Hagéville, 20. X. 14.
Liebe M., heute früh bin ich endlich wieder bei meiner Truppe angelangt! Sie liegt seit 14 Tagen völlig unthätig hier; man hat für unsre Feld-Art. jetzt, wie es scheint, keine Verwendung; cr. 150 Batterien sind außer Gefecht! Mir scheint, unsre nächste Bestimmung wird sein, irgendwo (ev. Belgien) Besatzungstruppe zu werden. Unser Pferdematerial ist in trostlosem Zustand, viele von der Mannschaft auch krank; diese tollen anstrengenden ersten Wochen in den Vogesen rächen sich jetzt. Jedenfalls kannst Du beruhigt sein: wir sind jetzt weder irgend welchen Gefahren, noch besonderen Strapazen ausgesetzt. Ich bin froh darüber, — so stark und gefestigt fühle ich mich doch noch nicht; man scheint es mir auch anzusehen. Der Leutnant sagt, ich soll mich nur in jeder Weise schonen; er freute sich, daß ich wiedergekommen bin; er ist übrigens auch krank, an derselben Sache. Ich werde mich jedenfalls mit Essen und Trinken äußerst zusammennehmen und mich genau beobachten. Das Dorf ist blutarm, alles in erschreckendem Schmutz. Ich habe mein Gepäck etwas revidiert: ich bin mit Socken, Hemden etc. sehr gut versorgt; nur Knie- und Ellenbogenwärmer fehlen. Ich fand nur einen. Um solche wäre ich jedenfalls sehr dankbar. Desgl. Schokolade, gute leichte Zigarren (die Du schicktest, waren fein, nur zerbrechlich im Format) und wenn möglich etwas von Deinen Likören. — Man redet jetzt viel vom nahen Ende des französischen Krieges, Bündnis mit Frankreich und dergl. Ich glaube, es ist etwas daran. Verdun schießt seit drei Tagen nicht mehr, alles steht in einem ungewissen Warten, das doch seinen Grund haben muß. Wenn es so ist, dann ist doch denkbar, daß unsre Landwehrdivision einmal nach Hause geschickt wird! Es ist wenigstens schön, solche Hoffnungen zu nähren!