die Du vor deinem achtzehnten Lebensjahr gar nicht kennen solltest. Ich muß deshalb darüber wachen, daß Dir daraus kein Schaden erwächst. Noch bist Du nicht imstande, die Regungen der Natur richtig einzuschätzen. Ich werde Dich von Zeit zu Zeit mehr darüber lehren, doch wirst Du kein Mittel finden, meine Ansichten zu durchkreuzen.“

Ich war recht verärgert und vermochte meine üble Laune nicht zu verbergen. Und ich hatte wirklich allen Grund, unzufrieden zu sein. Meine kleine Grotte war gänzlich eingeschlossen. Zwar hinderte mich dieser unerfreuliche Gegenstand, den mir die Fürsorge meines Vaters aufgezwungen hatte, nicht, die Bedürfnisse der Natur zu verrichten, doch es war ganz und gar unmöglich, einen Finger in die kleine Furche zwischen meinen Schenkeln einzuführen oder sie gar durch Reibung zu erhitzen. Gerade dies hatte mein Vater ja auch zu verhindern beabsichtigt. Du kannst Dir wohl vorstellen, daß mir die so aufgezwungene Entbehrung wenig behagte. Ich habe mir später oft gedacht, es wäre ganz nützlich, auch den jungen Burschen solch ein Geschirr umzuhängen, um sie daran zu hindern, daß sie ihre Kräfte vergeuden, ehe sie das richtige Alter erreicht haben. Auf diese Weise könnte man eine vorzeitige Erschöpfung ihrer Kräfte leicht verhindern. Doch läßt unsere Gesellschaft ihnen alle Freiheiten, während sie unsere nach Kräften unterdrückt.

Während der nächsten fünf Jahre trug ich dieses Geschirr jeden Tag. Mein Vater entfernte es jeden Abend, und Lucette wusch es sorgfältig. Er untersuchte, ob ich mich nicht wundgescheuert hätte, und legte es mir darauf wieder an. So habe ich diesen höchst unerfreulichen Gegenstand bis ich sechzehn Jahre alt war ununterbrochen getragen.

Während dieser Zeit entwickelte sich mein Verstand, und ich lernte alle möglichen nützlichen Dinge. Meine natürliche Neugier ließ mich unaufhörlich nach dem Grund alles dessen forschen, was war. Mein Vater konnte mit mir zufrieden sein. Von Jahr zu Jahr vergrößerte sich mein Wissen, und ich wurde nicht müde zu lernen. Ich gewöhnte mich an das körperliche Gefängnis, in dem ich mich befand, und als man mich schließlich daraus befreite, war ich so weit gekommen, daß ich es für ganz natürlich hielt. Ich war von der Nützlichkeit dieser Einrichtung überzeugt.

Vermutlich hätte ich ohne dieses Instrument meine Kräfte vorzeitig vergeudet, denn das Beispiel, das mein Vater und Lucette mir gaben, hätte mich angespornt. Diese beiden genierten sich nämlich nicht im Geringsten vor mir. Doch je erwachsener ich wurde, desto mehr beschäftigte mich die Frage, warum mein Vater solche Vorsichtsmaßnahmen mir gegenüber gebrauchte. Ich war in meinem sechzehnten Lebensjahr, als er mir die Antwort auf meine immer dringenderen Fragen schließlich gab. Als er mir das quälende Instrument schließlich für immer abnahm, sagte ich zu ihm:

„Nach all diesem, mon cher papa, sagen Sie mir doch, was hat Sie dazu veranlaßt, mich dieses ärgerliche Instrument tragen zu lassen, obwohl Sie mir doch immer beteuert haben, wie zärtlich Sie mich lieben? Meine Gouvernante ist viel besser daran als ich. Bedeutet Ihnen diese etwa mehr als ich? Erklären Sie mir doch heute, was Sie dazu bewogen hat, so zu handeln, wie Sie es taten!“

Mein Vater zog mich in seine Arme.

„Meine Zärtlichkeit und Fürsorge für Dich, mein Kind, erlauben es mir nicht mehr, Dich als ein Kind zu betrachten. Du bist heute in einem Alter, da man Dir so gut wie alles sagen kann, und das will ich nun tun.

Die Natur fördert bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr eines Menschen dessen Wachstum. Sie braucht dazu einmal länger, einmal kürzer, je nach den Anlagen des Individuums. Doch im Allgemeinen reicht dieses Alter für Dein Geschlecht aus. Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren kann man eine Frau als erwachsen ansehen. Bei den Männern braucht die Natur länger, um ihre Vervollkommnung zu erreichen. Wenn man diese Zeit des Reifens mißbraucht und Empfindungen und Handlungen vorwegnimmt, die einer späteren Epoche angemessen sind, kann daraus ein beachtlicher Schaden entstehen.

Die Frauen zum Beispiel, die allzu frühe Erfahrungen gemacht haben, die ihrem Reifegrad nicht entsprechen, sterben früh oder bleiben klein, schwächlich und anfällig, oder sie leiden an einer Schwindsucht, die vor allem ihre Brust befällt und deren Opfer sie in Kürze werden. Manchmal hindert sie auch eine Erkrankung des Blutes, ihre monatliche Regel pünktlich und ausreichend zu bekommen. Daraus resultieren dann Vapeurs, Hysterie und Nervenzufälle sowie die Qualen einer unersättlichen Geschlechtsbegierde. All das beeinträchtigt die Tage eines solchen unglücklichen Geschöpfes. Bei den jungen Männern ist es ganz ähnlich. Sie erleiden die unglücklichsten Tage, wenn sie nicht gar vor der Zeit sterben.“

Meine teure Eugenie, Du kannst dir wohl vorstellen, wie mich diese Eröffnung erschreckte. Ich wurde mir in diesem Augenblick seiner Freundschaft und der Sorge, die er um mein Wohlergehen trug, doppelt bewußt. Es war nur seine Güte gewesen, die mir das verwehrt hatte, was ich als ein hervorragendes Vergnügen zu betrachten geneigt war. Das Leben erschien mir wieder recht angenehm, und wenn ich künftig ein Verlangen nach einer gewissen Art von Vergnügen verspürte, würde ich aus Rücksicht auf meine Gesundheit und mein Leben gern darauf verzichten.

„Ich habe diese Neigung in Dir wohl erkannt“, fuhr mein Vater fort, „und bei Deiner Jugend hätten dich alle Gründe der Welt nicht davon zurückhalten können. Deshalb habe ich diese Vorsichtsmaßregel getroffen, die Dir so wenig gefallen hat. Doch nun werde ich darauf verzichten. Es wäre gut, wenn man solche Schutzmaßnahmen bei allen jungen Leuten anwenden würde, die durch unvorhergesehene Zufälle oder durch unkluge Personen zu früh über Dinge unterrichtet wurden, die nicht für ihr jugendliches Alter bestimmt sind.“

Die Furcht vor einer zerrütteten Gesundheit oder gar vor einem frühen Tod war von nun an zwar in meiner Phantasie sehr lebendig. Doch andererseits hatte ich gesehen, was mein Vater mit Lucette tat, und die Art, wie er mit ihr lebte, hob die Wirkung dieser Furcht wieder auf. Ich konnte mich nicht zurückhalten, ihm eines Tages meine Zweifel zu eröffnen.

„Warum, mein teurer Vater, haben Sie bei Lucette nicht dieselben Vorkehrungen getroffen? ja, noch mehr: Warum tun Sie mit ihr laufend, was Sie mir verweigern?“

„Aber mein liebes Kind, bedenke doch, Lucette ist völlig erwachsen. Sieh nur den Überfluß der Natur in ihrem Körper. Sie ist schon imstande, andere Lebewesen zu ernähren. Dieser Zustand, mein liebes Kind, kündigt sich durch das pünktliche Auftreten, der monatlichen Regel an. Ich kann Dir nicht verschweigen, daß es in ihrem Alter gefährlich wäre, wenn ein gewisser Überfluß von Samen aufgestaut und in ihr zurückgehalten würde und so in ihre Blutbahnen geriete. Dadurch würde in ihr ein gefährliches Feuer, eine Art von sinnlicher Raserei entfacht werden.

Ihre Stimmungen und ihr Temperament würden darunter leiden, ja selbst die Zirkulation der Säfte in ihrem Körper könnte dadurch ernsthaft gestört werden. Das könnte ihre Gesundheit untergraben, Vapeurs und frenetische Anfälle sowie viele andere Übel verursachen. Haben wir nicht genügend Beispiele dafür in den Klöstern, wo die Frömmelei zum Despotismus wird und wo es nichts gibt, was den unglücklichen Eingeschlossenen ihre Lage erleichtern könnte? Man mischt Lotosabsud und Salpeter in ihre Getränke, um die Anlagen eines lebhaften Temperaments zu unterdrücken. Doch nach einiger Zeit bleiben diese Mittel ohne Wirkung oder sie zerstören den Magen, so daß diese Gefangenen des Aberglaubens, die wie weiße Blumen dahinwelken, für den Rest ihres Lebens von Verdauungsstörungen und inneren Schmerzen geplagt sind, ja, an manchen dieser Schreckensorte werden sogar die Pensionärinnen auf diese Weise behandelt, so daß sie schließlich alle möglichen Leiden und Nervenanfälle davontragen, die eine Folge der gewaltsamen Unterdrückung ihrer natürlichen Vitalität sind. Selbst Eltern, die ihre Kinder lieben, beachten diesen Punkt viel zu wenig.

Du mußt wissen, meine liebe Laurette, daß sich das natürliche Temperament in einem gewissen Alter bemerkbar macht. Das geschieht bei den einen früher als bei den andern, und zwar durch die Verschiedenheit der natürlichen Anlagen und der Qualität der Säfte, die in uns sind, aber auch durch eine Veränderung in den Organen. Wenn diese Körpersäfte nicht rechtzeitig zum Fließen kommen, strömen sie in die Blutbahn zurück. Manchmal verursachen sie dann eine vollkommene Unterdrückung der natürlichen Impulse und damit ein geradezu monströses Anschwellen des Leibes. Personen, die keine natürliche Geschlechtsvereinigung kennengelernt haben, werden unter solchen Umständen völlig gleichgültig und sind meist empfängnis- und zeugungsunfähig.

Aber, mein teures Kind, in dem Alter, in dem die Säfte des Lebens zu strömen beginnen, in dem das Feuer des Temperaments sich bemerkbar macht, soll man diesem auch Genüge tun, und zwar sowohl, weil es für die Gesundheit nützlich und notwendig ist, als auch, weil es die Schönheit und Frische eines solchen glücklichen jungen Geschöpfes steigert. Es gibt verschiedene Mittel dazu.

Stell Dir eine Frau in den Armen eines leidenschaftlichen Mannes vor. Wie erregt ist sie allein vom Gegensatz der Geschlechter! Was bedeutet ihr mehr als die Leidenschaft, die er für sie empfindet und die auch sie in sich verspürt? Schon die bloße Gegenwart des Mannes wird für sie erregend. Phantasie und Natur weisen ihr den Weg zu den wollüstigsten Empfindungen. Daraus kannst Du ermessen, warum ich mich gegen Lucette anders verhalte als gegen Dich.“

„Ah ja, mon cher papa! Weil ich Sie immer bei diesem Namen genannt habe, werde ich mich auch jetzt Ihrer Erfahrung und Weisheit unterordnen. Aber sagen Sie mir, in welchem Alter werden Sie mit mir tun, was Sie mit Lucette so häufig getan haben? Ach, dieser Augenblick fehlt noch zu meinem Glück, denn ich empfinde es schmerzlich, daß ich nicht all Ihr Verlangen zu stillen imstande bin, daß ich Ihre Wünsche nicht in jeder Hinsicht befriedigen kann.“

„Mein reizendes Kind, die Natur selbst spricht zu uns in einer leicht verständlichen Sprache. Noch sind Deine Brüste nicht voll entwickelt, und das Pelzchen, das Deine hübsche kleine Grotte bedeckt, ist noch recht schütter. Kaum, daß Du die ersten Blüten Deiner Reife hervorgebracht hast. Laß uns also noch etwas warten. Dann, geliebte Laurette, Du Kind meines Herzens, werde ich dieses Geschenk von Deiner Zärtlichkeit empfangen. Du wirst mich die Blüte pflücken lassen, die ich so sorgsam gepflegt habe. Doch laß uns diesen glücklichen Augenblick nicht durch unsere Ungeduld zerstören. Glaube nicht, daß ich Dich bis zu diesem Zeitpunkt Dir selbst überlasse. Bei einer robusten Natur ist es nicht notwendig, diesem Augenblick besondere Aufmerksamkeit zu schenken oder mit den Kräften des Körpers besonders haushälterisch umzugehen. Aber bei einem sensiblen Temperament muß man vorsichtig sein und bis zum siebzehnten oder achtzehnten Jahr warten. Das ist der Zeitpunkt, an dem eine Frau völlig erwachsen ist und sich ohne Schaden ihren Begierden überliefern kann.“

Alles, was er mir bei dieser Gelegenheit sagte, meine liebe Eugenie, hat sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Du kannst Dir das wohl denken. Seine Gründe erschienen mir sehr vernünftig und einleuchtend, und seine Bereitwilligkeit, auf meine Fragen einzugehen, ermutigte mich, weitere an ihn zu stellen.

Ich erinnerte mich, daß Lucette bei jenem ersten Mal, als ich die beiden entdeckt hatte, in einem tiefen Schlaf zu liegen schien, und das war ein Rätsel, das ich nur zu gern enthüllt gesehen hätte.

„Aber warum, teurer Papa, war Lucette an dem Abend, da ich euch zuerst beobachtet habe, so tief entschlummert, daß sie nichts von dem zu bemerken schien, was Sie mit ihr taten? Schlief sie wirklich oder spielte sie nur die Schlafende?“ wollte ich wissen.

„Ganz und gar nicht, meine Liebe“, versicherte mein Vater. „Sie hat wirklich geschlafen. Aber das ist mein kleines Geheimnis. Soll ich es Dir sagen? Ja, denn dieses Beispiel kann für dich nützlich sein. Ich muß dir gestehen, daß mich mein Verlangen damals heftig quälte. Ich sah Lucette, sie gefiel mir, und ich versprach mir ein gewisses Vergnügen von ihr. Doch als ich bemerkte, daß sie zögerte, sich meinem Begehren auszuliefern, ergriff ich die Initiative. Ich habe etwas Schlafpulver in ihren Liqueur gemischt. Du hast die Wirkung gesehen. Doch habe ich mich nicht damit begnügt. Denn ich fürchtete, daß sie erwachen und zornig werden könnte, sich von mir in eine derartige Lage gebracht zu sehen. Um das zu verhindern, habe ich ein gutes Mittel gefunden, das die Natur erregt und in einen Zustand versetzt, in dem ihr die Zärtlichkeiten eines Mannes höchst erwünscht erscheinen.

Das ist eine Art Zaubertrank. Nachdem ich sie also auf das Bett gelegt hatte, rieb ich damit ihre Liebesgrotte, ihre Klitoris und ihre Schamlippen ein. Diese Flüssigkeit hat die Eigenschaft, sogar einen impotenten Mann zu leidenschaftlichem Leben zu erwecken, wenn man gewisse Partien seines Körpers damit einreibt. Lucette schlief etwa eine Stunde lang, ehe sie erwachte. Dann aber zeigte sie eine Leidenschaft und ein Feuer, das sich kaum löschen ließ. Sie war ganz und gar nicht erstaunt, sich in meinen Armen zu finden, sondern umschlang mich im Gegenteil zärtlich mit den ihren. Weit davon entfernt, meiner Begierde Widerstand zu leisten, öffnete sie — angespornt von ihrem eigenen Verlangen — ihre Schenkel und bereitete mir so das lebhafteste Vergnügen, an welchem ich sie — ganz und gar nicht egoistisch — teilnehmen ließ. Doch als vorsichtiger Mann dachte ich daran, was geschehen könnte, wenn ich mich meiner Wollust völlig und bedenkenlos hingab. Also zog ich mich in dem Augenblick, in dem ich das Nahen der Lust spürte, ein wenig zurück und ergoß das lebenspendende Naß in die Oberfläche ihrer Grotte und auf ihren Leib. Von diesem Tag an hat Lucette sich immer meinen Wünschen überlassen, und ich habe nur meine Unvorsichtigkeit und Deine Neugier zu beklagen, die Dich ein Geheimnis enthüllen ließ, daß ganz und gar nicht für Dich bestimmt war. Sie weiß übrigens nicht, daß ich Dir alles darüber gesagt habe, und Du mußt Stillschweigen bewahren. Nicht wahr, Du wirst mein Vertrauen nicht enttäuschen?“

„Bestimmt nicht, mein teurer Vater. Aber sagen Sie mir alles darüber. Fürchten Sie nicht, ein Kind zu zeugen, wenn Sie sich einmal nicht früh genug zurückziehen? Ist es möglich, daß Sie sich in diesem Punkt völlig auf Ihre Selbstbeherrschung verlassen, können? Könnte es nicht sein, daß die Macht der Begierde die Furcht, eine Unvorsichtigkeit zu begehen, auslöscht und Sie weitergehen läßt, als Sie dies eigentlich möchten?“

„Ah, meine Kleine, wohin sich Deine neugierige Phantasie versteigt! Ich sehe wohl, ich kann Dir nichts verbergen. Wenn ich Dir nicht die ganze Wahrheit enthülle, werde ich bald die Torheit beklagen müssen, überhaupt etwas gesagt zu haben. Aber ich glaube, damit nichts zu riskieren, denn Deine Vernunft ist Deinem Alter weit voraus.

Wisse also, daß dieser Samen, wenn er nicht in die Matrix gelangt, an und für sich gar nichts ausrichten kann. Auch kann er sich dort nicht festsetzen, wenn man seinen natürlichen Fluß hemmt. Aus diesem Grund versuchen manche Frauen, durch eine innere Bewegung den Samen in dem Moment zurückzustoßen, in dem sie ihren Liebhaber in der Wonne des Genusses glauben.

Doch das bedeutet für sie selbst eine arge Verkürzung des Vergnügens und ist ganz und gar kein sicheres Mittel. Manche Männer haben geglaubt, sie hätten nichts zu fürchten, wenn sie sich nahe an den Eingang zurückziehen. Doch sie täuschen sich darin. Denn die Matrix ist eine recht lebhafte Pumpe und versucht, sich auch des Samens zu bemächtigen, der nicht unmittelbar zu ihrer Öffnung gelangte. Hinzu kommt noch, daß viele Männer sich im Augenblick der Wollust über ihre eigene Selbstbeherrschung täuschen und so den richtigen Moment versäumen. Ungewißheit und Furcht vor den möglichen Folgen behindern also häufig das Vergnügen. Doch das Mittel, das ich bei Lucette anwende, ist ziemlich sicher. Es gibt einem die Freiheit, sich ohne alle Furcht dem Feuer seiner Leidenschaft überlassen zu können. Ich habe deine hübsche Gouvernante am Tag, nachdem Du uns bemerkt hast, gebeten, sich für unsere Liebesgefechte mit einem Schwamm zu bewaffnen, der in eine bestimmte Flüssigkeit getaucht wurde. Dieser wird unmittelbar vor der Matrix am Muttermund angebracht. Mittels einer dünnen Seidenschnur kann man ihn ohne Schwierigkeiten wieder hervorholen. Selbst wenn die Samenflüssigkeit in diesen Schwamm einzudringen vermag, würde doch die Flüssigkeit, mit der er getränkt ist, seine Zeugungsfähigkeit vernichten. Man weiß ja, daß selbst die Luft genügt, seine Kraft zu vernichten. Also ist es ganz unmöglich, daß Lucette in unserer Verbindung je ein Kind empfangen könnte.“

Ich habe nichts von diesen nützlichen Gesprächen je vergessen, meine liebe Eugenie, und ich habe Dich zu deinem Nutzen davon unterrichtet, so daß auch Du Dich ohne Furcht den Umarmungen Deines Liebsten überlassen kannst. Im Übrigen machte meine Bildung gute Fortschritte. Ich bekam alle möglichen Bücher in die Hand. Es gab in dieser Hinsicht nichts, was für mich verboten gewesen wäre. Doch mein Vater lenkte meinen Geschmack besonders auf jene, die der Wissenschaft dienten und somit weit von allem entfernt waren, woran unser Geschlecht im Allgemeinen Gefallen findet. Ich will Dir nur ein kleines Beispiel dafür berichten.

Er fragte mich eines Tages: „Kannst Du, meine geliebte Laura, in der Unendlichkeit des Universums, das unseren Erdball umgibt, einen festen Punkt finden? Zu welch unermeßlichen Dimensionen wird Deine Phantasie dabei gelangen? Die Elemente der Natur und ihre Zahl sind noch immer unbekannt, und es ist unmöglich zu erkennen, ob unsere Vorstellungen von der Welt und vom Universum auch nur im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen. Wir wissen nicht einmal, ob diese Elemente, welche die Bausteine der Welt und des Lebens zu sein scheinen, absolut unveränderlich sind oder ob es möglich ist, ihnen eine andere Form der Existenz zu geben und sie dadurch zu verändern.

Inmitten dieser allgemeinen Unwissenheit erscheint es höchst lächerlich, daß der Mensch es versuchen sollte, die Zahl dieser Elemente festzulegen. Diese Wahrheit verdient es, daß man über sie nachdenkt, um in allem den Willen der ewigen Ordnung zu erkennen. Gleichgültig, ob es sich nun um eines oder um mehrere Elemente handelt, so bildet ihre Gesamtheit die Körper, und sie finden sich im Feuer wie in der Materie vereint, welche die törichten und voreingenommenen Geister unbewegt nennen.

Was hältst Du denn von jenen strahlenden Feuern, die wir Sterne nennen? Weißt Du nicht, mein Kind, daß sie nichts sind als wüste feurige Himmelskörper? Nimm nur die Sonne her, diesen gewaltigen Feuerball, der dazu da zu sein scheint, einer Vielzahl von erdenklichen Himmelskörpern Licht und Wärme und damit das Leben zu geben. Es ist gut möglich, daß viele dieser entfernten Welten so wie unsere eigene bevölkert sind. Früher hat man geglaubt, daß die Sterne nur dazu dienten, uns die Nacht zu erhellen. Die Eigenliebe des Menschen hat ihn glauben lassen, er sei der Mittelpunkt des Universums. Doch wozu sollten uns diese Himmelskörper dienen, wenn Nebel und Wolken sie vor unserem Blick verbergen? Der Mond ist noch am ehesten imstande, die hindernde Wolkendecke mit seinem Strahl zu durchbrechen. Er erhellt uns das Dunkel der Nacht, aber das ist nicht seine einzige Bestimmung. Man kann bis heute nicht feststellen, ob er nicht selbst eine Welt für sich darstellt, eine Welt, deren Bewohner ebenso an unserer Existenz zweifeln wie wir an ihrer, und die im Grunde ebenso töricht sind wie wir zu glauben, daß sie allein alle Herrlichkeit des Himmels bedeuten. Vielleicht sind sie ebenso anmaßend, vielleicht sind sie aber auch erfinderischer als wir und haben ein gesünderes Urteil über die Probleme des Lebens.

Die Planeten sind Welten wie die unsere und ohne Zweifel von Pflanzen und Tieren belebt, die wir nicht kennen. Denn in der Natur scheint alles möglich. Doch welche Rolle spielt, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, in diesem unermeßlichen Universum unsere Welt? Ist sie etwa mehr als ein belebter Punkt unter anderen belebten Punkten? Und wir selbst? Wie wäre es möglich, daß wir angesichts unserer Bedeutungslosigkeit inmitten der Unendlichkeit des Universums uns für Anfang und Ziel der Schöpfung halten könnten?“

Auf diese Weise versuchte mein Vater Tag um Tag, Gedanken der Philosophie in mich hineinzulegen und mich zum Denken anzuregen.

Ich fragte ihn eines Tages: „Was ist das schöpferische Sein, aus dem alles hervorgegangen ist?“

Denn ich dachte bei mir, daß ich allzuwenig über dieses wunderbare, alles belebende Wesen wisse. Mein Vater antwortete mir: „Dieses wunderbare höchste Wesen ist unfaßbar! Man fühlt es, aber man kann es nicht erkennen. Es entzieht sich unseren Spekulationen. Wenn es die verschiedenartigsten Elemente gibt, so ist es seine Hand, aus der sie hervorgegangen sind. Er hat sie durch seinen Willen und seine Kraft geschaffen. Es ist die Seele des Universums, ohne die nichts von all dem bestehen könnte, was ist. Kennen wir etwa die Quelle seiner Macht? Sehen wir nicht tagtäglich, wie sich die Materie unter seinem Einfluß verändert, ohne daß wir die Ursache dieser Veränderungen erkennen könnten? Und kann etwa das, was für eine beschränkte Zeit geschaffen ist, nicht noch viel wunderbarer für die Ewigkeit geschaffen sein? Doch genug für heute, mein Kind. Wenn Du etwas älter geworden bist, werde ich versuchen, soweit ich es kann, dir die ewige Wahrheit zu enthüllen, die sich für uns Menschen immer unter dem Schleier des Geheimnisvollen verbirgt.“

Mein Vater gab mir häufig moralische Schriften zu lesen, welche die Dinge nicht unter den gewöhnlichen Gesichtspunkten behandelten, sondern sie vielmehr vom Standpunkt ihrer natürlichen Existenz aus betrachteten. So lernte ich in allem die Gesetze der Natur zu erkennen, die dem menschlichen Herzen unauslöschlich eingeprägt sind. Er lehrte mich in diesen Gesetzen die einzige Norm des menschlichen Handelns zu erkennen. Denn alle anderen Gesetze sind nur Verfremdungen von diesen. Die Regeln, die er mir gab, waren ebenso einfach wie verständlich: „Tu für die anderen das“, sagte er, „was Du möchtest, daß sie für Dich tun, und füge ihnen niemals etwas zu, das Dir selbst unerwünscht wäre. Du siehst, meine Teure, daß diese Wissenschaft, von der alle Welt in so hohen Tönen spricht, eigentlich ganz einfach zu beherrschen ist. Und wenn jedermann sich an diese sittlichen Grundsätze hielte, wäre das Glück aller Menschen auf dieser Welt gesichert.“

Romane verbannte mein Vater fast gänzlich aus meinem Gesichtskreis. Ich lernte es, dank seiner Bemühungen, in ihnen eine Ansammlung von Gemeinplätzen und menschlicher Dummheit zu sehen. Es gab nur ganz wenige Ausnahmen von dieser Regel. Zumeist erlaubte mir mein Vater jene, die einen moralischen Hintergrund hatten. Nur wenige von ihnen zeichneten die Menschen in ihren natürlichen Farben, mit ihren Fehlern und Vorzügen. Die meisten Romanautoren scheinen pausenlos damit beschäftigt, ihre Helden in den anziehendsten Farben zu malen.

Ach, meine Liebe, wie weit sind sie von der Wirklichkeit entfernt! Betrachtet man die einen und die anderen, wie viel Unwirklichkeit entdeckt man in diesen Darstellungen. Ich finde viel mehr Gefallen an den Büchern der großen Weltreisenden, denn in ihnen lerne ich den Charakter und die Sitten anderer Völker kennen. Ich begriff bald, daß sie im Grund nur ein Spiegel unserer eigenen sind. Ich fing an, die Menschheit in ihrer Gesamtheit zu verstehen, aber auch die Rolle zu begreifen, welche die Gesellschaft bei der Bildung der einzelnen Charaktere spielt. Sodann beschäftigte ich mich auch mit historischen Schriften. Indem diese die Sitten und Gebräuche der Antike wiedergaben, erkannte ich aus ihnen, wie nach und nach ein bestimmtes Weltbild entstanden ist, um nach einer Weile neuen Erkenntnissen zu weichen. Am meisten liebte ich allerdings die Werke unserer Poeten. Diese erschienen mir sehr amüsant, und einige von ihnen sind für ewige Zeiten in meinem Gedächtnis haften geblieben.

Dann eines Tages gab mir mein Vater ein Buch, das seine besondere Aufmerksamkeit erregt zu haben schien. „Lies es, meine liebe Laura“, sagte er. „Ein Genie, wie unsere Zeit nur wenige hervorbringt, hat es geschrieben. Es wird leicht in Deinem Gedächtnis haften. Seine Philosophie und elegante Sprache wird Dir gefallen. Der Mann, der es geschrieben hat, ist ein Meister seines Fachs, und die Ideen, die er unter dem Vorwand einer Fabel zu Papier gebracht hat, werden Dich faszinieren.“

Zu welchem Irrtum führt uns unsere Eigenliebe und Eitelkeit doch oft! Dies kann nur ein aufmerksamer und gedankenvoller Beobachter erkennen. Dabei ist es doch eine ebenso einfache wie unveränderliche Wahrheit, daß sich alles in diesem Leben zu einer Kette fügt, um einer gewissen Ordnung zu folgen, die sowohl für die Gesamtheit des Seins als auch für den einzelnen gilt. Unvorhergesehene Umstände zwingen die Ideen und Handlungen der Menschen. Entfernte und daher kaum bemerkbare Ursachen führen zu einer Kette von Beziehungen, die fast immer willkürlich erscheinen. Der einzelne meint, daß alles von seiner Entscheidung abhänge, von der Wahl, die er für sich oder andere trifft, doch in Wirklichkeit entwickelt sich alles fast ohne sein Zutun. Natur, Charakter und Temperament sind nur das Material, aus dem der Ewige Beweger die Rollen formt, die er jedem einzelnen von uns zugedacht hat.

Wenn man manche unerfreulichen Ereignisse verhindern kann, so ist das nichts anderes als ein gewisser Weitblick, eine Klugheit, die den Blick für diese Kette von Umständen schärft, die man doch nicht ändern kann und die selbst für jene eine unwiderstehliche Macht ist, die das Übel schaffen. Am weisesten ist jener, der sich dem natürlichen Lauf der Dinge überläßt. Dir, meine liebe Eugenie, läßt Dein Geist alles leicht erscheinen. Deine Sanftheit wird Dich glücklich erhalten, und Du verstehst es, Deine Freiheit zu bewahren, trotz der Fesseln, die man Dir auferlegt. Du genießt die Vergnügungen, die Du Dir erfindest und beklagst Dich nicht über jene, die Dir fehlen. Doch höre meine Geschichte weiter!

Ich wurde älter, und gegen Ende meines sechzehnten Jahres veränderte sich meine Situation. Ich sah damals schon recht erwachsen aus. Meine Formen waren voller geworden, meine Brüste hatten an Umfang zugenommen, und ich bewunderte ihre reizenden Rundungen jeden Tag. Auch Lucette und meinen Vater ließ ich diese wundervolle Entwicklung bestaunen. Sie küßten die knospenden Hügel um die Wette, ich nahm ihre Hände und führte sie an meinen Busen, damit sie sich von der schwellenden Herrlichkeit überzeugen könnten. So gab ich ihnen tausend Zeichen meiner Ungeduld.

Ohne jedes Vorurteil aufgewachsen, hörte ich nichts anderes als die Stimme der Natur. Sie allein lehrte mich. Selbst wenn ich in Lucettes Gegenwart badete, fühlte ich mich erregt. Ich lebte in einer sehr intimen Gemeinschaft mit ihr. Meistens schlief ich mit ihr; immer tat ich dies, wenn mein Vater abwesend war. Dann übernahm ich bei ihr seine Rolle, so gut dies eben möglich war. Ich umarmte sie, saugte an ihrer Zunge und ihren Brustspitzen, ich küßte ihre Lenden und ihren Schoß, ich liebkoste und kraulte ihre Liebesgrotte. Meine Finger nahmen die Stelle jenes wunderbaren Werkzeugs ein, mit dem ich ihr nicht dienen konnte. Dennoch gelang es mir, sie durch diese Bemühungen in jene lange währende wollüstige Agonie zu stürzen, in der sie mir so schön erschien.

Meine Liebenswürdigkeit und die Zärtlichkeiten, die ich ihr erwies, erfüllten sie mit einer lebhaften Zuneigung für mich, die ich nur mit jener vergleichen kann, die Du für mich empfindest. Sie hat mich während dieser Zärtlichkeiten oft auf das leidenschaftlichste erregt gesehen und versicherte mir immer wieder, daß sie brennend gern für mich dasselbe tun würde, wenn es nur möglich wäre, mich ohne Gefahr für mich selbst an diesen Vergnügungen teilnehmen zu lassen. Sie wünschte leidenschaftlich, daß mein Vater sich endlich entschließen würde, mich zu nehmen, und sie malte mir diesen köstlichen Augenblick in den glühendsten Farben aus.

„Oh, meine liebe Laurette“, sagte sie, „wenn dieser Augenblick gekommen ist, werden wir ein Fest feiern. Ich erwarte ihn mit Ungeduld, aber ich glaube, es wird nicht mehr lange dauern. Deine Brüste sind schon gerundet, und Deine Kleine ist hübsch behaart und von einem schönen Rot. Ich sehe es an Deinen Augen, die Natur wird bald eine Frau aus Dir machen.“

Es dauerte tatsächlich nicht lange, so fühlte ich mich reichlich unbehaglich. Mein Kopf war benommen, meine Augen hatten ihre Lebhaftigkeit verloren, und ich litt an heftigen Krämpfen, die mir etwas völlig Neues waren. Endlich, nach acht oder neun Tagen, war alles vorbei, und ich fühlte mich so heiter wie zuvor und strahlte vor Gesundheit.

Wie freute ich mich über dieses Ereignis. Ich war ganz verrückt und umarmte Lucette.

„Meine Liebe, wie glücklich werde ich sein!“ Ich fiel meinem Vater um den Hals und bedeckte ihn mit Küssen:

„Ach, endlich“, rief ich, „befinde ich mich in dem Zustand, in dem Du mich so gerne sehen wolltest. Wie glücklich bin ich, daß ich Dein Verlangen endlich befriedigen kann! Mein einziges Glück wird es sein, Dir ganz zu gehören. Deine Liebe und deine Zärtlichkeit werden meine Seligkeit sein.“

Er nahm mich in seine Arme und zog mich auf seine Knie, um mir die Zärtlichkeiten, die ich ihm erwies, wiederzugeben. Er preßte meine Brüste und küßte sie. Er sog an meinen blühenden Lippen, seine Zunge vermählte sich mit der meinen. Meine Schenkel, mein Hinterteil, ja selbst meine kleine Spalte, alles war der brennenden Berührung seiner Hände ausgeliefert.

„So ist er endlich gekommen, meine reizende Laura, jener beglückende Augenblick, in dem Deine Zärtlichkeit und die meine sich im Strom der Begierde vereinen werden. Noch heute werde ich Deine Jungfernschaft nehmen und die Blume pflücken, die sich so herrlich entfaltet hat. Ich schulde es Deiner Liebe. Du mußt allerdings wissen, daß die Wonnen, die unserer Umarmung folgen werden, durch einige Augenblicke des Schmerzes erkauft werden müssen. Ich werde Dir wehtun, wenn ich Deine Rose breche, mein reizendes Kind.“

„Was macht das schon aus? Laß mich bluten, wenn Du willst, kein Opfer wird mir zu groß sein. Ich begehre nichts so sehr, als Deine Lust und Deine Befriedigung.“

Das Feuer der Leidenschaft brannte in seinen Augen wie in den meinen. Die liebenswürdige Lucette, die an dem wunderbaren Opfer mitwirken wollte, zeigte nicht weniger Rührung, als wenn sie das Opfer selbst an mir hätte vollziehen sollen.

Sie führte mich in ein Gemach, das für den erhebenden Anlaß schon vorbereitet worden war. Alles Tageslicht war daraus verbannt. Ein riesiges Himmelbett, das ganz mit blauem Satin bezogen war, prangte inmitten der Spiegel, von denen es umgeben war. In der Mitte des Bettes befand sich auf den blauseidenen Decken ein Kissen, das gewissermaßen den Opferstein darstellte.

Lucette verstand es ausgezeichnet, all die Vorzüge herauszustreichen, welche die Natur mir gegeben hatte. Sie schmückte dieses freiwillige Opfer mit feuerroten Strumpfbändern und einem Gürtel, der wie bei einer zweiten Venus meine schlanke Taille zur Geltung brachte. Meine üppig fließenden braunen Locken wurden gleichfalls durch ein rotes Band zusammengehalten. So blieb ich ganz allein in dem Raum, in dem bald das köstlichste Opfer stattfinden sollte. Ich betrachtete mich mit einer unbeschreiblichen Zufriedenheit in den Spiegeln, die den blauseidenen Bettaltar umgaben. Mein entblößter Körper schimmerte wie mattes Elfenbein. Meine jungen, zarten Brüste erhoben sich wie strahlende Früchte, die von zwei Knospen in der zartesten Rosenfarbe gekrönt wurden. Ein reizender goldfarbener Flaum bedeckte den Ansatz meiner Schenkel und warf einen köstlichen Schatten auf meine Liebesgrotte, die zwischen den beiden rosigen Lippen ein winziges Ende der Klitoris erkennen ließ. Es war, als ob sich eine Zunge begehrlich zwischen den beiden Lippen vorstreckte. Dazu meine schlanke Taille, meine zierlichen Füße, meine schön geschwungenen Beine und wohl gerundeten Schenkel, sowie ein Hinterteil, dessen rosige Rundungen zur Freude wie geschaffen schienen!

Wirklich, selbst Amor hätte sich mit mir nicht messen können, wenn er mein Geschlecht gehabt hätte. Das war in etwa der Tenor der Elogen, mit denen Lucette meinem Vater gegenüber meine Schönheit pries. Ich fühlte mich emporgetragen von einer Woge der Trunkenheit, von einem Liebesrausch ohnegleichen. Wie glücklich war ich, den Mann, der mir so viel bedeutete, mit meinem Überfluß zu beglücken.

Er prüfte und bewunderte all die Schätze, die vor ihm ausgebreitet waren. Seine Hände, seine Lippen brannten auf meinem Körper. In uns beiden flammte die Leidenschaft einer jungen Liebe auf, für die es keine Hindernisse gibt und die endlich den Lohn ihrer Geduld und Sehnsucht zu pflücken hofft. Ich hatte mir diesen Augenblick so lebhaft gewünscht und preßte den Urheber künftiger Freuden mit einer Leidenschaft an mich, als wollte ich ihn nie wieder aus meinen Armen entlassen.

Lucette entkleidete ihn vollständig. Er legte mich auf das Bett, so daß mein Hinterteil auf dem Kissen zu liegen kam. Ich nahm die wundersame Waffe in die Hand, durch die meine Jungfernschaft zerstört werden sollte. Oh, wie liebkoste ich dieses schwellende Schwert, das nun bald gewaltsam meine Rose durchbohren sollte, die mit solcher Sorgfalt viele Jahre hindurch gepflegt worden war. Meine Phantasie brannte vor Verlangen nach diesem bedeutsamen Augenblick. Meine Liebesgrotte verzehrte sich nach dem holden Eindringling, dessen Nähe allein mich mit einem wundervollen Feuer der Begeisterung erfüllte. Wir hielten uns umschlungen und lagen einer auf dem anderen. Unsere Lippen, unsere Zungen vermählten sich. Ich wußte nicht mehr, was ich tat, sondern schlang meine Beine um seine Lenden, und während ich ihm entgegenkam, durchbohrte er mich mit einem einzigen schnellen Stoß. Der heftige Schmerz, den ich in diesem Augenblick empfand, entriß mir einen Schrei, der ihn von seinem Sieg überzeugte.

Lucette, die ihre Hand geschickt zwischen uns schob, begann mich zu liebkosen, während ihre andere Hand meine Lenden streichelte. Der Schmerz mischte sich mit Wollust, so wie sich der holde Tau der Lust mit meinen Blutstropfen mischte. Ich fühlte eine zarte und unaussprechliche Wonne in mir aufsteigen und versank in einen Abgrund der Lust. Kraftlos lag ich in den Armen des Geliebten und fühlte mich sterben, während ich die unaussprechlichsten Wonnen, eine subtile Art von Qual erlitt, die mir heute noch unbeschreiblich erscheint.

Welch wundervoller Zustand! Neue Zärtlichkeiten riefen mich wieder ins Leben zurück. Er küßte mich, seine Hand liebkoste meine Brüste und meine Liebesgrotte, er spreizte meine Beine in die Luft, um sein Werk zu besichtigen. Ich faßte währenddessen nach seinem Instrument, das unter meinen Liebkosungen sofort seine ursprüngliche Festigkeit wieder annahm. Und alsbald ging er wieder an meine Eroberung. Noch war das schmale Pförtchen nicht leicht zu durchbrechen, doch die immer liebenswürdige Lucette besänftigte mich durch ihre Liebkosungen, und ich versank von neuem in jene wollüstige Apathie, die ich eben kennen gelernt hatte.

Der Mann, der mein Vater gewesen und nun mein Liebhaber war, nahm voller Stolz über seine Eroberung und bezaubert von dem Opfer, das ich ihm dargebracht hatte, das Kissen, auf dem dieses Opfer vollzogen worden war — es zeigte die Spuren des vergossenen Blutes und betrachtete diese Trophäe seines Sieges liebevoll.

„Meine Laura, geliebtes und liebenswürdiges Kind“, sagte er schließlich, „Lucette hat Deine Lust gesteigert. Erscheint es Dir da nicht gerecht, daß wir sie nun daran teilnehmen lassen?“

Ich umschlang ihren Hals und zog sie auf das Bett. Er nahm sie in die Arme und zog mich an ihre Seite. Ich schürzte ihre Röcke und fand sie darunter ganz feucht. „Ah, wie feucht Du bist, meine Liebe! Ich werde Dein Vergnügen erhöhen, wenn ich es kann.“ Ich nahm seine Hand und ließ ihn einen Finger in ihre Grotte stecken, wo er Kommen und Gehen spielte, während ich sie kitzelte. Sie zögerte nicht, in dieselbe wollüstige Ekstase zu verfallen, die ich vorhin so glücklich an mir erfahren hatte.

O meine geliebte Eugenie, wie wundervoll war dieser Tag für mich! Ich gestehe Dir, meine teure Freundin, es war der schönste Tag meines Lebens und zugleich der erste, an dem ich die Wonnen der Liebe in ihrem vollen Umfang erfahren habe. Selbst wenn ich heute daran denke, überkommt mich ein wollüstiger Schauer, den ich Dir nicht beschreiben kann.

In dem Raum herrschte eine angenehme Wärme. Ich fühlte mich so, wie ich war, unendlich wohl, und hatte kein Bedürfnis, mich wieder anzuziehen. Ich befand mich in einer Art von süßem Wahnsinn und wollte, nackt wie ich war, mit meinen beiden Lieben soupieren. Die wachsame Lucette hielt die Dienerschaft fern. Sie war liebenswürdig genug, uns ganz allein zu bedienen, nachdem sie die Türen sorgfältig verschlossen hatte. Ich wollte, daß auch sie sich in diesem Zustand sehen ließ, und entkleidete sie eigenhändig. Ah, wie reizend erschien sie mir. Wir setzten uns zu Tisch. Mein Geliebter saß zwischen uns und wurde von uns beiden mit Zärtlichkeiten verwöhnt, die er uns bereitwillig wiedergab.

Bald waren wir aufs Neue entflammt. In einem so erregten Zustand war es nur verständlich, daß sich die geliebte Waffe, der ich mich vorhin so tapfer unterworfen hatte, wieder in ihrer vollen Stärke aufrichtete. Die Tafelfreuden verloren bald alles Interesse für uns, und wir eilten zu unserem geliebten Bett. An diesem Tag, der einzig und allein mir gewidmet war, empfand ich noch einmal die vollen Wonnen der Liebe.

Mein Geliebter legte sich an meine linke Seite, seine Schenkel unter den meinen, die ich geöffnet hielt. Kräftig pochte seine Lanze an meinen Eingang. Lucette nahm meinen Kopf zwischen ihre Knie. Ihre reizende Kleine war direkt vor meinen Augen. Ich streichelte und kitzelte sie und liebkoste ihr Hinterteil, das munter in die Luft ragte. Ihr Leib berührte meine Brüste, ihre Schenkel waren zwischen meinen Armen. Wir glühten alle drei vor Begierde. Sie öffnete meine Schamlippen, die von einem lebhaften Rot waren, und versah mich mit jenem köstlichen Schwamm, der meinen Geliebten in die Lage versetzen sollte, sich ohne alle Scheu in mich zu ergießen. Es schmerzte mich ein wenig, als ihn Lucette mit behutsamen Fingern in mich einführte, ich litt. Doch ertrug ich diesen Schmerz in der Hoffnung auf eine höchst erfreuliche Sensation. Lucette selbst bahnte dem köstlichen Instrument den Weg. Es drang mühelos ein, während sie mich kitzelte. Ich leistete ihr währenddessen einen ähnlichen Dienst, während die Finger meines Geliebten in Lucettes Grotte spielten. Er wiederholte dabei die Bewegungen, die sein Instrument in mir vollführte. Ah — all diese Variationen, diese Stellungen, diese Vielfalt von Sensationen! Wir fühlten, wie die Lust über uns zusammenschlug. Halb ohnmächtig vor Lust verströmten wir uns beinahe gleichzeitig. Danach waren wir wohlig ermattet. Lucette stand auf, um Ordnung zu machen, und als sie damit fertig war, legten wir uns alle in ein Bett und schliefen aneinandergeschmiegt ein. Diese Nacht war in meiner Vorstellung mehr als der festlichste Tag.

Ach, liebe Eugenie, warum übertrifft die Einbildungskraft die Wirklichkeit immer wieder, wo diese allein doch unser Glück ausmachen kann? Ich glaubte natürlich, daß nun alle Tage wie dieser eine sein würden, doch mein väterlicher Geliebter, der weiterhin über meine Gesundheit wachte, machte mir anderntags folgende fatale Eröffnung: „Meine teure Laurette, ich kann Dir nicht verbergen, daß ich etwas tun muß, das uns allen schmerzlich sein, wird. Dein Temperament ist noch nicht gefestigt genug, als daß ich Dich ihm überlassen könnte, und Du bist mir viel zu teuer, als daß ich Dir nicht alle Aufmerksamkeit widmen würde, deren ich fähig bin. Währenddessen wirst Du nur unsere Zärtlichkeiten genießen. Du wirst in gewisser Weise an unseren Vergnügungen teilnehmen, aber nur ab und zu wird Dir eine Nacht wie diese vorbehalten sein; Du wirst sie ebenso angenehm finden wie die heutige und wirst sie natürlich mit Ungeduld erwarten. Wenn Du mir gefallen willst, wirst Du Dich diesen Entschlüssen widerstandslos und mit Freuden fügen.“

Diese Worte waren ein sicheres Mittel, zu erreichen, daß ich mich mit meiner Lage ohne Murren abfand. Glaube nicht, meine Liebe, daß ich dabei Eifersucht empfunden hätte.