Der Unterprimaner
Ist die Nacht herangeschlichen,
Liegt das Schulhaus wie entgeistert.
Alles Gaslicht ist entwichen,
Und die Tür ist fest verkleistert.
Gleicht das noch den Korridoren,
Wo wir tags so stark gequält sind,
Wo wir linkisch, kahlgeschoren,
Zage meuternd —, tief verfehlt sind?
Geistergrün seh ich ein Schimmern,
Und der Schornstein wird so deutlich.
Aus den Gängen, aus den Zimmern
Quillt es neblig, süß und bräutlich.
Was umschleich’ ich diese Räume,
Schleiche nicht in Liesbeths Garten,
Tief ins Dickicht — ihrer Träume
Fernsten Seufzer zu erwarten?
Ahnt ihr es? . . . Ich bin ein Buhle
Von bereits geknickter Haltung.
Um das Nacht-Phantom der Schule
Schleich’ ich — trotz der Schulverwaltung.
Ahnt ihr meine Heimlichkeiten,
Nachmittags-Libertinagen?
Müde, etwas zu bestreiten,
Starr’ ich auf die vier Etagen.
Diese klassische Kaserne
Ist erfüllt von Abenteuern!
Grüßten sonst die weißen Sterne
Sie mit ihren blassen Feuern?