Levys Sang an den Mond
Hat doch mei Chef, der Herr Kohn, die Sonne besungen ... e Kunststick!
Werd' ich besingen den Mond, -- auch e poet'sches Objekt! --
Also -- wenn abens ich auf'm Balkong sitz' un raufseh ßum Himmel,
Schleicht mer -- identisch mit Kohn -- auch e Gefiel dorch's Gemieth.
Sag' ich mer so: der Mond -- er pumpt von der Sonne sei Licht doch ...
Goldiges -- nu' und was werft runter er nachts auf die Erd? --
Silbernes! -- haißt e Geschäft! was? faktisch e faines Geschäft! --
Jeder Agrarier muß finden darin e Simbol --:
Sein Ideal --: 's Kappetal mechte ich borgen in Gold un de Szinsen
Szahlen in weißem Metall! ... -- Bimetallistekalkiel!
20 Reichsmark in Gold = 6 Taler 20, -- e Taler
Aber hat inneren Wert ßirka 'ne Mark nur im Kursch --
Haste gesehen! ... un ich? -- was lern' ich vom Nachtlicht da oben?
Nun, als e denkender Mensch komm ich ßu dem Resultat:
Mond, 's existiert ßwischen uns 'ne frappante Ideengemeinschaft,
Namentlich kommerßiell schätz ich als Vorbild dich hoch! --
Darum verneigt sich vor dir in hochachtungsvollster ergebener
Tiefster Subordenaßion
Levy,
im Hause R. Kohn.
Unerwartete Wirkung
War da ein biederer Kleiderhändler, der einmal in einem Fabrikskontor vorsprach. Unter den Inschriften und Emblemen, die die Wände schmückten, fesselte besonders seine Aufmerksamkeit:
„Was du heute kannst besorgen,
Das verschiebe nicht auf morgen!“
Ein prächtiges Motto! dachte er. Das ist wirklich ein Ansporn für jedermann, der einen Entschluß lange in sich herumträgt, sich aber zur Ausführung nicht entschließen kann und sie von Tag zu Tag verschiebt! Und so ging er denn hin und brachte den Wahlspruch überall in seinem Geschäfte an. Die Wirkung war eine prompte, aber unerwartete. Am nächsten Tage war der Kassierer mit der Kassa und der Buchhalter mit der Frau des Prinzipals durchgegangen, und der Laufbursche hatte die Portokasse erbrochen und war mit einem Revolver und einem Schatz von hundertdreißig Nick-Carter-Heften durchgebrannt.