Das Empfindungswort.

72. Ein Spaziergang.

Arthur und Emilie gingen an einem Waldrande spazieren. „Ei!“ rief Arthur plötzlich aus, indem er sich bückte, „ein Graspferd! ein Graspferd!“

Pfui!“ erwiderte Emilie, „das häßliche Thier!“

Ei, ei! Emilie“, tadelte Arthur, „so darf man nicht sagen. O, auch die Graspferde sind schön in ihrer Art. Hopp! hopp! Sieh nur, was es für große Sätze machen kann! O weh! Jetzt hüpfte es in einen Wassergraben! Ach, das arme Thier! Es wird ertrinken müssen! Ist es mir doch, als riefe es mir zu Hilfe! Hilfe! — Ha! ich muß sein Retter werden!“

Arthur langte in den Graben hinab und packte das Thier an. In demselben Augenblicke aber schrie er auch: „Au! au!“ und ließ es auf die Erde fallen.

„Was schreist Du denn so?“ fragte Emilie schnell.

„Abscheulich!“ versetzte Arthur. „Das Heupferd hat mich in den Finger gezwickt.“

„Hahaha!“ lachte da Emilie hell auf. „Aetsch! Nun hast Du doch etwas von Deinem allerliebsten Thierchen!“

„Ssssst! Schwesterchen“, entgegnete Arthur, mit dem Finger drohend, „nicht schadenfroh sein!“

Beide Geschwister gingen jetzt weiter. Bald darauf vernahmen sie hinter sich her die Rufe: „Heda! Bst! Bst!“ Als sie sich umsahen, erblickten sie vier bekannte Knaben, die an dem Spaziergange theilnehmen wollten.

„Hurrah!“ rief Arthur begeistert aus, „nun wird es hübsch! Jetzt können wir Soldaten spielen.“

„Und ich?“ fragte Emilie bedeutungsvoll.

„Hm!“ erwiderte Arthur nachdenklich. „Nun ja, das hatte ich mir freilich nicht überlegt, daß Du Dich auf das Exerciren nicht verstehst. Also rrrr! ein anderes Spiel!“

Nachdem die Kinderschaar Haschekater, Blindekuh u. dergl. m. gespielt hatte, trat sie den Heimweg an. Eben überschritten die Kinder eine Stoppel. Da auf einmal ging’s „brrr!“ und ein Volk Rebhühner flog vor ihnen auf.

„Hoho! Bin ich doch erschrocken!“ versetzte einer der Knaben. Arthur aber sagte: „Ei, hätten wir doch jetzt Flinten! Da sollte es aber gehen: Piff, paff! puff! und kein einziges Rebhuhn dürfte davonkommen. Heisa! wie würden sich unsere Mütter freuen, wenn wir solche Braten mit nach Hause brächten!“

Arthur wollte noch weiter reden, da aber kam ein Graben und — pardauz! lag er darin, so lang er war. Natürlich gab das ein gewaltiges Gelächter.

Unter dem Gesang des Liedes: „Tra ri ra! sind die Jäger da“ etc. kehrten endlich die Knaben fröhlich heim.

B. Satzlehre.

73. Das Gewitter.

(Satzarten.)

Einfacher Satz.

Der Blitz zuckte.

Erweiterter einfacher Satz.

Ein langer Donner grollte unter dem dunklen Himmel dahin.

Zusammengezogener Satz.

Menschen und Thiere suchten ein baldiges Unterkommen.

Zusammengesetzter Satz.

Die Schnitter eilten in ihre Hütten und die Heerde hüpfte nach dem schirmenden Stalle.

Satzgefüge.

Ein warmer Regen, welcher längst erwünscht war, tränkte später das durstige Erdreich.

74. Ursache und Folge.

(Desgleichen.)

Einfacher Satz.

Der Herbst war da. Die Früchte reiften. Die Aepfel glänzten. Die Pflaumen winkten.

Erweiterter einfacher Satz.

Der liebe Gott hatte die Gärten reich gesegnet. Manche Aeste konnten ihre Last kaum tragen. Sie mußten mit starken Pfählen gestützt werden. Und dennoch neigten sich ihre äußersten Zweige fast bis zur Erde herab.

Zusammengezogener Satz.

Eines Tages gingen Emil und Otto in ihren Obstgarten. Beide jubelten und jauchzten. Sie durften und sollten sich an den Aepfeln und Birnen gütlich thun. Vater und Mutter hatten es ihnen erlaubt. Dieser Genuß sollte sowohl eine Belohnung als auch eine Erquickung für sie sein.

Emil eilte sofort auf einen Pflaumenbaum los und Otto kletterte auf einen Apfelbaum. Emil war bald gesättigt, Otto aber schien gar nicht genug bekommen zu können. Jener befleißigte sich überhaupt stets der Mäßigkeit, denn er ehrte das Gebot der Eltern.

Otto, welcher eben zu viel Aepfel aß, fühlte sehr bald die üblen Folgen. Das, was ihm ein Genuß gewesen war, bereitete ihm jetzt die bittersten Schmerzen. Ehe noch der Tag zu Ende ging, lag er jammernd und seufzend im Bette. Ihm wurde nun klar, das die Unmäßigkeit sich selbst bestraft. Der Apfelbaum, sagte er wiederholt, soll mir eine Warnungstafel bleiben, so lange ich lebe.