Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.
Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess; und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18. überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.
LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.
Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von 100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.
Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen, während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung. Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100 Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75 Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.
Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen und gezwungen, den Abschied zu nehmen.
Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich, ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden.
Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut, während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben.
Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000 Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781 entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt. Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im Stich lassen musste.
Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen. Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl von Lord Cornwallis zu Teil wurde.
Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen.
Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten musste er zurücklassen.
Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten, eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und Wilmington.
Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann, einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen. Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück. Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit. Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500 Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen, sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden. Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe. Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll kein — Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen. Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200 Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen, diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.
Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf, plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war, die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.
Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden, um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden, sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt, und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie im mindesten gestört wurden.
Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.
Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26. Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden Seiten.
YORKTOWN. 1781.
A. Redoute, von den Franzosen genommen.
B. Redoute, von den Amerikanern genommen.
In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth fort. Am 4.Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6. Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen. Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.
Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr 2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa 1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor. Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück. Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen. Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75 Mann.
Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester. Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.
Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen Cornwallis vor.
Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000 Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte 1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5. September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach New-York.
Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren, marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte. Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa 7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.
Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6. Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.
Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner, Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und 12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden. Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre, und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun, »dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu leisten.«
Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander. Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd fiel Lauzun in die Hände.
Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.
In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten, lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.
In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige Garnison ihre alte Stärke behielt.
Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17. Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned Upside Down.«