2. Sonstige Bevölkerungsbestandtheile.

In den vergangenen Jahrhunderten bis zu den Jahren 1821–23 bestand die Linientruppe der Philippinen, soweit sie sich nicht aus Eingeborenen ergänzte, zumeist aus mejicanischen Indianern und Mestizen. Zwar blieben die Soldaten auch nach vollendeter Dienstzeit im Lande und verheiratheten sich mit eingeborenen Frauen, aber ohne irgendwie eine selbständige Kaste zu bilden, sie gingen einfach in den Malaien auf. Dasselbe gilt von den Negern, Kaffern und Papuas, welche in geringer Anzahl nach den Philippinen im Beginne der spanischen Conquista von portugiesischen Sclavenhändlern gebracht wurden; da aber bereits Philipp II. durch ein Decret die Aufhebung der Sclaverei auf den Philippinen bewirkte[4], so blieben die Philippinen von dem Fluche einer Negerkaste befreit. Die wenigen Sclaven, welche 1565–90 den Spaniern aus Siam, Cambodscha und Borneo zugeführt wurden, kommen gar nicht in Betracht.


[1] Nur Männer.

[2] Ohne die Mestizen von Tayabas und Sámar.

[3] Nach Buzeta’s Schlusstabelle, pag. 143, im I. Bde des Werkes findet sich die Angabe: 7000 españoles ó de raza española.

[4] Erst Anfang des XVII. Jahrhunderts konnte das Decret vollends durchgeführt werden.

Anhang.

Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der Philippinen.

Fernando Magallanes erreichte am 16. März 1521 die Insel Jomonjol in der Surigao-Gruppe und wurde so der Entdecker der Philippinen, denen er den Namen S. Lazarus-Archipel verlieh, doch hat diese Benennung wenig Anklang gefunden, und wir werden sehen, dass diese so reiche Inselgruppe bis zum Empfange des heutigen Namens von den Spaniern gewöhnlich „Islas de Poniente” genannt wurde, d. h. die Inseln des Westens, während sie die Portugiesen die „Islas del Oriente”, d. h. die Inseln des Ostens, hiessen. Magallanes trat mit den Bewohnern Jomonjols in freundlichen Verkehr, setzte aber, sobald seine Kranken sich ein wenig erholt hatten, seine Reise fort, auf welcher er die grosse Insel Leyte und zwar die Südostküste entdeckte, zwischen welcher und der kleinen Insel Panaon er zu dem Inselchen Limasaua[1] gelangte, deren Radjah ihn freundlich aufnahm. Von dort begab er sich nach Butuan an der Nordküste von Mindanao. In Butuan zog er genaue Erkundigungen über die grosse Insel ein, insbesondere über die Ostküste derselben, deren Namen Caraga sein Chronist Pigafetta in Calagan verzerrte. Da aber in Mindanao keine Lebensmittel aufzutreiben waren, so kehrte Magallanes nach Limasaua zurück, deren Radjah sich ihm selbst als Lootsen erbot, um die Spanier nach dem Centrum der Visayer-Inseln, nach Cebú zu führen. Die Expedition brach also unter der Führung des Radjahs auf und segelte zunächst nach Norden, entlang den Gestaden Leyte’s. Diese grosse Insel führt bei Pigafetta zwei Namen, der südliche Theil wird dort Ceylon, der nördliche nach einem Orte der Westküste Baybay genannt. Von Baybay wandte sich die Expedition nach Westen, erreichte die kleine Inselgruppe der Camotes, segelte dann Südwest und gelangte so zur Insel Cebú[2] und nach Passirung des Canales, welcher Cebú von der Insel Mactán trennt, nach der wichtigsten Stadt jener grossen Insel, welche ebenfalls Cebú hiess.

Da es nicht meine Aufgabe ist, eine Geschichte der Fahrt Magallane’s zu geben, sondern nur die auf die Philippinen bezüglichen Entdeckungen kurz zu registriren, so sei erwähnt, dass nach dem unglücklichen Ende des kühnen Magallanes seine Expedition sich nach der Westküste von Bohol wandte und von dort zwischen der Südspitze von Negros und der Insel Siquijor ihre Richtung gegen Südwesten nahm. Die Spanier entdeckten einen neuen Theil der Mindanaoküste und zwar jenen, welcher westlich von Dapitan beginnt und ungefähr bei der Punta Gorda endigt. Nach dem im Osten der Punta Gorda befindlichen Cap Quipit nannten sie die ganze Strecke, die sie vielleicht für eine besondere Insel ansahen, Isla de Quipit ó Quepindo. Dann folgte die Entdeckung von Palawan, welches von den Spaniern Paragua genannt wird; die Spanier entdeckten ferner auf ihrer abenteuerlichen Flucht von Borneo Sulu (Hauptinsel), die Südküste von Mindanao und die Serangani-Inseln, von wo aus sich die Reste der Magallanes-Expedition nach den Molukken wandten und somit das Gebiet der Philippinen verliessen.

Durch diese spanische Expedition wurden die Portugiesen auf die Philippinen aufmerksam, sie schickten einzelne Schiffe dahin ab, welche aber keine neuen Entdeckungen machten. In Spanien hatte man sich inzwischen entschlossen, eine neue Expedition nach den Molukken auslaufen zu lassen, nachdem ein in Elvas und Badajóz tagender Congress spanischer und portugiesischer Geographen und Seefahrer resultatlos auseinandergegangen war; der Congress hatte über die Frage entscheiden sollen, ob die Molukken zum spanischen oder zum portugiesischen Weltantheil gehörten. Die neue Expedition bestand aus sieben baskischen Schiffen, welche unter dem Befehle des Johanniters Don Fray García Jofre de Loaisa standen, zu dessen eventuellem Nachfolger der erste Weltumsegler Don Juan Sebastian de Elcano bestimmt war. Nach schweren Verlusten erreichte die Expedition die Südsee, wo rasch hintereinander Loaisa und Elcano starben; den Oberbefehl übernahm nun Toribio Alonso de Salazar, welcher, nach kurzem Aufenthalte in den Ladronen, am 8. October 1526 die Islas de Poniente erreichte und zwar an der Ostküste von Mindanao. Salazar wurde so der Entdecker der Caraga-Küste. Er lief in den Hafen von Liangan ein, starb aber bald, worauf der muthige Baske Martin Iñiguez (Yañez) de Carquizano Chef der Expedition wurde. Carquizano versuchte nach Cebú zu gelangen, widrige Winde hinderten ihn daran, und so begab er sich nach den Molukken, wo er mit seinen Leuten gegen die Portugiesen kämpfte. Salazar soll den Islas de Poniente zuerst den Namen „Philippinen” beigelegt haben, doch ist diess ein Irrthum. So war durch Loaisa’s Expedition nur die Ostküste von Mindanao entdeckt worden.

Eine Expedition nach den Islas de Poniente und den Molukken sollte bald darauf Neu-Spanien verlassen. Auf Befehl Kaiser Karl’s V. rüstete der glorreiche Eroberer von Méjico D. Fernando Cortés in dem kleinen pacifischen Hafen Neu-Spaniens Zacatula oder Civatlanejo eine Flotte von drei Schiffen aus, welche unter der Führung des D. Alvaro de Saavedra am 31. October 1527 auslief. Da das Hauptziel dieser Expedition der Molukken-Archipel war, so berührte Saavedra nur flüchtig die Philippinen und zwar an der Ostküste von Mindanao, von wo er nach den Molukken aufbrach, so dass diese Expedition nicht in der Lage war, neue Entdeckungen in dem Archipel zu machen. Von den Molukken aus versuchte Saavedra zwei Mal ohne Erfolg durch das Stille Meer nach Méjico zurückzukehren, wobei Sulu von den Spaniern wieder aufgesucht wurde.

Durch den Vertrag von Zaragoza vom Jahre 1529 entsagte Kaiser Karl V. seinen Ansprüchen auf die Molukken, und da die Islas de Poniente nach den damaligen Anschauungen ziemlich werthlos erschienen, so hörten alle Versuche von spanischer Seite auf, sich mit der Entdeckung und Colonisation dieses Archipels zu befassen. Die Portugiesen selbst waren zu sehr mit den Molukken beschäftigt, als dass man in den Regierungskreisen an eine nähere Durchforschung des Archipels gedacht hätte, nachdem die Spanier aus diesen Theilen der Welt verdrängt waren. That auch der portugiesische Staat nichts, so versuchten es doch Privatleute, für ihren Glauben und die Herrschaft ihres Vaterlandes Propaganda zu machen. Ein portugiesischer Edelmann, Francisco de Castro, hatte bereits auf Mangcassar in Celebes als Missionär gewirkt, ohne selbst Priester zu sein. 1531 kam er nach der Insel Mindanao und bekehrte dort einige Fürsten, darunter den Radjah von Butuan, zum Christenthume[3]; es mögen auch noch andere Portugiesen auf dieser Insel geweilt haben, jedenfalls ist aber die Entdeckungsgeschichte der Philippinen durch sie nicht bereichert worden. Die Portugiesen machten sich bald darauf in Mindanao unmöglich, indem der portugiesische Capitän Pinto nach Abschluss eines Freundschaftsvertrages mit dem Radjah der Insel Surigao auf dessen Unterthanen Jagd machte, worauf die empörten Eingeborenen den verrätherischen Sclavenjäger zur schleunigen Heimkehr nöthigten. Die Jesuiten und Portugiesen behaupten, dass zu Anfang der vierziger Jahre des XVI. Saeculums der berühmte Apostel der Indier, Franciscus Xaverius auf Mindanao das Christenthum gepredigt hätte, was aber aus triftigen Gründen bezweifelt wird[4]; jedenfalls hat er zur weiteren Aufdeckung Mindanao’s nichts beigetragen.

Einer von den Officieren des Loaisa, der wackere baskische Capitän D. Andrés de Urdaneta kehrte erst 1536 nach Spanien von den Molukken zurück, wo er unter den Fahnen des Sultans von Tidore rühmlich gegen die Portugiesen gefochten hatte. Dieser tüchtige Seemann und Haudegen suchte dem Kaiser Karl die Wichtigkeit der halbvergessenen Islas de Poniente hervorzuheben, welche nach seiner Vorstellung die Spanier für die Cession der Molukken entschädigen sollten. Eingehend wies Urdaneta nach, dass die Islas de Poniente innerhalb des spanischen Weltantheils lägen, während die Portugiesen das Gegentheil behaupteten. Wenn auch Karl damals mit wichtigeren Angelegenheiten beschäftigt war, so versäumte er es nicht, dem Rathe von Indien eine genaue Prüfung der Vorschläge Urdaneta’s anzuempfehlen. Da der berühmte amerikanische Conquistador D. Pedro de Alvarado ohnehin sich mit dem Plane trug, einen Zug durch das Stille Meer nach China zu unternehmen, und dieser spanische Held über eine hinreichende Anzahl von Schiffen und Soldaten gebot, so gab der Kaiser ihm den Befehl, nach den Islas de Poniente aufzubrechen, jedoch sollte er unter keiner Bedingung die Molukken oder irgend welche andere Besitzung der portugiesischen Krone berühren, noch auch in die Streitigkeiten der eingeborenen Fürsten und Portugiesen sich mengen. Alvarado begann auch sogleich sich zu rüsten; schon schien Alles zum Auslaufen bereit, als die Indier der Provinz Jalisco sich empörten. Alvarado zog gegen sie zu Felde, aber ein Sturz vom Pferde machte seinem abenteuerlichen Leben ein Ende.

Da das Geschwader segelfertig war, so beschloss der Vicekönig von Méjico, D. Antonio de Mendoza, es auch nach dem Tode des designirten Befehlshabers auslaufen zu lassen. Der Vicekönig trug das Commando zunächst dem in Méjico angelangten Urdaneta an, da aber dieser erklärte, die an die Führung der Expedition geknüpften Bedingungen und Vorschriften nicht annehmen zu können, so wurde der Oberbefehl einem Verwandten des Vicekönigs anvertraut, dem Ruy Lopez de Villalobos, von dem der alte Waffengefährte des Cortés, Bernal Diaz de Castillo, sagt: „que sabia mucho de alturas y del arte de navegacion”. Da, wie erwähnt, Alvarado seinen Zug bis nach China hatte ausdehnen wollen, so hatte er dementsprechend eine grosse Zahl von Schiffen zusammengebracht; der Vicekönig wollte das Ziel der Expedition auf die Islas de Poniente beschränken, und weil ohnediess der Aufstand in Jalisco der Flotte einen Theil der Besatzung entzog, so erhielt Villalobos den Befehl, sich nur die besten unter den Schiffen Alvarado’s auszusuchen, was denn auch geschah.

Am 1. November 1542 verliess Villalobos den mejicanischen Hafen Navidad (Natividad) mit fünf Schiffen und 370 Mann. Am 2. Februar 1543 erreichte er die Ostküste Mindanao’s und landete in der Caraga-Bucht. Bernardo de la Torre, Commandant der Landtruppen der Expedition, gab Mindanao[5] den Namen Cesarea zu Ehren des Kaisers. Sein Versuch, auf den an der Südspitze Mindanao’s liegenden Sarangani-Inseln eine Niederlassung zu gründen, misslang wegen Mangel an Lebensmitteln. Die Portugiesen auf den Molukken erhielten hiervon Kunde und schickten einen Gesandten ab, welcher von Villalobos die sofortige Räumung des gesammten Archipels forderte, weil er zum portugiesischen Weltantheil gehöre. Der durch eine grosse Anzahl erhaltener Vorschriften in seinem freien Thun und Lassen behinderte Villalobos schickte hierauf ein Schiff nach Neu-Spanien zurück, um neue Instructionen zu holen, aber dasselbe musste durch widrige Winde genöthigt umkehren. Villalobos verliess in Folge der eintretenden Hungersnoth die Sarangani-Inseln und suchte nach Cebú zu gelangen. Jetzt begann eine wahre Odyssee für diese unglückliche Expedition, welche beständig mit widrigen Winden und Mangel an Lebensmitteln zu kämpfen hatte. Umsonst schickte Villalobos von Butuan aus Schiffe nach Bohol und anderen Inseln, die Spanier schwebten beständig in der Gefahr, den Hungertod zu erleiden. Zwei seiner Brigantinen gelangten nach der Insel Sámar und zwar an die Ostküste derselben, welche damals Ibabáo genannt wurde, während der westliche, gegen Leyte gewendete Theil den Namen Sámar schon führte, welcher heute der ganzen Insel zukommt, während der Name Ibabáo vollständig in Vergessenheit gerathen ist, obwohl im XVII. Jahrhundert die ganze Insel auch Ibabáo genannt wurde. Die Spanier des Villalobos nannten die Insel nach dem Radjah von Ibabáo Tendaya (oder Tandaya), Villalobos gab ihr aber nach dem Infanten Don Felipe den Namen Filipina, ohne jedoch den Namen auf den ganzen Archipel auszudehnen, wie gewöhnlich angenommen wird. Noch am 15. Juli 1552 nennt Fray Nicolas de Witte in einem an den Kaiser selbst gerichteten Schreiben die von Magallanes entdeckten Inseln „Islas de Poniente”[6], was er gewiss nicht gethan hätte, wenn jener Archipel nach dem Sohne und Thronerben des Kaisers benannt worden wäre. Die Bezeichnung Neu-Castilien, welche Villalobos den heutigen Philippinen gab, gerieth ebenso schnell in Vergessenheit, wie der Name Islas de San Lazaro, den ihnen Magallanes verliehen hatte. Die Unmöglichkeit, Lebensmittel zu erlangen oder Cebú zu erreichen, zwangen schliesslich nach langen Irrfahrten den spanischen Admiral, mit dem Reste seiner Leute nach den Molukken aufzubrechen und den Portugiesen halbverhungert sich zu ergeben, nachdem ein Versuch misslungen war, ein Schiff in südlicheren Breiten (längs Neu-Guinea) nach Neu-Spanien um Succurs zu senden. Der Befehlshaber dieses Schiffes, der seekundige Mönch Fray Gerónimo de S. Estévan y Jimenez, gab angeblich Neu-Guinea den noch heute gebräuchlichen Namen. Die auf Sámar durch Schiffbruch zurückgebliebenen Spanier wurden durch Schiffe des Sultans von Tidore nach den Molukken gebracht.

Nach dieser unglücklichen Expedition verlor Kaiser Karl V. alle Lust, sich weiter mit den Islas de Poniente zu beschäftigen, sie hatten ihn nur Blut und Geld gekostet, ohne auch nur einen Ersatz für die auf ihre Entdeckung verschwendeten Opfer zu bieten; erst als sein Sohn Philipp II. zur Regierung gelangte, begann man am spanischen Hofe sich wieder der Islas de Poniente zu erinnern. Es ist nur zu wahrscheinlich, dass Urdaneta es war, der den König auf jenen entlegenen Erdtheil aufmerksam machte. Philipp entschloss sich im Jahre 1558 nochmals, den Versuch zu unternehmen, die Islas de Poniente zu erobern, er richtete ein in den schmeichelhaftesten Ausdrücken verfasstes Schreiben[7] an Urdaneta, in welchem er ihm mittheilte, dass der Vicekönig von Neu-Spanien den Befehl erhalten hätte, nach den Islas de Poniente (also Philipp kennt den Namen Philippinen nicht) eine Expedition auszusenden, und dass es der Wunsch des Königs wäre, dass Urdaneta an diesem Zuge Theil nehme. Urdaneta war inzwischen Augustinermönch geworden, und aus seinem Kloster in der Stadt Méjico schickte er dem Könige als Antwort auf dessen Schreiben ein ausführliches Memorial über die Schifffahrt in der Südsee und den ihm bekannten ostasiatischen Gewässern. Der Vicekönig hatte gleichzeitig den Befehl zur Ausrüstung jener Expedition erhalten, es stand ihm die Auswahl der Befehlshaber, der Schiffe und Mannschaft frei; die Richtung und Ausdehnung der Fahrt aber, kurz die ganze Direction der Unternehmung sollte dem erfahrenen Fray Andrés Urdaneta überlassen bleiben, der den Titel eines „Protector de Indios” erhielt. Auf Vorschlag des Urdaneta wurde sein Landsmann, der Baske Don Miguel Lopez de Legazpi zum Chef der Expedition ernannt, auch die Mannschaft der aus fünf Schiffen bestehenden Flotte bestand grösstentheils aus seekundigen Basken.

Am 21. November 1564 verliess die Expedition die Küste Neu-Spaniens; am 9. Januar 1565 wurden die Ladronen erreicht und am 13. Februar die erste Philippine, die kleine Insel Suluan, südlich von Sámar, der Legazpi den Namen Buen Señal (das gute Omen) gab. Da es nicht in meiner Absicht liegt, eine Geschichte der spanischen Eroberung der Philippinen zu geben, sondern mich nur mit der kurzen Registrirung der Entdeckungen zu beschäftigen, so erwähne ich, dass Legazpi zunächst Sámar aufsuchte und zwar den südlichen Theil, er nennt die Insel: „Ibabáo”. Von dort wandte er sich nach Leyte und landete bei dem uns schon durch Magallanes bekannten Inselchen Panaon. Da die Expedition trotz aller freundlichen Bemühungen die in die Bergwildnisse sich flüchtenden Eingeborenen zur Lieferung von Lebensmitteln nicht bewegen konnte, so entschloss sich Legazpi, am 14. März nach Mindanao zu gehen, entweder nach Butuan oder der Insel Camiguin, widrige Winde verschlugen ihn aber nach dem damals sehr schwach bevölkerten[8] Bohol, so dass er auch hier keine Lebensmittel auftreiben konnte, zumal auch hier die Eingeborenen sich mit den Spaniern in keinen Verkehr setzten. Legazpi schickte nun das schnellste seiner Schiffe, den S. Juan, unter Capitän Isla nach Butuan, um mit dem Fürsten dieses Landes einen Freundschaftsvertrag abzuschliessen und Lebensmittel und Zimmt dort einzukaufen. Ehe noch Isla von seiner glücklichen Fahrt nach Butuan zurückgekehrt war, hatte Legazpi durch Vermittelung eines Steuermannes aus Borneo sich mit den Häuptlingen von Bohol befreundet und mit dem vornehmsten derselben Blutsfreundschaft (beide tranken gegenseitig ihr Blut) geschlossen. Legazpi schickte den Piloto Mayor der Flotte, Don Estévan Rodriguez, in Begleitung des borneanischen Steuermannes, mit geringer Bedeckung mit einem kleinen Fahrzeuge ab, um Cebú zu recognosciren und die Route dorthin sicherzustellen. Als dieses Schiff lange ausblieb, wurden zwei spanische Soldaten auf einem Boote der Eingeborenen dem ersteren nachgeschickt, sie kehrten mit der Nachricht zurück, dass von dem ersten Fahrzeuge nichts zu erblicken wäre, dagegen brachten sie die frohe Kunde, dass Cebú von Reichthümern strotze, bald darauf traf Rodriguez ein und bestätigte diese Nachrichten, auch Capitän Isla langte mit reicher Ladung an. Das kam zur rechten Zeit, denn schon hatten Hungersnoth und Enttäuschung (man fand nirgends Gold) die Leute unzufrieden gemacht und selbst unter dem Officierscorps den Wunsch nach einer Rückkehr nach Neu-Spanien hervorgerufen, Legazpi hatte sich genöthigt gesehen, einen Kriegsrath einzuberufen, der erst nach langen und stürmischen Debatten sich für das Bleiben entschied.

Am 22. April verliess Legazpi Bohol, statt aber direct nach Cebú zu gelangen, wurde er nach Dapitan an der Nordküste von Mindanao verschlagen, wo ihm der Fürst desselben, Pagbuya, erst die Piloten gab, welche die Expedition glücklich nach dem Hauptorte Cebú’s brachten, wo Legazpi’s Schiffe am 27. April 1565 Anker warfen und zwar in der Ensenada de Mandave. Dort gründete Legazpi eine spanische Niederlassung, die er zuerst S. Miguel de Cebú nannte, deren Name er aber bald darauf in „Villa de Santísimo Nombre de Jesús” umänderte, als ein Soldat die Statue eines Jesuskindes fand, die wahrscheinlich von Magallanes’ Leuten zurückgelassen worden war. Fray Andrés de Urdaneta kehrte hierauf mit dem besten Schiffe nach Neu-Spanien zurück, um den Vicekönige den Bericht über den Stand der jungen Colonie zu erstatten und um Verstärkungen und Nachsendungen zu fordern[9].

Auch in Cebú litten die Spanier Mangel an Lebensmitteln, denn die Eingeborenen bauten nicht mehr als sie selbst brauchten, und das nach Neu-Spanien abgegangene Schiff hatte die wenigen Vorräthe vollständig erschöpft. Legazpi schickte den Capitän Goyti ab, um Lebensmittel aufzutreiben, Goyti wurde so der Entdecker von der Westküste von Cebú und den gegenüberliegenden Gestaden von Buglás, das er nach seinen schwarzen Bewohnern die Isla de Negros (Neger-Insel) nannte. Im folgenden Jahre (1566) gelangte der Oberst Mateo de Sauz bis nach Panay, als er Reis einkaufen wollte, bei dieser Gelegenheit besuchte er die Westküste von Negros. Derselbe Sauz (ebenfalls ein Baske) entdeckte noch in demselben Jahre die Nordküste der Isla de Baybay (Nord-Leyte), die Inseln Bilaran und Panamao, sowie den nördlich von der Juanico-Strasse gelegenen Theil von der Westküste Sámars. Der unermüdliche Sauz begab sich noch in demselben Jahre und zwar zum zweiten Male nach Butuan, und besuchte auch die Ostküste Mindanao’s, deren nördliche Strecke er Küste Coavit (nach dem heute Cavit geschriebenen Cap) benannte, dort stiess er aber mit einem portugiesischen Schiffe zusammen, denn die Portugiesen waren gekommen, um durch Güte oder Gewalt die Spanier zur Räumung der heutigen Philippinen zu zwingen. Die Portugiesen erschienen auch in der Nähe von Cebú, kehrten aber wieder nach den Molukken zurück, da sie die Spanier stärker vorfanden, als ihnen berichtet worden war. Im März 1567 wurde die Entdeckung von Panay durch den Capitän de la Haya vollendet.

In demselben Jahre schickte Legazpi ein Schiff nach Neu-Spanien ab, welches einen genauen Bericht des spanischen Generals an seinen König zu überbringen hatte. In diesem Briefe nennt Legazpi den ganzen von ihm bisher entdeckten Archipel „Islas Filipinas”, welche Benennung noch heute allgemein üblich ist. Die Inselgruppe, welche Cebú, Bohol, Leyte, Sámar, Negros und Panay umfasst, also jenen Archipel, welchen die Spanier Islas Visayas heute nennen, bezeichnete er mit dem Namen Islas de Pintados, weil die Eingeborenen sich den Leib zu bemalen pflegten. Der Name Pintados für die Visayer[10]-Inseln und deren Bewohner erhielt sich bis in den Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Das Jahr 1568 brachte wenig neue Entdeckungen, weil die Spanier, von einer portugiesischen Flotte in Cebú angegriffen, Mühe hatten, sich des plötzlichen Angriffes zu erwehren.

Da Cebú zu wenig Lebensmittel producirte, so verlegte Anfang 1569 Legazpi sein Hauptquartier nach dem reichen Panay und zwar an die Nordküste dieser Insel, wo die heutige Provinz Capiz sich befindet, von da an jagt eine Entdeckung die andere. Der Sevillaner Edelmann D. Luis Henriquez de Guzman entdeckte und eroberte die Inseln Masbate, Burías und Ticao, von dort gelangte er nach der Landschaft Albay, dem südlichsten Theile Luzons, er war also der erste Spanier, welcher die grösste Insel der Philippinen betrat, und das betone ich ausdrücklich, weil man oft der Ansicht begegnet, die Entdecker Luzons wären Goyti und Salcedo gewesen[11]. Ihn begleitete auf diesen Zügen der Augustiner Fray Alonso Jiménez. Die vollständige Unterwerfung dieser Gebiete führte unmittelbar darauf der Capitän D. Andrés de Ibarra aus. Damals führte Albay den Namen Ibalon oder wurde wenigstens so von den Spaniern genannt.

Zur selben Zeit unternahm der heldenmüthige Enkel Legazpi’s, Don Juan de Salcedo, an der Spitze von 30 Spaniern und 500 Eingeborenen eine Expedition nach der den Spaniern noch unbekannten grossen Insel Mindoro, deren Küsten er befuhr; er entdeckte noch überdiess die Insel Lubang und kam auf diese Weise in die unmittelbarste Nähe der Bay von Manila.

Inzwischen hatte Legazpi den Befehl vom König erhalten, den gesammten Archipel der Philippinen der spanischen Krone zu unterwerfen, deshalb trachtete er vor Allem darnach, Manila’s sich zu bemächtigen, dessen Kaufleute und Schiffe er in Mindanao wie den Pintados getroffen hatte und von dessen Reichthume sich die Spanier überschwengliche Vorstellungen machten. Während er sich mit den Rüstungen zu diesem Zuge und dem Aufbau seiner Befestigungen in dem zu einer Ciudad (kgl. Freistadt) erhobenen Cebú (Santísimo Nombre de Jesús) beschäftigte, wurden der Maestre de Campo (Oberst) Goyti und Juan Salcedo mit mehreren Schiffen und 120 spanischen Soldaten und zahlreichen „Pintados” abgeschickt, um Luzon, insbesondere Manila, zu recognosciren (1570).

Die Expedition erreichte Luzon an den Küsten der heutigen Provinz Batangas, welche damals Comintana genannt wurde, hier trennten sich die beiden Führer, Goyti segelte nach Norden und wurde so der Entdecker der herrlichen Bai von Manila, Salcedo aber entdeckte den grossen Binnensee von Bombon, in dessen Mitte auf einer kleinen Insel der niedrige aber unheilvolle Vulcan von Taal sich befindet. Damals war das kurze Flüsschen, welches die Laguna de Bombon mit dem Meere verbindet, tief genug, um den seichtgehenden Schiffen Salcedo’s das Einlaufen in den See zu gestatten. Als aber Salcedo mit den Umwohnern der Lagune in Kampf gerieth und selbst verwundet wurde, zog er sich zurück und vereinigte sich erst vor Manila mit Goyti. In Manila wurden die Spanier plötzlich überfallen, woran vielleicht portugiesische Wühlereien Schuld trugen, wenigstens fand man nach der Erstürmung des hölzernen Forts des Sultans von Manila einen Portugiesen, welcher die Artillerie befehligt hatte. Ich glaube, dass jener Portugiese kein Agent seines Vaterlandes gewesen ist, die dürftigen Nachrichten gestatten den Schluss, dass er ein Deserteur oder Renegat gewesen sei. Nach der Züchtigung der verrätherischen Eingeborenen kehrten Goyti und Salcedo nach Panay zurück.

1571 erschien Legazpi in der Bai von Manila und gründete dort an der Mündung des Pasig die Hauptstadt der Philippinen, von welcher aus bald Expeditionen nach allen Seiten ausgingen, um Luzon oder Neu-Castilien, wie es Legazpi nannte, zu unterwerfen. Goyti drang in die Landschaft Pampanga vor und unterwarf sie der spanischen Krone, damals verstand man unter dem Namen Pampanga auch die heutigen Provinzen Bulucán, Nueva Écija und La Infanta, jedoch kam Goyti nicht bis an die Ostküste Luzons, das war Salcedo vorbehalten. Dieser kühne Conquistador segelte den Pasig hinauf und wurde so der Entdecker der wunderbar schönen Laguna de Bay, deren Gestade er seinem Könige zinspflichtig machte. An der Laguna erfuhr Salcedo, dass jenseits der Berge, welche im Osten und Südosten den See umgeben, Gold zu finden wäre. Salcedo brach sofort dahin auf, zwar missglückte sein erster Zug, er musste beim Vulcan Mahayhay oder Banahao wieder umkehren, aber mit frischen Verstärkungen versehen gelang es ihm, unter grossen Schwierigkeiten die Ostküste Luzons, die sogenannte Contracosta, zu erreichen, worauf er die Küsten von Camarínes[12] bis zur Bai von S. Miguel befuhr und die Goldminen von Paracale und Mamburao entdeckte; beinahe gleichzeitig war die Insel Tablas, dann die luzonische Landschaft Calilaya (das heutige Tayabas) von spanischen Truppen unterworfen worden. Auch die Cuyos- und Calamianes-Inseln sowie das nördliche Palawan (Paragua) waren inzwischen entdeckt und unterworfen worden.

1572 brach Salcedo mit einem kleinen Geschwader von malaiischen Fahrzeugen aus Manila auf, um die nördlichen Küsten Luzons und die Ausdehnung dieser Insel überhaupt kennen zu lernen. Salcedo umsegelte ganz Nord-Luzon, entdeckte die Landschaften Zambales, Pangasinán (Lingayen), Ilócos und Cagayán und gab den Vorgebirgen Bogeador und Engaño ihre noch heute üblichen Namen. Auf der Fahrt längs der Ostküste entdeckte er die Insel Polillo. In der Bucht von Amanto endete diese abenteuerliche Expedition, Salcedo kehrte auf dem Landwege und über die Laguna de Bay nach Manila zurück, wo inzwischen sein Grossvater Legazpi im August 1572 gestorben war. Labezares, ebenfalls ein Baske, wurde jetzt Interims-Gouverneur, er schickte im Jahre 1573 den Salcedo nach Camarínes ab, um dieses von Salcedo selbst entdeckte Land der spanischen Krone zu unterwerfen, was ihm rasch gelang, wobei auch die gesammten westlichen Küsten von Camarínes entdeckt wurden (durch Cap. Chaves), so dass jetzt die Küste Luzons in ihrer gesammten Ausdehnung bekannt wurde, hauptsächlich durch Salcedo. Damit war die Aera der grossen Entdeckungen in den Philippinen zu Ende, es blieb nur die Nachlese übrig. Figueroa besuchte 1578 die einzelnen Inseln des Sulu-Archipels, und von Cagayán drangen die Spanier wenige Jahre später nach den Babuyanen vor. Damit war die Entdeckung der Philippinen abgeschlossen und weitere Forschungsreisen konnten sich nur mehr mit den Binnenlandschaften des Archipels befassen.

Fassen wir kurz das oben Erwähnte zusammen, so gelangen wir zu folgenden Resultaten, wenn wir die einzelnen Theile der Philippinischen Inseln der Reihe nach durchnehmen.