Waldmüller erzählt von seinem künstlerischen Werdegang und seinen erzieherischen Plänen

Heimkehr der Schnitter
Phot. J. Löwy, Wien

Hügellandschaft
Phot. J. Löwy, Wien

Ich erblickte das Licht der Welt in Wien im Jahre 1793. Mein Vater war früher Militär und zuletzt Bestandwirt. Meine Erziehung wurde den damaligen Zeiten und dieser bürgerlichen Stellung gemäß geleitet. Meiner Mutter Lieblingswunsch ging dahin, daß ich mich dem geistlichen Stande widmen sollte, mit welchem Wunsche indessen meine eigene Neigung durchaus nicht übereinstimmte. Als ich noch Knabe war, äußerte sich in mir schon die Liebe zur Kunst, und obschon verworren und unklar, wie die Begriffe sich in so zartem Alter gestalten, schwebte mir als Ideal meiner Bestimmung eine Wirksamkeit in diesen Kreisen in den glänzendsten Farbenspielen einer jugendlichen Einbildungskraft vor. In meinem elterlichen Hause ward diese Richtung nicht beachtet, doch wußte ich jede freie Stunde während des Studiums der drei Grammatikalklassen zum Zeichnen zu benützen. Donnerstag und Sonntag, als den Schulferientagen, nahm ich in einer Privat-Zeichenschule Unterricht im Blumenzeichnen. Binnen kurzem ward ich daselbst durch meinen rastlosen Fleiß, durch den Eifer, der mich beseelte, als der ausgezeichnetste unter den Schülern bemerkbar. Der Lehrer selbst, der sich an meinen raschen Fortschritten erfreute und deshalb besonderen Anteil an mir nahm, gab mir den Rat, mich im Figurenzeichnen zu versuchen, wozu ich eine besondere Neigung und ungewöhnliches Geschick zeigte. Der Rat war allerdings gut gemeint, aber in jener Privat-Zeichenschule konnte niemand in dieser Beziehung entsprechenden Unterricht erteilen. Der Funke, der in meinem Innern glühte, war durch den guten Lehrer neuerdings angefacht worden. Immer weniger vermochte ich dem Drange zu widerstehen, der Kunst mein Dasein zu weihen. Ich beschloß, die k. k. Akademie der bildenden Künste zu besuchen und dort jenen Unterricht zu empfangen, durch welchen ich an das Ziel zu gelangen hoffte. Unter solchen Umständen mußte ich natürlich meine Mutter in Kenntnis von meinem Vorhaben und der Bestimmung, welche ich mir zu geben entschlossen war, setzen. Es war mir indessen durchaus unmöglich, ihre Zustimmung zur Wahl eines, ihren Wünschen so entgegengesetzten Standes zu erhalten. Als sie sah, daß alle ihre Gegenvorstellungen vergebens waren, griff sie sogar zu dem äußersten Mittel, mir mit unerbittlicher Strenge alle Subsistenzmittel zu entziehen, um mich hierdurch zu nötigen, den betretenen Weg zu verlassen. – Vergebens! Wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, so ward auch hier durch die Hindernisse, welche meiner Neigung entgegentraten, diese Neigung nur heftiger entflammt. Entschlossen, mit jeder Entbehrung, mit jedem Opfer auf dem Pfade der Kunst vorwärts zu schreiten, vertauschte ich das Gymnasium mit der Akademie. Es fand sich auch bald ein, freilich höchst bedürftiger, Erwerb für mich. Einer meiner Mitschüler beschäftigte sich mit Kolorieren der Bonbons für Zuckerbäcker und ließ mich an dieser Arbeit Teil nehmen. Da wir indessen beide am Tage die Akademie frequentierten und sehr fleißig waren, so konnten wir diesem spärlichen Broterwerb nur die Nacht widmen. Wir schliefen und arbeiteten abwechselnd die Nacht hindurch. Schon im zweiten und dritten Jahre hatte ich an der Akademie solche Fortschritte gemacht, daß mir erste Preise im Zeichnen des Kopfes und der Figur zuerkannt wurden. Ich begann sodann mich im Miniaturmalen und im Porträt zu versuchen. Auch mit diesen Leistungen gelang es mir einige Aufmerksamkeit zu erregen und Aufmunterung und Freunde zu gewinnen. Mehrere derselben forderten mich auf, zu dem damals begonnenen Landtage nach Preßburg zu gehen, wo es mir nicht leicht an Beschäftigung fehlen würde. Wirklich war dies auch der Fall. Ich malte mehrere Miniaturporträts, welche Beifall fanden, ward mit dem Ban von Kroatien, Grafen Gyulai, bekannt und erhielt von demselben den Antrag, als Zeichenmeister seiner Kinder bei ihm einzutreten. Mit der innigsten Freude ergriff ich diesen Antrag und folgte dem Grafen nach beendetem Landtage zu dieser meiner neuen Bestimmung nach Agram. Ich verlebte daselbst drei Jahre und in diese Zeit fallen auch meine ersten Versuche in der Ölmalerei. Natürlich konnten dieselben nicht anders als höchst mangelhaft sein, da ich ohne die geringste Anleitung, ohne die mindeste Kenntnis von den Geheimnissen der Palette zu diesen Versuchen schritt. Ja nicht einmal die nötigsten Requisiten konnte ich mir anschaffen, da zu jener Zeit in Agram nichts dergleichen zu bekommen war. Obschon ich also jahrelang akademischer Schüler gewesen war, obschon mehr als sechs Jahre verstrichen waren, seit ich mit dem glühendsten Eifer mich der Kunst gewidmet hatte, so hatte ich es doch nicht weiter gebracht, als daß ich jetzt ratlos, als vollkommener Anfänger in der wichtigsten Technik die ersten Versuche wagen mußte. In Agram ward ich auch veranlaßt, Dekorationsmalerei zu betreiben. Der dortige Theaterunternehmer hatte sich deshalb an mich wenden müssen, weil kein zweiter Maler damals in Agram zu finden war. Zu jener Zeit vermählte ich mich auch mit einer Sängerin, welche ich in Agram kennen gelernt hatte; eine Verbindung, welche, da sie durchaus nicht harmonisch war, auch nicht dauernd beglückend werden konnte und deren ich auch nur deshalb hier erwähne, weil sie insoferne in Verbindung mit meiner Kunststellung steht, daß sie nicht ohne störende Einwirkung auf dieselbe blieb, indem sie mich nötigte, meinem sehnsüchtigen Wunsche nach Wien zu gehen und mich dort ausschließlich den Fortschritten in der Kunst zu widmen, zu entsagen und mich fortwährend in Provinzstädten, wie Prag, Brünn usw. herumzutreiben. Auf diesen Kreuz- und Querzügen beschäftigte ich mich wohl mit Dekorationsmalerei, aber es war nicht daran zu denken, an eine höhere Ausbildung Hand zu legen, deren Bedürfnis ich je länger, je mehr fühlte. Da endlich meine Gattin ein Engagement nach Wien erhielt, so wurde mir denn auch das ersehnte Glück zu Teil, die Residenz, meine teure Vaterstadt, wieder zu betreten. An den Aufenthalt in derselben knüpften sich meine schönsten Hoffnungen. Mächtig regte sich in mir der Trieb zu künstlerischer Entwicklung, ein dunkles Sehnen und Ahnen schwellte meine Brust, ich wollte das Bessere, ich strebte nach dem Höheren, aber noch war meinem Auge die Binde nicht entnommen, noch wußte ich nicht, auf welchem Wege das Ziel zu erreichen sei, noch war mir die höhere Weihe der Kunst das verschleierte Bild von Sais. Ich glaubte das Heil zu finden, wenn ich in der kaiserlichen Galerie zu kopieren begänne. Wie es bisher noch bei allen Kunstzweigen gegangen war, in denen ich mich versucht hatte, so gelang es mir, auch mit diesen Kopien Beifall zu finden. Ein Privatmann mit nicht ungeübtem Blick glaubte in diesen Bestrebungen einen Geist zu erkennen, welcher der Aufmunterung nicht unwürdig sei, und gab mir Aufträge zu ferneren Arbeiten dieser Art. Ich kopierte mehrere der besten Werke sowohl der kaiserlichen Galerie, als anderer Gemäldesammlungen, sowie einige aus der Dresdner Galerie. Auf diese Weise beschäftigte ich mich abermals fünf Jahre, dann hörten die Aufträge auf und ich stand wieder auf dem alten Punkte. Allerdings durfte ich mir selbst gestehen, ich sei ein ziemlich gewandter Techniker geworden, aber der Geist, der schöpferische Geist, der eigentlich das Kunstwerk zu einem solchen stempelt, hatte mir noch nicht gelächelt. Ich fühlte seine Mahnung, aber es fehlte die Kraft des freien Flügelschlages, mich emporzuschwingen. Was ich bis jetzt geübt – ich konnte mir es nicht verhehlen – war nur ein Versuch des Ikarus gewesen. Die wächsernen Flügel zerschmolzen vor dem Strahle der Sonne.

Am St. Johannis-Abend
Phot. J. Löwy, Wien

Hochzeit auf dem Lande
Phot. J. Löwy, Wien

Ich hatte mich nun wieder dem Porträt zugewendet, allein befangen in der damals herrschenden Manier, umschlungen von den Fesseln altherkömmlicher, auf meinem Bildungswege eingesogener Vorurteile, schwangen sich meine Leistungen durchaus nicht über das Gewöhnliche empor. Ich fühlte den Druck dieser Fesseln, aber ich fand die Kraft nicht, sie abzuwerfen. Ich hatte mich nie getraut, bei meinem Kopieren älterer Meisterwerke die Hintergründe selbst zu malen. Da ich dieses Fach nicht auf akademischem Wege studiert hatte, so hielt ich es für einen Frevel, Hand daran zu legen. Ich ließ also diese Hintergründe durch einen meiner Freunde, einen Landschaftsmaler, ausführen. Dieser gestaltete sie natürlich auf seine Manier, und so kam es, daß sie weder mit den Figuren, noch überhaupt mit dem Geiste des Originals in künstlerischem Einklange standen, – ein Mißstand, der natürlich höchst störend vortreten mußte. Ich erkannte dies selbst, und durch diese Erkenntnis angeregt, ging ich daran, Studien nach der Natur zu machen, welche, da ich in diesem Fache durch Kopieren noch nicht irre geleitet und verdorben war, sehr gut gelangen. Jetzt war der Moment erschienen, in welchem der erste Strahl jenes Lichtes vor mir aufdämmerte, in dessen Glanz ich – leider erst so spät – die Wahrheit erkennen lernen sollte. Durch einen solchen Zufall mußte ich die Bahn der Erkenntnis betreten. Infolge der eben erwähnten Arbeiten und des so überraschenden Gelingens derselben, ward ich zuerst und zufällig auf die Notwendigkeit und den Nutzen der Naturstudien aufmerksam gemacht. – Naturstudien! – Ein Begriff, welcher mir bis dahin völlig fremd geblieben war! Bald erfolgte eine zweite Anregung dieser Art, und zwar eine entscheidende. Herr Hauptmann von Stierle-Holzmeister beauftragte mich, das Porträt seiner Mutter zu malen. Aber – so sprach er zu mir – malen Sie mir sie genau, so wie sie ist. Diesem Auftrage gemäß versuchte ich es nun, bei diesem Porträt die Natur mit der größten Treue wieder zu geben – und es gelang! Jetzt war auch mit einem Male die Binde vor meinem Auge gefallen. Der einzig rechte Weg, der ewig unerschöpfliche Born aller Kunst: Anschauung, Auffassung und Verständnis der Natur hatte sich mir aufgetan; was so lang als Ahnung in meiner Seele erklang, war zum Bewußtsein erwacht, und obschon ich gerade nach dieser Erkenntnis mir um so weniger verhehlen konnte, wie weit ich bisher vom rechten Weg abgeirrt war, so stand mein Vorsatz doch fest, ihn von nun an nie mehr zu verlassen und mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft zu streben, das Versäumte nachzuholen. Ich hatte eine doppelte Aufgabe zu lösen, eine positive und eine negative; die eine war, Neues zu erlernen, die andere, Erlerntes zu vergessen. Bekanntlich ist das letztere weit schwieriger als das erstere, und doch war es unerläßliche Bedingung, mich von der Imitation und Manier loszusagen, in welchen ich früher das Wesen der Kunst begründet glaubte. Im vorgerückten Mannesalter geschieht das Losreißen von solange genährten Vorurteilen nicht ohne die größten Anstrengungen. Ich überwachte mich indes auf das strengste und strebte rastlos, mich immer mehr auf dem Wege des Studiums der Natur zu vervollkommnen. Auch war ich fleißig daran, durch das Studium kunstliterarischer Werke meine Erkenntnis zu erheben und zu klären. Das meisterhafte Buch des trefflichen, leider uns nun schon durch den Tod entrissenen Kanonikus Speth „Die Kunst in Italien“ gab mir die lebhafteste Anregung, dieses Land auch selbst zu bereisen und seine Kunstschätze zu studieren. Ich tat es, wiederholte diese Reisen mehrere Male und sie waren von großem, wichtigen Einfluß auf meine künstlerische Wirksamkeit. Das Anschauen der zahllosen in dem schönen Italien gehäuften Werke der größten Meister erschloß meinem Sinne die ganze Größe, Herrlichkeit und Bedeutung der Kunst. Im regsten Kampfe meines Innern fühlte ich mich bei dieser Erkenntnis entmutigt und begeistert zu gleicher Zeit. Entmutigt, weil ich eben im Anschauen solcher Werke die gänzliche Mangelhaftigkeit alles bisher von mir Geleisteten erkannte, und es mir sehr problematisch erscheinen mußte, ob ich in einem Alter von 35 Jahren noch hoffen durfte, einen Standpunkt zu erreichen, wo ich den Anforderungen, wie ich sie im Sinne der jetzigen Entwicklung meiner Ansichten und Begriffe an künstlerische Leistungen stellen mußte, entsprechen könne. Begeistert hingegen fühlte ich mich eben zu dem Vorsatz, mit aller Kraft nach dem Höchsten zu ringen und nur der Wahrheit und Natur zu huldigen, wie jene großen Meister taten, deren unsterbliche Werke vor meinen Blicken glänzten. So war mir endlich die Wahrheit klar geworden. Ein ferneres Irren war unmöglich. Alle meine Studien und Bestrebungen geschahen in diesem Geiste, in dieser Richtung. Im Jahre 1830 besuchte ich Paris, um die Arbeiten der neuen französischen Schule zu studieren, deren treffliche Leistungen ein neuer Sporn für mich waren, in dem seit Jahren schon von mir versuchten Genrefach tätig zu bleiben. In diesem Jahre erhielt ich auch die Anstellung als Professor an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, dann als erster Kustos der dieser Akademie eigentümlich angehörigen, weiland gräflich Lambergschen Gemäldesammlung, endlich als akademischer Rat. Jene Zeit, welche die Ausübung der Berufsgeschäfte, welche mit dieser meiner Stellung verbunden waren, mir übrig ließ, benutzte ich rastlos zu steter Ausbildung, zu emsigem Fortschritt auf der betretenen Bahn. Ich wiederholte, um meine Erfahrungen zu vermehren, die Reisen nach Italien und dehnte sie auch nach Sizilien aus, wo ich ein paar Jahre hintereinander meine Ferienzeit in eifrigen Studien verlebte. Ein eigener, mein Nachdenken seit Jahren auf das lebhafteste beschäftigender Gegenstand war der Kunstunterricht. Der hier von mir geschilderte Gang meines eigenen Lebens bot mir nur allzureichen Stoff zu diesem Nachdenken. Ich hatte es an mir selbst erfahren müssen, an welchen Gebrechen die bisherige Lehrmethode kränkle, welch ein tief gefühltes Bedürfnis es sei, zu Reformen in dieser Beziehung zu schreiten, und ich glaubte überzeugt sein zu dürfen, auf dem Wege, auf welchem ich zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt war, die Fingerzeige gefunden zu haben, wie diese Reformen auf das zweckmäßigste und fruchtbringendste zu bewerkstelligen wären. Nach mannigfachen Studien, Prüfungen und Erwägungen hatte ich mir eine Theorie über eine neue Lehrmethode gebildet, welche meiner Ansicht nach alles in sich vereint, was diesem Bedürfnis entspricht. Es kam nur darauf an, diese Theorie in der praktischen Ausführung zu bewähren. Die Resultate übertrafen selbst meine kühnsten Erwartungen. Fräulein Rosalia Amon war die erste von mir nach dieser Theorie unterrichtete Schülerin; ihre Arbeiten erregten in den Ausstellungen allgemeine Aufmerksamkeit. Auch bei den folgenden Schülern, welche ich nach dieser Methode unterrichtete, bewährte sich dieselbe in einem Maße, welches wahrhaft staunenerregend genannt werden darf. Ein vergleichender Blick auf die Vergangenheit meiner eigenen Laufbahn mit der Gegenwart und Zukunft jener nach dieser Lehrmethode unterrichteten Schüler mußte meine Überzeugungen unerschütterlich machen. Die öffentliche Meinung und das Urteil achtbarer und unparteiischer Kunstgenossen legt auf dem Standpunkte, zu welchem ich gelangte, meinen künstlerischen Leistungen einiges Verdienst bei. Von welcher Art dieses Verdienst immer sein mag, ich erwarb es nur infolge der Erkenntnis, daß die Natur die einzige Quelle und Summe unseres Studiums sein müsse, daß in ihr allein jene ewige Wahrheit und Schönheit zu finden sei, deren Ausdruck in jedem Zweige der bildenden Kunst das höchste Ziel des Künstlers sein müsse. Diese Erkenntnis in dem Schüler zu wecken, ihn zu der Befähigung, dieselbe kunstgemäß zu benützen, auf dem kürzesten, einfachsten, durch keinerlei Zwischenmittel beengten Wege zu leiten, dies allein kann das Ziel des Unterrichts sein. Daß die bisher in Übung gewesene Methode diesen Prinzipien nicht entspricht, dürfte wohl kaum geleugnet werden. Einen Beweis dafür (und es dürfte leicht werden, hundert ähnliche aufzufinden) glaube ich eben in der Darlegung meiner eigenen Laufbahn gegeben zu haben. Wie spät gelangte ich zur Erkenntnis der Wahrheit, wie lange, nachdem die Zeit der Jugend, der Kraftperiode des Schaffens und Bildens, in einer langen Reihe von Irrtümern, fruchtlosen Versuchen und verwerflichen Bestrebungen verstrichen war, und selbst da mußte nur ein Zufall mich die Wahrheit erkennen lassen! Wie manches Talent, wie viel schöner Beruf dürfte nicht vielleicht ungekannt und ungewürdigt untergehen, vergebens auf den Zufall harrend, der das Rechte zeigt? Betrachte ich dagegen die künstlerische, freudige, kräftige Entwicklung jener jungen Leute, welche auf dem Wege meiner Lehrmethode den Elementar-Unterricht empfingen, sehe ich, wie sie schon nach wenigen Monaten auf einer Stufe der Erkenntnis und der technischen Befähigung stehen, auf welche ich und so viele meiner Kunst- und Studiengenossen erst nach jahrelangem Irren in dunklen Labyrinthen gelangten, dann fühle ich in Erwägung dieses Kontrastes, es sei mir eine heilige Pflicht, in dieser Richtung den Weg zu bahnen, den Strahl des Lichtes zu verbreiten, unbekümmert, ob auch manches Auge dadurch geblendet werden möge.

(Aus der Vorrede zur 2. Aufl. von Waldmüllers Broschüre „Das Bedürfnis eines zweckmäßigen Unterrichts in der Malerei und plast. Kunst. 1847“.)

Die glücklichen Nachbarn
Phot. F. Bruckmann, A.-G., München

Mutterglück
Phot. J. Löwy, Wien