Die Handhabung des Kalklichtes.

Der Brenner für gemischte Gase erfordert die Anwendung von zwei Gassäcken, welche vor der Vorstellung gefüllt werden. Es ist ja darauf zu achten, dass die beiden Gassäcke stets unter gleichem Druck sind; denn sonst kann es vorkommen, dass der Inhalt des mehr beschwerten Sacks sich in den andern ergiesst, wodurch sich eine gefährliche explosive Gasmischung bilden würde. Einen ziemlich gleichmässigen Druck erhält man, wenn man die beiden Säcke aufeinander zwischen zwei Bretter legt und beschwert. In die beiden Gasleitungen schaltet man eine Sicherheitsvorrichtung ein, welche ein Zurückschlagen verhindert.

Das Reguliren der Hähne muss hier viel exacter geschehen als beim Sicherheitsbrenner, und erfordert einige Uebung.

Anfänger sollten nicht mit gemischten Gasen arbeiten, sondern sich des Sicherheitsbrenners bedienen.

Der Sicherheitsbrenner giebt zwar ein geringeres Licht, aber es ist noch immer sehr intensiv und für die meisten Zwecke ausreichend. Die Handhabung ist gefahrlos, sehr einfach und bequem, besonders dadurch, dass man keine Gassäcke braucht.

In den meisten Fällen wohl wird Leuchtgas verwendet werden. Wer es nicht zur Verfügung hat, kann den Wasserstoff-Generator mit Gasometer benutzen; derselbe wird direkt mit dem Brenner verbunden, und es ist hier also auch kein Sack erforderlich — oder er verwendet den Brenner für Alkohol-Sauerstoff.

Der Sauerstoff wird in der oben beschriebenen Weise mittelst der Sicherheitsretorte entwickelt und im Gasometer gesammelt. Vor der Vorstellung wird der Gasbehälter mit Sauerstoff gefüllt. Diese ganze Vorbereitung nimmt etwa 15 bis 20 Minuten in Anspruch.

Der Sauerstoffkrahnen des Kalklichtbrenners wird mit dem Ableitungsrohre des Gasbehälters (welches mit einem Hahn versehen ist) durch einen Schlauch verbunden; desgleichen der andere, links befindliche Krahnen des Brenners mit der Gasrohrleitung oder dem Wasserstoffgenerator. Man überzeugt sich, dass die Schlauchverbindungen gut und die Hähne am Brenner geschlossen sind, und öffnet nur den Hahn im Gasbehälter sowie den Hahn am Leuchtgasrohre vollständig. Diese Hähne bleiben offen. Nun öffnet man den Hahn für Leuchtgas links am Kalklichtbrenner, zündet den Brenner an und dreht die Flamme klein.

Indess ist ein Kalkcylinder eingesetzt und dieser wird nun in der Flamme langsam erwärmt. Man schiebt den Brenner in die Laterne, um das Metall derselben und besonders den Condensor allmälig zu erwärmen.

Nach einiger Zeit dreht man die Flamme etwas höher und lässt nach und nach Sauerstoff zu. Alsbald beginnt der Kalk zu glühen.

In die Retorte ist ein frischer Kuchen eingelegt; die Flamme darunter lässt man klein brennen. Ist dieser Kuchen aufgebraucht, so wird er wieder durch einen neuen ersetzt und zwar so lange, als man noch Sauerstoff entwickeln will.

Das Licht ist nach kurzer Zeit vollständig ruhig und regelmässig. Um die grösste Helligkeit zu erhalten, ist etwas Uebung erforderlich. Man öffnet zunächst beide Krahnen vollständig und schliesst dann allmälig den Leuchtgas- (resp. Wasserstoff-) Krahnen und beobachtet dabei, ob das Licht heller wird. Ebenso versucht man, ob man etwas Sauerstoff absperren kann.

Wenn die Hähne richtig regulirt sind, brennt die Flamme vollständig geräuschlos, und der Kalk giebt an der getroffenen Stelle ein kräftiges, weisses Licht.

Nun wird der Brenner in der Laterne solange hin- und hergeschoben, auf- und niedergedreht, bis man auf der Wand ein gleichmässig beleuchtetes Bildfeld erhält.

Wenn so weit alles fertig ist, wird die Vorstellung glatt und ohne Unterbrechung vor sich gehen; man braucht nur von Zeit zu Zeit nach dem Lichte zu sehen und, wenn nöthig, den Kalkcylinder etwas zu drehen, sowie gelegentlich einen neuen Kuchen in die Retorte zu legen.

Nach der Vorstellung wird zuerst der Sauerstoffhahn zugedreht und dann der andere.

Bei der Benutzung von Leuchtgas ist zuweilen ein Reguliren des Leuchtgaskrahnen am Brenner nothwendig, indem sich der Druck in der Gasleitung ändert. Diese Druckveränderung macht sich besonders bemerkbar, wenn die Rohrleitung eng ist und in der Nähe mehrere Gasflammen angezündet oder ausgedreht werden.

Der Brenner für Alkohol-Sauerstoff erfordert einige Uebung in der Handhabung. Der Sauerstoff wird in der bekannten Weise dem Gasometer entnommen; der Alkohol befindet sich in einem Behälter, welcher mit einer verschliessbaren Oeffnung zum Füllen sowie mit einem Krahnen zur Ableitung versehen ist.

Dieser Behälter wird durch einen kurzen Schlauch mit dem Wasserstoff-Krahnen des Brenners in Verbindung gesetzt und neben der Laterne so aufgestellt, dass die obere Fläche mit der Brennerspitze etwa in gleicher Höhe steht — nicht höher.

Man öffnet den Hahn am Alkoholgefäss sowie den entsprechenden am Kalklichtbrenner; beide werden ganz aufgedreht. Vorsichtig hebt man den Alkoholbehälter etwas auf, bis der Alkohol bis an die Spitze des Drahtdochtes dringt; dann lässt man ihn wieder herunter. Nun wird angezündet.

Man lässt die Flamme längere Zeit brennen, damit sich der Docht erhitzt. — Inzwischen entwickelt man Sauerstoff.

Wenn das Gasometer mit Sauerstoff gefüllt ist, lässt man etwas Sauerstoff in die Flamme treten; allmälig mehr. Wenn es im Brenner quattert, so kocht der Alcohol; das dauert kurze Zeit — bald verwandelt er sich in Dampf und man erhält ein ruhiges Licht.

Man regulirt mit den beiden Hähnen am Kalklichtbrenner, bis man das beste Licht erhält. Mit der Zeit kann man, wenn es nöthig erscheint, das Alcoholgefäss etwas höher stellen, um den Druck zu erhöhen.

Sollte einmal etwas Alkohol überlaufen, so lasse man ruhig abbrennen; es ist keine Gefahr dabei.

Man achte darauf, dass das Sauerstoffrohr mehrere Millimeter über den Doch hinausragt (vgl. [Fig. 12]).

An Stelle des Drahtdochtes kann man auch einen gewöhnlichen breiten Baumwolldocht verwenden. Man nimmt dann aus dem Aufsatz die innere Hülse, den Boden sowie die Drähte heraus, schraubt den Aufsatz auf und setzt den Docht zwischen Hülse und Sauerstoffrohr. Man erhält hier ein etwas schwächeres Licht; aber die Regulirung ist bequemer. Nur achte man darauf, dass der Alcoholbehälter nicht höher steht, als die Spitze des Brenners.

Man verwende nur reinen Alkohol.


Beim Arbeiten mit Kalklicht beachte man Folgendes:

Stets zuerst das Leuchtgas (Wasserstoffgas) anzünden und dann erst Sauerstoff zulassen; will man auslöschen, zuerst den Sauerstoffhahn schliessen.

Die Ausflussöffnung des Sauerstoffrohres muss quer stehen.

Wird beim Zulassen des Sauerstoffes die Flamme ausgeblasen, so hat man den Sauerstoffhahn zu schnell geöffnet.

Wenn die Flamme zischt, so ist die Zufuhr der Gase nicht richtig regulirt — oder die Oeffnung des Sauerstoffrohres ist nicht rein.

Flackert die Flamme, so kann das davon herrühren, dass zuviel Wasser im Gasometer oder das Gewicht auf dein Behälter zu schwer ist: es hat sich dann Wasser in den Ableitungskrahnen des Gasbehälters gesetzt.

Stets halte man ein oder lieber mehrere Kalkstücke bereit für den Fall, dass eines zerspringen sollte; am besten in einem Storchschnabel, den man sofort an Stelle des Kalkhalters einsetzen kann.

Man denke daran, den Kalkhalter rechtzeitig zu drehen. Wenn man die Flamme zu lange einwirken lässt, so frisst sie ein Loch hinein und kann hierdurch gegen den Condensor abgelenkt werden.

Den Condensor schütze man durch eine Glimmerplatte. Es kann lange ohne eine solche gut gehen; aber man lasse sich dadurch nicht in Sicherheit wiegen: der Krach ist schneller da, als man denkt.

Nach jeder Vorstellung reibe man den Sauerstoffgenerator mit einem fettigen Lappen ab, damit er nicht rostet. Hat man dies versäumt, so besorge man es jedenfalls vor dem nächsten Gebrauch.


[Electrisches Licht.]

Heutzutage, wo fast jede grössere Stadt und auch viele kleinere Städte eine electrische Anlage haben, liegt es für manchen sehr nahe, das electrische Licht zu Projectionszwecken zu benutzen; besonders wenn er in seinem Hause electrischen Strom zur Verfügung hat. Man verwendet in der Laterne das electrische Bogenlicht. Die speciell hierfür construirten Lampen passen in jedes Sciopticon und sind für Gleichstrom wie für Wechselstrom zu gebrauchen. Die Regulirung der Lampen geschieht sehr einfach mit der Hand; es hat sich dies im Allgemeinen als praktischer herausgestellt, als die automatische Regulation.

Eine derartige Lampe für Hand-Regulation ist in den Figuren 14 und 15 dargestellt.

Die erste Abbildung zeigt die Lampe, wie sie bei Benutzung von Gleichstrom zur Verwendung kommt.

Bei Gleichstrom brennt die positive (hier die obere) Kohle doppelt so schnell ab als die negative (untere). Damit nun die Abnutzung eine gleichmässige wird und die Regulation sich vereinfacht, wählt man die obere Kohle doppelt so dick als die untere.

In der oberen Kohle bildet sich gegenüber der Spitze der unteren Kohle eine Höhlung. Von diesem Krater geht die grösste Lichtintensität aus. Wie aus der Figur zu ersehen, bringt man die untere Kohle etwas weiter nach vorn an und stellt den Apparat schräg. Dadurch wird erreicht, dass der Krater an der Vorderseite entsteht und sein ganzes Licht auf den Condensor wirft.

Fig. 14. Electrische Lampe (Stellung für Gleichstrom).

Bei Verwendung von Wechselstrom werden unten und oben gleiche Kohlen eingesetzt; der Apparat wird aufrecht gestellt ([Fig. 15]). Hier wird nach allen Seiten Licht ausgestrahlt; und es fällt daher verhältnissmässig nur ein geringer Theil auf den Condensor. Alles Uebrige geht verloren.

Am Fusse der Säule befindet sich ein Stift, welcher das Instrument in der einen oder anderen Stellung fixirt.

Die Kohlen werden gehalten in einem Winkel mittelst Klammer und Schraube. Bei Gleichstrom wird für die untere kleine Kohle noch ein Einsatz im Halter angebracht.

Fig. 15. Electrische Lampe (Stellung für Wechselstrom).

Die Regulirung geschieht mit Hülfe der drei Schrauben an der Rückseite. Zunächst muss man den Lichtpunkt mit der Mitte des Condensors in gleiche Höhe bringen. Dazu dient die unterste Schraube. Mit der zweiten (mittleren) Schraube dreht man das Instrument seitlich in die richtige Stellung. Der Abstand der Kohlen wird mit der obersten Schraube regulirt.

Zunächst werden die Kohlen aneinander gebracht, der Strom dadurch geschlossen, dann die Kohlen auseinander gedreht, 3 bis 4 mm weit. Diesen Abstand müssen die Kohlen halten. Alle zwei bis drei Minuten ist eine kleine Regulation erforderlich. Der Lichtpunkt bleibt dabei an der richtigen Stelle — in der Höhe der Condensormitte. Sollte sich nach einiger Zeit der Lichtpunkt einmal gehoben oder gesenkt haben, so genügt eine geringe Drehung an der unteren Schraube, um es wieder in Ordnung zu bringen.

Die Arbeit — wenn überhaupt von Arbeit die Rede sein kann — ist nicht grösser als das zeitweilige Drehen des Kalkcylinders beim Kalklicht.


[Das Projectionsbild.]

Projectionsbilder kann man in grosser Zahl im Handel bekommen. Aber wer »Lichtbildner« ist, wird zunächst den Wunsch haben, seine eignen Bilder auf der Wand zu sehen; daran wird er am meisten Freude haben.

Wer sich einigermassen mit der Photographie beschäftigt hat, dem wird es ein Leichtes sein, Projectionsbilder herzustellen.

Gemalte Bilder haben mehr Reiz; die Herstellung derselben erfordert aber grosse Uebung.

Die Bilder dürfen nicht zu dicht sein. Wenn man sie auf ein weisses Blatt Papier legt, müssen sie gerade die richtige Stärke zeigen.

Auch sollen die Projectionsbilder nicht hart sein; weiche Bilder nehmen sich stets besser aus.

Wenn man selbsthergestellte Bilder projicirt, thut man gut, zwischendurch zum Vergleich andere Bilder einzusetzen, welche möglichst vollkommen sind und als Maassstab dienen können.

Das gebräuchliche Format der Bilder ist 7 × 7 cm, entweder rund oder eckig; die Platten haben das Format 83 × 83 mm oder 100 × 84 mm. In den meisten Fällen ist es nicht schwierig, eine Aufnahme auf das (für einen 10 cm-Condensor) erforderliche Format 7 × 7 cm zu bringen; man schneidet entweder ab oder verkleinert entsprechend.

Wer seine Bilder in der Grösse projiciren will, wie er sie aufnimmt, muss ein Sciopticon mit entsprechend grösserem Condensor benutzen; für 9 × 12 cm z. B. bedarf man eines Condensors von 15 cm Durchmesser.

Gute Laternbilder werden mit einem Deckglase versehen und mit einer Maske verkleidet. Diapositive, welche nur einmal vorgeführt werden, braucht man nicht durch ein Deckglas zu schützen; doch sollte man sie stets mit einer Maske versehen.

Sehr störend ist es, wenn ein Bild falsch herum eingesetzt wird. Um einen solchen Irrthum zu vermeiden, thut man gut, alle Bilder in den Kasten gleichmässig (etwa alle mit dem Kopf nach unten) zu stellen und auf den Rand jedes Bildes in eine Ecke einen kleinen Streifen weisses Papier zu kleben. Die Papierstreifen bilden zusammen ein langes weisses Band; ist dieses Band an einer Stelle unterbrochen, so steht dort eine Platte falsch. Die Papierstreifen können gleichzeitig zur Nummerirung benutzt werden.

Bei Bildern verschiedener Serien mache man die Streifen verschieden breit. Man kann dieselben dann auf den ersten Blick auseinanderhalten.