Der Patriarch

Die Hütte, Schiffsgebälk, Öllampen, Fisch- und Trangeruch.

O könnt’ ich hier — ein Patriarch — die atmende Gemeine lehren!

Die harten Greise, hohen Bursche, all die Dirne und die schweren

Schwieligen Schiffspatrone, kauend Priem und Fluch.

Woher und wann ich kam, o Bardenlied, doch mein Besuch

Heilt Kranke, meine Stimme schallt, die Seenot abzuwehren.

Göttlich erglänzt mir Stirn und Bart. Das Volk wird beide ehren,

In fernem Angedenken segnend Tat und Spruch.

Und wenn ich einst auf meinem Steinsitz, wie in Sinnen stürbe,

Sie sollten mich begraben in der frostgeprüften Erde,

Wo über meinem Hügel Renntierherden weiden!

Nicht Kinderlust, nicht Kräuter würden auf der Böschung mürbe,

Wehmütter pflückten hier Salbei, zu nahender Beschwerde,

Sich einen kräftig-heiligen Teetrank zu bereiten

Solo des zarten Lumpen

Nun wieder eine Nacht durchjohlt

Ist rings der Stadtpark aufgewacht.

Allee, der Wasserfall, ein Vogelzwitschern ohne Mühe.

In der durchsichtigen Frühe.

Nach falschbekränzter Nacht

Hast Du mich eingeholt.

Wie ich Dich gestern sah. . .

Bewegte Straße glitt

Dein Gang. Wer dürfte frevelnd sagen,

Daß unter Röcken und Jackett, so leicht getragen,

Sich mehr verbarg als Atemzug und Schritt,

Du Schlanke fern und nah!

Gefühl, geheimer Sinn

Und ein Gedanke kam.

Elysisch aufgeregt blick ich zum leichten Himmel hin, zur leichten Erden.

Heiraten wirst Du, Du wirst Mutter werden! —

Warum zerschmilzt mich Scham?

Was reißt mich Wonne hin?

Noch höher bist Du bald

Und weiter mir entrückt.

Denn was vergöttlicht? Leiden! Du wirst leiden

Im Erker sitzen seh ich Dich verständig und bescheiden,

Von Schmerz und Glück bedrückt,

Nun mildere Gestalt!

In die Natur und Pflicht

Wächst lieblich Du hinein.

Ich aber treibe mich herum in parfümierten Vestibülen,

In überheizten Zimmern schwelge ich auf Pfühlen;

Du denkst an Dinge rein,

An Windeln, Kindgewicht.

Drum soll es so geschehn!

Von Wolken lieb umdrängt,

Zieh mir vorbei in Wind und solchem Morgen oben!

Ich will Dich bebend hochbeloben,

Und Blick und Bart gesenkt

Vor Dir in Andacht stehn.