Stimmungswechsel
Schuldner: „Ich möchte gern meine Schuld bei Ihnen bezahlen —“ — Gläubiger: „Ach bitte, das hat gar keine Eile!“ — Schuldner: „Aber ich kann leider noch nicht!“ — Gläubiger: „Ja, was bilden Sie sich denn eigentlich ein? Meinen Sie, ich werde noch länger warten?“
Der Lehrling
Wer ist der Jüngling, klein und glattgeschoren,
Der stets als Letzter morgens im Bureau,
Mit langen, zupfenswerten, roten Ohren
Und überhohem Kragen comme il faut,
Den man von früh bis abends hört rumoren,
Doch schafft er nichts, der Bengel tut nur so,
— Das ist der Lehrling, oft und streng bekrittelt,
Den man auch „Stift“ und „Moritzche“ betitelt.
Die Presse des Kopierens wird auf Erden
Von seinem muskelstarken Arm geschnürt,
Doch müssen meistens abgeschrieben werden
Die Briefe, die der junge Mann kopiert,
Auch das Kopierbuch macht ihm viel Beschwerden
Es wird im Jahre einmal registriert,
Denn seiner Seele Schwarz ist kaum geringer
Als die enorme Schwärze seiner Finger.
Zehn Streiche sinnt er aus in der Minute,
Ob Chef, ob Kommis ist ihm ganz egal.
Und gibt ihm einer eine auf die Schnute,
So haut er wieder mit dem Lineal.
Des Nachts hingegen, da poussiert der Gute,
Nicht leicht zu „kräftig“ ist ihm ein Lokal,
Und trinkt er abends Lagerbier in Masse,
So stimmt am Morgen nicht die Portokasse.
So treibt er es zwei Jahre unverdrossen
Und mit der Frechheit wächst sein rotes Ohr,
Die Kaufmannsweisheit bleibt ihm zwar verschlossen,
Doch menschlich-ethisch steigt er hoch empor.
Und wenn die schöne Lehrlingszeit verflossen,
Ruft ihn der Chef in das Privatkontor
Und spricht mit väterlichem Ton allhier:
„Nun bist du Kommis — aber nicht bei mir!“
Karlchen.
Der dramatisch veranlagte Kommis
Prinzipal: „Herr Troddlich, Sie kommen immer zu spät, das kann nicht so fortgeh'n!“
Kommis: „Spät kommt er, doch er kommt!“