Verbindung des Werkes mit dem Projektionsapparat.

Nachdem der Kinematograph-Mechanismus ausgesucht ist, handelt es sich darum, wie er an der Projektionslaterne angebracht werden soll. An sich bietet diese Montierung keine Schwierigkeit; der Kinematograph ist derart vor die Laterne zu setzen, daß der Lichtkegel das Filmbild gleichmäßig beleuchtet. Weiter vorn (Seite [16]) wurde schon eingehend darüber gesprochen.

Nun soll der Apparat aber in der Regel nicht nur zur kinematographischen Projektion dienen, sondern auch »stehende« Lichtbilder zeigen, und dazu ist es erforderlich, daß der Kinematograph-Mechanismus durch die Einrichtung zur gewöhnlichen Projektion ersetzt werden kann. Wie man da verfährt, will ich jetzt zeigen.

Fig. 43.

Bei einem einfacheren Kinematograph-Mechanismus begnügt man sich vielfach damit, ihn auf dem Bodenbrett des Apparates mit leicht lösbaren Schrauben festzuklemmen, wie es die Abbildung [Fig. 43] zur Darstellung bringt. Das Objektiv zur Glasbilder-Projektion ist hier an einem Rohrstück angebracht, welches sich zur Seite klappen läßt. Diese Anordnung ist einfach, aber nur dann anwendbar, wenn eine rasche Aufeinanderfolge der beiden Projektionsarten nicht erforderlich ist. Sie ist zweckmäßig in Fällen, wo der Apparat hauptsächlich zur Projektion von Glasbildern und nur gelegentlich zur Darstellung lebender Lichtbilder benutzt wird und wo ferner die Anschaffungskosten niedrig gehalten werden sollen.

Fig. 44.

Die beiden folgenden Abbildungen ([Fig. 44] und [45]) zeigen eine Anordnung, welche ein rascheres Auswechseln gestattet. Kinematograph-Mechanismus und Glasbilder-Projektionsobjektiv sind hier, letzteres mittels eines Trägers, auf einem nach rechts und links verschiebbaren Schlitten angebracht. In [Fig. 44] ist der Schlitten so eingestellt, daß Glasbilder projiziert werden können, während sich in [Fig. 45] der Kinematograph-Mechanismus vor der Laterne befindet und das Projektionsobjektiv zur Seite gerückt ist. Der Unterbau eines solchen Apparates allein ist aus der Abbildung [Fig. 46] ersichtlich.

Fig. 45.

Bei einer anderen Anordnung wird der Mechanismus auf eine Platte montiert, die sich zur Seite drehen läßt, wobei das Projektionsobjektiv, welches seitlich am Kinematograph befestigt ist, in die richtige Stellung vor die Laterne kommt. Ein derartig gebauter Apparat ist in den Abbildungen [Fig. 47] und [48] zur Darstellung gebracht. Die erstere zeigt ihn bereit zur Projektion lebender Lichtbilder; in der zweiten Abbildung dagegen ist das Kinematograph-Werk zur Seite gedreht und das Projektionsobjektiv befindet sich in Arbeitsstellung.

Fig. 46.

Wesentlich ist es bei den Auswechselvorrichtungen, daß der Kinematograph-Mechanismus beim Betriebe recht stabil steht, daß also die drehbare Platte oder der Schlitten fest gelagert ist und beim Drehen der Kurbel nicht hin und her schwankt. Diese Forderung wird am sichersten erfüllt, wenn man das umgekehrte Verfahren einschlägt: Kinematograph und Projektionsobjektiv werden fest auf die Grundplatte montiert und die Laterne selbst wird dahinter in einer Schlittenführung nach links oder rechts herübergeschoben. Die Abbildung [Fig. 49] zeigt den Unterbau eines solchen Apparates, während [Fig. 50] die gesamte Anordnung darstellt; sie ist namentlich dann den erstgenannten Methoden vorzuziehen, wenn der Mechanismus schwer gebaut ist. Tatsächlich hat sie sich jetzt fast allenthalben eingebürgert. Es ist noch eine Abänderung dieses Prinzips zu erwähnen, die darin besteht, daß man dem Laterngehäuse ungefähr die doppelte Breite gibt und in seiner Vorderwand nebeneinander zwei Kondensoren, einen für die kinematographische und einen für die Glasbilder-Projektion, anbringt; es wird dann nur die Lampe im Apparat nach links oder rechts geschoben. Die Abbildung [Fig. 51] mag zeigen, wie ein derartiges Apparatgehäuse aussieht.

Fig. 47.

Fig. 48.

Fig. 49.

Fig. 50.

Fig. 51. Doppelgehäuse.

Der rasche Übergang von der einen zur anderen Projektionsart läßt sich auch mit Hilfe der Vertikaleinrichtung des Liesegang'schen Universal-Projektionsapparates bewirken, deren Konstruktion aus [Fig. 52] hervorgeht. Man sieht da vor dem Apparatgehäuse den sogen. Vertikalkasten. Die Linsen des Kondensors sind getrennt, und zwar sitzt die vordere Linse vorne am Vertikalkasten, während der andere, aus ein oder zwei Linsen bestehende Teil des Kondensors im Gehäuse des Apparates untergebracht ist. Eine weitere Kondensierungslinse befindet sich in der Decke des Vertikalkastens. Im Kasten selbst ist ein drehbarer, in zwei Stellungen fixierbarer Spiegel, und oben, zentrisch über der Linse, ein Projektionsobjektiv mit darauf gestecktem Spiegel. Ist der innere Spiegel hochgeklappt, so gehen die aus dem Gehäuse kommenden parallelen Strahlen ungehindert durch den Kasten hindurch, treffen die vordere Kondensierungslinse und werden von ihr, wie bei der gewöhnlichen Projektion, in einem Kegel nach vorn geworfen. Der einzige Unterschied gegen die sonstige Anordnung besteht darin, daß die Linsen des Kondensors weit auseinander stehen, was die Wirkung nicht wesentlich beeinflußt. Klappt man nun den Spiegel herunter in die Stellung, wie sie die Abbildung zeigt, so werden die Lichtstrahlen gegen die oben im Kasten befindliche Linse reflektiert, von dieser in das Objektiv darüber gelenkt und endlich vom zweiten Spiegel auf die Projektionswand geleitet. Dadurch wird von einem Gegenstande, den man auf die Linse legt, ein vergrößertes Lichtbild zur Darstellung gebracht.

Fig. 52.

Diese Einrichtung läßt sich hier nun in der Weise verwenden, daß man den Kinematograph vorne vor dem Apparat, also an Stelle des Projektionsobjektivs, anbringt, wie es die Abbildung [Fig. 53] andeutet. Die zu zeigenden Glasbilder legt man dabei mittels eines Halters oben auf die Linse des Vertikalkastens. Wenn der Spiegel hochgeklappt ist, haben wir kinematographische Projektion; um zur Glasbilder-Projektion überzugehen, brauchen wir nur den Spiegel herunterzuklappen. Der Wechsel von einer Projektionsart zur andern kann also im Augenblick geschehen.

Fig. 53.

In manchen Fällen ist eine Abänderung dieser Konstruktion angebracht. Wenn nämlich der Kinematograph-Mechanismus hoch gebaut oder mit einer großen Filmspule versehen ist, kann es leicht vorkommen, daß er den Lichtstrahlen, die bei der Vertikalprojektion kegelförmig gegen die Wand geworfen werden, störend im Wege steht. Man legt dann den Vertikalkasten um, sodaß die Strahlen im Kasten zur Seite abgelenkt werden und neben dem Kinematograph, nicht darüber hinweg, zur Wand gehen.

Fig. 54. Doppelapparat mit Kinematograph.

Sehr bequem läßt sich der Wechsel zwischen Glasbilder-Projektion und kinematographischer Projektion mit Hilfe des Doppel-Apparates bewirken. Von den beiden Laternen, die entweder, wie in [Fig. 54] dargestellt, übereinander angeordnet sind oder aber nebeneinander stehen, ist eine mit dem Kinematograph-Mechanismus versehen, während die andere zum Aufwerfen der Glasbilder dient.

Über die Form der Projektionslaterne ist nicht viel zu sagen. Das Gehäuse, in der Regel aus blauem Stahlblech gefertigt, ist auf einer kräftigen Bodenplatte angebracht. An der Seite befindet sich eine Türe mit Beobachtungsfensterchen, hinten eine Schiebetüre oder schräg stellbare Klappe, oben ein Kaminaufsatz, der die heiße Luft und die heißen Gase aus dem Innern abziehen läßt. In der Form des Kamines wird oft gesündigt; man gibt der Laterne vielfach nach englischem Muster einen zierlichen Aufsatz, der wohl dem Zwecke entspricht, ein elegantes Aussehen zu schaffen, der aber die heiße Luft nicht absaugt, sondern vielmehr zurückdrückt und so eine geordnete Ventilation unmöglich macht. Bei Anwendung einer kräftigen Lichtquelle sollte das Gehäuse hinreichend geräumig sein.

Fig. 55. Bildhalter.

In der Vorderwand ist der Kondensor angebracht und davor die Bildbühne, in welche der Halter zur Aufnahme der Glasbilder paßt. Die verschiedenen Arten von Bildhaltern will ich hier nicht besprechen, sondern nur darauf hinweisen, daß ein Halter zweckmäßig ist, in dem man Bilder der beiden Handelsformate 8 1/4 × 8 1/4 und 8 1/2 × 10 cm durcheinander verwenden kann. Am meisten verwandt wird der Doppelbildhalter, wie ihn beispielsweise [Fig. 55] zeigt. Es ist bei der Beschaffung zu überlegen, ob die Erhitzung der Laterne so groß ist, daß ein Metallhalter dem gewöhnlichen Halter aus Holz vorgezogen werden muß.