SIEBENTES KAPITEL
PROVINZ LAGUNA. — BANCAFAHRT. — BARREN DES PASIG. — SEE VON BAY. — MAARE BEI CALAUAN. — PALMENWEIN. — REISEN OHNE DIENER. — VULKAN MAJAIJAI. — BÜFFELFAHRT.
Meine zweite Reise führte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehöhlten Baumstamm mit flach gewölbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes Bambusgitter schützt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm zum Lager. Jurien de la Gravière vergleicht die Banca treffend mit einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt.[1] Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je 5 r. zusammen 4½ Thaler täglich erhielten, ein hoher Preis für die trägen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der Reis, den ein kräftiger Arbeiter täglich verzehrt, kostet selten mehr als 1 bis 1½ Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige), die Zuspeise (Wasserthiere und Kräuter) einige Pfennige. Zahlreiche Dörfer und Tienda’s, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwänden die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hülfe der Nachtwächter, gelang es, sie einzeln aus den Häusern ihrer Freunde zu holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf Sandbänken festgesessen, gelangten wir in den von Hügeln und Bergen umschlossenen See von Bay und erreichten früh morgens Jalajala.
Der Pasig bildet einen natürlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Süsswassersee von 35 Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna, Cavite, umgrenzen. Früher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des Sees gefahren sein[2], jetzt wird es durch Sandbänke verhindert; bei den Barren von Napíndan und Tagúíg gerathen selbst sehr flache Boote auf den Grund.[3] Würden die Barren fortgeräumt und die Manila mit Binondo verbindende steinere Brücke in eine Drehbrücke verwandelt oder durch einen Kanal umgangen, so könnten Küstenfahrer die Erzeugnisse der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen, einnehmen. Der Verkehr würde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken, die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt worden, ist aber nicht zur Ausführung gekommen. Die Versandung des Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befördert, deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begünstigt, da sie eine kleine Abgabe davon erhebt.
Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die östliche der beiden von N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug seiner hübschen Lage in der Nähe Manila’s und den phantasiereichen Schilderungen des früheren Besitzers de la Gironnière. Die Halbinsel ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljährlich führen die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und vergrössern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und stachligen bis 8′ hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand dient als Büffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den dicht bewaldeten Sembrano, den höchsten Berg der Halbinsel begrenzt, auf den übrigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand ausgenommen ist das ganze Gebiet hügelig mit Gras und Baumgruppen bewachsen, ein trefflicher Weideplatz für die ansehnlichen Heerden (1000 Büffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs Bewaffnete, die uns für Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf die gehoffte Prämie verzichten mussten.
Vulkan Maquiling von ONO.
Jalajala gegenüber, am Südrande des Sees von Bay liegt das Dörfchen Los Baños, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen zu Heilzwecken,[4] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer des See’s ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden.
NW. von Los Baños liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee, Dagátan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von Dagát (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines, aber Schaaren von Wasservögeln flogen auf, als ihre Einsamkeit gestört wurde.
Von Los Baños wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo, nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde (bianchetto) gewonnen wird, die geschlämmt in Manila zum Anstrich dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mühe erlangter Führer nach einer halben Stunde todtmüde stellte. Die eingezogenen Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden.[5]
Auf der Rückfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung mit wenigen ärmlichen Hütten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald und Gestrüpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga (Mädchenbusen), ein Doleritberg mit schön geformter Kuppe. Am Strande fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit völlig ausgebildeten Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlüpften.
Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewöhnlich später zur Geltung kommt als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss nach dem südlich vom See gelegenen Orte Caláuan zu gehn, der durch den queer davor liegenden Maquiling geschützt den Einfluss des Regenmonsuns erst später empfindet. In Caláuan traf ich Herrn v. la Gironnière, den durch seine haarsträubend erzählten Abenteuer wohlbekannten »Gentilhomme breton«, seit kurzem aus Europa zurückgekehrt um eine grosse Zuckerfabrik zu gründen; sein Unternehmen misslang indessen. Das Haus des seitdem verstorbenen rüstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei Tracht und Bedürfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an dem Geschäft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft gelebt hatten.
Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der Strasse die nach S. Pablo führt, befindet sich die Llanura de Imúc, ein von mehrere hundert Fuss hohen Wällen doleritischer Rapilli gebildetes Kesselthal. Auf grossen Basaltblöcken kann man den Rand erklimmen, alles übrige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine verwilderte, vom früheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen.
Nördlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wänden. Der Boden ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu bilden. Er dürfte daher leicht zu entwässern und urbar zu machen sein.
Südwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrösse, erhebt sich ein kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft (in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstürzen die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wände ragen hundert Fuss über den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte läuft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hälften, die nördliche ist mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die südliche nimmt ein See ein, dessen Spiegel zum grössten Theil von Pistien bedeckt ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli.
Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurück die auf einer 2 Fuss mächtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrücke liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten nicht aus; sie sind aber alle ächt tropisch[6] und können nach Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehören, die noch heut an dieser Stelle wachsen.
SO. davon etwa ½ Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg führt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett grosse vulkanische Blöcke.
Der erste See Maycap, völlig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine künstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand, der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Südspitze des S. Cristoval N. 73° O. Die gegen 80′ hohen Wände erheben sich gen W. zu dem Hügel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen.
Daneben liegt ein andres Maar: Palákpakan, von ziemlich gleichem Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wände, 30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70° O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl Fischapparate ragen daraus hervor.
Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caláuan nach Píla, dann NO. nach Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lässt sie dann keine Früchte tragen, sondern fängt den aus der angeschnittenen Blüthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein Gährungsprodukt.[7] Da der Saft täglich zweimal gesammelt wird, und die Blüthen unter der Blätterkrone 40 bis 50′ über der Erde sitzen, so sind in dieser Höhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf- und Abkletterns Bambusen paarweis übereinander von einer Palme zur andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich an der obern festhält.
Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafür zahlte, dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb.
Später traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5 r. gekauft, (gewöhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen für 2 r. zu haben). 35 Bäume geben im geringsten Falle täglich 36 Quart Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Gährung und Destillation 6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Stärke erzielt werden. Zur Bearbeitung genügt ein Mann, der für seine Leistungen die Hälfte des Ertrages erhält: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6 Cuartos. Der Kontrahent erhält also jährlich von 35 Bäumen, die im Ankauf 21⅞ Doll. kosten, 360 × 6⁄2 × 6 cuartos = 40½ Doll., nützt also sein Anlagekapital fast zu 200%.
Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget für 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr schwierig und so unverhältnissmässig kostspielig, dass sie fast den ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte Beamte beeinträchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lähmte die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes, nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila die Pferde damit tränkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862), die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine nach der Grösse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten) eingeführt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen haben, ist übrigens eine alte Gewohnheit.[8] Abgesehn davon ist die Maassregel vom günstigsten Erfolge begleitet gewesen.
Kirche und Convento, Majaijai.
In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385 E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhüten mit auffallend üppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. über Magdalena, wo die Landschaft bergig wird nach Majaijái, indem sie vor letzterem Ort (über 9000 E.) auf einer Brücke eine tiefe Schlucht überschreitet, in welcher stattliche Baumfarne die grössere Meereshöhe (über 600′) andeuten. Das von den Jesuiten erbaute geräumige Convento Majaijái, ist wegen seiner herrlichen Lage berühmt. Nach NW. dehnt sich der See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel Talim mit dem Vulcan Soson-dalága begrenzt. Vom Convento bis zum See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von Kokospalmen. Gen Süden wird der Abhang schnell steiler und hebt sich zu einem mächtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajáo oder Majaijái, neben welchem der S. Cristoval mit schöner glockenförmiger Kuppe hervorragt.
Insel Talim mit dem Pik Soson-dalága und Südspitze der Halbinsel Jalajala von Majaijai.
Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschäftigt war, begab ich mich über Lucban an die Ostküste nach Mauban, in tiefen Tuffschluchten, an Lavablöcken vorüber dem Fuss des Majaijái folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih ziehende Gruppen.[9]
Nach drei Stunden erreicht man Lúcban, einen wohlhabenden Ort von 13,000 E. im NO. des Majaijái (ein Jahr darauf brannte es gänzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes, nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner flechten feine Hüte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und Pandanusmatten und treiben über Mauban einträglichen Handel mit den Goldwäschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne.
Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamón, der Insel Alabát gegenüberliegt, führt im engen Thal des Rio Mápon durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht man Reisfelder in Terrassen wie in Java[10], in den Philippinen eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bäume sind mit Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus, und einzelne grosse Fächerpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger Fruchtkrone.
Drei Leguas von Lucban drängt sich der Fluss an einem grossen, aus prismatischen Säulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann durch ein Konglomerat von nussgrossen völlig abgerundeten Geröllen aus vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwärts tritt das vulkanische Gerölle zurück, das Konglomerat besteht nur noch aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert mit Bänken von Thon und grobkörnigen Tuffen, in denen spärlich schlecht erhaltene Blatt- und Muschelabdrücke vorkommen; doch gelang es eine zwar plattgedrückte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu finden. Diese Bänke mögen wohl 500′ über dem Meeresspiegel liegen.
Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, über den schon ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlöcherten Bambusfloss, das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und jenseits in einer Sumpfpfütze strandete.
Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit Menschen gefüllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Würde, ein kurzes Jäckchen über dem Hemd. An den Wänden standen bunt verzierte Tische voll Obst und Gebäck, in der Mitte des Saales eine gedeckte Tafel für 40 Personen.
Ein Europäer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit einigen Vorschüssen geflüchtet) gilt für einen Landstreicher; ich wurde daher mit zudringlichen Fragen belästigt, liess sie aber unbeantwortet, suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der Küche einige gute Bissen aus den Fleischtöpfen, verzehrte sie von vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal mit Gästen füllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir nicht möglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab ich mich zu einem in Pueblo ansässigen Spanier, der mich, sobald mein Pass das durch meinen Aufzug erschütterte Vertrauen hergestellt, auf das liebenswürdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die er für China mit Moláve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete.
Auf der Rückkehr besuchte ich, wenig seitwärts vom Wege, zwischen Mauban und Lucban, einen schönen Wasserfall Butúcan. Auf einer Sohle von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, ähnlich dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strömt zwischen dicht bewachsenen hohen Tuffwänden ein wasserreicher Fluss und stürzt plötzlich in eine angeblich 360′ tiefe Schlucht, in der er weiter fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so üppig, dass man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java (s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, über gewaltige Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Fläche, die wiederum vom mächtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben, bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen Wänden und stürzt dann jäh in die, von ihm selbst ausgewaschene tiefe Schlucht. Strömender Regen verhinderte mich leider den schönen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento von Majaijái und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. »In Majaijái dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, während welcher kaum ein Tag vergeht, ohne dass es in Strömen giesst« (Estado geogr. S. 150).
Vulkan Majaijai und San Cristobal.
Vom Thurme des Conventos von Majaijai.
Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umständen nicht ausführbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von Majaijái ist der Banajáo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und Montéro, zwei tüchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den Vulkan Máyon in Albay, die Insel Políllo und bestimmten den Gipfel zu 7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700′. Der Krater enthielt früher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730, durch die in der Südwand entstandene Lücke abfloss.[11]
Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caláuan erreicht; die Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf den folgenden Tag verschoben werden. Am nächsten Morgen waren keine Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und zwei Büffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff nach Manila abgehn sollte. Ein Büffel war vorgespannt, der andre zur Ablösung hinten angebunden. Da Büffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum spürt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schläge zum Aufstehn bewogen, geht er bedächtig, aber unaufhaltsam in eine nahe Pfütze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mühe gelingt es den Karren los zu machen und rückwärts wieder auf die Strasse zu schieben, während die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepäck wird von Neuem aufgeladen, die Büffel wieder in die ursprünglichen Stellen eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Körpers in das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Büffel folgt langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich ein besseres Gespann, mit dem ich spät Abends bei strömendem Regen eine Häusergruppe Sa. Cruz gegenüber erreichte. Das Marktschiff war abgegangen, alle Bemühungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem Dorf zu erlangen, führten nur zu unverschämten Prellversuchen; so ging ich denn in das geräumigste der Häuser, das ich von einer Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde mein Gesuch um Nachtquartier gewährt, ich liess Oel zur Beleuchtung und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit, die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschützer im Hause blieben. Am nächsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um über den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der äussersten Südspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss hoch über dem Wasserspiegel, Bänke mariner Muscheln, (hauptsächlich Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben, die noch heut an der Meeresküste sehr häufig sind; ein Zeichen dass auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben.
[1] Voyage en Chine II, 33. [↑]
[3] Nach dem Berichte eines Ingeniörs sind die Barren dadurch entstanden, dass der Rio S. Mateo, der bald nach dem Ausfluss des Pasig aus der Laguna rechtwinklig auf diesen stösst, ihm in der Regenzeit eine grosse Menge Schlamm zuführt, welcher durch die dann herrschenden SW. Winde aufgestaut wird. Es würde daher wenig nützen die Barre fortzuräumen, ohne zugleich durch Ablenkung der S. Mateo in den See, die Ursache ihrer Entstehung zu beseitigen. [↑]
[4] .. »ils se baignent aussi dans leurs maladies et ont des sources d’eau chaude pour cet effet, particulièrement au bord de l’Estang du Roy (Laguna del Rey statt de Bay offenbar in Folge eines Lesefehlers) qui est dans l’île de Manille.« Thévenot, Religieux. [↑]
[5] »Vom Maquiling bis zu der Stelle Bacon genannt, die im Osten von Los Baños liegt, kann man kaum 30 Schritte gehn, ohne auf sehr verschiedenartige Wasserbäche zu stossen: sehr heisse, lauwarme, natürliche und sehr kalte. In einer in unserm Archiv aufbewahrten Beschreibung dieser Ortschaft, vom Jahre 1739 heisst es: dass SSO. ¼ S. vom Dorf ein Hügel Natognos liegt, auf dessen Platte eine Stelle von 400 □Fuss in fortwährender Bewegung ist wegen des heftig ausströmenden Dampfes. Der von den Dämpfen durchdrungene Körper ist eine ausserordentlich weisse Erde, die zuweilen 1 bis 1½ Ellen hoch geschleudert wird, und wenn sie die Kälte fühlt, in kleinen Stücken herabfällt.« (Estado geogr. 1865). [↑]
[6] Laurineen, Scitamineen, Fächerpalmen, Dombeyaceen, Araliaceen. [↑]
[7] Pigafetta sagt (S. 55), dass man, um den Kokoswein zu gewinnen, den Wipfel der Palme bis auf das Mark (den Trieb), durchbohrte und den aus der Wunde quellenden Saft auffing. Nach Regnaud (Hist. nat. du cocotier p. 120) befolgen die Neger von St. Thomas noch heut ein ähnliches Verfahren, das dem Baum sehr schädlich ist und ein weniger gutes Produkt liefern soll.
Hernandez, I, 344, beschreibt ein eigenthümliches Verfahren, um aus der Sacsac-Palme, deren kurze Charakteristik so ziemlich auf Arenga saccharifera zu passen scheint, Wein, Honig und Sago zu gewinnen. Sie wird dicht an der Blattkrone gekappt, der Stamm, jedoch nur so weit er zart ist, ausgehöhlt, in der Vertiefung sammelt sich der süsse Saft. Ist aller Saft abgezapft, so lässt man den Baum vertrocknen, zerschneidet ihn dann in dünne Stücke, die an der Sonne gedörrt zu Mehl zerrieben werden. [↑]
[8] Schon Pigafetta erzählt, dass die Eingeborenen aus den Kokospalmen Oel, Essig, Wein und Milch bereiteten und viel Kokoswein tranken, die Könige berauschten sich mehreremale bei den Gelagen. [↑]
[9] In der Londoner Illustrirten Zeitung von Ende 1857 oder Anfang 1858 befindet sich eine drastische Darstellung des Reisens auf dieser Strasse von einem talentvollen Künstler unter dem Titel: a macadamized road in Manilla. [↑]
[11] Erd und Pickering. (U. S. Expl. Exp. V 314,) fanden die Höhe = 6500′ engl. also 7143′ span., bei ihren unvollkommenen Hülfsmitteln kein unbefriedigendes Resultat.
Im Estado geogr. Manila 1865 S. 150 wird ohne Quellenangabe die Höhe = 7030′ 7″ gesetzt. An derselben Stelle heisst es: »der grosse Vulkan ist seit 1730 erloschen, in welchem Jahre sein letzter Ausbruch stattfand; er barst an der Südseite, stiess Ströme von Wasser und brennender Lava aus und Steine von ungeheurer Grösse, deren Spuren bis zum Dorf Sariaya zu verfolgen sind. Der Krater mag gegen eine Legua im Umfang haben, ist im Norden höher, hat im Innern die Form einer Eischale; diese Vertiefung scheint die Hälfte der Berghöhe zu betragen.« [↑]