Anhang.
System der Protisten.
Erste Classe des Protistenreiches.
1. Monera (HAECKEL) Urlinge.
Organismen ohne Organe. Der ganze Körper dieser einfachsten und niedrigsten Organismen besteht in vollkommen entwickeltem Zustande aus weiter nichts, als aus einem Stückchen Plasson oder »Urschleim«, einer eiweissartigen Verbindung, die noch nicht in Protoplasma und Nucleus differenzirt ist. Jedes Moner ist also eine Cytode, noch keine Zelle. Form meistens unbestimmt, mit wechselnden Fortsätzen. Bewegung bald durch Lappenfüsschen, bald durch Wurzelfüsschen, bald durch Flimmerfüsschen. Nahrungsaufnahme verschieden. Fortpflanzung ungeschlechtlich, durch Theilung, Knospung oder Sporenbildung. Leben im Wasser, meistens im Meere, auch parasitisch in anderen Organismen.
Erste Ordnung der Moneren:
Lobomonera (HAECKEL). Lappen-Urlinge. [Fig. 47].
Moneren von unbestimmter wechselnder Form, deren Bewegungen durch Lappenfüsschen (Lobopodia) geschehen: stumpfe, fingerförmige, meist unverästelte Fortsätze, wie bei den Amoeben.
Gattung: Protamoeba (Arten: P. primitiva, P. agilis etc.) [Fig. 47].
Zweite Ordnung der Moneren:
Rhizomonera (HAECKEL). Wurzel-Urlinge. [Fig. 48], [49].
Moneren von unbestimmter wechselnder Form, deren Bewegungen durch Wurzelfüsschen (Pseudopodia) geschehen: feine, lange, fadenförmige, meist verästelte und netzförmig sich verbindende Fortsätze, wie bei den Rhizopoden.
Gattungen: Protomyxa (aurantiaca) [Fig. 48]. Vampyrella (Spirogyrae). Bathybius (Haeckelii) [Fig. 49].
Dritte Ordnung der Moneren:
Tachymonera (HAECKEL). Geissel-Urlinge. [Fig. 50].
(Synonym: Schizomycetes. Spaltpilze. Bacterien.)
Moneren von bestimmter, meist, stabförmiger oder fadenförmiger Gestalt, deren zitternde oder schwingende lebhafte Bewegungen (wohl immer) durch äusserst feine Geisseln (Flagella) geschehen, wie bei den Geisselschwärmern (Flagellata). Fortpflanzung ungeschlechtlich, meistens durch Quertheilung. Erzeugen Zersetzung und Fäulniss in den organischen Flüssigkeiten, in denen sie leben. Wahrscheinlich die Ursachen vieler Krankheiten.
Gattungen: Bacterium (monas). Vibrio (lineola). Spirillum (tremulans). [Fig. 50].
Zweite Classe des Protistenreiches.
2. Lobosa (CARPENTER). Lappinge.
(Synonym: Amoebina. Infusoria rhizopoda. Protoplasta.)
Einzellige Organismen (selten Syncytien), deren Zellenleib bald nackt (Gymnolobosa), bald in einer verschieden gestalteten Schale theilweise verborgen (Thecolobosa) ist. Die Zellen bewegen sich durch Lappenfüsschen (Lobopodia): stumpfe, fingerförmige, meist unverästelte Fortsätze, die an verschiedenen Stellen der Oberfläche entstehen und vergehen. Die Nahrung wird durch diese Lappenfüsschen umflossen und in das Innere der Zelle hineingedrückt. Der Protoplasma-Leib der Zelle sondert sich häufig in eine helle, structurlose, festere Rindenschicht (Exoplasma) und eine trübe, feinkörnige, weichere Markschicht (Endoplasma). Oft enthält derselbe eine oder mehrere contractile Blasen (Vacuolen); bald beständig, bald unbeständig. Der Zellkern oder Nucleus ist meist einfach, selten mehrfach vorhanden. Fortpflanzung ungeschlechtlich, meist durch Theilung, seltener durch Knospung oder Sporenbildung. Die Lobosen leben meistens im Wasser, seltener in der Erde oder parasitisch in anderen Organismen.
Erste Ordnung der Lobosen:
Gymnolobosa (HAECKEL). Nackte Lappinge. [Fig. 1].
Lobosen mit nacktem, weichem Zellenleibe, ohne Schale.
Gattungen: Amoeba (princeps). Podostoma (filigerum). Petalopus (diffluens).
Zweite Ordnung der Lobosen:
Thecolobosa (HAECKEL). Beschalte Lappinge. [Fig. 5], [6].
(Synonym: Lepamoebae. Arcellinae. Amoebae cataphractae).
Lobosen mit einer Schale oder Zellmembran, von welcher der weiche Zellenleib theilweise bedeckt wird.
Gattungen: Arcella (vulgaris). Difflugia (oblonga), [Fig. 5]. Quadrula (symmetrica), [Fig. 6].
Dritte Classe des Protistenreiches.
3. Gregarinae (DUFOUR). Gregaringe.
Einzellige Organismen oder Ketten von wenigen, an einander gereihten Zellen, deren Leib von einer weichen, dicken, dehnbaren Haut allseitig umschlossen ist. Diese Zellmembran ist glatt, ohne Oeffnung, an einem Ende des Körpers oft mit hakenförmigen Haftapparaten versehen. Das Protoplasma ist sehr dehnbar und contractil, mit vielen Körnchen durchsetzt. Der Zellkern gross, meist ein helles kugeliges Bläschen, mit einem Nucleolus. Die wurmähnlichen Bewegungen der kriechenden Zellen geschehen durch Zusammenziehungen der (unmittelbar unter der Membran liegenden) Rindenschicht des Protoplasma, welche bisweilen in muskelähnliche Fäserchen differenzirt ist. Alle Gregarinen leben parasitisch im Darm oder in der Leibeshöhle (seltener in den Geweben) von Thieren (besonders von Würmern und Gliederthieren). Sie ernähren sich vom Safte dieser Wohnthiere, der durch die Membran der schmarotzenden Zellen in das Innere ihres Protoplasma hindurchschwitzt (Endosmose). Fortpflanzung ungeschlechtlich, durch Theilung oder durch Sporenbildung. Im letzteren Falle zieht sich eine einzelne Gregarine, oder mehrere mit einander verschmelzende Gregarinen, kugelig zusammen und umgeben sich mit einer Kapsel. Die Zellkerne verschwinden und das Protoplasma zerfällt in zahlreiche Keimzellen oder Sporen (Psorospermien, Pseudonavicellen). Später schlüpft aus jeder Spore ein Moner aus, welches sich durch Neubildung eines Nucleus in eine Amoebe verwandelt. Indem letztere sich mit einen Membran umhüllt, wird sie zur Gregarine.
Erste Ordnung der Gregarinen:
Monocystida (STEIN). Einzellige Gregaringe.
Gregarinen-Leib eine einfache Zelle, mit einem einzigen Kern.
Gattung: Monocystis (agilis). [Fig. 7].
Zweite Ordnung der Gregarinen:
Polycystida (HAECKEL). Vielzellige Gregaringe.
Gregarinen-Leib eine Kette von zwei oder drei (selten mehr) an einander gereihten Zellen, jede Zelle mit einem Kern.
Gattung: Didymophyes (paradoxa).
Vierte Classe des Protistenreiches.
4. Flagellata (EHRENBERG). Geisslinge.
(Synonym: Mastigaria. Geisselschwärmer. Geissel-Infusorien.)
Einzellige Organismen, seltener Coenobien oder Zellenhorden: Gemeinden von mehreren oder vielen locker verbundenen Zellen. Bewegen sich durch Geisseln (Flagella), einen langen, fadenförmigen Fortsatz (oder mehreren, an einem Punkte befestigten) des Protoplasma, welche hin und her schwingen, wie eine Peitsche. Zellenleib bald nackt, bald von einer Hülle umschlossen, aus deren Oeffnung die schwingende Geissel vortritt. Selten sind die Flagellaten auf Gegenständen im Wasser festgewachsen, meistens schwimmen sie frei umher. Bei vielen wechseln ruhende und bewegliche Zustände mit einander ab; und dann geschieht die Vermehrung meist während des Ruhezustandes, durch Theilung. Nahrungsaufnahme bald durch Aufsaugung (Endosmose), bald durch einen Zellmund (Cytostoma). Vermehrung ungeschlechtlich, meist durch Theilung, seltener durch Knospung oder Sporenbildung. Bei einigen (Volvocinen) Anfänge geschlechtlicher Sonderung.
Erste Ordnung der Flagellaten:
Nudoflagellata (HAECKEL). Nackt-Geissler. [Fig. 8].
Geisslinge mit nacktem Zellenleibe, ohne Wimperkranz.
Gattungen: Euglena (viridis). Astasia (haematodes). Phacus (longicauda, [Fig. 8]).
Zweite Ordnung der Flagellaten:
Thecoflagellata (HAECKEL). Hüll-Geissler. [Fig. 10].
Geisslinge, ohne Wimperkranz, deren Zellenleib von einer Hülle oder Schale umschlossen ist. Die Geisseln treten aus einer Oeffnung der Schale hervor. Oft ist die Schale auf einem sitzenden Stiele angeheftet.
Gattungen: Salpingoeca (marina). Dinobryon (sertularia).
Dritte Ordnung der Flagellaten:
Cilioflagellata (J. MÜLLER). Wimper-Geissler. [Fig. 9].
Geisslinge mit einem Kranze von kurzen Wimpern um die Mitte des Zellenleibes, welcher von einer zweiklappigen Schale umschlossen ist. Zwischen beiden Schalenhälften tritt frei die lange Geissel und der Wimperkranz vor.
Gattungen: Peridinium (oculatum) Ceratium (tripus) [Fig. 9].
Vierte Ordnung der Flagellaten:
Cystoflagellata (HAECKEL). Blasen-Geissler. [Fig. 11].
Geisslinge ohne Wimperkranz, mit grossem, blasenförmigen Zellenleibe, welcher ausser der Geissel einen eigenthümlichen Peitschen-Anhang und einen stabförmigen Körper im Innern besitzt.
Gattungen: Noctiluca (miliaris) [Fig. 11]. Leptodiscus (medusoides).
Fünfte Classe des Protistenreiches.
5. Catallacta (HAECKEL). Mittlinge.
Einzellige Organismen, welche eine Zeitlang zu einer Zellenhorde (Coenobium) vereinigt sind, später isolirt leben. Die Zellenhorden oder Coenobien sind schwimmende Gallertkugeln, zusammengesetzt aus zahlreichen Zellen, welche im Centrum der Kugel durch Fortsätze vereinigt sind, während an der Oberfläche die schwingenden Flimmerhaare vortreten. Die Einsiedler-Zellen (Monocyten), welche durch Zerfall der Coenobien entstehen, bewegen sich anfangs schwimmend, gleich Flagellaten umher; dann verwandeln sie sich in kriechende Amoeben-ähnliche Zellen; schliesslich ziehen sie sich kugelig zusammen und kapseln sich ein. Innerhalb dieses Ruhezustandes entsteht durch wiederholte Theilung der Zelle ein neues kugelförmiges Coenobium, welches die Hülle durchbricht und frei umherschwimmt. Diese ungeschlechtliche Fortpflanzung erinnert an die Eifurchung der Thiere. Die Catallacten leben theils im Meere, theils im Süsswasser.
Gattungen: Magosphaera (planula) [Fig. 46]. Synura (uvella).
Sechste Classe des Protistenreiches.
6. Ciliata (J. MÜLLER). Wimperlinge.
(Synonym: Infusionsthierchen oder Infusoria im engsten Sinne).
Einzellige Organismen, sehr selten Zellhorden oder Coenobien, welche aus mehreren, locker verbundenen Zellen zusammengesetzt sind. Bewegung durch zahlreiche kurze Wimpern (Cilia). Zellenleib meistens nackt, seltener von einer Hülle oder Schale theilweise umschlossen. Der Protoplasma-Leib der Zelle sondert sich meist in eine helle, festere, hyaline Rindenschicht (Exoplasma) und eine trübe, feinkörnige, weichere Markschicht (Endoplasma). Aus der Rindenschicht treten stets zahlreiche kurze Wimperhärchen oder Cilien hervor, welche lebhaft und willkürlich bewegt werden. Meistens laufen oder schwimmen die Wimperthierchen rasch umher mittelst der Bewegungen ihrer Wimpern; bei festsitzenden dienen letztere dazu, durch den im Wasser erzeugten Strudel stets frisches Wasser und Nahrung dem Zellmunde zuzuführen. Der Zellmund (Cytostoma) ist eine constante Oeffnung in der Rindenschicht und lässt verschluckte Bissen in die innere weichere Markmasse des Zellenleibes eintreten, wo sie verdaut werden. An der Innenfläche der Rindenschicht liegt eine contractile Blase (eine constante Vacuole), welche meistens durch einen kurzen Kanal nach aussen zu münden scheint. Der Zellkern ist gross, verschieden gestaltet, meistens einfach, sehr selten mehrfach. Die Fortpflanzung geschieht meistens ungeschlechtlich, durch Theilung (Quertheilung oder Längstheilung), seltener durch Knospung. Wie weit ausserdem Fortpflanzung durch Sporenbildung (oder vielleicht durch geschlechtliche Zeugung einfachster Art), verbunden mit Conjugation, in dieser Classe verbreitet ist, erscheint noch nicht sicher festgestellt. Die Classe der Wimperthierchen oder Wimperlinge ist sehr umfangreich und überall im Süsswasser und Meere verbreitet.
Erste Ordnung der Ciliaten.
Holotricha (STEIN). Ueberall behaarte Wimperlinge.
Die ganze Oberfläche des Zellenleibes gleichmässig mit kurzen feinen Wimperhärchen bedeckt.
Gattungen: Glaucoma (scintillans). Paramecium (aurelia). Trachelius (ovum). Prorodon (teres) [Fig. 15].
Zweite Ordnung der Ciliaten.
Heterotricha (STEIN). Verschieden behaarte Wimperlinge.
Die ganze Oberfläche des Zellenleibes gleichmässig mit kurzen feinen Wimperhärchen bedeckt; ausserdem noch ein Kranz oder Gürtel von stärkeren und grösseren Wimpern (Griffeln oder Borsten) um den Zellmund herum.
Gattungen: Bursaria (truncatella). Stentor (polymorphus) [Fig. 12]. Freia (elegans) [Fig. 14]. Spirustomum (teres).
Dritte Ordnung der Ciliaten:
Hypotricha (STEIN). Unterseits behaarte Wimperlinge.
Zellenleib blattförmig zusammengedrückt, an der oberen (oder Rücken-) Seite nackt, an der unteren (oder Bauch-) Seite mit kleineren und grösseren Wimpern bedeckt.
Gattungen: Chilodon (cucullulus). Euplotes (charon). Oxytricha (pellionella). Aspidisca (costata).
Vierte Ordnung der Ciliaten:
Peritricha (STEIN). Ringförmig behaarte Wimperlinge.
Zellenleib drehrund, grösstentheils nackt, nur mit einem Gürtel (seltener zwei Gürteln) von Wimperhaaren versehen.
Gattungen: Dictyocysta (templum). Ophrydium (versatile). Trichodina (pediculus). Vorticella (campanula).
Siebente Classe des Protistenreiches:
7. Acinetae (EHRENBERG). Starrlinge.
(Synonym: Infusoria suctoria. Saug-Infusorien.)
Einzellige Organismen, seltener Zellenhorden (Coenobia) oder Zellenfusionen (Syncytia), welche aus mehreren, locker oder enger verbundenen Zellen zusammengesetzt sind. Zellenleib von einer Membran oder Kapsel umschlossen, durch welche sehr feine, zerstreute oder büschelförmig vereinigte Saugröhren hervortreten. Mittelst dieser borstenförmigen, am freien Ende mit einem Saugnäpfchen oder Knöpfchen versehenen Saugröhren heften sich die Acineten an Ciliaten und anderen Protisten an und saugen deren Protoplasma aus (ähnlich wie die Vampyrellen unter den Moneren). Im Innern des Protoplasma findet sich neben dem Zellkern oft eine contractile Blase (Vacuole). Fortpflanzung ungeschlechtlich, bald durch Theilung, bald durch Knospung, bald durch Schwärmsporen. Letztere entstehen im Innern des Zellenleibes, durchbrechen denselben und schwimmen mittelst feiner Wimperhärchen umher, zwischen welchen feinste Saugröhrchen sitzen. Die Acineten leben sowohl im süssen Wasser als im Meere, und sitzen meistens unbeweglich auf Stielen fest; seltener schwimmen sie frei umher.
Erste Ordnung:
Monacinetae (HAECKEL). Einzel-Starrlinge. [Fig. 16], [17].
Einzellige Acineten, deren einfacher Zellenleib nur einen einzigen Kern enthält.
Gattungen: Podophrya (Cyclopum). Acinetella (mystacina).
Zweite Ordnung:
Synacinetae (HAECKEL). Horden-Starrlinge.
Mehrzellige Acineten, deren verästelter Zellenleib mehrere Kerne enthält.
Gattungen: Dendrosoma (radians).
Achte Classe des Protistenreiches.
8. Labyrinthuleae (CIENKOWSKI). Labyrinthinge.
Zellenhorden (Coenobia), welche aus zahlreichen gleichartigen, beweglichen Zellen locker zusammengesetzt sind. Die Zellen sind meistens spindelförmig, umschliessen einen Kern und können ihre Gestalt ändern. Sie leben in grossen Haufen gesellig beisammen, und bewegen sich in eigenthümlicher, noch unerklärter Weise rutschend oder gleitend umher (ähnlich manchen Diatomeen). Die Bewegung geschieht nicht frei im Wasser, sondern ausschliesslich in einer eigenthümlichen Fadenbahn (Linodium), einem Gerüste von starren, baumförmig verästelten und netzförmig verbundenen Fäden. Diese Fäden besitzen faserige Structur und werden von den wandernden Zellen ausgeschieden. Auf den mannigfachsten Umwegen gleiten die Spindelzellen in der Fadenbahn umher, sammeln sich später in Haufen und kapseln sich ein. Bei dieser Encystirung erhält jede Zelle eine Membran, und die ganze gesammelte Horde eine Rindenkapsel. In jeder einzelnen Zelle entstehen später vier junge Zellen (Tetrasporen). Die Labyrinthuleen leben im Meere.
Gattung: Labyrinthula. (Arten: L. vitellina. L. macrocystis.)
Neunte Klasse des Protistenreiches.
9. Bacillariae. Schachtlinge.
(Synonym: Diatomeae. Diatomaceae. Stabthierchen.)
Einzellige Organismen oder Zellenhorden (Coenobia); lockere Gesellschaften von mehreren Zellen, welche in Gallertmassen oder auf gemeinsamen, verzweigten Stielen vereinigt sind. Der Zellenleib ist stets von einer zweiklappigen Kieselschale umschlossen, deren beide Hälften so ineinander geschoben sind, wie eine Schachtel und ihr Deckel. Meistens bewegen sich die Zellen rutschend oder schwimmend umher, wahrscheinlich mittelst eines äusserst feinen Wimperkranzes, welcher in dem engen Spalte zwischen der Schachtel und ihrem Deckel frei vortritt. Ernährung und Stoffwechsel wie bei den einzelligen Algen. Fortpflanzung ungeschlechtlich, durch Theilung. Im Beginn der Theilung schieben sich die beiden Klappen der schachtelähnlichen Kieselschalen auseinander; der Kern theilt sich in zwei auseinander weichende Hälften, ebenso das Protoplasma. Darauf bildet sich jede Tochterzelle eine neue Schalenhälfte zu der alten Hälfte, die den Schachteldeckel bildet. Die so entstehenden Generationen werden fortgesetzt immer kleiner, bis zuletzt eine Generation (von Auxosporen) entsteht, welche die ganze Kieselschale abwirft, mächtig wächst und dann eine neue Kieselschale erster Grösse bildet. Die Diatomeen oder Bacillarien leben in zahllosen, zierlichen Formen überall im Meere und im Süsswasser.
Erste Ordnung der Bacillarien:
Naviculatae (EHRENBERG). Kahn-Schachtlinge. F[ig. 45].
Gattungen: Navicula (gracilis). Cocconeis (placentula).
Zweite Ordnung der Bacillarien:
Echinellatae (EHRENBERG). Palm-Schachtlinge.
Gattungen: Cocconema (cistula). Achnanthes (longipes).
Dritte Ordnung der Bacillarien:
Lacernatae (EHRENBERG). Gallert-Schachtlinge.
Gattungen: Frustulia (salina). Gloeonema (paradoxum).
Zehnte Klasse des Protistenreiches.
10. Fungi (LINNE.). Pilze.
Polyplastide (sehr selten monoplastide) Organismen, deren Körper nicht aus echten (kernhaltigen) Zellen, sondern aus fadenförmigen (kernlosen) Cytoden zusammengesetzt ist (Hyphen). Diese Fadenschläuche oder Hyphen bilden durch seitliche Sprossung und quere Gliederung der Aeste ein vielfach verzweigtes Faden-Geflecht (Mycelium), welches parasitisch in oder auf anderen Organismen (oder von deren Zersetzungs-Producten) lebt. Später entwickelt sich aus diesem Mycelium ein ansehnlicher, höchst mannigfaltig gebauter Fruchtkörper (Stroma), welcher an bestimmten Stellen ein Sporenlager (Hymenium) bildet. In letzterem entstehen die Keimzellen oder Sporen meistens ungeschlechtlich, selten geschlechtlich (in Folge eines eigenthümlichen Befruchtungs-Vorganges). Der Stoffwechsel der Pilze ist thierisch, nicht pflanzlich. Niemals bilden die Pilze Chlorophyll und Amylum, wie die echten Pflanzen. Nirgends findet sich im Pilzkörper ein Zellkern, wie er in den Zellen aller echten Thiere und Pflanzen überall vorkommt.
Erste Ordnung der Pilze:
Phycomycetes. Tangpilze.
Gattungen: Mucor (mucedo). Penicillium (glaucum).
Zweite Ordnung der Pilze:
Coniomycetes. Rostpilze.
Gattungen: Ustilago (segetum). Puccinia (graminis).
Dritte Ordnung der Pilze:
Ascomycetes. Schlauchpilze.
Gattungen: Morchella (esculenta). Claviceps (purpurea).
Vierte Ordnung der Pilze:
Gastromycetes. Bauchpilze.
Gattungen: Lycoperdon (bovista). Phallus (impudicus).
Fünfte Ordnung der Pilze:
Hymenomycetes. Hutpilze.
Gattungen: Agaricus (campestris). Boletus (laricis). [Fig. 44].
Elfte Classe des Protistenreiches.
11. Myxomycetes (WALLROTH). Netzinge.
(Synonym: Mycetozoa. Myxogasteres. Schleimpilze.)
Organismen, welche in vollkommen entwickeltem und frei beweglichem Zustande ein Plasmodium darstellen: einen formlosen Protoplasmakörper, welcher aus vielen verschmolzenen Zellen zusammengesetzt ist, deren Kerne sich aufgelöst haben. Dieses Plasmodium kriecht frei umher, gleich einem colossalen Rhizopoden, und bildet ausgedehnte netzförmige Körper, indem an der Oberfläche formwechselnde, unbeständige Scheinfüsse (Pseudopodia) hervortreten, deren Aeste an den Berührungsstellen zusammenfliessen. Die Plasmodien ernähren sich von organischen Körpern ebenso wie die echten Rhizopoden (Thalamophoren) und Radiolarien. Nach vollendetem Wachsthum zieht sich das Plasmodium auf einen rundlichen Klumpen zusammen und verwandelt sich in einen blasenförmigen Fruchtkörper (Sporocystis). Diese Sporenblase ist von einer festen, structurlosen Haut allseitig umschlossen. Innerhalb derselben zerfällt das Protoplasma in zahllose kleine Keimzellen (Sporae), zwischen welchen sich meistens ein Geflecht von haarfeinen Fäden entwickelt (Capillitium). Später platzen die Fruchtkörper und die Sporen werden frei. Aus der Hülle einer jeden Spore schlüpft eine amoebenartige, kernhaltige Zelle aus. Diese Amoeben verwandeln sich in Flagellaten, indem an einem Ende eine schwingende Geissel vortritt. So schwimmen sie als »Schwärmsporen« umher, vermehren sich durch Theilung und gehen dann wieder in amoebenähnliche Zellen über, welche umherkriechen. Durch Zusammenfliessen vieler solcher Amoeben entstehen die Plasmodien. Diese leben schmarotzend auf verwesenden Pflanzen (faulen Blättern etc.).
Erste Ordnung der Myxomyceten:
Physareae. Physareen.
Gattungen: Physarum (albipes). Aethalium (septicum). [Fig. 42], [43].
Zweite Ordnung der Myxomyceten:
Stemoniteae. Stemoniteen.
Gattungen: Stemonitis (typhoides). Diachea (elegans).
Dritte Ordnung der Myxomyceten:
Trichiaceae. Trichiaceen.
Gattungen: Licea (serpula). Arcyria (lateritia).
Vierte Ordnung der Myxomyceten:
Lycogaleae. Lycogaleen.
Gattungen: Lycogala (epidendron). Reticularia (maxima).
Zwölfte Classe des Protistenreiches.
12. Thalamophora (HERTWIG). Kammerlinge.
(Synonym: Acyttaria. Reticularia. Rhizopoda.)
Organismen, welche in entwickeltem Zustande ein Syncytium darstellen, einen beweglichen Protoplasma-Körper, der viele Zellkerne enthält; selten ist der Körper einzellig und enthält nur einen Kern. Von der Oberfläche des Protoplasma strahlen sehr zahlreiche und feine Scheinfüsschen (Pseudopodia) aus: dünne Fäden, welche sich verästeln und an den Berührungsstellen netzförmig verschmelzen. Diese Pseudopodien dienen sowohl zur Ortsbewegung und zur Empfindung, wie zur Ernährung, indem die Acyttarien fremde organische Körperchen mittelst derselben in ihr Inneres einziehen und dort auflösen. Stets ist das Syncytium von einer Schale umschlossen, die äusserst vielgestaltig ist. Die Pseudopodien treten entweder aus einer einzigen grösseren Oeffnung der Schale hervor (Imperforata), oder aus zahlreichen feinen Sieblöchern der Schale (Foraminifera). Meist besteht die Schale aus kohlensaurem Kalk, seltener aus Kieselerde oder aus einer organischen Substanz. Die Fortpflanzung erfolgt ungeschlechtlich, selten durch Theilung oder Knospung, meistens durch Sporenbildung. Die meisten Acyttarien leben im Meere, einige im süssen Wasser; die meisten kriechen auf dem Boden, wenige schwimmen an der Oberfläche; nur einzelne sitzen auf einem Stiele fest.
Erste Ordnung der Thalamophoren:
Monostegia (D’ORB.). Dichtschalige Einkammerlinge. [Fig. 19].
Schale einkammerig, dicht, nicht siebförmig durchlöchert, nur mit einer einzigen grösseren Oeffnung an einem Pole der Axe, selten mit zwei grösseren Oeffnungen, an beiden entgegengesetzten Polen derselben. (Imperforata monostegia).
Gattungen: Gromia (oviformis) [Fig. 19]. Lagynis (baltica). Squamulina (laevis). Cornuspira (planorbis).
Zweite Ordnung der Thalamophoren:
Polystegia (HAECKEL). Dichtschalige Vielkammerlinge.
Schale vielkammerig, dicht, nicht siebförmig durchlöchert, mit einer einzigen grossen Oeffnung, am Ende der jüngsten Kammer. (Imperforata polystegia).
Gattungen: Miliola (cyclostoma). Peneroplis (dendritina). Lituola (nautiloides). Parkeria (ingens).
Dritte Ordnung der Thalamophoren:
Monothalamia (M. SCHULTZE). Siebschalige Einkammerlinge.
Schale einkammerig, siebförmig von zahlreichen feinen Löchern durchbrochen, ausserdem meist eine grosse Oeffnung an einem Pole der Längsaxe. (Foraminifera monothalamia).
Gattungen: Orbulina (universa). Entosolenia (globosa). Lagena (vulgaris).
Vierte Ordnung der Thalamophoren:
Polythalamia (BREYN). Siebschalige Vielkammerlinge. [Fig. 20–24].
Schale vielkammerig, siebförmig von zahlreichen feinen Löchern durchbrochen, ausserdem oft eine grosse Oeffnung am Ende der jüngsten Kammer. (Foraminifera polythalamia).
Gattungen: Nodosaria (radicula). Rotalia (veneta). Globigerina (bulloides). Textularia (variabilis). Alveolina (vulgaris). Nummulites (lentiformis).
Dreizehnte Klasse des Protistenreiches.
13. Heliozoa (HAECKEL). Sonnlinge.
Organismen, welche in entwickeltem Zustande bald eine einzige kugelige Zelle, bald ein kugeliges Syncytium darstellen, welches aus mehreren verschmolzenen Zellen besteht. Im ersteren Falle ist ein einziger Zellkern, im letzteren mehrere Kerne im Innern der Protaplasma-Kugel eingeschlossen. Letztere ist in eine feinkernige innere Markmasse (Endoplasma) und eine schaumige äussere Rindenschicht (Exoplasma) gesondert. Das Protaplasma der Rindenschicht bildet Vacuolen (oder vergängliche, contractile Wasserbläschen). Von seiner Oberfläche strahlen rings zahlreiche haarfeine Fäden aus, die gewöhnlich einfach, nicht verästelt, ziemlich starr sind und wenig Neigung zur Verschmelzung besitzen. Bald ist der Körper ganz weich und nackt; bald bildet er ein festes Skelet, welches aus vielen zerstreuten Nadeln (Spicula) zusammengesetzt ist, oder eine Gitterschale darstellt. Meistens schweben die Heliozoen frei im Wasser; seltener sind sie festgewachsen.
Fortpflanzung ungeschlechtlich, bald durch Theilung, bald durch Sporenbildung. Die Heliozoen leben sowohl im süssen Wasser, als im Meere.
Erste Ordnung der Heliozoen:
Aphrothoraca (HAECKEL). Nackte Sonnlinge. [Fig. 40], [41].
Nackte Heliozoen, mit weichem, schaumigem Körper, ohne Skelet.
Gattungen: Actinophrys (sol). Actinosphaerium (Eichhornii).
Zweite Ordnung der Heliozoen:
Chalarothoraca (HERTWIG). Bestachelte Sonnlinge.
Heliozoen mit einem Skelet, welches aus Spicula oder zerstreuten Stäbchen (radialen Stacheln oder tangentialen Nadeln) zusammengesetzt ist.
Gattungen: Acanthocystis (spinifera). Heterophrys (marina).
Dritte Ordnung der Heliozoen:
Desmothoraca (HERTWIG). Beschalte Sonnlinge.
Heliozoen mit einem Skelet, welches eine kugelige, von Löchern durchbrochene Schale bildet.
Gattungen: Hedriocystis (pellucida). Hyalolampe (fenestrata).
Vierzehnte Classe des Protistenreiches.
14. Radiolaria (J. MÜLLER). Strahlinge.
Organismen, welche in entwickeltem Zustande aus zwei verschiedenen Haupttheilen bestehen, einer inneren, festen, mit Zellen gefüllten Central-Kapsel (Capsula centralis) und einem äusseren Syncytium, einer Protoplasma-Masse, welche die erstere allseitig umgiebt, und von welcher ausserdem zahlreiche Scheinfüsschen oder Pseudopodien ausstrahlen; letztere verhalten sich ganz wie diejenigen der Acyttarien. Der wesentliche Unterschied von den letzteren besteht in der stets vorhandenen Centralkapsel; diese ist der Sporenblase der Myxomyceten vergleichbar und stellt einen Fruchtkörper (Sporangium) dar, indem ihr gesammter Inhalt sich in Keimzellen (Sporae) verwandelt. Ausserhalb der Centralkapsel finden sich meist noch eigenthümliche gelbe Zellen, welche Stärkemehl enthalten. Nur wenige Radiolarien sind weich und nackt; die meisten besitzen ein Skelet, welches aus Nadeln (Spicula), einem Balkengeflecht oder einer Schale besteht; diese ist meistens aus Kieselerde gebildet, von äusserst mannigfaltigen und zierlichen Formen. Die Ernährung der Radiolarien geschieht wie bei den Acyttarien durch die Pseudopodien. Die Fortpflanzung erfolgt ungeschlechtlich, selten durch Theilung, meistens durch Sporenbildung. Die Sporen, welche innerhalb der Centralkapsel entstehen und aus dieser ausschwärmen, sind mit Geisseln versehene Schwärmsporen. Alle Radiolarien leben im Meere und schweben theils an der Oberfläche, theils in verschiedenen Tiefen.
Erste Ordnung der Radiolarien:
Pancollae (HAECKEL). Gallert-Strahlinge. [Fig. 26].
Radiolarien ohne Skelet, oder mit einem Skelet, welches bloss aus zerstreuten soliden Nadeln zusammengesetzt ist.
Gattungen: Thalassicolla (nucleata). Collozoum (inerme). Thalassosphaera (bifurca). Sphaerozoum (punctatum).
Zweite Ordnung der Radiolarien:
Panacanthae (HAECKEL). Stachel-Strahlinge. [Fig. 32], [33].
Skelet besteht aus radialen soliden Stacheln, welche im Mittelpunkt der Central-Kapsel in einander gestemmt, locker verbunden oder verwachsen sind. (Acanthometrida s. a.)
Gattungen: Acanthometra (Mülleri). Dorataspis (bipennis).
Dritte Ordnung der Radiolarien:
Pansoleniae (HAECKEL). Röhren-Strahlinge.
Skelet besteht aus einzelnen hohlen Röhren, welche bald locker zerstreut, bald in radialer oder concentrischer Anordnung verbunden sind.
Gattungen: Aulacantha (scolymantha). Aulosphaera (trigonopa). Coelodendrum (gracillimum).
Vierte Ordnung der Radiolarien:
Plegmideae (HAECKEL). Schwamm-Strahlinge. [Fig. 34].
Skelet besteht aus einem lockeren oder dichteren Geflecht von feinen Kieselstäbchen, welche ohne bestimmte Anordnung (schwammähnlich) verbunden sind. (Wachsthum vielseitig).
Gattungen: Acanthodesmia (vinculata). Spongurus (cylindricus). Spongodiscus (mediterraneus). Spongasteriscus (quadricornis).
Fünfte Ordnung der Radiolarien:
Sphaerideae (HAECKEL). Kugel-Strahlinge. [Fig. 25], [29], [30].
Skelet besteht aus einer einzigen Gitterkugel oder aus mehreren concentrischen Gitterkugeln, welche durch radiale Stäbe verbunden sind. (Wachsthum radial).
Gattungen: Ethmosphaera (siphonophora). Collosphaera (Huxleyi). Cladococcus (cervicornis). Haliomma (castanea). Actinomma (drymodes).
Sechste Ordnung der Radiolarien:
Discideae (HAECKEL). Scheiben-Strahlinge. [Fig. 37].
Skelet scheibenförmig, aus zwei parallelen Siebplatten zusammengesetzt, zwischen welchen durch Kreuzung von concentrischen und radialen Gitterstäben zahlreiche kleine Kammern gebildet werden. (Wachsthum concentrisch).
Gattungen: Trematodiscus (sorites). Euchitonia (Mülleri). Coccodiscus (Darwinii). Astromma (Aristotelis).
Siebente Ordnung der Radiolarien:
Cyrtideae (HAECKEL). Kegel-Strahlinge. [Fig. 35], [36].
Skelet eine Gitterschale, welche durch eine Hauptaxe mit zwei verschiedenen Polen charakterisirt ist. Grundform daher kegelförmig. Durch ringförmige Einschnürungen ist die Schale oft in mehrere, hinter oder neben einander liegende Kammern abgetheilt. (Wachsthum unipolar).
Gattungen: Cyrtocalpis (amphora). Petalospyris (arachnoides). Eucecryphalus (Gegenbauri). Eucyrtidium (lagena). Botryocampe (hexathalamia).
Druck von Hüthel & Herrmann in Leipzig.