Erläuterungen

[ 1]

Die römische Provinz Rätien reicht nördlich bis zur Donau (Ries!), östlich zum Inn; von da bis zum Wienerwald Noricum, von Tacitus nicht genannt; weiter zwischen Donau und Save Pannonien. Sarmater in Osteuropa, etwa von der Weichsel an, Daker in Siebenbürgen. Gebirge die Karpathen. Ein Kriegszug: der des Tiberius im Jahre 5 n. Chr.? Abnoba Schwarzwald.

[ 2]

Der Beweis des ersten Absatzes ist wenig überzeugend. Asien, Afrika, Italien die römischen Südprovinzen. Tuisto (Zwist!) ist zweigeschlechtig, Mannus Mann, Mensch, der erste Mensch. Die Namen der Marser (Merseburg) und Gambrivier verschwinden bald; sind es, wie Sueben und Vandilier (Ostgermanen), Kultverbände? Die Tungrer (Tongern!) wurden Germanen genannt (von den Kelten? die Form ist keltisch: „Rufer im Streit“ oder „Nachbarn“?); sie drohten, um ihr Ansehen zu heben, mit anderen „Germanen“ über dem Rhein. Die Völker rechts des Rheins hätten sich dann wirklich so genannt (Müllenhoff). „Eine verzweifelte Stelle!“ (Grimm.)

[ 3]

Herkules wohl Donar; barditus ist nicht genügend erklärt. Ulixes (Odysseus) der Schwanenritter? Asciburgium Asberg bei Mörs im Rheinland. Griechische Schrift verwenden die Kelten.

[ 5]

Tacitus selbst erwähnt in den späteren Annalen, daß die Mattiaker (bei Wiesbaden) Silbergruben hatten. Ganz so harmlos gegen Gold und Silber waren auch die ältesten Zeiten der Germanen nicht (Tacitus an anderen Orten, die Sage!). Die erwähnten [pg 45]römischen Münzen, Silberdenare, wurden bis zum Jahre 54 v. Chr. geprägt; später hat sich der Feingehalt verschlechtert!

[ 6]

Die Germanen galoppieren rechts, weil sich beim Galopp links die linke, nicht vom Schild gedeckte Seite des Körpers dem Feinde zuwenden würde. Wirklich zeigen Gräberfunde den Sporn nur am linken Fuß (Schweizer-Sidler). Der Keil kehrt seine Spitze dem Gegner zu.

[ 7]

Könige und Fürsten haben gleiche Befugnis, Fürst ist der König eines kleineren Gebietes. Der König wird aus dem Erbgeschlecht jedesmal gewählt. Königtum und Fürstenherrschaft gehen geradezu ineinander über. Im Osten sind Könige häufiger. Der König ist Heerführer. Nur bei der Vereinigung mehrerer Heere wird ein König zum dux gewählt (Müllenhoff).

[ 8]

Die Brüste entblößend: ihr Leib soll nicht fremden Siegern gehören. Veleda zuletzt gefangen nach Rom gebracht. Machten ... Göttinnen wie die römischen Senatoren, die so den Frauen der Kaiser schmeichelten.

[ 9]

Mercurius (besonders als Totenführer): Wotan (dies Mercurii = Wednesday). Mars: Tiu, Ziu (dies Martis = Tuesday). Herkules: Donar. Diese drei Götter nennt noch ein Taufgelöbnis des 8. Jahrh. Isis: vielleicht Freya? (Nerthus!) Die illyrischen Liburner hatten leichte Schiffe.

[ 10]

Wilder Fruchtbaum: Eiche, Buche, Haselstrauch, Wacholder. Zeichen durch Pferde auch bei Persern und Slaven.

[pg 46]

[ 11]

Nächte noch jetzt Weihnacht, Fastnacht, Fortnight. In Waffen noch jetzt „Spießbürger“. Jeder: Müllenhoff folgert aus dem grammatischen Sinn, daß nur rex vel princeps reden durften, nicht jeder Teilnehmer. Aber jedesfalls licet accusare usw. ([Kap. 12]).

[ 12]

Am Körper Geschändete: widernatürliche Männer, aber wohl auch „entehrte“ Frauen, für die sich Todesstrafe noch lange erhält. Dieses Versenken ist eine Weiberstrafe, daher besonders schimpflich. Frevel – Schandtat: das germanische Rechtsbewußtsein nimmt die offene, nicht verheimlichte Tat, ohne List, leichter hin. Die Fürsten bestimmt nämlich aus der Zahl der vorhandenen Fürsten. Recht sprechen ist römische, nicht germanische Auffassung; nach dieser leitet der Fürst (später Gaugraf) nur die Volksverhandlung, der Rat macht den Urteilsvorschlag, der Beistand gibt das „Vollwort“: sie „finden“ das Recht, der entsendete Richter tut nur den Spruch.

[ 15]

Brustschmuck (phalerae) ähnlich den Orden (oder wie Medaillons?). Geld: römische Kaiser (Caligula, Domitian) schließen um Geld mit den Germanen Frieden oder erkaufen Triumphe.

[ 16]

Vielleicht: in Wirklichkeit aus Unabhängigkeitssinn. Der Schlußsatz sucht die gewohnte Zuspitzung am Ende eines Abschnittes, wird aber gerade wortreich und gewöhnlich.

[ 17]

Kleid die Unterkleidung, unter dem Rock, geht nach Baumstark unten (auch bei Frauen?) in Hosen aus. Bei Frauen, namentlich aber bei vornehmen, trotzdem Unterschiede in der Kleidung (vgl. die Germanin, sog. Thusnelda der Loggia dei Lanzi in Florenz): lang [pg 47]herabwallende Kleidung bis zu den Füßen. Ihre Kleidung läuft oben nicht in Ärmel aus wie in Rom. Die germanischen Männer wiederum hatten Ärmel, wenn auch kurze. Das Frauengewand wird nur an der Schulter zusammengehalten; der Armschlitz läßt die Brust zum Teil sichtbar werden.

[ 18]

Umworben werden von den Familien der Mädchen. Mitgift – Geschenke: Tacitus merkt nicht, daß er vom Brautkauf erzählt; Mitgift ist der Preis. Das Gegengeschenk der Braut (etwa ein Speer) ist das Zeichen für den Übergang der Gewalt vom Vater an den Ehemann. Alles dies vermengt Tacitus mit den Vorstellungen und Formeln der confarreatio, der strengen altrömischen Ehe.

[ 19]

Schauspiel das römische Theater mit seinem mehr als eindeutigen Getriebe.

[ 20]

Anspielungen auf die Erziehung durch Sklaven in Rom und auf die Erbschleicherei bei Kinderlosen sind deutlich.

[ 22]

Eröffnet es noch: die Römer halten sich selbst da zurück. Überhaupt ist in diesem Kapitel fast jeder Satz ein Widerspiel römischer Sitten (Passow). Die Römer stehen früh auf, speisen lieber an einem gemeinsamen Tisch, dürfen in der Stadt nicht bewaffnet gehen und sollen nicht vor Abend trinken.

[ 23]

Getränk Bier. Ufergrenze wohl nur des Rheins; die Sueben an der Donau dulden keinen Wein, weil die Händler als Gegenwert Sklaven fortschleppen.

[ 25]

Tacitus denkt hier nur an die „Hintersassen“; es gibt aber auch [pg 48]Haussklaven ([Kap. 20]). Im folgenden Anspielung auf das Treiben der Freigelassenen in Rom.

[ 26]

Besser verhütet: Müllenhoff und Baumstark können diesen Satz nur durch Flüchtigkeit erklären. Die folgende Schilderung der Anbauverhältnisse, von allen Seiten her erläutert, ist nach Müllenhoff übersetzt. Nicht in vier Zeiten: sondern in Winter und Sommer. So zählen sie auch, also nach halben Jahren. Doch ist Herbst ein altgermanisches Wort; nur brachte die Getreideernte bei den Germanen freilich schon der Sommer, Wein und edles Obst aber kannten sie nicht. Daher wohl der Irrtum des Textes.

[ 27]

Übergang vom allgemeinen zum besonderen Teil der Schrift.

[ 28]

Caesar wird als einziger Gewährsmann ausdrücklich genannt. Diese seine Behauptungen nimmt schon Tacitus nur mehr hin, heute sind sie als unrichtig erkannt. Die Kelten, die früher auch rechts vom Rhein saßen, wurden vielmehr von den Germanen überall zurückgedrängt. Herzynischer Wald das ganze deutsche Mittelgebirge, hier etwa Schwarzwald und Rauhe Alb. Helvetier bald darauf in der Nordschweiz, Bojer damals in Böhmen (Beheim), Aravisker um Stuhlweißenburg, Osen in Oberungarn; diese beiden pannonische Stämme. Von den Osen ist es [Kap. 43] ausdrücklich bezeugt; die Worte Germanorum natione können nur auf den Wohnsitz gedeutet werden. Treverer um Trier, wahrscheinlich Gallier, Nervier an der Sambre, Vangionen um Worms, Triboker bei Hagenau, Nemeter um Speyer, Ubier 38 v. Chr. durch Agrippa ans linke Rheinufer verpflanzt; ihr Hauptort wird die colonia Agrippinensis, der Geburtsort der Agrippa, Tochter des Germanicus und Gemahlin des Kaisers Claudius. Sie ist auch die Stifterin der Kolonie (Köln!).

[pg 49]

[ 29]

Bataver im Rheindelta; die behauptete Auswanderung von den Chatten her wohl nicht richtig. Auch nach dem Aufstand des Civilis (69 und 70 n. Chr.) bleibt das Freundschaftsverhältnis zu den Römern. Mattiaker um Wiesbaden, dessen Quellen schon bekannt sind. Über die alten Grenzen endgültig durch den Bau des Grenzwalls (limes), der, von Domitian begonnen, in seiner Vollendung (3. Jahrh.) von der Donau bei Lorch oder Kehlheim über Odenwald und Taunus an den Rhein (Neuwied) ging; 550 km lang. Man hat schon tausend Wachttürme und hundert Kastelle (darunter die Saalburg) festgestellt. Er ist zuletzt eine förmliche Mauer. Zehntland (agri decumates, nur hier erwähnt) römisches Staatspachtland am mittleren Neckar.

[ 30]

Weiter hinaus über das Zehntland hin. Chatten = Hessen. Sie sind, außer den Friesen, nach Grimm „der einzige deutsche Volksschlag, der mit behauptetem alten Namen bis auf heute an derselben Stelle haftet, wo sie in der Geschichte zuerst erwähnt werden“. Ihnen widerfährt hier unter allen Stämmen das größte Lob.

[ 32]

Usipier (Usipeter) und Tenkterer, immer gemeinsam genannt, vom Siebengebirge gegen Ruhr oder Lippe.

[ 33]

Brukterer zwischen Ems und Lippe (ihre Seherin Veleda!); später zurückgedrängt, aber keineswegs vernichtet. Die 60000 sind übertrieben. Alle diese Stämme gehen in den Franken auf, deren Hauptvolk später die Chamaver werden, damals nördlich der Lippe bis zum Zuydersee. Angrivarier, an der Weser, später als Angern ein Hauptstamm der Altsachsen.

[pg 50]

[ 34]

Im Rücken – vorn: die Völker mit dem Gesicht zur See. Dulgubiner in der Gegend von Hannover (?), Chasuarier an der Haase, Friesen zwischen Zuydersee und Ems, die Kleinfriesen zwischen Rhein und Yssel. Seen besonders der Zuydersee, aber auch viele andere, da es an Deichen fehlt; so entstehen förmliche Inseln. Römische Flotten: Drusus Germanicus (12 v. Chr.) und sein Sohn Germanicus (14 und 15 n. Chr.). Auf eine andere, nicht recht zu bestimmende Unternehmung deutet [Kap. 1]. Säulen des Herkules wie bei Gibraltar (die Klippen von Helgoland?); hier ist der römische Herkules gemeint. Niemand versucht: nach Drusus Germanicus jedesfalls Tiberius (5 n. Chr.).

[ 35]

Zum Anfang dieses Kapitels: man denkt sich die kimbrische Halbinsel (Schleswig-Jütland) von der Elbemündung an stark ostwärts geneigt. Chauken am Meer zwischen Ems und Elbe. Nach Müllenhoff sind es vielleicht überhaupt nur andere Friesen, „Chauken“ ein Ehrenname. Im Bogen hätten sie die Chatten an der Weser treffen müssen, eine wahrscheinlich unrichtige Angabe. Plinius schildert die Chauken als armseliges Fischervolk, immer von Sturmfluten bedroht. Das auffallende Lob des Tacitus vielleicht beabsichtigter Gegensatz zum folgenden Kapitel.

[ 36]

Zur Seite östlich. Cherusker in der Umgebung des Harzes, früher noch weiter nordwestlich, zwischen Weser und Elbe. Am bekanntesten durch ihren Kampf gegen die Römer: Vernichtung des Varus im Teutoburger Walde. Arminius, der „Befreier Germaniens“, besiegt auch Marbod, den König der Markomannen. Bald werden aber die Cherusker zurückgedrängt, innere Zwistigkeiten, Kämpfe mit den Chatten wüten, vom Frieden des Tacitus ist keine Rede. [pg 51]Ebenso scheint die Demütigung der Cherusker übertrieben. Nur ihr (hieratischer?) Name verschwindet. Sind es die späteren Sachsen? Fosen in der Wesergegend.

[ 37]

Kimbern: ein Rest also noch auf der kimbrischen Halbinsel. Auf ihrem großen Zuge stoßen die Kimbern 113 v. Chr. (641 [der varronianischen, 640 der catonianischen Ära] nach der Gründung der Stadt – Tacitus hält sich an die runde Zahl –) auf die Römer unter Papirius Carbo. 107 wird der Konsul L. Cassius mit seinem Heer vernichtet, 105 der Prokonsul Servilius Caepio und der Konsul Gnaeus Mallius. Das sind drei konsularische Heere; Aurelius Scaurus, gleichfalls geschlagen und getötet, hatte kein eigenes Heer, und Carbo erlitt nur eine geringe Niederlage. Das zweite Konsulat Trajans ist 98 n. Chr. Diese Stelle gilt als Beweis für die Abfassung der „Germania“ im gleichen Jahre. Arsaces begründet im 3. Jahrh. v. Chr. das große Partherreich, lange neben Rom die einzige östliche Großmacht; Crassus wird 53 v. Chr. von den Parthern getötet, Ventidius, ein Emporkömmling, rächt die Niederlage, indem er die Parther am Jahrestage dieser Schlacht 38 v. Chr. besiegt und ihren Prinzen Pacorus tötet. Selbst dem Caesar: Augustus. Nero ist Tiberius. Rüstungen des C. Caesar: Caligula; er läßt seine germanische Leibwache Feind spielen und triumphiert (40 n. Chr.); später feiert auch Domitian einen höchst sonderbaren Triumph. In den Bürgerkriegen nach Neros Tod beginnt der Aufstand der Nordwestgermanen.

[ 38]

Nunmehr eröffnet den zweiten Hauptteil: Tacitus rechnet alle folgenden, auch die nichtgermanischen Stämme zu den Sueben. Aber schon die Nerthusvölker gehören nicht mehr dazu; auch nicht die Ost- und Nordgermanen. Sueben wortgleich mit „Schwaben“. [pg 52]Stammeszeichen: der Knoten, ohne Band, an der rechten Schläfe über dem Ohr ist durch Bilder bezeugt, aber auch bei Nichtsueben; eher wären nach Baumstark im letzten Satz des [43. Kapitels] Kennzeichen angegeben. Baumstark unterscheidet die Männer, die diese Knoten ohne Band tragen, von denen, die ihn über dem Scheitel (mit einem Band) flechten, und diese wieder von den „Vornehmen“.

[ 39]

Müllenhoff hält den Namen Semnonen für hieratisch: ihr Wohnsitz, etwa im Spree- und Havelland, entspricht der von ihm behaupteten Urheimat der Germanen. Der besonders großartige Kultus ist denn auch der des Stammvaters Ziu, an dem die Sueben festhalten; ihre Stadt ist Ziesburg = Augsburg. Im 3. Jahrh. wandern die Semnonen als Alamannen (alle Mannen, ein Zusammenschluß!) an den rätischen Limes und erobern von da ab das jetzt noch alemannisch-schwäbische Gebiet. Der Vers auguriis – sacram im Deutschen durch „Zeichen – weihten“ wiedergegeben. Vgl. die allgemeine Einleitung!

[ 40]

Langobarden an der unteren Elbe; im 5. Jahrh. über Südmähren ins Alföld (ihr „Feld“) und weiter nach Pannonien und Italien (Lombardei). Die sieben Nerthusvölker: eine Kultgemeinschaft, in Schleswig-Holstein, vielleicht auch Mecklenburg; die Angeln gehen später nach England. Nicht genannt sind die Sachsen, damals in Holstein. Nerthus nicht etwa Hertha (eine falsche Bildung), sondern Freya; als Mutter Erde (magna mater Idaea) bezeichnet, weil auch diese auf einem Wagen gefahren wird und ein Priester Bild und Wagen reinigt. Insel sicher nicht Rügen, ebenso der See nicht der Herthasee, dessen Sage eine späte gelehrte Erfindung ist. Wenn man es glauben darf: also kein Götterbild ([Kap. 9]).

[pg 53]

[ 41]

Wie noch zuvor: vom Zehntland bis zu den Chauken ([Kap. 35]), ja im wesentlichen sogar bis zu dieser Stelle folgt Tacitus der Südnordrichtung des Rheins; im folgenden der Westostrichtung der Donau. Hermunduren zwischen Harz und Erzgebirge, südwärts bis zum Main, vielleicht sogar zur Donau. Die gute Ausnahme bei den Römern deutet nicht gerade auf unmittelbare Nachbarschaft; Grenznachbarn des Reiches dürfen den Strom nur an bestimmten Stellen unter Aufsicht überschreiten. Kolonie ist Augusta Vindelicorum (Augsburg). Elbe: man dachte sich wohl die Moldau oder Eger oder thüringische Saale als Oberlauf der Elbe. So weit waren römische Heere gedrungen, aber seit der Niederlage des Varus kannte man die Elbe nur noch vom Hörensagen.

[ 42]

Varisten am Fichtelgebirge, Markomannen in der großen „Mark“ zwischen Main und Donau, die nach dem Abzug der Helvetier entstanden war, ein suebisches Volk. Marbod führt sie nach Böhmen, wo schon vorher, vielleicht mit durch die Markomannen, die Bojer vertrieben worden waren. Er begründet ein mächtiges Reich, das bis zur Weichsel reicht, aber ein Krieg mit den Cheruskern zerstört es, und Marbod flüchtet zu den Römern. Später, unter Marc Aurel, der Jahre währende große Markomannenkrieg der Römer (Vorspiel der Völkerwanderung?). Im 6. Jahrh. wird Böhmen slavisch, die Markomannen sind nach Bayern gerückt. Hier ist der Stamm, vom Lech bis zur Enns, geblieben (Bayern und Deutschösterreicher). Quaden wahrscheinlich mit den Markomannen zusammen gewandert, gleichfalls Sueben, in Mähren und Oberungarn, Bundesgenossen der sarmatischen Jazygen, 407 mit den Vandalen nach Spanien. Stirnwehr gegen Rom. Tudrus wahrscheinlich ein Quadenkönig.

[pg 54]

[ 43]

Noch weiter ab: nördlich und östlich der Markomannen und Quaden, um das schlesische Gebirge. Eisen, das bei den Germanen so selten ist, verwenden die Kotiner nicht einmal, um sich von den Abgaben zu befreien. Gebirge der östliche Teil des Herzynischen Waldes, besonders das Eschengebirge, slavisch Jesenik, Gesenke. Lugier oder Lygier die Südgruppe der Ostgermanen, wieder ein Kultverband (Vandilier, [Kap. 2]), der alle hier genannten Stämme und wohl auch die nicht genannten Burgunder umfaßt. Das Heiligtum liegt bei den Nahanarvalern (hieratischer Name, Müllenhoff). Die Lugier, von der Ostgrenze Böhmens bis zur Weichsel, heißen später Vandalen, eine Nebenform von „Vandilier“. Ihre Wanderung führt nach Gallien, Spanien, Nordafrika. In Frauentracht: nur der Haarschmuck oder wirklich Frauenkleidung? Das erste aus Hasdingi (dem Namen des Königsgeschlechtes und darnach des ganzen Volkes) abgeleitet, „Männer mit Frauenhaar“; das Königsgeschlecht aber nennt sich nach dem Brüderpaar „Kastor und Pollux“, einer alten indogermanischen Lichtgottheit, gleich den Dioskuren: „Alken“ und „Hasdingi“ soll zusammenhängen. Das Totenheer und die straffere Königsherrschaft leitet die Steigerung ein, die allmählich in das Reich des Märchens hinüberführt. Goten, das bedeutendste ostgermanische Volk, das Heldenvolk der Germanen, zwischen Weichsel und Pregel; später in Südrußland, wo sich in der Krim Reste bis ins 16. Jahrh. erhalten haben. Ihre Wanderung ist bekannt. Rugier und Lemovier damals an der Ostsee zwischen Weichsel und Oder, die Rugier später an der österreichischen Donau.

[ 44]

In der Westostrichtung zur Ostsee, von der man damals keine rechte Vorstellung hatte. Suionen sind Schweden, Skandinavien gilt als Insel. Schiffe, ähnlich den hier beschriebenen, noch heute [pg 55]bei den Norwegern als Scherenboote gebaut. Reichtum: Geldgier führt zur Entartung, und Entartete lassen sich einen unumschränkten Herrscher gefallen. Aber der schwedische König, der ein Stammesheiligtum verwaltet und dafür Opfersteuern einnimmt, hat in Wirklichkeit gar keine unbeschränkte Macht. Nur gebietet er Festfrieden, und dann sind alle Waffen verschlossen ([Kap. 40]). Vielleicht haben Südgermanen, die den Glanz dieser Feste sahen, das Mißverständnis verschuldet. Steigerung gegenüber der Königsmacht der Goten!

[ 45]

Jenseits nördlich. Starr: Pytheas von Massilia berichtet, es gebe eine θάλασσα πεπηγυῖα, ein geronnenes Meer (im Mittelalter die Sage vom Lebermeer). Also Kunde vom Eismeer und von der Mitternachtssonne! Der Erdkreis ist eine Scheibe, die Sonne am Rand so nahe, daß man ihre Rosse und die Strahlen um das Haupt des Sonnengottes wahrnimmt. Die aufgehende Sonne erklingt nach altem Glauben. „Tönend wird für Geistesohren schon der neue Tag geboren ... welch Getöse bringt das Licht!“ (Faust). Nun denn: der Bericht geht wieder zu einer bekannten Gegend über. Die rechte Küste ist nach der Westostrichtung die der Ostsee. Ästier sind die Litauer; erst später geht der Name auf die finnischen Esthen über. Das Folgende zeigt gerade, daß die Ästier keine Germanen sind; die Ähnlichkeit mit der britannischen Sprache wohl nur zufällig. Bernstein, ein uralter Schmuck, wird über die „Bernsteinwege“ zu Land und zur See nach Südeuropa gebracht. Die Entstehung des Bernsteins nach Plinius; die Anschauung, daß von den Enden der Welt kostbare Schätze kommen, bei Herodot. glesum: Glas, das Glänzende. Landtiere: Martial nennt die Viper. Sitonen östlich von den Suionen sind Finnen (Kvänen; Anklang an gotisches qêns, Weib, queen): daher der Bericht über die Frauenherrschaft. Höhe[pg 56]punkt der Steigerung: Goten, Suionen, Sitonen immer unbeschränkter regiert, immer märchenhafter bis zur Frauenherrschaft.

[ 46]

Peuciner ein anderer Name für die Bastarner, das östlichste Germanenvolk (von der Weichsel durch Galizien hin zur Donaumündung), auch das zuerst, schon den Griechen, 200 v. Chr. an der unteren Donau bekannte. Veneter Wenden, das germanische Wort für Slaven. Fennen: Finnen. Die Schilderung bezieht sich nur auf ihr Leben im Sommer. Die Hellusier sollen „Hirschartige“, die Oxioner „Ochsenartige“ sein, vielleicht nach den Tierfellen, die sie tragen; und daher wohl auch die Fabel.



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