Die Dichter-Archäologen.

Georg Ebers, geb. am 1. März 1837 in Berlin, gest. am 7. August 1898, berühmter Ägyptologe, war einer der beliebtesten Autoren der letzten Jahrzehnte. Seine Romane entrollen meist Kulturbilder aus dem Pharaonenlande oder aus dem deutschen Mittelalter. Ebers war der Hauptvertreter des geschichtlichen Romans, wenngleich ihm der Vorwurf nicht erspart geblieben ist, daß die meisten seiner Gestalten nichts als moderne Wesen in historischer Drapierung sind. Eröffnet wurde die dichterische Thätigkeit E.'s mit dem Roman: »Eine ägyptische Königstochter«. Fast jeder Epoche der ägyptischen Geschichte ist er in einem Romane gerecht geworden. (»Uarda«, »Homo sum«, »Der Kaiser«, »Die Nilbraut« u. a.) Unterbrochen wurde der Cyklus der ägyptischen Romane durch »Die Frau Bürgermeisterin« und »Ein Wort«. Seit 1889 wandte sich E. fast ausschließlich der Schilderung deutschen Lebens der Vorzeit zu: »Die Gred«, »Im Schmiedefeuer«, »Im blauen Hecht«, »Barbara Blomberg«. E. war trotz aller Anfeindung eine Dichternatur, die oftmals durch das Professorentum erstickt wurde, aber in einzelnen Zügen in jedem seiner Werke zutage tritt.

Felix Dahn, geb. am 9. Febr. 1834 in Hamburg, Professor und Dichter zugleich, wenn auch das erstere mehr als das letztere, schrieb eine Reihe Romane aus der Zeit der Völkerwanderung und der altnordischen Heiden- und Heldenzeit, unter denen »Ein Kampf um Rom« der erfolgreichste, »Julian der Abtrünnige« der beste ist. Von seinen Dramen verdienen »König Roderich« und »Rüdeger von Bechlaren« genannt zu werden. Durch umfangreiche Produktion von Gelegenheitsgedichten (nicht solcher im Goethe'schen Sinne) hat D. viel dazu beigetragen seinen Ruf als Dichter zu schädigen.

Ernst Eckstein, geb. am 6. Febr. 1845 in Gießen, kommt hauptsächlich als Unterhaltungsschriftsteller in Betracht, obgleich er später auch den Versuch gemacht hat, sich den realistischen Schriftstellern zuzugesellen. (»Prusias«, »Die Claudier«, »Nero«, »Dombrowsky«, »Familie Hartwig« u. a.) Einen großen buchhändlerischen Erfolg erzielte seine kleine Gymnasialhumoreske: »Der Besuch im Carcer«.

George Taylor (Pseudon. für Adolf Hausrath), geb. am 13. Jan. 1837, Professor an der Universität Heidelberg, geht in den Fußtapfen Georg Ebers', wenn auch seine archäologischen Romane (»Antionus«, »Klitia«, »Jetta«, »Pater Maternus«, »Unter dem Katalpenbaum«) mehr dichterische Fähigkeiten aufweisen als die seines Vorbildes.

Oskar Linke, geb. am 15. Juli 1854 in Berlin, berührt sich mit den Dichter-Archäologen. Äußerst vielseitig und dabei ein Meister der Form, läßt er seine erzählenden Dichtungen oft im klassischen Altertum, das er ausgezeichnet kennt und durchdringt, spielen. Seine Weltanschauung ist eine freie. (»Blumen des Lebens«, »Jesus Christus«, »Mylesische Märchen«, »Chrysothemis erzählt« u. a.)