Litterarische Wettprüfungen.

Ein höheres Ziel, als litterarische Ehren und Würden zu erlangen, giebt es in China nicht, und gerade so wie vor anderthalbtausend Jahren führt auch heute noch nur ein Weg zu diesem Ziele: die Wettprüfung. Niemand, der eine solche Prüfung nicht bestanden hat, kann, wenigstens dem Wortlaut des Gesetzes nach, Mandarin, Beamter, Minister, Gesandter werden. Und selbst falls er einen solchen Posten nicht erreichen sollte, bleibt er doch der angesehenste Mann in seinem Orte, er ist vor dem Gerichte von Körperstrafen befreit, er braucht vor dem Richter nicht zu knien und mit der Stirne die Erde zu berühren wie das gewöhnliche Volk, und gerade so wie der Edelmann in Europa über der Thür seines Palastes das Wappen seiner Väter anbringt, so hängt derjenige, der in China die Prüfungen überstanden hat, eine große Tafel mit seinem von ihm selbst erworbenen litterarischen Titel über seine Hausthür.

Gymnasien, Universitäten, Kollegs, überhaupt Unterrichtsanstalten wie in Europa, sind in China nur in wenigen Hauptstädten in sehr beschränkter Zahl vorhanden und überdies Schöpfungen der neuesten Zeit. Im Inlande treten an ihre Stelle Privatschulen. In diesen werden die Kinder vom zarten Alter an in die Lehren des Confucius und Mencius eingeweiht, dort lernen sie ein paar tausend chinesischer Schriftzeichen lesen und auf Papier malen, dort führt sie der Privatlehrer in die Feinheiten des chinesischen Stils und die chinesische Kalligraphie ein. Geographie, Geschichte, Religion, praktische Wissenschaften sind unbekannte Unterrichtsgegenstände. Eine höhere chinesische Schule ist etwa mit einem europäischen Gymnasium vergleichbar, in welchem vom ersten bis zum letzten Jahre nichts anderes gelehrt würde als die griechischen Klassiker in der Ursprache. Derjenige, der sie am besten auswendig herzusagen und zu erklären weiß, wird in den Staatsdienst aufgenommen.

Glaubt ein Chinese, daß er die vor Tausenden von Jahren geschriebenen Sieben heiligen Bücher hinreichend meistert, so kann er sich zu den öffentlichen Prüfungen melden, welche zweimal in je drei Jahren in der Hauptstadt seines Distriktes abgehalten werden. Alt und jung wird zugelassen, und es kommt häufig vor, daß Großvater, Vater und Sohn gleichzeitig als Prüfungskandidaten in den Wettkampf treten. Die von der Provinzregierung ernannten Examinatoren prüfen die schriftlichen Arbeiten. Diejenigen Kandidaten, welche die besten Arbeiten geliefert haben, gewöhnlich ein Zehntel der ganzen Zahl, erhalten den vielbegehrten Knopf auf ihren Hut und den offiziellen Titel Siu-tz-ai, d. h. Knospendes Genie.

Aber das ist nur die erste und niedrigste Stufe zum chinesischen Parnaß, eine notwendige Vorbedingung, um als Kandidat zu den Prüfungen in der Provinzhauptstadt zugelassen zu werden, welche alle drei Jahre einmal, gewöhnlich im September, abgehalten werden. Die Examinatoren sind Mitglieder der Hanlinakademie in Peking, dieser chinesischen Akademie der Wissenschaften, und werden vom Kaiser ernannt. Außerdem wohnen der Vicegouverneur der Provinz und die hervorragendsten Mandarine denselben bei.

Den Besuchern der chinesischen Provinzhauptstädte, vor allem der Städte Canton, Hangtschau und Nanking, werden gewöhnlich die großen Prüfungshallen gezeigt, in welchen diese Wettprüfungen stattfinden. Woher der Name Prüfungshalle stammt, kann ich mir nicht recht erklären, denn als ich, geführt von meinem Dragoman, jene von Canton betrat, glaubte ich mich eher in einem Viehpark zu befinden, wie ich sie rings um die großen Schlachthäuser von Chicago gesehen habe, als in dem Versammlungsort der Gelehrtenwelt der Provinz Kwantung: eine ebene, mit Gras und Unkraut überwucherte Fläche von etwa sechzehn Morgen Ausdehnung, eingeschlossen von einer hohen alten Mauer. Ein breiter, schlecht gepflasterter Weg führt von einem Thore quer über diesen Platz zu dem gegenüberliegenden Thore und teilt ihn in zwei gleiche Hälften. Von diesem Mittelweg zweigen sich auf beiden Seiten in Abständen von etwa fünf zu fünf Schritten niedrige, stallartige Gebäude ab, welche bis an die Umfassungsmauer reichen. Die Breite dieser sonderbaren langen Gebäude beträgt kaum drei Schritte, die restlichen zwei Schritte entfallen auf die engen Gänge oder Gäßchen zwischen ihnen. Auf der einen Seite zeigt jedes Gebäude etwa hundert kleine Thüröffnungen, die andere wird durch eine kahle Mauer gebildet, die weder Fenster noch Thüren hat. Von einer Halle ist nichts zu sehen. Verwundert erkundigte ich mich nach dem Zweck dieser anscheinenden Stallungen. Mein Dragoman ließ mich durch eine der vielen kleinen Thüröffnungen treten. Ich befand mich in einem kahlen, gemauerten Raume, der das Aussehen und die Größe zwischen einem Schilderhaus und einem Schweinestall haben mochte. Thüre, Fenster, Einrichtung waren nicht vorhanden. Nahe beim Thüreingang und an der gegenüberliegenden Mauer bemerkte ich horizontale Einschnitte. Der Boden starrte vor Schmutz, und bei meinem Eintritt raschelten Eidechsen davon. Kellerasseln und anderes Ungeziefer verschwanden in den Rissen und Sprüngen der Mauer. Genau so sahen auch alle anderen dieser kerkerartigen Räume aus. Jeder zeigte über der Thüröffnung eine Nummer, und ebenso trug auch jedes Gäßchen eine Bezeichnung.

Als wir dieses Labyrinth von Tausenden von Kammern durchschritten hatten, gelangten wir durch das jenseitige Thor in einen kleineren Hof, in welchem sich einige andere niedrige Gebäude, aber mit größeren Räumlichkeiten, befanden. Das war alles. Nirgends war eine Spur von Leben. All diese Räume waren öde und verlassen. Nur an der großen Eingangspforte lungerten einige Wächter und Soldaten umher.

Aber wie anders ist das Bild dieser Prüfungshalle alle drei Jahre während der Septemberprüfungen! Fünfzehn- bis zwanzigtausend Menschen, vielleicht noch mehr, drängen sich dann innerhalb der Umfassungsmauern zusammen, und die Aufmerksamkeit der ganzen Provinz mit ihren dreißig Millionen Einwohnern konzentriert sich hier, wie es etwa in England zur Zeit der großen Rennen auf der berühmten Epsomdown bei Derby oder zur Zeit der Stiergefechte auf der Plaza de Toros in Sevilla der Fall ist. Schon eine Woche vorher treffen aus allen Teilen der Provinz die Prüfungskandidaten mit ihren Familien und Freunden in Canton ein, und nachdem sie in den chinesischen Hotels oder bei Privaten Unterkunft gefunden haben, melden sie sich mit ihren Legitimationen bei der Prüfungskommission, welche in den Gebäuden des vorerwähnten kleineren Hofes ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat und dort während des ganzen Prüfungsmonats wohnen bleibt. Die kaiserlichen Kommissare, hohe Mandarine, Hunderte von Beamten, Schreibern, Sekretären, Soldaten und Wächtern beleben die öden Räume und bereiten alles für die Prüfungen vor, zu denen sich gewöhnlich acht- bis zwölftausend Kandidaten zu melden pflegen, mitunter viel mehr, als die Prüfungshalle Platz besitzt. Der weite Raum wird gereinigt, und auch die kleinen vorgeschilderten Zellen, deren es in der Cantoner Prüfungshalle 8653 giebt, werden gekehrt und für die Aufnahme der Kandidaten einfach dadurch vorbereitet, daß man in die Mauereinschnitte zwei fußbreite Bretter einschiebt; das eine derselben dient als Tisch, das andere als Sitz.

Am frühen Morgen des festgesetzten Tages drängen sich die Prüfungskandidaten, begleitet von ihren Verwandten, Freunden und Dienern vor dem Hauptthore der Halle zusammen, alle sind mit Kleidungsstücken, Decken, Lebensmitteln, Kochgeschirren, Theetöpfen und sonstigem Hausrat schwer beladen, denn die Kandidaten bleiben während der nächsten neun Tage in den winzigen Prüfungszellen wohnen und dürfen nur die dritte und die sechste Nacht außerhalb der streng bewachten Prüfungshalle zubringen. Niemand darf sie in das Innere derselben begleiten. Am Thore nehmen sie von ihren Begleitern Abschied und treten, bepackt mit ihrem Hausrat, einzeln durch das Thor. Hier werden sie von Beamten der Prüfungskommission genau untersucht, ob sie nicht etwa kleine Taschenausgaben der Klassiker oder sonst irgendwelche verbotene Gegenstände mit sich führen, und haben sie diese Untersuchung bestanden, so melden sie sich bei den Mandarinen. Von diesen erhält jeder Kandidat einige gestempelte Papierbogen, auf welchen sein Name und seine Nummer der ihm zugewiesenen Zelle verzeichnet stehen. Mit Spannung erwarten sie die kleinen roten Zettelchen, welche in der Prüfungshalle selbst gedruckt werden und die Themata enthalten, über welche sie binnen zwei Tagen drei Arbeiten und ein Gedicht verfassen müssen. Keine Arbeit darf mehr als vierhundert und weniger als dreihundert Schriftzeichen enthalten, und etwaige Aenderungen oder Randnoten dürfen zusammengenommen weitere hundert Schriftzeichen nicht übersteigen.

Sind diese Arbeiten abgeliefert, so können die Kandidaten unbehelligt die Halle für eine Nacht verlassen. Bei ihrer Rückkehr werden sie abermals untersucht, und man weist ihnen neue Zellen an, wo sie die zweite Serie von fünf Arbeiten über klassische Gegenstände zu schreiben haben. Die dritte Serie, für welche abermals drei Tage Zeit gelassen werden, besteht aus fünf Arbeiten über Gegenstände, deren Auswahl dem kaiserlichen Examinator überlassen bleibt und die in den letzten Jahrzehnten zuweilen auch moderne Fragen, etwa über Staatswissenschaften, die Geographie der Provinz oder des Reiches, oder Mathematik, umfassen. Sind auch diese Arbeiten abgeliefert, so ist die Prüfung vorüber, die Kandidaten können ihre Zellengefängnisse verlassen. Aber es vergehen mehrere Wochen, ehe sie das Ergebnis der Prüfung erfahren. Jedes der bei der Prüfungskommission eingelaufenen Schriftstücke, mitunter bis zu dreißigtausend an der Zahl, muß ja vorher sorgfältig geprüft werden, und diese Prüfung geht, zur Vermeidung von Unterschleifen oder Bevorzugung, mit der größten Strenge vor sich. Zunächst werden über die Namen der Kandidaten auf den einzelnen Arbeiten Papierstreifen geklebt und diese mit Nummern bezeichnet, so daß den Examinatoren die Verfasser der Arbeiten unbekannt bleiben. Dann werden alle die vielen Tausende von Schriftstücken mit roter Tinte abgeschrieben, eine dritte Klasse von Beamten unterzieht sie der ersten Prüfung und wählt die besten aller Arbeiten aus. Nur diese werden den kaiserlichen Examinatoren selbst vorgelegt. Immerhin sind dies noch zehn Prozent, also zwei- bis dreitausend Schriftstücke, von etwa achthundert bis tausend Kandidaten. Nun sind jeder Provinz nur eine bestimmte Anzahl von litterarischen Graden, in Kwantung z. B. nur siebzig bis achtzig, zugewiesen, und den kaiserlichen Examinatoren liegt es ob, unter den nahezu tausend besseren Kandidaten siebzig bis achtzig auszuwählen, deren Arbeiten die vorzüglichsten waren. Auch damit sind die Vorsichtsmaßregeln gegen Unterschleife nicht zu Ende, denn ein kaiserlicher Zensor hat die Arbeiten der von den Examinatoren zur Erteilung von Graden vorgeschlagenen Kandidaten durchzusehen und ihnen die Bestätigung zu erteilen.

Wie mir indessen von chinesischen Litteraten selbst eingestanden wurde, kommen bei diesen Prüfungen trotz aller Strenge dennoch Unterschleife vor; Bücher werden eingeschmuggelt, Thorhüter bestochen, andere Kandidaten verfassen die Arbeiten ihrer Kollegen. Dagegen lassen sich die Examinatoren nicht so leicht zu Unregelmäßigkeiten herbei, denn solche werden mit der größten Schärfe bestraft. In der Mitte der sechziger Jahre wurde beispielsweise ein kaiserlicher Examinator, Mandarin ersten Ranges und Großsekretär des Reiches, weil er seinen Neffen begünstigt hatte, enthauptet. Im Herbst 1894 versuchte es ein reicher Chinese aus der Provinz Tschekiang, den Examinator durch Zuwendung einer Summe von zehntausend Taels zu bestechen. Der letztere erstattete Anzeige, und der Chinese wurde zum Tode verurteilt.

In anderen Provinzstädten ist der Zudrang zu den Wettprüfungen zuweilen noch stärker als in Canton. So z. B. mußten vor einigen Jahren in Hangtschau, dessen Prüfungshalle zehntausend Zellen enthält, in den engen Gäßchen dazwischen noch über tausend Sänften aufgestellt werden, um alle Kandidaten unterzubringen. Man sollte meinen, den siebzig bis achtzig Glücklichen, welchen es von all den Tausenden allein beschieden ist, mit litterarischen Graden aus den Prüfungen hervorzugehen, stände zum mindesten das große Los bevor. Welch große Kosten, welch mühsame Reisen, welche Arbeiten und Entbehrungen sind mit derlei Prüfungen verbunden! Der Aufenthalt in den kleinen Zellen ist bei heißem Wetter geradezu unerträglich, und so mancher alte oder schwache Mann, der als Kandidat die Prüfungshalle betritt, verläßt sie nicht mehr lebend. Gar nicht selten sind die Fälle, daß besonders Greise an Erschöpfung sterben, und da es gegen die Vorschriften wäre, die Thore der Halle während der Prüfungen zu öffnen, so werden Oeffnungen in die Umfassungsmauer gebrochen und die Leichname der Unglücklichen herausgeschafft. Ein großer Prozentsatz der Kandidaten giebt sich auch mit der einmaligen Prüfung nicht zufrieden. Beharrlich melden sie sich ein zweites, drittes Mal, ja noch öfter, und vielleicht ist es ihnen endlich vergönnt, als Greise die Prüfung zu bestehen, d. h. damit den Titel Chü-dschin, d. h. beförderter Mann zu erringen. Und ist dies wirklich geschehen, so werden Eilboten zu Land oder Wasser nach dem Heimatsort gesandt, um das Glück zu verkünden, welches diesem letzteren zu teil geworden ist. Die Familie des neugebackenen Chü-dschin veranstaltet große Freudenfeste, sie läßt an den Straßenecken große rote Plakate anschlagen und alle Freunde und Bekannten durch eigene gedruckte Anzeigen von der erfolgten Ernennung in Kenntnis setzen. Ueber die eigene Hausthür aber wird eine große Tafel mit den Worten Beförderter Mann aufgehängt. Wohlhabende errichten häufig sogar steinerne Triumphbögen zu Ehren eines glücklichen Prüfungskandidaten.

Und was hat der Kandidat dadurch in Wirklichkeit erreicht? Nicht etwa einen einträglichen fetten Mandarinsposten, irgend welche besondere Würden oder Auszeichnungen, sondern einfach die Möglichkeit, mit der Zeit, vielleicht nach vielen Jahren, irgend eine bescheidene Staatsstellung zu erreichen.

Wer schneller und sicherer zu einer solchen gelangen will, muß sich noch zu einer dritten Art von Prüfungen melden, welche alle drei Jahre einmal, gewöhnlich in dem auf die Provinzprüfungen folgenden Frühjahr in der Reichshauptstadt selbst stattfinden. Auch in Peking ist die Prüfungshalle nicht viel besser als in den Provinzhauptstädten, doch sind die Kandidaten die Gäste des Kaisers, und während sie dreimal drei Tage mit je einer mittägigen Unterbrechung in den Prüfungszellen schmachten, erhalten sie aus den Küchen, welche bei jedem Zellengäßchen eingerichtet werden, reichliche Lebensmittel. Aber die Kosten der weiten, mitunter monatelangen und beschwerlichen Reise müssen sie selbst bestreiten. Haben sie keine Mittel dazu, so wird ihnen möglicherweise ein reiches Bankhaus dieselben vorstrecken, und sind sie einmal Mandarin geworden, so müssen sie diese Darlehen mit reichen Zinsen zurückerstatten. Auch in Peking vollziehen sich die Prüfungen in ähnlicher Weise wie in den Provinzhauptstädten, nur sind sie entsprechend schwieriger, die Aufgaben über klassische und philosophische Themata müssen glänzend gelöst werden, die Gedichte fehlerfrei sein. Durchschnittlich melden sich zu jeder Prüfung vierzehntausend Kandidaten aus allen Provinzen, und nur ein Zehntel davon können den vielumworbenen Grad eines Tsen-tse, d. h. fertiger Gelehrter, etwa unserem Doktorgrad entsprechend, erreichen. Jede Provinz hat je nach ihrer Einwohnerzahl Anspruch auf eine bestimmte Zahl von Tsen-tse-Stellen, und diejenigen Kandidaten, welche diesen Grad erlangt haben, werden gewöhnlich nach kurzer Zeit zu Mandarinen befördert und erhalten eine Regierungsanstellung. Wer von den Tsen-tse anstrebt, noch höhere litterarische Ehren zu erreichen, muß sich einer vierten Prüfung unterziehen. Diese wird in der verbotenen Stadt sogar unter den Augen des Kaisers selbst abgehalten, und die Glücklichen, welche diese schwierigste aller Prüfungen bestehen, werden Mitglieder der Hanlinakademie und führen den stolzen Titel Poeten und Historiker des kaiserlichen Hofes. Die besten von diesen werden nach einer formellen Prüfung vor dem Kaiser zu Tschuang-yuen, d. h. etwa poeta laureatus, ernannt und haben damit Anspruch auf den Posten eines kaiserlichen Examinators oder auf andere hohe Würden.

Der Hauptaltar des Menciustempels in Tsiu-hsien.

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GRÖSSERES BILD]

Wie man sieht, ist das Mandarinentum in China nicht ganz so schlecht wie sein Ruf. Die vielbegehrten Posten müssen mit großen Mühen und durch jahrelanges Studium erworben werden und kommen nicht etwa durch Günstlingswesen, hohe Verwandtschaften oder mächtige Freunde zur Besetzung, wie es in manchen, uns viel näher liegenden Ländern zuweilen geschieht. Wohl kommen sehr viele Unterschleife vor, im ganzen und großen aber hat sich das System der Wettprüfungen durch anderthalb Jahrtausende verhältnismäßig rein erhalten und läßt die Chinesen in einem ganz anderen, günstigeren Lichte erscheinen, als es gewöhnlich geschieht. Nur ist es zu bedauern, daß diese Kenntnisse sich nicht auf nützlichere Gebiete erstrecken als die vergilbten, veralteten Klassiker Chinas.

Bezopfter Schuljunge.

Wahrsager.