Realistische Erzähler.

Ernst von Wolzogen, geb. am 23. April 1855 in Breslau, ist einer der ungleichmäßig schaffenden Dichter. Seine Tragikomödie: »Das Lumpengesindel« ist noch immer sein bestes Werk. Einst erhoffte man vieles von dem Talent dieses fabulierenden Freiherrn, der die schöne Gabe des Humors besitzt und es versteht, seine Personen treffend zu charakterisieren, doch produziert er seit langem nur Unterhaltungslitteratur, wenn auch im besseren Sinne. Seine besten Romane sind »Die Kinder der Excellenz« (auch als Lustspiel bearbeitet), »Die tolle Komteß«, »Die Entgleisten«, »Der Kraftmayr«.

Konrad Telmann (recte Zitelmann), geb. 1854, gest. 1897, wurde durch körperliches Leiden zur Aufgabe seines Berufes gezwungen und lebte seit Jahren in Rom. T. hat eine außerordentlich große Anzahl von Werken hinterlassen und eine rastlose Thätigkeit entfaltet, die seiner Kunst nicht immer zum Vorteil gereichte. Er ist ein Übergangskünstler, der sich Friedrich Spielhagen zum Vorbild nahm und über ihn hinaus den realistischen Roman auszubauen und mit neuen, meist »interessanten« und exotischen Zügen auszustaffieren suchte. Zu seinen besten Romanen, von denen viele in der zweiten Heimat des Dichters, in Italien, spielen, zählen: »Vox populi«, »Unterm Strohdach«, »Unter römischem Himmel«, »Unter den Dolomiten«, »Götter und Götzen«, »Vom Stamme der Skariden«.

Alexander Baron von Roberts, geb. am 23. Aug. 1845 in Luxemburg, gest. 1896, zählte zu den besten Unterhaltungsschriftstellern, besonders in den Romanen, die das Militärleben zum Gegenstand haben. (»Es und Anderes«, »Götzendienst«, »Lou«, »Die schöne Helena«, »Schwiegertöchter« u. a.) Sein Drama »Satisfaktion« ging mehrfach mit Erfolg über die Bühne.

Georg von Ompteda, geb. am 29. März 1863 in Hannover, veröffentlichte (teilweise unter dem Pseudonym Georg Egestorff) »Von der Lebensstraße u. a. Gedichte«, sowie die Romane »Drohnen«, »Unter uns Junggesellen«, »Sylvester von Geyer« u. a., deren Stoff er vorzugsweise der deutschen Armee entnahm. Als Übersetzer machte er sich durch die Übertragung der Werke Guy de Maupassants bekannt.

Wilhelm von Polenz, geb. am 14. Januar 1861 in Ober-Cunewalde, debütierte mit dem Roman »Sühne« und ließ diesem dramatische und novellistische Arbeiten, sowie die Romane »Der Pfarrer von Breitendorf«, »Der Büttnerbauer«, »Der Grabenhäger« und »Wald« folgen, in denen er hauptsächlich brennende Zeitfragen des gutsherrlichen und bäuerischen Besitzstandes behandelt.

Adolf Schmitthenner, geb. am 24. Mai 1854 in Neckarbischofsheim, schrieb den Roman »Psyche« und »Novellen«, die eigenartige, fast »gewagte« Probleme zu lösen suchen und sich durch feine Seelenmalerei auszeichnen.

Karl von Perfall, geb. am 24. März 1851 in Landsberg a/Lech, behandelt in seinen Romanen gern moderne Probleme, ohne jedoch dem Naturalismus große Konzessionen zu machen. (»Vornehme Geister«, »Die Langsteiner«, »Die fromme Witwe«, »Sein Recht«.)

Anton von Perfall, geb. am 11. Dez. 1853 in Landsberg a/Lech, hat sich besonders durch seine Jagdgeschichten bekannt gemacht. Seine Romane »Die Krone«, »Sein Dämon«, »Die Sonne« tragen zum Teil realistisches Gepräge.

Oscar Mysing, geb. am 1. Nov. 1867 in Bremen, schrieb seine ersten Romane und Novellen, die zum größten Teile erotischer Natur sind (»Überreif«, »Moderne Liebe«), unter dem Pseudonym Otto Mora und ging später zur Familienblattlitteratur über. (»Die Bildungsmüden«, »Verfolgte Phantasie«, »Nach der Sündflut«, »Beresina«.)

Richard Nordhausen, geb. am 31. Januar 1868 in Berlin, war zuerst politisch thätig und schrieb dann eine Reihe Epen (»Joß Fritz der Landstreicher«, »Vestigia Leonis«, »Sonnenwende«), die sich durch farbenprächtige Schilderungen, glühende Leidenschaft und große Plastik auszeichnen. Mit dem Roman: »Die rote Tinktur« betrat N. die Pfade der Unterhaltungslitteratur.

J. J. David, geb. am 6. Febr. 1859 in Weißkirchen, schrieb Schauspiele, Gedichte, Erzählungen u. a., die ein eigenartiges, etwas widerborstiges Talent verraten. In seinen Werken »Höferecht«, »Blut«, »Hagars Sohn«, »Gedichte«, »Probleme«, »Ein Regentag« u. a. schildert er mit Vorliebe Menschen, die auf die Schattenseite des Lebens zu stehen kamen.

Felix Hollaender, geb. am 1. November 1867 in Leobschütz, debütierte mit dem Roman »Jesus und Judas«, denen sich die Berliner Romane: »Ellin Röte« und »Sturmwind im Westen« anschlossen. Mit Hans Land schrieb er »Die heilige Ehe«.

Heinz Tovote, geb. am 12. April 1861 in Hannover, suchte die Bahnen Maupassants zu wandeln, ohne jedoch auch nur annähernd sein Vorbild zu erreichen, mit dem er nur hinsichtlich der Pikanterie verglichen werden kann. Seine Romane und Novellen aus der Berliner Demimonde: »Im Liebesrausch«, »Fallobst«, »Frühlingssturm«, »Ich«, »Mutter«, »Das Ende vom Liede«, »Die rote Laterne« u. a. erlebten viele Auflagen.