Die Anpassung des Objektives an den Apparat.
In der Regel wird der Apparat, sei er nun für Glasbilder-Projektion oder für kinematographische Projektion oder auch für beides eingerichtet, komplett mit Objektiv geliefert, und der Käufer hat keinerlei Schwierigkeit, klare und scharfe Lichtbilder zu erhalten. Er braucht nur den Zahntrieb des Instrumentes einzuregulieren, eventuell vorher mit dem Rohrauszug, den verschiedene Modelle haben, eine grobe Einstellung vorzunehmen. Jedoch mag der eine oder andere Besitzer eines Apparates in die Lage kommen, sich ein anderes Objektiv zu beschaffen, und da muß er für die richtige Anpassung desselben verschiedenes beachten.
Mit jedem Objektiv bekommt man scharfe Bilder nur dann, wenn es »eingestellt«, d. h. in richtigen Abstand von der Bildbühne gebracht wird; dieser Abstand ist bei der üblichen Objektiv-Konstruktion, wie sie oben beschrieben wurde, um so größer, je länger ihre Brennweite ist. Er läßt sich leicht folgendermaßen finden. Wir richten das Objektiv gegen einen hell beleuchteten Gegenstand, z. B. gegen ein Fenster, wobei wir die Entfernung so groß nehmen, wie die Distanz des Apparates vom Schirm werden soll, stellen dann ein scharfes Bild des Gegenstandes auf einem dahinter gehaltenen Blatt Papier ein und messen nun den Abstand des Objektives vom Papier; damit haben wir das gewünschte Maß. Dieser Abstand, von der Hinterlinse aus gemessen, stellt, wenn die Entfernung des Fensterrahmens groß ist, die »rückwärtige Brennweite« dar; je kleiner man die Distanz nimmt, desto weiter rückt das Objektiv von dem Papier weg. Zu diesem Versuch kann man auch den Projektionsapparat benutzen; man bringt dazu in die Bildbühne ein Blatt durchscheinenden, weißen Papieres oder ein Stück Mattglas und entfernt den Kondensor, damit man das Bild von rückwärts her beobachten kann. Der Apparat wird, in richtiger Entfernung aufgestellt, gegen das Fenster gerichtet und das Objektiv so eingestellt oder mit der Hand davor gehalten, daß ein scharfes Bild des Fensterkreuzes erscheint.
Fig. 64. Apparat mit kurzbrennweitigem Objektiv.
Nehmen wir nun an, es sei ein Apparat vorhanden, der mit einem Objektiv von verhältnismäßig kurzer Brennweite ausgerüstet ist, beispielsweise das in [Fig. 64] dargestellte Modell, und es sei ein Objektiv wesentlich längerer Brennweite dazu beschafft worden. Wenn der Besitzer dies neue Objektiv einfach an Stelle des alten einschraubt, so wird er sehr enttäuscht sein, denn soviel er auch am Triebe hin und her schraubt: er bekommt kein scharfes Bild; auch ein Herausziehen des Rohrstückes, worin das Instrument geschraubt ist, wird hier nichts nutzen. Dem Uebelstand ist natürlich leicht abzuhelfen; das Objektiv muß nur in den richtigen Abstand von der Bildbühne gebracht werden, und dazu gehört, entsprechend der langen Brennweite, ein längeres Rohrstück, wie es die zweite Abbildung ([Fig. 65]) zeigt. Namentlich bei Kinematographen wird der erwähnte Fehler oft gemacht: der Besitzer bringt das neue Objektiv einfach an Stelle des alten, ohne Rücksicht auf dessen längere oder kürzere Brennweite, und der Mißerfolg wird dann gewöhnlich den Linsen zugeschrieben. Es ist übrigens zu beachten, daß mancher Kinematograph das Anbringen eines kurzbrennweitigen Objektives gar nicht zuläßt, indem die Konstruktion nicht gestattet, dasselbe hinreichend nahe an den Film heranzubringen. Daher tut man gut, seinen Apparat vor Beschaffung eines neuen Objektives zu prüfen und zu überlegen, ob sich das Instrument überhaupt daran verwenden läßt, und wie man es am besten anpassen kann.
Fig. 65. Apparat mit langbrennweitigem Objektiv.
Aber damit ist diese Objektiv-Frage noch nicht erledigt. Es ist noch zu berücksichtigen, ob auch der Kondensor zur Verwendung mit dem neuen Objektiv geeignet ist. Der Kondensor soll die Lichtstrahlen durch das Glasbild oder Filmbild hindurch derart in einem Kegel nach vorne werfen, daß sie glatt durch die Linsen des Objektives hindurchgehen, ohne dessen Rohrfassung zu berühren. Da muß es augenscheinlich einen Unterschied machen, ob sich das Objektiv nahe am Kondensor befindet oder weiter von ihm entfernt ist; und in der Tat, wenn man einen Apparat, der ein kurzbrennweitiges Objektiv hat (wie in [Fig. 63]), mit einem solchen von langer Brennweite versieht (vgl. [Fig. 64]), ohne dabei den Kondensor zu ändern, so wird es schwer halten oder überhaupt unmöglich sein, ein klares Bildfeld ohne rotgelben Rand zu erzielen. Der Kondensor wirft in diesem Falle die Lichtstrahlen in einem für das neue Objektiv zu kurzen Kegel nach vorne und es ist ein Kondensor von längerer Brennweite erforderlich. Kondensor und Objektiv müssen daher bezüglich ihrer Brennweite aufeinander »abgestimmt« sein.
Fig. 66.
In Figur 66 ist dies veranschaulicht. Unter I sehen wir ein kurzbrennweitiges Objektiv (der Einfachheit halber durch eine einzige Linse dargestellt) in Verbindung mit dem normalen Kondensor, der die Lichtstrahlen durch das Objektiv hindurchschickt. Bei II ist ein langbrennweitiges Objektiv vor denselben Kondensor gebracht. Da zeigt es sich, daß das Objektiv »zu kurz kommt« und den Strahlenkegel nicht aufnimmt; es faßt nur den mittleren Teil der Strahlen. Damit die Optik richtig arbeitet, muß hier der Kondensor ebenfalls eine längere Brennweite erhalten und, wie es in III skizziert ist, den Strahlenkegel mit seiner Spitze wiederum gegen das Objektiv werfen.