Ramie
(Tafel 28)
Ramie, auch Chinagras genannt, ist ein zu den Urticaceen gehöriges, unserer Brennessel nicht unähnliches Kraut. Ein Wurzelstock treibt bis zu 15 Stengeln aus, die eine Höhe bis zu 2 m erreichen. Indien, die indische Inselwelt und Japan erzeugen große Mengen dieses wertvollen Faserstoffes, der mannigfache Gewebe von den feinsten Zeugen bis zum groben Segeltuch liefert. Die Verarbeitung der Ramiefasern findet hauptsächlich in England, Frankreich und Deutschland statt. Deutschland führt jährlich gegen 600000 kg im Wert von über 400000 Mk. ein. Die bedeutendste deutsche Ramiespinnerei ist in Emmendingen in Baden.
Tafel 28.
[VII. Kautschuk liefernde Pflanzen.]
Vorbemerkung. Kautschuk wird aus der Milch verschiedener Pflanzenarten gewonnen. Um die Milch zu erhalten, zapft man die Bäume oder Lianen an, indem man sie mit einem Messer anschneidet. Der weiße Saft, der besonders oder ausschließlich aus der Rinde heraustritt, wird aufgefangen, gekocht oder mit einer Säure versetzt, worauf sich der Kautschuk als zähe, elastische, später noch zu trocknende Masse niederschlägt. Vorzüglich sind es Pflanzen aus den Familien der Euphorbiaceen, Moraceen und Apocynaceen, die Kautschuk liefern, und zwar kommen nur einzelne Arten dieser Familien für Kautschukgewinnung in Betracht, die alle in den Tropen gedeihen, der Saft anderer ist zu kautschukarm, um ein Anzapfen lohnend zu gestalten.
Am meisten Kautschuk liefert Amerika; in zweiter Linie steht Afrika, dessen Kautschukerzeugung in den letzten Jahren, zusammen mit der wirtschaftlichen Erschließung des Erdteils überhaupt, einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Auch auf den Südsee-Inseln sind Kautschukanpflanzungen angelegt und schon kleinere Ernten eingebracht worden.
Es werden im folgenden die für unsere Kolonien wichtigsten Kautschukpflanzen aufgeführt.