Fußnoten:
[11] Auch dieß ist eine Ursache der Abneigung der welschen Sänger gegen seine Werke; eine noch stärkere ist die Mühe, die es ihrer Unwissenheit kostete seine Gesänge einzustudiren. Mozart hat zwar bisweilen von diesem Grundsatze eine Ausnahme gemacht. Aber war er denn in bestellten Sachen immer frey? Mußte er nicht gegen Sänger gefällig seyn, wenn er wünschte, daß sie ihm die Sachen nicht verderben? Darum müßte man immer die Sänger kennen, für die er schrieb, wenn man ein richtiges Urtheil über seine dramatischen Werke fällen wollte.
[12] Ich habe dieses schätzbare Denkmal einer edlen Seele der gütigen Mittheilung des Herrn Roth Proviantoberverwalter zu Prag (an den der Brief geschrieben war) zu danken. Da er für den Geist und das Herz seines Verfassers nicht minder ruhmvoll ist, als für Mozart: so ließ ich ihn hier wörtlich nach dem Originale abdrucken.
[13] Der Verfasser hatte das Vergnügen Augenzeuge der schönen Scene zu seyn.
[14] Die Begebenheit ist in Prag allgemein bekannt.
[15] Anmerkung. Ein trefflicher Schüler Seegerts, und biederer Mann. Diese Anekdote habe ich aus seinem Munde.
[16] Dieß war unter andern der Fall bey dem Tode eines geliebten Staares, den er in seinem gemietheten Garten ein ordentliches Grabmahl errichtet, und mit einer Inschrift versehen hatte. Thiere und insbesondere Vögel liebte er sehr.
[17] Die achtungswürdige Frau beträgt sich in ihrem Wittwenstande sehr klug, und sorgt für ihre 2 Söhne mütterlich. Sie lebt in Wien von ihrer Pension und dem kleinen Erwerbe aus dem Nachlasse ihres Mannes.
[18] Der Verfasser hatte es bey der Ausarbeitung dieser Biographie im Originale vor sich.
IV.
Nachricht von Mozarts Werken.
Es ist fast kein Zweig der Tonkunst, in welchem Mozart nicht mit entschiedenem Glücke seine Kräfte versucht hätte.
Dramatische Musik, und die Klavierkompositionen haben ihm am meisten Ruhm erworben. Wenn man seine Werke besonders die theatralischen nach der Zeitfolge ihrer Entstehung betrachtet, so merkt man deutlich den Gang seines zur Vollkommenheit schreitenden Geistes. In den frühern, z. B. in der Oper Idomeneo und der Entführung aus dem Serail, auch noch zum Theil im Figaro strömt das ganze Feuer einer jugendlichen Phantasie und eine Fülle üppiger Empfindung ohne Gränzen. Es ist mehr Wärme, als Licht darinn – die Massen des Gesanges und der Harmonie sind nicht so bestimmt, wie in den spätern Werken, in welchen dieser Strom der Empfindung immer sanfter sich in sein Bett zurückzieht, alles leichter, einfacher und korrekter wird. Nirgends ist diese Reife des Geschmackes sichtbarer, als in der Clemenza di Tito, und dem Requiem. Daraus läßt es sich schließen, was man noch von Mozart zu erwarten berechtiget war?
Einige Kunstrichter haben mit sinnreicher Feinheit zwar die Vortrefflichkeit seiner Instrumentation, d. i. den mehr mechanischen Theil der Kunst anerkannt, aber das, was blos Sache des Genies ist, die Singparthie getadelt, – sie haben behauptet, Mozart sey hierinn nicht so groß, als in der Instrumentalparthie. Die Gränzen dieser Schilderung erlauben es nicht, die Grundlosigkeit davon zu zeigen, oder die Werke Mozarts von dieser Ansicht zu betrachten. Die Tadler mögen indessen nur beherzigen, daß gerade diese Seite seiner Werke von gründlichen und berufenen Richtern immer am meisten bewundert worden ist. Was konnte denn in seinen Opern und den übrigen Singkompositionen so sehr gefallen, wenn es der Gesang nicht war? Das Volk versteht wenig von der Schönheit des Instrumentalsatzes; gerade dieser Theil seiner Werke, der große Geschicklichkeit der Subjekte erfodert, wird gewöhnlich schlecht aufgeführt – und doch brachten die meisten seiner Singkompositionen so viel Wirkung, so viel Enthusiasmus hervor? dieß konnte nur der einfache, schöne, rhythmische Gesang bewirken. Warum singt man seine Melodien so gern nach? Warum sind so viele davon Volksgesänge geworden? Wie wahr, wie lebhaft weiß Mozart den Sinn der Worte des Dichters auszudrücken? Dringt sein Gesang nicht überall dem Zuhörer ans Herz? Wenn dieß der höchste Zweck der Tonkunst ist, wer hat ihn vollkommener erreicht als Mozart?
Man könnte zahlreiche Beyspiele anführen, wo Mozart mit einem feinen ästhetischen Sinne selbst die Worte und Ideen des Dichters durch schöne Wendungen der Melodie erhoben und verbessert hat. Sein Gesang haucht den Worten meistentheils erst Wärme und Leben ein; fast immer liegt darinn noch mehr Sinn und Empfindung, als in den Worten. Daher haben selbst elende Poesien blos durch seine Komposition gefallen. Die Zauberflöte und Cosi fan tutte sey Beweis.
Die Gestalt, in welcher die alte Opera seria von Metastasio La Clemenza di Tito bey seiner Musik erscheint, ist das Werk seines richtigen Urtheiles und Geschmackes. Und ein solcher Kompositeur, der den Geist des Textes, das eigene der Situation so faßte und verstand – ihn oft verbesserte noch öfter erhob, soll keine höhere Bildung gehabt haben?
»Aber Mozarts Werke sind so schwer, so kritisch, voll Kunst und so wenig für das Gehör.«
Auf gleiche Art klagen oft Schulknaben über die Dunkelheiten und Schwierigkeiten des Horaz. Man muß darüber lächeln! Wen trifft hier der Vorwurf? Schrieb Mozart bloß für Schüler? oder ist dasjenige, was er für sie schrieb, nicht leicht und verständlich? Das Schwere in seinen Werken ist nicht Absicht, ist nur Folge der Größe und Originalität seines Genies. Dieß hat Mozart mit allen großen Künstlern gemein. Populär durften alle seine Werke nicht seyn; wo Popularität nöthig war, da hat er sie vollkommen erreicht. Findet in seinen Singspielen nicht der Kenner und der bloße Liebhaber Gerüchte für seinen Gaum? Auch die erhabensten Sachen von seiner Hand, wo er sich in der ganzen Stärke seiner Kunst des Kontrapunktes zeigt, haben so viel Schönheit an sich, daß sie auch uneingeweihten Ohren gefallen, wenn sie nur richtig, und geschmackvoll vorgetragen werden. Aber hier liegt der Knoten – das ist größtentheils der Grund solcher Klagen. Ueberdieß erheischt seine Musik ein reines Gefühl, ein unverdorbenes Ohr: wer dieses nicht mitbringt, für den hat Mozart nicht geschrieben.[19]
Der Tadel einer Klasse von Menschen, denen seine Musik nicht gefällt, entscheidet nichts gegen ihre Vortrefflichkeit; so wie Rafaels Ruhm nicht geschmählert wird, wenn dem ehrlichen Schneiderjungen ein buntes Allerley von einem Schmierer besser ins Auge fällt, als Rafaels Meisterstücke. Oder gab es nie Ohren, welchen die rauhe Pfeife des Waldgottes entzückender schien, als die himmlischen Töne Apollos? – Wem Mozarts Musik nicht genug fürs Gehör zu seyn scheint, der dürfte wohl den Fehler eigentlich in seinen Ohren suchen. Was werden so delikate Ohren zu der Musik der neuern Tonsetzer sagen?
Mit seinen Werken wird nun von den Uebersetzern und Musikhändlern ein wahrer Unfug getrieben, wobey das Publikum oft angeführt, und der Name des großen Meisters größtentheils geschändet wird. Man hängt ihn erstens als Anempfehlungsschild so manchem Machwerk vor, das seines Geistes ganz unwürdig ist; noch häufiger ist der Fall, daß unbefugte Uebersetzer aus seinen größern Werken Klaviersachen zusammenstoppeln, die dann als Originalwerke verkauft werden, und nothwendig schlechter seyn müssen, als seine übrigen Klavierkompositionen.
Eben so nachtheilig für seinen Ruhm ist es, daß man so häufig aus Mangel an neuern Werken von seiner Meisterhand, ältere Kompositionen, zum Theil aus seiner frühen Jugend herausgiebt, ohne diesen Umstand dem Publikum zu sagen. Solche Werke sind größtentheils seinen spätern ganz unähnlich, und können den Stempel der Vollkommenheit an sich nicht haben.
Seine Werke können zur bessern Uebersicht in 11 verschiedene Klassen eingetheilt werden. Zur ersten rechnen wir die dramatischen. Mozart schrieb 9 italienische Opern, – und 3 teutsche.
- La finta semplice, opera buffa für Kaiser Joseph 1768
- Mitridate, opera seria für Mayland; im Jahr 1770
- Sulla, – – – – 1772
- Giardiniera, opera buffa für Kaiser Joseph im Jahr 1774
- Idomeneo, opera seria für München im J. 1780
- Figaro, opera buffa für Wien im J. 1786
- Don Giovanni, opera buffa für Prag 1787
- Cosi fan tutte, opera buffa für Wien 1790
- La Clemenza di Tito, opera seria für Prag 1791
Teutsche Singspiele:
- Die Entführung aus dem Serail für Wien 1782
- Der Schauspieldirektor ein kleines Singspiel für den Kaiser Joseph nach Schönbrunn im Jahre 1786
- Die Zauberflöte für das Theater Schikaneders 1791
Idomeneo ist eines seiner größten, und gedankenreichesten Werke; der Stil ist durchgehends pathetisch und athmet heroische Erhabenheit. Da er diese Opera für große Sänger und für eines der besten Orchester von Europa schrieb, so fühlte sein Geist keinen Zwang, und entfaltete sich darinn am üppigsten. Aber Idomeneo muß besser aufgeführt werden, als es zu Prag vor einigen Jahren in Sommer geschah, wo ihn der Opern-Unternehmer im eigentlichen Verstande prostituirte. Es war ein drolligter Gedanke eine der größten Opern ohne Sängerinnen und Orchester aufzuführen. Denn beydes fehlte, und ward durch Substituten ersetzt. Auch hüte man sich diese Opera, so wie jede von Mozart nach mittelmäßigen Klavierübersetzungen zu beurtheilen!
Figaro wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt; wahr ist es, daß Mozart bey ihrer Ausarbeitung am fleißigsten studirt habe. An Gedanken-Reichthum gleicht sie dem Idomeneo, an Originalität weicht sie keiner andern.
Don Juan ist anerkannt das größte Meisterstück seines Genies – die höchste Kunst mit der größten Anmuth ist darinn in lieblicher Eintracht gepaart. Die Rolle des Leporello ist das erste Meisterstück des Komischen – das Muster für alle Opernkomponisten.
Cosi fan tutte oder die Schule der Liebenden ist die lieblichste und scherzhafteste Musik voll Charakter und Ausdruck.
Die Finalien sind unübertrefflich. Wenn man den schlechten Text dieser Oper betrachtet, so muß man über die Fruchtbarkeit seines dichterischen Genies erstaunen, das fähig war ein so trockenes, einfältiges Sujet zu beleben und solche Schönheiten hervor zu bringen. Es ist schon bemerkt worden, daß er in der Wahl des Buches nicht frey war.
La Clemenza di Tito wird in ästhetischer Hinsicht, als schönes Kunstwerk, für die vollendeteste Arbeit Mozarts gehalten. Mit einem feinem Sinne faßte Mozart die Einfachheit, die stille Erhabenheit des Charakters des Titus, und der ganzen Handlung auf, und übertrug sie ganz in seine Komposition. Jeder Theil, selbst die gemäßigte Instrumentalparthie trägt dieses Gepräge an sich, und vereinigt sich zu der schönsten Einheit des Ganzen. Da sie für ein Krönungsfest, und für zwey ganz eigends dazu angenommene Sänger aus Italien geschrieben war, so mußte er nothwendig brillante Arien für diese zwey Rollen schreiben. Aber welche Arien sind das? Wie hoch stehen sie über dem gewöhnlichen Troß der Bravour-Gesänge?
Die übrigen Stücke verrathen überall den großen Geist aus dem sie gefloßen. Die letzte Scene oder das Finale des 1ten Aktes ist gewiß die gelungenste Arbeit Mozarts, ja wohl aller dramatischen Tonsetzungen; Ausdruck, Charakter, Empfindung, wetteifern darinn den größten Effekt hervorzubringen. Der Gesang, die Instrumentation, die Abwechslung der Töne, der Wiederhall der fernen Chöre – bewirkten bey jeder Aufführung eine Rührung und Täuschung, die bey Opern eine so seltene Erscheinung ist. Unter allen Chören, die ich gehört habe, ist keiner so fließend, so erhaben und ausdrucksvoll, als der Schlußchor im 2ten Akte; unter allen Arien, keine so lieblich, so voll süßer Schwermuth, so reich an musikalischen Schönheiten, als das vollkommene Rondo in F, mit dem oblig: Baßethorne, Non piu di fiori im 2ten Akte. Die wenigen instrumentirten Rezitative sind von Mozart, die übrigen alle – was sehr zu bedauern ist, – von einer Schülerhand.
Die Oper, die jetzt noch immer mit Entzücken gehört wird, gefiel das erstemal bey der Krönung nicht so sehr, als sie es verdiente. Ein Publikum, das vom Tanz, von Bällen und Vergnügungen trunken war, in dem Geräusche eines Krönungsfestes, konnte freylich an den einfachen Schönheiten Mozartscher Kunst wenig Geschmack finden.
Unter den teutschen Singspielen zeichnet sich die Entführung aus dem Serail an Empfindung und Schönheit des Gesanges aus. Man sieht es ihr an, daß sie bald nach Idomeneo gedichtet ward.
Das kleine Singspiel, der Schauspieldirektor ist blos ein Gelegenheitsstück für den kaiserl. Hof in Schönbrunn. Was soll ich von der Zauberflöte sagen? Wer kennt sie in Teutschland nicht? Giebt es ein Theater, wo sie nicht aufgeführt ward? Sie ist unser Nationalstück. Der Beyfall den sie überall – überall erhielt, von dem Hoftheater an, bis zu der wandernden Bühne des kleinen Marktfleckens, ist bisher ohne Beyspiel. In Wien wurde sie nur im 1ten Jahre ihrer Erscheinung mehr als hundertmal aufgeführt.
Die 2te Klasse seiner Werke begreift die Kompositionen fürs Klavier. Darunter glänzen am meisten die Klavierkonzerte, worinn Mozart ohne Nebenbuhler den ersten Rang behauptet. Hier, so wie in vielen andern Fächern war er Erfinder einer neuen Gattung. Diese Werke enthalten einen unerschöpflichen Reichthum an den treflichsten Gedanken, die glänzendeste Instrumentation, und erschöpfen fast alle Tiefen des Kontrapunktes.
Die Sonaten aller Art mit und ohne Begleitung sind in jedermanns Händen. Unter denselben sind die Trio am originellsten geschrieben. Das berühmte Quintett fürs Klavier mit Begleitung einer Oboe, einer Klarinette, eines Waldhornes und Fagottes halten Kenner für sein Meisterstück in Rücksicht der Instrumentation; geschrieben im J. 1784 den 30ten März. Die vielen Variazionen zeichnen sich durch Reichthum, Manigfaltigkeit und Neuheit vor allen ähnlichen Werken aus. Die letzten, die er setzte, sind die, über das Lied: Ein Weib ist das herrlichste Ding; den 15ten März 1791 komponirt. Diese Klasse seiner Werke ist die zahlreichste.
Die 3te Klasse begreift die Sinfonien; die schönsten davon, die er in den Jahren 1786 bis 1788 schrieb, sind folgende 4: in D, Eb, G mol und C mit der Fuge im letzten Stücke. Alle können den schönsten von Hayden an die Seite gesetzt werden; er entfaltete darinn seine Kunst der Komposition im höchsten Grade. Die Opernsinfonien sind bekannt und bewundert genug.
Zur 4ten Klasse gehören Gelegenheits-Kantaten mit vollstimmiger Begleitung. In dem Verzeichnisse sind 3 aufgemerkt.
In die 5te Klasse können die einzelnen Scenen und Arien gerechnet werden, die er für musikalische Akademien oder für besondere Sänger schrieb. In dem Verzeichnisse sind 22 solche enthalten, für allerley Stimmen.
6te Klasse: teutsche Lieder mit Klavierbegleitung allein; in dem Verzeichnisse sind 20 Stücke aufgezeichnet, worunter die so bekannte Abendempfindung, das Veilchen und an Chloe, so voll Einfachheit, Ausdruck und Empfindung, kurz so schön sind, daß man sagen kann, Mozart hätte blos mit diesem sich unsterblichen Ruhm erworben. Daraus vorzüglich mögen seine Tadler sehen, ob er nicht groß in der Singkomposition war? Ob er den Worten Leben zu geben, auch ohne das Rauschen der Instrumente nicht verstand?
7te Klasse: Konzerte für verschiedene Instrumente schrieb er am seltensten.
In dem Verzeichnisse sind nur folgende angemerkt: 1) Ein Andante zu einem Violinkonzert; 2) Ein Konzert für das Waldhorn. 3) Für die Harmonika; 4) für die Klarinette.
8te Klasse: Violinquartetten und Quintetten. Unter den Quartetten sind die 6, die er Joseph Haydn dedizirte, klassisch. Später im Jahre 1789 im Junius schrieb er 3 konzertante Quartetten für den verstorbenen König von Preußen; nebst diesen ist noch ein einzelnes Quartett aus D im Jahr 1786 geschrieben, und eine einzelne Fuge.
Originalquintetten sind in dem Verzeichnisse nur 4 aufgezeichnet; aus C, G mol, D dur und Eb. Er schrieb bey seinem Aufenthalte in München 1782 einige Nachtmusiken à quadro mit Begleitung 2er Waldhörner, die man füglich als Violinkonzerte betrachten kann – alle diese Sachen sind voll Gedanken und Schönheiten. Ein konzertantes Divertimento für 3 Stimmen, die Violin, Bratsche und das Violoncello ist vorzüglich schön und voll hoher Kunst. Die 2 Duetten für die Violin und Bratsche sind bekannt und beliebt genug.
9te Klasse: Parthien für blasende Instrumente zu Tafel- und Nachtmusiken. Hier in Prag sind mehrere bekannt. Ihre Schönheiten sind bezaubernd, und reißen auch das gefühlloseste Herz hin. Es existirt auch eine Nachtmusik aus 13 blasenden Instrumenten von seiner Arbeit.
10te Klasse: Tanzstücke. Mozart schrieb mehrere Parthien, Menuetten und teutsche Tänze für den Kaiserl. Redouten Saal zu Wien. Wie sehr diese Sachen von seiner Arbeit gesucht wurden, sieht man aus dem Verzeichnisse, wo jeden Karneval eine Menge Menuetten, Teutsche, Walzer und Kontratänze angemerkt sind.
11te Klasse: Kirchenmusik, war das Lieblingsfach Mozarts. Aber er konnte sich demselben am wenigsten widmen. Die Messen, die von ihm übrig sind, wurden bey verschiedenen Gelegenheiten und Einladungen verfertigt. Alle, die wir hier in Prag gehört haben, tragen den Stempel seines Genies. In dem Verzeichnisse ist keine einzige Messe angezeigt – ein Beweis, daß alle, die wir haben, in frühere Zeiten seines Lebens zu setzen sind. Nur ein Graduale auf den Text: ave verum corpus hat er im Junius 1791 verfertiget.
Mozart würde in diesem Fache der Kunst seine ganze Stärke erst gezeigt haben, wenn er die Stelle bey St. Stephan wirklich angetreten hätte; er freute sich auch sehr darauf. Wie sehr sein Genie für den hohen Stil des ernsten Kirchengesanges gemacht war, beweiset seine letzte Arbeit, die Seelenmesse, die gewiß alles übertrifft, was in diesem Fache bisher ist geleistet worden, und nicht so bald übertroffen werden wird.
Nebst diesen Gattungen seiner Werke hinterließ er 10 Canoni blos für Singstimmen; und zwar 8 vierstimmige, und 2 dreystimmige, sowohl komische, als ernsthafte. Sie sind nicht nur Meisterstücke in der Kunst sondern auch sehr unterhaltend.
Zum Schlusse setzen wir noch eine Anekdote her, die mehr als eine Lobrede sagt. Ein alter italienischer Impressarius einer Operngesellschaft in Teutschland, der es an seiner Kasse zu fühlen schien, daß seit Mozart keine andern Opern, am wenigsten die von welschen Authoren gefallen wollen, pflegte immer, so oft er in seiner Opernregistratur auf eine Oper von Mozart kam, mit einem Seufzer auszurufen: Der ist mein Unglück!