Tabak

(Tafel 16).

Es gibt etwa fünfzig verschiedene Arten der zur Familie der Solanaceen gehörigen Tabakpflanze. Die meisten von ihnen sind in Amerika heimisch. Für den Anbau des Tabaks kommen aber eigentlich nur zwei Arten in Betracht: der rötlich blühende echte oder gemeine Tabak (Nicotiana tabacum), auch amerikanischer Tabak genannt, und der gelblich blühende Bauerntabak (Nicotiana rustica), auch syrischer Tabak geheißen, weil er in diesem Lande am besten gedeiht und sehr viel angebaut wird. Aus diesen beiden Arten haben sich aber wieder durch Verschiedenheit von Klima und Boden eine ganze Reihe von Spielarten herausgebildet.

In Amerika und Europa wird fast nur der gemeine oder echte Tabak angebaut. Dies ist eine einjährige Pflanze mit geradem Stengel, der bis 2 m lang wird. Die lanzettlichen Blätter sind oben dunkel-, unten hellgrün; am Fuße des Stengels werden sie bis 50 cm lang und 10-15 cm breit, nach oben hin verkleinern sie sich. Jede Pflanze hat etwa 10-20 Blätter. Die Blüten sind trichterförmig und stehen in Rispen.

Der Tabak gedeiht in der tropischen und auch in den wärmeren Teilen der gemäßigten Zone. Er bedarf einer möglichst gleichmäßigen Luftfeuchtigkeit; starke Regenfälle schaden der Entwicklung der Blätter; ebenso ist ihm stehendes Wasser sehr nachteilig. Der Boden muß deshalb leicht durchlässig sein. Die Fortpflanzung geschieht durch Samen, die in Beete gesät und deren Pflänzlinge später aufs Feld verpflanzt werden. Der Anbau des Tabaks erfordert große Sorgfalt und Pflege. Das Wertvolle der Tabakpflanze sind ihre Blätter; auf deren günstige Entwicklung muß deshalb alle Mühe verwendet werden. Die reifen Blätter oder die ganzen Pflanzen werden abgeschnitten, in Bündel gebunden und getrocknet, entweder an der freien Luft oder durch Feuerwärme in Trockenhäusern. Dann werden die Blätter vom Stengel abgebrochen und dabei zugleich nach ihrer Qualität sortiert. Die sortierten Blätter werden wieder je zu kleinen Bündeln vereinigt und so zum Gären in geschlossenen Räumen zu größeren Haufen aufeinander geschichtet. Nachdem darauf die Bündel wieder gelüftet und abgetrocknet sind, sind sie fertig zum Verpacken in Fässer und zum Versand. Für Deutschland ist Bremen ein Haupthandelsort für Tabak. In Bremen und Umgegend gibt es die größten Tabak- und Zigarrenfabriken Europas.

Der Verbrauch von Tabak und dementsprechend auch sein Anbau ist ein ganz bedeutender. Mitte der achtziger Jahre betrug die Gesamterzeugung an Tabak auf der ganzen Erde 542000000 kg, davon entfallen auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika 222 Millionen, auf Britisch-Ostindien 170 Millionen kg (Deutschland 40 Millionen kg). Deutschland führte 1906 für 102 Millionen Mk. unbearbeiteter Tabakblätter ein. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen bei uns jährlich fast 2 kg Tabak.

In den deutschen Kolonien wird Tabak vielfach von den Eingebornen angebaut, allerdings nicht einmal soviel, daß er ihren eigenen Bedarf deckt. Aber auch die Europäer haben seine Kultur in größerem Maßstabe in die Hand zu nehmen versucht. Aus Ostafrika wurden 1906 28800 kg im Werte von 27500 Mk. (1907 für 60000 Mk.) nach Sansibar ausgeführt, die aber zumeist von Eingebornen für Eingeborne erzeugt wurden. In Kamerun werden gegenwärtig Kulturversuche mit Havana-Tabak gemacht. Auf Neu-Guinea gab es Tabakpflanzungen größeren Umfangs; da aber die Arbeiterverhältnisse ungünstige waren, sind sie zum größten Teil wieder eingegangen. Die Ausfuhr ist bis jetzt gering. So verschiffte Samoa 1906 683 kg im Werte von 2049 Mk. (1907 für 3000 Mk.), die Westkarolinen 90 kg (290 Mk.), 1907 1500 kg (3000 Mk.), die Marianen 616 kg (903 Mk.); zusammen aus den deutschen Kolonien 30189 kg im Werte von 30742 Mk. (1907: 67000 Mk.).

Tafel 16.


[V. Ölfrüchte.]