Uebertrumpft

In einer Gesellschaft unterhält man sich mit drolligen Erzählungen von Kleinbahn-Erlebnissen.

„Das ist alles noch gar nichts,“ prahlte u. a. der Schnellphotograph Müller, „ich sprang mal während der Fahrt aus dem Zuge, rannte ein Stück voraus und photographierte den heranbrausenden Zug von vorn!“

Das Kaufhaus der Zukunft

Nur noch kurze Zeit und im fashionablen Westen Berlins wird wiederum ein neues elegantes Riesen-Warenhaus eröffnet und mit Wertheim, Tietz und Jandorf um die Palme der Konkurrenzlosigkeit ringen. Von dem bisher ungeahnten Komfort desselben werden jetzt bereits Wunderdinge erzählt. Wir sind in der Lage, einige Details aus dem Betriebe des neuen Kaufhauses veröffentlichen zu können.

Jeder Besucher wird beim Eintritt vom Portier nach seinen Wünschen gefragt, hierauf in eine passende Kapsel gepackt und a la Rohrpost an den betreffenden Verkaufsstand „gepustet“, wodurch das ermüdende Herumlaufen vermieden wird. Nachdem man hierauf pneumatisch bezahlt und gewechselt bekommen hat, wird man ebenfalls per Luftdruck wieder an den Ausgang zurückbefördert und umsonst per Auto nach Hause gefahren.

Geradezu hervorragend sind die Gratis-Zugaben, die jeder Käufer im neuen Kaufhaus erhält. Wer für 1.— Mk. einkauft, erhält einen Bon im Werte von 80 Pfg. und einen eleganten Klosettpinsel oder Zahnbürste gratis; bei Einkäufen zum Preise von 1.— bis 5.— Mk. bekommt man nach Wahl einen Kinderwagen, ein Leistenbruchband oder ein Paar Schneeschuhe zu; bei 5.— bis 10.— Mk. betragenden Einkäufen kann man zwischen einer Freifahrt mit dem Zeppelinschen Luftschiff, einem Diner im „Rheingold“ (Wein a discretion) oder einem Gummibusen wählen. Kauft man für 20.— Mk., so erhält man ein Dutzend farbige Photographien in Lebensgröße mit Rahmen, einen Logenplatz zu den Kammerspielen oder ein Autogramm Wedekinds gratis, bei 100.— Mk.-Einkäufen wird man gratis in Marmor ausgehauen oder erhält ein kleines Motorboot oder ein Pianola gratis. Wer aber gar für 1000 Mk. kauft, bekommt eine Villa am Wannsee mit vollständiger Einrichtung, oder einen echten „Böcklin“, oder ein Rundreisebillett um die Erde, oder den Schwarzen Adlerorden gratis zu.

Besonders zeitgemäß sind die Erfrischungsräume ausgeführt. Während der Sommermonate sind dieselben unter Wasser gesetzt, um als „Ostende des Westens“ vielen Familien die teuren Reisekosten zu ersparen. Jeder Käufer einer Badehose erhält ein Gratisbad, jeder Käufer eines Badeanzugs darf sich im „Familienbad“ tummeln, in welchem namentlich die „five o'clocks im Wasser“ von den Berliner W.-Damen stark frequentiert sein werden.

In den Erfrischungsräumen finden ferner Familien-Konzerte hervorragender Kunstgrößen wie Richard Strauß, Mahler, Nikisch usw. mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Vielen Zuspruch wird jedenfalls auch die „Henkel-Trocken-Fontäne“ und das „Kaufhaus-Kabarett“ finden. Im Winter wird der wunderbare Palmengarten als „Riviera des Westens“ große Anziehungskraft ausüben. Jedem Schlittschuhläufer steht der „Kaufhaus-Eis-Palast“ zur Gratisbenutzung zur Verfügung.

Wie es schon jetzt üblich ist, den Käufern von Noten dieselben gleich vorzuspielen, so wird man im Neuen Kaufhaus in der Abteilung Theaterbilletts, Texte usw. auf einer Drehbühne die gewünschten Stücke von bedeutenden Schauspielern gleich zur Probe vorgemimt erhalten.

Jeder Käufer, der mit dem gekauften Gegenstand nicht zufrieden ist, erhält denselben nicht bloß gegen ein konvenierendes Objekt bereitwilligst eingetauscht, sondern außerdem noch sein Geld zurück und „bedagt“ hierauf vergnügt nach Hause.

Mehr kann man nicht verlangen!

F. Schl.

O weh!

In einer Gesellschaft bei Bankier Tulpenstiel werden Rätsel aufgegeben, plötzlich schreit da die kleine Tochter des Hauses: „Bitte, darf ich auch ein Rätsel aufgeben?“ „Ja, gerne, gerne,“ sagt ihre Mama, „wenn du ein schönes weißt!“ Da sagt die Kleine: „Welcher Unterschied ist zwischen dem Herrn Veilchenfeld hier und einer Katze?“ Niemand weiß es und man sagt zur Kleinen, sie möge die Auflösung sagen; da entgegnet die Kleine: „Die Katze hat einen Schweif und der Herr Veilchenfeld hat keinen.“ Ganz verlegen sagt die Mutter rasch, ohne zu überdenken, was sie spricht: „Entschuldigen Herr Veilchenfeld, meine Tochter meint nämlich — hinten.“