III.

Der Bischof schüttelte den Kopf, aber er mußte doch lachen. »Es ist nur ein Glück, daß mir der wilde Bayer die Entscheidung des heiligen Vaters schriftlich zu bringen hat. Seinem mündlichen Bericht …!« »Nun ist's schon recht,« rief Supfo heiter, sich erhebend von der Bank und das Pergament wieder in den Gürtel des Schurzfells steckend. »Der freche Brief hat doch was Gutes gewirkt: Ihr habt gelächelt, Herr Hezilo, und die böse Falte auf der Stirn, mit der Ihr kamt, hat sich verzogen. Wißt Ihr was? Wollt Ihr mir nicht in den Keller folgen, so verstattet, daß ich mit Euch gehe. Meine Gesellschaft ist doch noch besser als die Eurer Gedanken in der Einsamkeit.« – »Du hast weit mehr recht hierin, als du ahnst! – Komm mit!« – »Gleich, teurer Herr, gleich! Aber da, nehmt, bitte, diesen Schattenhut: – ich habe ihn für Euch erstanden auf dem letzten Markt von den Dalmatinern – er hängt nun immer hier an der Hallenthüre für Euch bereit – er ist von feinem Stroh, gar leicht und luftig: – die Sonne schießt noch heiße Pfeile über den Main herüber. Wo steht mein Krückstock? Da in der Ecke. Ich schreite doch besser damit und manchmal gilt's, ein bissig Schwein von den Waden zu wehren! So!« Er öffnete die breite Thüre der Halle. »Im Namen Gottes!« betete der Bischof im Hinausschreiten. »Er segne unsern Ausgang.« Beide stiegen nun die Sandsteinstufen hinab auf den freien Platz vor Bischofshaus und Dom. »Wohin zuerst?« fragte der Kellermeister. – »Ich will einen Rundgang der Seelsorge machen und der guten Werke; es gilt gleich, wo wir beginnen: führe du. Du kennst der Menschen Not und Wünsche gut, fast besser als ich, was traurig zu gestehen,« schloß der Bischof seufzend. »Ja freilich,« meinte Supfo und schlug die Richtung von dem Domplatz nach links, nach Süden, ein. »Für die letzte Zeit mag's zutreffen. Ihr zieht Euch ja immer mehr in Euch selbst zurück. Oft seh' ich noch nach Mitternacht vom Hof aus in der Bücherei Euer Öllämplein glimmen. Immer beten!« – »Wenn's doch gebetet wäre!« – »Oder höre unten in unserm Schlafzimmer Eueren Schritt ob meinem Haupte rastlos – rastlos – auf und nieder! Seit Ihr diesen schwarzhaarigen Welschen …« – »Schweig, Supfo. Ich weiß, du hassest ihn bitter. Das ist unchristlich.« – »Aber unvermeidlich! Der hagere Kerl mit seinem graugelben Gesicht – wie ein unreif verfaulter Apfel! – sein Anblick schon zieht mir das Wasser im Mund zusammen wie der Saure von Dürrbach.« – »Er hat sich als mein – und was viel mehr ist – dieses Bistums eifrigster Freund bewährt.« – »Wer's glaubt wird selig, – oder angeführt! Er ist glücklich fort seit ein paar Tagen. Sankt Kilian schenk' ihm eine lange Reise! – Seht hier, Herr Bischof, könnt Ihr gleich anfangen mit guten Werken!« Und er blieb stehen.