Eine alte Frau geht
Eine alte Frau geht wie ein runder Turm
Durch die alte Hauptallee im Blättersturm.
Schwindet schon, indem sie keucht,
Wo um Ecken schwarze Nebel wehen.
Wird nun bald in einem Torgang stehen.
Laute Stufen langsam aufwärts gehen,
Die vom trägen Treppenlichte feucht.
Niemand hilft, wie sie ins Zimmer tritt,
Ihr beim Ausziehn ihrer Jacke mit.
Ach, sie zittert bald an Händ’ und Bein’.
Schickt sich an mit schwerem Flügelschlagen
Aufgehobene Kost von alten Tagen
Auf des Kochherds armes Rot zu tragen.
Bleibt mit ihrem Leib und sich allein.
Und sie weiß nicht, wie sie kaut,
Daß in ihr sich Söhne aufgebaut.
(Nun, sie freut sich ihrer Abendschuh’)
Was aus ihr kam, steht in andern Toren,
Sie vergaß den Schrei, wenn sie geboren,
Manchmal nur im Straßendrang verloren,
Nickt ein Mann ihr freundlich „Mutter“ zu.
Aber Mensch, gedenke Du in ihr,
Ungeheuer auf der Welt sind wir,
Da wir brachen in die Zeiten ein.
Wie wir in dem Unbekannten hängen,
Wallen Schatten mit gewaltigen Fängen
Die ins letzte uns zusammendrängen.
Diese Welt ist nicht die Welt allein.
Wenn die Greisin durch die Stube schleift,
Ach, vielleicht geschieht’s, daß sie begreift.
Es vergeht ihr brüchiges Gesicht.
Ja, sie fühlt sich wachsender in allem
Und beginnt auf ihre Knie zu fallen,
Wenn aus einem kleinen Lampenwallen
Ungeheuer Gottes Antlitz bricht.
Nacht-Fragment.
Bald hat dies, hat dies alles ausgeschlagen.
Was muß ich noch im machtvoll einsamen Nachtbahnhof stehn
Und sehn, daß Lichter sind und Träger gehn,
die Felsen tragen, und sehn die schon verblichenen Wagen?
So vieles weiß ich mit mir, Herz- und Atemschreiten.
— Ein Pikkolo schläft, ein Schutzmann schaut in den Wind. —
Wer weiß es denn, wie sehr wir alle beisammen sind.
Auch Deine leichten Schlafseufzer, Fernste, fühl’ ich mit mir gleiten.
Gestern, wie tauchtest Du in Astern Dein Gesicht!
Und tanztest mit den Zähnen, tanztest mit den frechen Knien.
Und ach, Dein Gemsenlachen, das mich zu höhnen schien,
Nun ist es eingestimmt in mich, o Nacht, und weiß es nicht!
Auch Du Azucena, Mutter, von Traum zu Traum,
Suche den klaren Jungen im Waldpensionat!
Eng ist die Erd’. Wie fand ich Deinen Pfad?
Wir seh’n uns an und schweigen im gleichen Raum.
Ihr Unerreichbaren all’, die wir voneinander wissen!
Wie sind unsre gleichen Hände uns fremd!!