Die Feuilletonisten.
Paul Lindau, geb. am 3. Juni 1839 in Magdeburg, machte sich als Kritiker einen Namen, den er als produktiver Dichter rasch wieder einbüßte. Auch in seinen Romanen, die meist in Berlin W spielen und starken haut-gout aufweisen, ist er der Feuilletonist von ehemals geblieben, der nichts anderes als Eisenbahnlektüre geschrieben.
Max Nordau (Pseudon. für Südfeld), geb. am 29. Juli 1849 in Budapest, errang seinen größten Erfolg mit den von Alltagsweisheit triefenden »Konventionellen Lügen der Kulturmenschheit«. Als Verfasser von »Entartung« scheint er an Paradoxomanie zu leiden oder sie zu heucheln.
Julius Langbehn hat mit seinem Buche »Rembrandt als Erzieher« einen beispiellosen Erfolg gehabt, weil es »die Menschen zu verwirren weiß«. Seine »40 Lieder eines Deutschen« zeigen die ganze dichterische Unfähigkeit L.'s, dessen phantastisches und konfuses Erstlingswerk eine geraume Zeit im Mittelpunkt aller litterarischen Diskussionen stand.
Emil Peschkau, geb. am 19. Febr. 1856 in Wien, gab eine Reihe von Skizzen, Epigrammen, Novellen und Romanen heraus, die ein hübsches Talent auf humoristischem und satirischem Gebiete erkennen lassen.
Balduin Groller, geb. am 5. Sept. 1848 in Arad, gilt als der geistreiche Plauderer, der aus nichts eine schnurrige Geschichte zusammendrechselt. (»Wenn man jung ist«, »Zehn Geschichten«, »In den Tag hinein« u. a.)
Ferdinand Groß, geb. am 8. April 1849 in Wien, schrieb zahlreiche Skizzen, Novellen und Romane, die den liebenswürdigen Plauderer und Feuilletonisten der Wiener Schule erkennen lassen. (»Blätter im Winde«, »Litterarische Modelle«, »Zum Nachtisch«, »In Lachen und Lächeln«.)
Hermann Bahr, geb. am 19. Juli 1863 zu Linz, kann als der Typus eines Journalisten gelten, der in allen Sätteln reitet, in Rom und Madrid zu Hause ist und überall sein Weanertum mitbringt. Ein geistreicher, talentierter Kopf, der sich gern die Bühne erobern möchte, aber auch als Schriftsteller immer Journalist bleibt. Er schrieb Romane, litteraturgeschichtliche Abhandlungen und Theaterstücke, von denen »Die neuen Menschen«, »Die Mutter«, »Tschaperl« und »Der Athlet« die bemerkenswertesten sind.
Maximilian Harden (recte Witkowski), geb. am 20. Okt. 1861 in Berlin, Herausgeber der »Zukunft«, einer der gewandtesten und vielseitigsten Journalisten, veröffentlichte seine kritischen Aufsätze unter dem Titel: »Apostata« und »Theater und Litteratur«. (Vergl. Zur Charakteristik litterar. und verwandter Blätter.)
Die Industriellen.[4]
[4] Diese Rubrik, die ihrer Natur nach die umfangreichste des ganzen Werkchens darstellen müßte, wurde auf Veranlassung des Verlegers »als unerheblich« (?!) auf das »unbedingt Notwendige« beschränkt.
Gregor Samarow (Pseudon. für Oskar Meding), geb. am 11. April 1829 in Königsberg i. Pr., kultivierte besonders den sensationell gefärbten Zeitroman (»Scepter und Kronen«, »Europäische Minen und Gegenminen«, »Zwei Kaiserkronen« und Dutzend andere).
Dr. Alfred Friedmann, geb. am 26. Okt. 1845 in Frankfurt a. M., »ist seit 27 Jahren auf allen Gebieten erfolgreich thätig, seine Romane standen in der »Köln. Ztg.«, in »Westermanns Monatsheften«, »Nord und Süd«, »Berliner Tageblatt« etc., seine Gedichte in 3 Bänden gesammelt, standen überall. Zahlreiche Feuilletons trugen ihm Briefe bis aus Ostindien ein, Heyse, Geibel, Bodenstedt, Lingg etc. schrieben über den Dichter und waren ihm befreundet. F. war Redakteur in Wien, ist es in Berlin, reiste zu Kongressen und wurde von Reclam in 7 Bänden von je 8 Auflagen à 5000 Exemplare verlegt«.[5]
[5] Unverkürzt nach den eigenen Angaben des Dichters.