Loras Wirtschaftswoche.

Wie sie aussah, wollt ihr wissen? Ob sie „schwarze, schwarze“ übergroße Augen hatte und eine „weiße, weiße“ Haut, eine schlanke, schlanke Taille und dazu eine sehr üppige Brust.

Nein, seht ihr, so war’s nicht. Sie ist keine Romanfigur, sondern ein lebender Mensch, und die Farbe ihrer Augen ist rätselhaft graugrün.

Sie hat auch kein klassisches Gesicht. Ihre dunkelbraunen, lockigen Haare lassen die junge, schon durchfurchte Stirne und die mächtig hervorgebogenen Hügel über den Brauen frei. Doch bedecken sie eingefallene Schläfen, die von dem Mangel an Eßlust der Trägerin Zeugnis geben. Die Nase ist oben breit angelegt und verläuft fleischlos und schmal in ein paar stets vibrierende Nasenflügel. Das Kinn springt nicht vor, aber ist wohlwollend, breit und zeigt viele Festigkeit.

Die Kleine heißt Lora. Solche 18 Jahre, das ist Jugend, sag ich euch! Diese Fröhlichkeit. Immer ein Witz, eine Taquinerie auf den Lippen, immer Worte, auf welche die Männer wie Bienen nach dem Honig gehen. Sie ist eigentlich frei in ihren Bemerkungen, macht nicht die schamrote Jungfrau, sondern spricht offen über alles, was sie im Leben mit ihren eigenen Augen gesehen. Denkt Euch!

Dabei ist sie so aalglatt in ihrem Benehmen, daß sich keiner ihrer Verehrer auch das geringste erlaubt. Nicht einmal das bekannte, geraubte Küßchen in einer Ballsaalnische.

Die Eltern können sorglos sein. Jetzt schon sind ein paar Heiratsanträge da. Lora will aber nicht und — na, da darf sie auch noch warten. Es ist auch zu hübsch im Hause mit ihr. Die zwei jüngeren sind einsilbiger; machen als wären sie nur da, um zu Lorens Witzen zu applaudieren. Grete, die jüngste, ist sentimental und weint über alles. Amalie, die zweite in der Schwesternreihe, ist jedoch die Praktische. Immer sitzt sie und überrechnet jeden Pfennig ihres kleinen Monatsgeldes oder ordnet die Wäsche in ihrem Schrank, in dem ohnedies alles so peinlich eingereiht ist. Sie wird einmal sicher ein braves Hausmütterchen.

Das kann man eigentlich von Lora nicht sagen. Es ist, als entzöge sie sich dieser behäbigen Pünktlichkeit, die so segenvoll jedem Haushalt wird.

Kommt ihre Woche der Hausführung daran — denn jede der drei hat abwechselnd nach einander eine Woche die Hausfraupflichten — so ist das ganze Haus wie Geisteshänden übergeben. Nichts von Amaliens Pünktlichkeit. Bei dieser weiß man wenigstens, um so und so viel ist das Frühstück und dann das Mittagsmahl. Dabei stets ausreichend zu essen und Speisen, die der Köchin wenig Mühe machen. Alles ist geregelt. Amaliens Woche ist auch sehr vom hygienischen Standpunkt zu empfehlen. Einmal wöchentlich Hülsenfrüchte (wegen der Zähne); zweimal Schweinebraten, einmal Kalbfleisch und Freitags Fisch. Sonst Beefs. Und nachher dreimal wöchentlich Mehlspeisen. So, da weiß jeder, wie er daran ist. Auch Grete ahmt Amalien nach.

Nur diese arme Lora! Ihre Woche ist so was ganz Merkwürdiges. Die Köchin fürchtet sich davor. Immer lauter komplizierte Gerichte. Immer etwas, woran mindestens eine Stunde gerührt oder mit der Schneerute geschlagen werden soll. Und dabei muß man acht geben, wie auf die Lunte einer Bombe. Dann kommt so wenig auf den Tisch, daß jeder kaum so viel bekommt, als nötig ist, daß er Lust hätte, mehr zu wünschen.

Lora macht dabei auf Anklagen das unschuldigste Gesicht: „Was wollt ihr denn? Was ihr soeben gespeist habt, ist nur allernahrhaftestes; gleichsam die Essenz der Speisen. Viel nahrhafter, als das schwere, schlechtverdauliche Zeug, womit ihr sonst den Magen überladet, und das euer Gehirn dann denkunfähig und faul macht.“

Lora geht, wie ihr staunend hören werdet, selbst in die Küche. Es ist kein „Schwindel“ möglich. So und so viel Eier und so und so viel anderes. Sie weiß es ganz genau. Und dann das schreckliche Rezept erfinden! Lora sagt: „Aus dem Kochbuch? Nein! Wir wollen etwas machen, was noch niemand gegessen hat.“

Dann kommen die sonderbarsten Gerichte. Canapes von Artischockenböden mit Fülle von einem seltsamen Champignonragout, überzogen mit... u. s. w.... oder eine ganz besondere Sauce von Hahnenkämmen, wie sie nirgends angegeben steht. Die Kochkönigin, deren Herrschaft die Küche ist, sinkt zu einer Rührmamsell herab. Ohne Loras Gegenwart kann kein Gericht zu Ende gebracht werden. Und das Fräulein ist so genau.

„Nicht mit den Händen, Käte, nur nicht mit den Fingern! Dazu sind zwei Gabeln da,“ sagt Lora, die sich leicht ekelt. Dann hantiert die Köchin damit so ungeschickt, wie jemand, der zum ersten Male Stelzen geht. Dennoch zittert sie vor Angst, wenn das Fräulein fortgeht. „Es wird was geschehen, es wird verpanschen, bitte, bitte, bleiben Sie, Fräulein Lore.“

„Komme schon wieder, Käte, bis es Zeit ist; nur immer nach rechts rühren, sonst wird’s nichts.“

Und das Fräulein schlüpft hinaus, leicht, elastisch, den Saum des weißen Kleides sorgsam emporgehoben.

Käte rührt ängstlich. Wenn’s nur was wird! Sie traut sich unter keiner Bedingung aufzuhören. Dann schimpft sie innerlich über das Fräulein, in dem Maße, als ihre Finger müde werden.

Da ist aber das Fräulein wieder da. „Nein, diese verteufelte Sauce, bei der alle Finger krachen. Es ist Schinderei, so was zu kochen,“ sagt Lore in einem ärgerlichen Tone, der so gut zu Kätens momentanem Gedankengang paßt, daß diese auflachen muß. Und so ist der Küchenfrieden wieder hergestellt.

Lore legt dann die letzte Hand an, wie der Bildhauer an des Abbozzators grobe Arbeit. Und dann ziert sie alles gefällig, verführend, appetitreizend.

Darauf schlüpft sie in ihr Zimmer, doucht sich, wechselt das Kleid, denn der Küchengeruch ist ihr unerträglich und sie schmückt sich gerne zum Essen. Alle Blumentöpfe, die im Hause sind, werden um den Tisch gestellt. Ueberall Sträuße oder blühende Blumenstöcke. Einer ihrer Verehrer, der zufällig zur Essenszeit im Hause erschien, fragte erstaunt, ob heute wohl ein Familienfest sei. Heimlich vermutete er, weil es gar so blumenfroh aussah, es sei seiner Geliebten Geburtstag.

„Meine Woche ist’s,“ sagte sie lächelnd, während er von ihr auf alle die weißen Azalien, Hyazinthen und Fraisien sah, die blütenduftend erfreuten.

Kam dann das Essen, so wurde niemand satt, als die Augen. Denn alles war so hübsch. Und Lore begriff nicht, wie man so viel essen könne. Sie naschte kaum von jedem und sobald ein Schüsselarrangement zerstört war, konnte sie’s nicht sehen, es ekelte sie davor.

Was sie freute, waren die Blumen. Sie legte in diese Organismen eine Fülle von Bezauberung, welche deren Leben ihr gewährten. Es war eigentlich das Einzige, was sie wirklich liebte. Nur der Duft geliebter Blumen, (denn auch unter ihnen hatte sie Antipathien), vermochte ihrer Seele eine Weile innere Heiterkeit zu geben.

Denn wie sehr man auch darüber staunen kann, Lores Seele war voller Schwermut. Nicht, daß sie sentimental gewesen wäre, aber alles in ihr drängte nach außen, gepeinigt von Sehnsuchten, deren Ursache und Ziel sie selbst nicht kannte. Zerstört von Wunden, die verfließend schienen, wie die zartfarbigen Nebel am Himmel. Gewürzt von Enttäuschungen, die ihr das Leben schon gab, als sie es erst sah, ohne es genossen zu haben.

Das schönste war weg: die Illusionen.

Wie allen Mädchen, meinte man auch ihr nichts Besseres, Weiblicheres mitgeben zu können, als Illusionen. Diese wurden in ihr großgezogen, wie künstliche Treibhauskulturen, wo es Pflanzen voller Blüten giebt und kein einziges, lebensnotwendiges grünes Blatt.

Aber auch sie hatte Augen, sah und war unglücklich. Doch schwieg sie ängstlich darüber, daß sie das Leben so schaute, entkleidet seiner Poesie. Sie schämte sich dessen, wie ein Ungläubiger, der aus Ehrfurcht vor dem, was er verloren, eine Blasphemie auf den Lippen zurückhält, die ihm doch aus ehrlichem Herzen käme.

Mütterchen erzählt!
(Zwei Märchen.)

(Ein warmer, hellerleuchteter Raum. Um den runden Tisch sitzen: die Mutter, Fritz, 6jährig; Marie, 9jährig; Kätchen, 14jährig.)

„Mütterchen, erzähl uns was!“

„Ei,“ sagt die gütige Mutter, „ich habe drinnen einen ganzen Kasten voll Bilder. Da will ich eines nach dem andern hervornehmen und euch zeigen.“

„Wo ist der Koffer?“ rief der neugierige Fritz.

„Sachte mal! Warte nur! Es sind gar keine gewöhnlichen Bilder. Wer nicht ein unschuldig Herz hat, der kann sie gar nicht sehen. Dem Aufmerksamen aber erscheinen sie wunderhübsch, und der Beste sieht sie am schönsten.“

Alle warteten gespannt, denn Mütterchen wußte so schöne Geschichten zu erfinden.

Da fing die Frau an:

„Es war einmal ein Junge, der weder Vater noch Mutter hatte. Beide waren dort draußen am Friedhof unter der Erde. Wenn es ihm gar zu traurig zu Mute wurde, ging er hinaus, um die Eltern zu sehen. Die aber lagen tief unter der schwarzen Erde. Da konnte er sie nicht erblicken. Deshalb weinte er, denn er hatte niemand, der ihm den Weg ins Leben zeigen wollte.

Die fremden Leute, bei denen er wohnte, wiesen ihm die Thüre und sagten: Nun bist du groß genug, dich allein weiter zu bringen, gehe jetzt in die Welt. Irgendwo draußen ist das Glück, gehe hin, es zu suchen.

Darauf schlossen sie die Thüre hinter ihm. Nun war er draußen. Aber es wurde ihm sehr bange. Er fing zu laufen an und es war ihm, als müßte er noch heute an das Ende der Welt, wenn er nicht den Mut verlieren wollte. Da kam er in den verzauberten Wald. Ich will doch ein wenig rasten, meinte er, während er sich auf einen schönen Rasen niederließ. Plötzlich horchte er auf. Durch die Stille des Waldes klopfte und hämmerte etwas, das war sein Herz. Warum fürchtete er sich nur so? Alles war ruhig um ihn, die Vögel ruhten Gefieder an Gefieder; die Blumen blühten still; niemand that ihm was zuleide. Da kam auch der Friede in ihn und er schlief ein. Im Traum erschien ihm eine schöne Fee, setzte sich zu ihm, streichelte ihm die Wangen und küßte ihn auf den Mund. Und plötzlich war es ihm so gut wie noch nie. Er sah sie an, sie war so schön, o so schön! Aber am herrlichsten waren ihre Augen, die schienen so tief, wie der tiefste See und so weit, wie der Himmel. Und wenn man hineinstarrte, wurde man jung und froh.

Ihr klagte er all sein Leid. Er erzählte ihr alles, was er gelitten, aber plötzlich kam ihm dies alles so gering vor, daß er dabei lachen mußte. Und bei der Schilderung jedes neuen Schmerzes von einst lachte er immer mehr, so sehr schien ihm jetzt alles unbedeutend.

Warum hatte es ihm nur einst so weh gethan?

Nun sah er sie an und fragte: wer bist du?

Sie lächelte aus ihren Augen und sagte: ich bin die Zufriedenheit. Aber manche nennen mich das Glück.

Ei, rief er, das trifft sich gut, ich suche ja eben das Glück. Willst du immer mit mir bleiben? Das hängt von dir, aber nicht von mir ab, sagte das Glück.

So lange du mich allein liebst, bin ich bei dir, aber sowie du an anderes denkst, muß ich dich verlassen. Bewahre dir ein einfältiges Herz, dann bleiben wir immer zusammen.“

Ei gewiß, sagte der Junge. So soll es immer bleiben und nun schau, daß wir beide schlafen können.

Aber morgens kam der böse Dämon und kniff ihn ins Herz.

Auh! schrie der Junge.

Mit Verlaub, sagte der Dämon, ich sah Sie da so gedankenlos schlafen, während das Leben dahin fließt. Da suchte ich Sie auf eine zarte Weise zu wecken.

Du Grobian, du.

Mit Verlaub! Ich wollte Ihnen nur jene schönen Knaben und Mädchen zeigen, die dort in Reihen vorüberziehen.

Da sah der Junge plötzlich, daß sein Kleid ärmlich und verschlissen war.

Traurig sagte er: Ich kann nicht mit.

Ei, sehen Sie, das ist Ihre Schuld. Warum träumen Sie, statt sich um etwas zu kümmern?

Träume ich?

Na ja, natürlich! Sie thäten besser, Ihre Toilette zu wechseln.

Aber ich bin arm, dies ist mein einziges Kleid.

So? Nun dann laufen Sie, zu suchen, wo Sie was finden können.

Wo sind die anderen?

Fort, sagte der Dämon, an’s Ende der Welt. Dort ist Glück. Wirklich? sagte der Junge. Am Ende der Welt, wo es so vieles zu sehen giebt!...

Ja, dort.

Da durchzog ihn plötzlich eine Sehnsucht, die Welt zu sehen und zu erkämpfen, zu erobern: Geld, Reichtum, alles, was glücklich macht!

Er fühlte in seinem Herzen inmitten dieses dunklen Verlangens einen schmerzenden Stich und vor sich sah er zwei wunderschöne Augen, aber er erkannte sie nicht mehr.

Nun machte er sich auf den Weg. Und der Dämon war sein Begleiter. Jetzt durfte er freilich auf keinem Wege mehr ausrasten.

Weiter, weiter, sagte der Dämon.

Jetzt hatte er weder zum Lachen noch zum Weinen Zeit. Die Welt ist gar so weit. Es war zum müde werden. Aber der Dämon peitschte ihn fort, weiter, weiter! Nun trug er schöne, seidene Kleider und schlief in Betten aus duftenden Hölzern, und viele Diener waren um ihn, die seiner Befehle warteten. Aber der Dämon rief: Wie stünden dir silberne Kleider gut, und wie schön ruht es sich in Betten aus kostbarem Elfenbein. Da lief der Junge, sich dies zu erwerben.

Dann stellte er sich vor den Dämon und sagte: Siehst du mein schimmerndes Silberkleid und das Bett aus feinstem Elfenbein?

Nicht übel, meinte der Dämon. Aber würdiger ist doch ein goldenes Kleid und ein Bett aus Gold und Edelsteinen.

Nun war dem Jungen die ganze Freude vergangen und er arbeitete, bis das goldene Kleid sein wurde.

Dann stellte er sich im Goldkleid neben sein Edelsteinbett und rief den Dämon.

Keine Krone? sagte dieser.

Da wurde es dem Jungen schwer, er ließ das Bett zertrümmern und warf das Kleid in den Strom.

Darauf suchte er sich ein Königreich. Ganz am Ende der Erde lag eins, größer als alle anderen. Das eroberte er. Dort war die Erde am reichsten. Oben auf den Wiesen blühten nur glänzende, duftende Blumen und in den Bächen blitzte goldener Sand und auf den Feldern lagen funkelnde Diamanten.

Hob man aber die Erde weg, so standen darunter die herrlichsten Säle, deren Wände lauter Edelstein und Gold waren. Und das Volk brachte ihm eine Krone, die ein einziger, großer Brillant war, in dem die ganze Sonne in vielen Farben leuchtete.

Darin sah er so schön aus wie ein Gott, so daß niemand es wagte, ihn anzublicken.

Und in der großen Stadt, wo sein goldener Palast stand, blickte er aus den edelsteinernen Fenstern auf sein Volk, welches jauchzte und schrie: Hoch lebe unser König, der Erde glücklichster Herr!

Er stand derweil auf dem Balkone und hielt ängstlich die seltene Krone mit seinen beiden Händen, damit sie nicht der Wind davontrüge.

Und unten tanzten schöne Mädchen mit flatternden Locken. Aber er konnte nicht hinab, wegen seines Ansehens und auch aus Furcht vor dem Winde.

Nun hieß es ja auch denken, wie alle diese Schätze vor untreuen Dienern und habgierigen Feinden zu sichern seien.

So hatte er wieder keine Zeit, sich zu freuen und er selbst zu sein.

Da kam der Dämon.

Der König drehte sich um und sprach: Siehst du meine Krone?

Nun ja, was weiter?

Du bist doch nicht der Einzige in der Welt, der König ist. Und es muß doch nur eine Freude sein, das zu haben, was sonst niemand hat.

Da wurde der König traurig, und wenn er nicht so viel Sorgen gehabt hätte, so würde er geweint haben.

So aber hatte er keine Zeit dazu.

Und nun wollte er wissen, was das sei, das sonst niemand haben könne.

Such es, sagte der Dämon.

Aber der König konnte nicht weiter, denn er war ja am Ende der Welt. Und er konnte nicht aus seinem Schloß, damit die Sonne nicht an dem Schimmer der Edelsteine seine Kleider entzünde.

So mußte er zum ersten Male ruhig bleiben. Und da konnte er nachdenken. Dabei fiel sein Blick auf einen Spiegel.

Wer war der alte Graukopf mit dem traurigen Runzelgesicht, der ihm daraus entgegengrinste? Der Alte war es selbst. Und hinter ihm stand der Tod und streckte seinen Arm nach ihm aus.

Sind wir schon so weit?

Ja, sagte der Tod. Nun bist du am Ende der Welt und am Ende des Lebens.

Aber ich habe mich ja noch gar nicht gefreut?

Das ist deine Schuld.

So? Und ich habe das Glück nicht gefunden.

Das ist wieder deine Schuld. Uebrigens scheint mir dies auch gar nicht der Zweck des Lebens zu sein.

Der König dachte nach. Eigentlich war er nie glücklich gewesen, d. h., doch einmal, als er noch arm war. Damals, als er im zerrissenen Kleid den Traum von der Glücksfee geträumt.

So schön war in seinem Leben doch nichts als dieser Traum.

Alles herrliche der Erde war nicht so schön wie dieser Jugendtraum. Nun wollte er wieder sich zu verinnerlichen versuchen.

Aber es ging nicht. Da kamen Ziffern, Sorgen, Galle und Neid — alles — nur kein Traum.

Und nun nahm ihn der Tod in seine Arme. Die Räte zogen darauf seinen Leichnam aus, sodaß er nun so nackt war, wie der Aermste der Armen.

„Nichts hab’ ich gehabt und doch das Schönste. Doch ich wußte es nicht.“

Draußen stand der Jüngling, welcher der neue König werden sollte.

Da wollte ihn der Tote warnen, aber seine Glieder waren steif und der Tod nahm Erde und legte sie über seinen Leib. Daraus blühen Blumen empor und sie duften des toten Königs Gedanken.

Aber nur der Reine kann sie verstehen. Das ist das Schlimme, es ging noch kein Reiner vorüber.