Abacá-Ausfuhr (in Picos).
| Nach | 1861 | 1864 | 1866 | 1868 | 1870 | 1871 |
| Grossbritanien | 198,954 | 226,258 | 96,000 | 125,540 | 131,180 | 143,498 |
| N.-Amerik. Atlant. Häfen | 158,610 | 249,106 | 280,000 | 294,728 | 327,728 | 285,112 |
| Californien | 6600 | 9426 | 14,200 | 15,900 | 22,500 | |
| Europa Continent | 901 | 1134 | 200 | 244 | 640 | |
| Australien | 16 | 5194 | 21,144 | 11,434 | 6716 | |
| Singapore | 2648 | 1932 | 3646 | 1202 | 2992 | |
| China | 5531 | 302 | 882 | 2294 | ||
| Total | 273,269 | 493,352 | 406,682 | 460,558 | 488,560 | 463,752 |
| Balanza mercantil. | Preuss. Konsul-Bericht. | Belg. Konsul-Bericht. | Engl. Konsul-Bericht. | Marktbericht T. H. & Co. | ||
Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe für den Bedarf der Familie werden aber gewöhnlich im Hause selbst angefertigt.
Als Surrogat für Abacá kommt seit einigen Jahren in zunehmender Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den Handel. Es sieht ungefähr so aus wie Abacá, entbehrt aber den schönen Seidenglanz, ist schwächer, kostet 5 bis 10 £ per Ton weniger, wird nur zu Tauwerk verwendet; seine Abfälle sind zur Papierfabrikation gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz über den Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen davon wesentlich abweichenden ausführlichen Aufsatz mit Abbildungen der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in London über seine Herkunft herrscht, dürfte ein kurzer Auszug daraus willkommen sein. Der Bericht erwähnt die grössere Schönheit der Abacáfaser, aber nicht ihre grössere Festigkeit.[15]
Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel) benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan’s und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente, kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci (spr. yachki, yax = grün, ki = agave), die zweite im Range, sie wird nur für feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac = weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich die Fasern für die Ausfuhr, jede Pflanze jährlich 25 Blätter = 25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, ähnlich No. 3, aber gröber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Blätter klein, daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein) weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich Fourcroya cubensis, Blätter schmal, 4 bis 5′ lang.
Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die Gewinnung der Faser aus den Blättern und ihr Verspinnen zu Tauwerk geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgeübt, Abkömmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand.
Der Sesalbau soll jährlich 95% Nutzen abwerfen. Ein Mecate = 576 □Varas enthält 64 Pflanzen, giebt 64 Pfd. reine Faser, Werth 3 Doll. 84 C., nach Abzug der Kosten (1 Doll. 71) 2 Doll. 13 C. Gewinn. Die Ernten beginnen 4 bis 5 Jahre nach Anlage der Pflanzung und halten 50 bis 60 Jahre an.
Da es in tropischen Ländern kaum eine Hütte ohne Bananen giebt, so sind schon Viele auf den Gedanken gekommen, dass es sehr vortheilhaft sein würde, die Fasern dieser Pflanzen zu verwerthen, die jetzt gänzlich verloren gehn und für den blossen Arbeitslohn zu haben wären, denn die geringe Mühe des Anbaus vergelten die Bananen schon auf’s reichlichste durch ihren Fruchtertrag.[16] Für die Philippinen würde diese Voraussetzung unter den bestehenden Verhältnissen wohl nicht zutreffen, da es nicht einmal lohnt den Bast der ächten Abacápflanzen zu gewinnen, sobald diese Früchte getragen haben. Die Faser der essbaren Arten wäre doch wohl nur als Papierstoff zu gebrauchen, ihre Gewinnung würde mehr kosten als die der ächten Bandála (s. S. 248).
Im Sitzungsbericht der Society of Arts, London 11. Mai 1860 wird eine von F. Burke in Montserrat erfundene Maschine zur Erzielung von Bananen- und andern endogenen Pflanzenfasern besprochen. Während frühere Maschinen der Faser parallel wirkten, arbeitet jene queer gegen dieselben, wodurch sie vorzüglich rein erhalten werden; man soll damit von der Banane 7 bis 9 % Faserstoff gewinnen. Die Tropical Fibre Company hatte solche Maschinen nach Demarara, auch nach Java und andern Orten gesandt in der Absicht, die Fasern der essbaren Bananen zu Gespinnst und Papierstoff zu verwerthen. Auch lagen bereits Proben also gewonnener Fasern aus Java vor, deren Werth für den Spinner auf 20 bis 25 £ geschätzt wurde.(?) Es scheinen aber diese vielversprechenden Versuche noch nirgends zu nachdrücklichem Betriebe geführt zu haben, wenigstens wird in den mir zu Händen gekommenen Konsularberichten nichts davon erwähnt. Bei der Bandalagewinnung in den Philippinen hat sich die Erfindung nicht Eingang verschafft; selbst noch in seinem neuesten Bericht (Aug. 1869) klagt der englische Konsul, dass alle bisher von den Ingeniören ersonnenen Maschinen sich als völlig unbrauchbar erwiesen.
Der Nutzung des Bastes essbarer Bananen steht aber in den Philippinen auch noch der Umstand entgegen, dass diese Pflanzen dort, nicht wie an manchen Orten in Amerika, in grossen Gärten, sondern vereinzelt um die Hütten gezogen werden; die Heranschaffung des Rohmaterials, der Lokaltransport und die hohe Schiffsfracht würden den doch immer nur mässig guten Stoff für Europa zu sehr vertheuern, wenigstens wohl auf 10 £ per Tonne, während Spartogras (Lygaeum spartum Loeffl.), das seit einigen Jahren in steigender Menge als Papierstoff eingeführt wird, in London nur 5 £ die Tonne kostet.[17] Einen andern billigen Papierstoff liefern die Kaffeesäcke aus Jute (Corchorus capsularis). Sie dienen namentlich zur Darstellung festen braunen Packpapiers, da es noch nicht gelingen will, die Faser zu bleichen. Nach P. Symmonds verwenden die Vereinigten Staaten in neuester Zeit viel Bambus. Ein sehr gutes Zeug soll die Rinde der Adansonia digitata geben; besondere Beachtung aber verdiene der Neu-Seeland-Flachs, da sich daraus gefertigtes Papier wegen seiner grossen Zähigkeit vorzüglich für Werthpapiere eigne.
Es darf indessen nicht übersehen werden, dass die zur Papierbereitung verwendeten Lumpen von Leinen- und Baumwollenstoffen, die das vorzüglichste Papier geben, ebenfalls für die blosse Mühe des Einsammelns zu haben sind, dass sie die Kosten ihrer Herstellung schon in der Form von Kleiderstoffen gedeckt, und sogar durch die Abnutzung und durch vieles Waschen eine weitere Zubereitung erhalten haben, die sie zur Papierbereitung geeigneter macht.
Je mehr übrigens die Papierfabrikation fortschreitet, um so mehr verdrängen einheimische Holzfasern, namentlich Holz und Stroh, die schon gegenwärtig recht gute Pasten geben, jeden aus der Ferne eingeführten Rohstoff. Dass England so viel Sparto bezieht, hat wohl mit darin seinen Grund, dass es nur sehr wenig Stroh erzeugt, weil es einen grossen Theil seines Getreidebedarfs in Körnern vom Auslande empfängt.
[1] The Islands of the East-Indian Archip. 1868. S. 340. [↑]
[2] Catalogue de l’Expos. perman. des Colonies françaises 1867. S. 80. [↑]
[3] Rapport du Jury, Exp. 1867 IV. 102. [↑]
[4] Die Indier Süd-Amerika’s verwenden angeblich schon lange die Bananenfaser zur Anfertigung von Kleiderstoffen (The Technologist Sept. 1865 S. 89. ohne Quellenangabe.) und in Lu-tschu soll von der Banane fast nur die Faser benutzt werden. (Faits commerciaux No. 1514 S. 36.) [↑]
[5] Fibrous plants of India. [↑]
[6] Das Abacá nimmt auch keinen Theer an, und kann daher nur zu laufendem nicht zu stehendem Tauwerk gebraucht werden. [↑]
[7] Eine Pflanzung im vollen Betriebe liefert jährlich 30 Zentner Bandála vom Preuss. Morgen. Vom Morgen Lein gewinnt man nur 2 bis 4 Ztr. reinen Flachs, 2 bis 8 Ztr. Samen. Lein kann aber, da er den Boden erschöpft, nicht alle Jahre gebaut werden. [↑]
[8] Wie mir Dr. Wittmack mittheilt, kann man auch vom Hanf nur Fasern oder Samen gewinnen, da der reife Hanf zu spröde, grobe Fasern besitzt. Beim Flachsbau wird freilich häufig Same und Faser verwerthet, doch sind dann beide von geringer Güte. [↑]
[10] Lupis wurde 1868 in London 100 £ per Tonne bezahlt, jedoch nur in geringer Menge, etwa 5 Tons jährlich, eingeführt und angeblich in Frankreich zu einer besonderen Art von Unterröcken verwendet; die Mode soll bald wieder aufgehört haben. Quitol, eine geringe Sorte Lupis, soll 75 £ bezahlt worden sein. [↑]
[11] Die Starrheit ist allen Fasern von Monokotyledonen eigen, weil sie aus dickwandigeren Zellen bestehn, während die eigentlichen Bastfasern der Dikotyledonen (Flachs z. B.) geschmeidiger sind. [↑]
[12] Auch bei andern Ackerbauerzeugnissen pflegen Mestizen und Indier sich die Arbeit ihrer Landsleute zu sichern, indem sie diesen Vorschüsse machen und sie erneuern, bevor die alten abgetragen sind. So gerathen Unbesonnene immer tiefer in Schulden und werden thatsächlich zu Sklaven ihrer Gläubiger, wenn es ihnen nicht gelingt, zu entfliehn. Dasselbe findet bei Antheilkontrakten statt, wo der Grundbesitzer dem Bauer Boden, Ackergeräth und Zugvieh zu liefern hat, oft schiesst er dann auch noch Kleidung und Nahrungsmittel für die ganze Familie vor; bei Theilung der Ernte deckt der Antheil des Bauers nicht seine Schuld. Gesetzlich sind die Indier freilich nur bis zu 5 Dollar haftbar, ein besonderes Gesetz verbietet überdies ausdrücklich dergleichen wucherische Geschäfte, sie sind aber allgemein in Gebrauch. s. S. 234 Anm. 127. [↑]
[13] Dieser Neid hätte beinahe die Schliessung der neuen Häfen (s. Kap. 23) bald nach ihrer Eröffnung zur Folge gehabt. [↑]
[14] Rapport Consulaire Belge XIV. 68. [↑]
[15] Im Agricultural Report für 1869, S. 232 wird eine andre Faser sehr gepriesen, die von einer dem Sesal sehr nahe verwandten Pflanze (Bromelia sylvestris) stammt, vielleicht nur eine Abart derselben; ihren einheimischen Namen jxtle soll sie wegen der Aehnlichkeit ihrer flachen, stacheligen Blätter mit den gezähnten Obsidianmessern (iztli) der Azteken erhalten haben. [↑]
[16] Die Bananen sind bekanntlich eine der allerwerthvollsten Pflanzen für den Menschen, sie liefern unreif Stärkemehl, reif eine angenehme nahrhafte Frucht, die selbst in Menge genossen weder widerlich wird, noch nachtheilige Folgen hat. Einige der besten essbaren Abarten tragen schon Früchte 5 oder 6 Monate nachdem sie gepflanzt worden und treiben immer neue Schösse aus der Wurzel, so dass sie eine unausgesetzte Fruchtfolge geben und die Mühe des Menschen fast auf das Umhauen der alten Pflanzen und das Pflücken der Früchte beschränkt ist. Die breiten Blätter gewähren andern jungen Pflanzen den in tropischen Ländern so nöthigen Schatten, werden vielfach in der Haushaltung verwendet und manche Hütte hat es nur ihrem Bananengärtchen zu danken, wenn sie die Feuersbrunst übersteht, die gelegentlich das Dorf in Asche legt.
Ich möchte hier auf einen Irrthum aufmerksam machen, der einige Verbreitung erlangt hat. In Bischof Pallegoix’s trefflichem Werke Description du royaume Thai on Siam I. 144 heisst es: L’arbre à vernis, qui est une espèce de bananier et que les Siamois appellent rak, fournit ce beau vernis qu’on admire dans les petits meubles qu’on apporte de Chine. — Als ich in Bangkok den fast neunzigjährigen liebenswürdigen Greis über diese auffallende Angabe zur Rede stellte, meinte er kopfschüttelnd, das könne er nicht geschrieben haben; — ich zeigte ihm die Stelle. — »Ma foi j’ai dit une bêtise; — j’en ai dit bien d’autres«, flüsterte er mir in’s Ohr, indem er die Hand vorhielt, als fürchtete er behorcht zu werden. [↑]
[17] 1862 bezog England aus Spanien 156 Tons, 1863: 18,074 t., 1866: 66,913 t., 1868: 95,000 t. Die Lumpeneinfuhr fiel von 24,000 t., 1866; auf 17,000 t., 1868. In Algier wächst auch sehr viel Sparto (Alfa), der Transport nach Frankreich ist aber zu theuer, um es dort zu verwenden. [↑]