4. Pangasinanen (Pangasinanes).

Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo’s waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganze Hinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.

Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574–76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.

Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).

Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösen Anschauungen wie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das „Remontarse” Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.