Vorwort zur deutschen Bearbeitung.
Die wohlwollende Aufnahme, welche der deutsche „Tom Playfair“ gefunden, hat den Unterzeichneten ermutigt, auch eine zweite Erzählung desselben Verfassers in deutscher Bearbeitung erscheinen zu lassen. „Percy Wynn“ kann insofern als eine Fortsetzung der ersten betrachtet werden, als Tom Playfair auch hier noch eine wichtige Rolle zu spielen hat, wenn er auch naturgemäß hinter dem Haupthelden zurücktritt. — Über den Standpunkt, von dem aus beide Werkchen beurteilt werden möchten, seien hier ein paar Worte vorausgeschickt.
Zu dem Versuche, diese in Amerika schnell beliebt gewordenen Schriften auf Deutsch zu bearbeiten, bewog die Überzeugung, daß dieselben auch für die deutsche Jugend eine unschädliche, genuß- und gewinnreiche Lektüre abgeben und so die Zahl der brauchbaren katholischen Jugendschriften um einige vermehren könnten. Von dem Gedanken aber, hier ein Muster der Erziehungskunst vorzuführen oder die von den amerikanischen Jesuiten befolgte Methode zu schildern, wurde aus dem einfachen Grunde Abstand genommen, weil dieser Gedanke schon dem Verfasser gänzlich ferne gelegen hat. Ein Charakter, so abnorm wie derjenige Percy Wynns, dessen Erziehung überdies bei seinem Eintritte ins Pensionat der Hauptsache nach schon fertig ist, wäre dazu auch recht wenig geeignet. Nicht ein „Lienhard und Gertrud“ lag in P. Finns Absicht, sondern eine fesselnde und veredelnde Lektüre für die Jugend. Die wenigen Gebräuche und Maßregeln aber, deren bruchstückweise Anführung lediglich dem Fortschritte der Erzählung dient, können unmöglich außer dem Zusammenhang mit dem ganzen lebendigen Schul- und Pensionatsorganismus von „Maurach“ richtig beurteilt werden; und dieser selbst würde zu seinem Verständnis wiederum nicht nur eine genaue Kenntnis von Land und Leuten erfordern, sondern auch eine gewisse Vertrautheit mit den lokalen Verhältnissen von Haus und Umgebung.
Insbesondere sind drei Punkte hervorzuheben, die in den vorliegenden Erzählungen zwar berührt, aber doch nicht in dem Maße zum Ausdrucke gelangt sind, daß auch dem Fernstehenden ein richtiges Urteil ermöglicht wäre. — Zunächst ist es die große Bedeutung, welche der Anglo-Amerikaner in seinen Erziehungsanstalten dem Traditionellen beilegt; „was grau vor Alter ist, das ist ihm heilig.“ — An zweiter Stelle kommt der stark ausgeprägte Nationalcharakter der nordamerikanischen Republik mit seinem weitgehenden Einflusse schon auf die erste Erziehung der freigeborenen Jugend und auf die Gestaltung des geselligen Verkehres zwischen groß und klein. — Unter den nationalen Eigentümlichkeiten sei als dritter Punkt noch besonders genannt eine außerordentliche Vorliebe für das Spiel, welche naturgemäß der Jugenderziehung ein ganz eigenes Gepräge geben muß. In der That macht das Spiel samt der Art, wie es nun einmal betrieben wird und nach Landessitte betrieben werden muß, in den amerikanischen Anstalten seine Wirkungen auch dort noch geltend, wo vom Spiele selbst längst nicht mehr die Rede ist.
Ohne Zweifel haben diese kurzen Bemerkungen den Wert beider Schriftchen in den Augen jener Leser vermindert, die in denselben etwa ein ausschlaggebendes Material zum Vergleiche zwischen deutscher und amerikanischer Erziehung zu finden hofften. Allein eine Aufklärung im Beginne ist besser, als eine Enttäuschung am Ende, und vielleicht wird deshalb die Jugendschrift als solche eine um so wohlwollendere Beurteilung finden.
Erwähnt sei noch, daß der Verfasser, wie er in der Vorrede zu seiner zweiten Auflage bemerkt, die Katechismusstunde (S. 136 ff.) der Hauptsache nach von P. Spee entlehnt hat. Dieses Produkt eines urdeutschen Gemütes kommt also hiermit auf den heimatlichen Boden zurück.
Valkenburg in holl. Limburg, d. 30. Aug. 1896.
Franz Betten, S. J.