29.

Wolf von Geyerstein saß allein in seiner Stube, den Kopf in die Hände gestützt, und vor ihm lag ein offener Brief Georgs:

»Tausend und tausend Dank für deine brüderliche Liebe, mein Wolf! – Du hast recht – meine Stellung hier, nach dem Vorgefallenen, ist, wenn auch nicht unhaltbar, doch höchst drückend. Durch jenen Herrn von Zühbig, wie du aus meinen früheren Briefen weißt, und durch des alten Mühler trunkene oder seines Neffen boshafte Schwatzhaftigkeit ist mehr unter die Leute gekommen, als ich im Anfang selbst vermutete. Das Gerücht, was ich früher gewesen bin, hat Boden gefaßt, und die Gutsnachbarn ziehen sich von mir zurück, vermeiden mich wenigstens, soviel es geht, und ich werde sie nicht aufsuchen.

Meine ganze Seligkeit ist jetzt mein Kind, das ich glücklich dem ihm selber furchtbaren Leben entrissen habe. Auch mit dessen Mutter bin ich im reinen. Georgine weigerte sich auf meinen ersten Brief, in eine Scheidung zu willigen, und wollte es nur unter der Bedingung, daß ihr Josefine zurückgegeben würde. Durch ihre Flucht hat sie sich aber selber jedes gesetzlichen Schutzes beraubt, und außerdem scheint ihr auch der Wunsch, jene Verbindung mit Royazet zu schließen, den Schritt erleichtert zu haben. Wir sind geschieden, die Papiere darüber werde ich in nächster Zeit bekommen, und frei von allen Banden, die mich bis dahin an das alte Leben ketteten, will ich von nun an meine Bahn beginnen.

Für dein Anerbieten, mich nach Ungarn auf das dort für mich angekaufte Gut zu setzen, nimm meinen heißen Dank. Du hast schon mehr für mich getan, als selbst ein Bruder für den andern tun kann, aber – ich will dich aller weitern Sorge für mich entheben. Ich habe einen andern Plan für mich, der mich mir selber wiedergeben soll. Will es Gott, so sehen wir uns dereinst noch froh und fröhlich wieder, und dann kann ich der Mutter auch getrost ins Auge schauen.

Ich will nach Amerika. Es wird mir von meinem kleinen Kapital etwa so viel übrig bleiben, mit meinen Begleitern hinüberzukommen. Ich habe ein Kind angenommen – eine Waise – als Josefinens Gespielin, die mit unendlicher Liebe an der neuen Schwester hängt. Von allen meinen Sachen nehme ich nur den Rappen mit, der mir mein Kind befreit – aber nur bis zu dir. Mag er dir von jetzt an so treu dienen, als er mir gedient.

Alles weitere mündlich. Ich komme auf der Durchreise nach ***, um dich, du treues Herz, noch einmal zu sehen und dir selber für alles, was du an uns getan, zu danken. Wahrscheinlich folge ich diesem Briefe unmittelbar; denn wie du mir schreibst, wird der neue Pachter schon in acht Tagen eintreffen, und es ist alles hier so geregelt und in Ordnung, daß dem alten Verwalter das Gut auf die kurze Zeit ohne die geringste Sorge anvertraut werden kann. Ich bin gerade dabei, ihm das Inventar zu übergeben.

Es grüßt und küßt dich bis dahin

dein Georg.

P. S. Da du mich nach dem Namen des traurigen Individuums fragst, das meine Frau zu ihrer Flucht benutzte, so schreibe ich ihn dir. – Er nennt sich Baron Hugo von Silberglanz.«

Wolf hatte den Brief wieder und wieder gelesen. Er war aufgestanden und ging mit raschen Schritten in seinem Zimmer auf und ab.

»Er darf nicht fort!« flüsterte er dabei, »nicht nach Amerika! Er ist das letzte Herz, das hier noch mir gehört – wir gehen zusammen fort von hier – nach Ungarn. Brennt doch der Boden auch mir unter den Füßen. Gott sei Dank, daß er kommt – besprochen ist so etwas besser als geschrieben, und er wird – er könnte nicht von mir gehen – wüßte er nur den tausendstel Teil von dem, was ich um ihn hier leide,« setzte er mit leiser, kaum hörbarer Stimme hinzu.

Mit dem Entschlusse, seine Stellung hier aufzugeben und die Stadt selber, die so viele trübe Erinnerungen für ihn barg, zu verlassen, kam auch plötzlich Ruhe über ihn. Er ordnete seine Papiere und ließ sich dann bei dem Fürsten melden. Der Fürst war aber auf die Jagd gefahren und wurde erst am nächsten Abend zurück erwartet. Die Lakaien schlenderten müßig im Schlosse herum und zählten vor lauter Langerweile die Fensterscheiben.

Karl, der Bursche des Rittmeisters, hatte indessen mehr Beschäftigung, denn ihm war der Auftrag geworden, zwei Zimmer für Gäste herzurichten, mit allem Nötigen zu versehen und ordentlich durchwärmen zu lassen, da der Besuch jeden Augenblick eintreffen konnte.

An dem Abend war Soiree bei Herrn von Zühbig und Graf Geyerstein ebenfalls eingeladen worden – der sich aber entschuldigen ließ. Gegen Abend, als er durch die Stadt ging, traf er den Baron zufällig auf der Straße.

»Aber lieber, bester Freund,« schoß dieser auf ihn zu, »zu meinem unendlichen Leidwesen höre ich eben, daß Sie uns heute abend Ihre unschätzbare Gegenwart grausamerweise entziehen wollen. Meine Frau ist ganz untröstlich darüber.«

»Das bedaure ich in der Tat,« sagte der Rittmeister kalt, »unaufschiebbare Geschäfte verhindern mich indes, da ich in nächster Zeit wieder länger abwesend sein werde.«

»Sie wollen wieder auf Urlaub gehen?« fragte Herr Zühbig rasch, und innerlich frohlockte er dabei über die frisch aufgefangene Neuigkeit.

»Ja,« erwiderte der Rittmeister, der den Grund nicht ahnte, weshalb sich der Baron in solcher Weise dafür interessierte.

»Auf Ihre Güter?«

»Wahrscheinlich – apropos, haben Sie lange nichts von Ihrem Freunde Baron Hugo von Silberglanz gehört?«

»Von meinem Freunde?« sagte Herr von Zühbig, dem dieses Epitheton in Verbindung mit sich und im Munde des stolzen Grafen eben nicht angenehm war, »ich weiß gerade nicht, daß Baron Silberglanz zu meinen speziellen Freunden gehörte. Er ist ein seelensguter Mensch und einmal in die Gesellschaft eingeführt, so daß man ihn nicht gut umgehen kann, aber...«

»Wenn Sie ihn wiedersehen sollten, und ich wäre vielleicht nicht hier,« sagte der Graf, »bitte, so grüßen Sie ihn doch von mir.«

»Von Ihnen?«

»Ja, er wird schon wissen, was es zu bedeuten hat.«

»Zu bedeuten hat?« wiederholte der Baron immer erstaunter, »ich gebe Ihnen mein Wort...«

»Ihr Wort?« fragte der Graf, ohne ihn ausreden zu lassen, »geben Sie das nicht auch manchmal leichtsinnig, Herr Intendant?«

»Ich will nicht hoffen,« sagte Baron von Zühbig rasch, aber doch mit einem etwas unbehaglichen Gefühl, das ihm sein Gewissen in diesem Augenblick aufdrängte. – »Haben Sie – haben Sie etwas mit Silberglanz gehabt?«

»Ich? – nicht das mindeste – ich kenne den Baron gar nicht,« sagte Graf Geyerstein gleichgültig. »Der Baron hat, wie ich erfahren, ein kleines Abenteuer gehabt, das er Ihnen aber wohl leider nicht ausführlich erzählen wird.«

»In der Tat? Sie machen mich unendlich neugierig!« rief Baron Zühbig gespannt. »Sie würden mich sehr verpflichten, wenn Sie dann die Gnade haben wollten...«

»Tut mir leid, Herr Baron, nicht imstande zu sein, Ihnen darin zu willfahren; ich bin auch nur oberflächlich darin unterrichtet. Vielleicht kann Ihnen Ihr Orakel darüber Auskunft geben.«

»Mein Orakel, hahaha! Herr Graf, Sie sprechen heute in lauter Rätseln. Wen verstehen Sie unter meinem Orakel?«

»Fräulein Franziska von Zahbern.«

»Hahahaha!« lachte Baron von Zühbig, aber das Lachen kam nicht recht aus seinem Herzen, denn er fühlte, daß Graf Geyerstein mehr wußte, als er eigentlich sollte – ja, was noch schlimmer in diesem Augenblick war, mehr als er selbst. – »Sie sind göttlich, Graf, aber – furchtbar boshaft, daß Sie die arme Zahbern zu einem Orakel machen wollen. Kommen Sie – beichten Sie – wir gehen dort in den Keller hinunter und trinken eine Flasche Wein« – und damit faßte er den Grafen unter den Arm, ihn mit sich fortzuziehen; »die Geschichte von Silberglanz dürfen Sie mir gar nicht vorenthalten. Sie haben mich damit auf die Folter gespannt.«

»Es ist grausam, Sie darauf liegen zu lassen, Herr Baron,« sagte der Graf ruhig, »aber ich werde dazu gezwungen sein. Den ausführlichsten Bericht kann Ihnen jedenfalls Herr Hugo von Silberglanz selber geben, und Sie müssen sich auf den vertrösten. Ich bitte, daß Sie mich entschuldigen – ich habe Eile.«

»Sie wollen in der Tat nicht einen Augenblick mit mir...«

»In der Tat nicht – guten Abend, Herr Baron,« und der Graf neigte sich leicht, während er sich von Herrn von Zühbig abdrehte und die Straße hinunter schritt. Herr von Zühbig blieb in einer höchst unbehaglichen Stimmung zurück.

Graf Geyerstein suchte indessen den Kriegsminister von Ralphen auf, um diesem sein Anliegen vorzutragen; Seine Exzellenz mußte aber gerade in eine Session und ließ den Grafen bitten, morgen früh Punkt zwölf Uhr wieder zu ihm zu kommen, da er ihm überdies etwas mitzuteilen habe.

So ließ sich denn für heute nichts weiter tun, und der Graf verbrachte den Abend damit, seine Briefschaften zu ordnen, alte Korrespondenz zu verbrennen, wichtige zu versiegeln und einige notwendige Briefe außerdem zu schreiben. Am nächsten Morgen war er wieder früh auf und setzte seinen Burschen Karl in nicht geringes Erstaunen, als er ihm befahl, seine Koffer herbeizuholen und sämtliche Kleidungsstücke zu reinigen, sowie zum Packen bereitzuhalten. Karl schüttelte heimlich mit dem Kopfe, denn das paßte nicht zu dem erwarteten Besuche. Er war aber ein zu guter Diener, weiter zu fragen, und ging an seine Arbeit.

»Wann kommt der erste Zug?« rief ihm der Graf nach.

»Woher, Ew. Gnaden?«

»Von Berlin.«

»Ah so – der wird jetzt herein sein oder doch gleich kommen. Da unten hör' ich schon die Droschken – er muß schon da sein.«

»Es ist gut.« – Wolf trat ans Fenster, und Karl ging hinaus, seine Aufträge auszuführen.

Eine lange Reihe von Droschken kam die Straße daher, die eingetroffenen Fremden in die verschiedenen Hotels zu fahren. Eine davon lenkte nach seiner Tür zu und hielt. Ein Mann in einem grünen Rocke saß neben dem Kutscher vorn auf dem Bock – er sah herauf – es war der alte Forstwart Barthold von Schildheim, und Wolf flog nach der Tür, den Bruder zu begrüßen.

»Karl! Karl!«

»Gnädiger Herr!«

»Hinunter – die Gäste sind da – schnell das Gepäck herauf!«

Rasche Schritte nahten von der Stiege her, Wolf trat in sein Zimmer zurück, in der ersten Begrüßung nicht von Fremden gestört zu werden, und wenige Minuten später lagen sich die Brüder in den Armen.

»Gott grüß' dich, Georg – Gott grüß' dich tausendmal, und herzlich willkommen hier bei mir! Wo sind die Kinder?«

»Mein guter, guter Wolf! – sie kommen nach; der alte Barthold bringt sie mit ihrer Erzieherin die Treppe herauf.«

»Den Alten hast du von Schildheim entführt?«

»Ja – nur bis hierher. Ich mußte jemanden des Pferdes wegen bei mir haben, und er weiß mit Pferden besser umzugehen, als ich ihm zugetraut. Du hast wohl jemanden, um den Rappen vom Bahnhof abholen zu lassen?«

»Gewiß! Nun mache es dir bequem und ruhe dich aus! Wir haben viel, sehr viel miteinander zu besprechen. – Karl – wo steckt der Bursche wieder? Karl, daß die Kinder mit der jungen Dame gleich ihr Zimmer bekommen – es ist alles in Ordnung, Georg; ich habe auch eine Frau, eine ganz tüchtige Person besorgt, damit die Kleinen für die Zeit ihres Aufenthalts hier ordentliche Verpflegung haben. – Ein Junggeselle ist sonst nicht darauf eingerichtet.«

»Wir wollen dir nicht lange zur Last fallen.«

»Davon später – und nun erst her zu mir,« sagte er, indem er die Tür schloß, dann auf den Bruder zuging und ihn umarmte und küßte und wieder küßte. – »Du armer, armer Georg, was hast du ertragen müssen, und doch bei alledem so brav, so wacker dich gehalten! Jetzt bist du wieder der Unsere. Du darfst jedem frei ins Auge schauen, und – wir trennen uns auch jetzt nicht mehr.«

»Mein braver Wolf!« rief Georg, ihn fest an sich pressend, »du treues, brüderliches Herz! – Ueber meine Pläne sprechen wir nachher. Doch was fehlt dir? Du siehst verändert aus, seit ich dich nicht gesehen.«

»Nichts – ein leichtes Unwohlsein. – Und wie geht es deinem Kinde, deiner armen kleinen Josefine – meiner Nichte? Sie wird uns beiden wohl fortan gehören müssen.«

»Du willst auch nach Amerika?« rief Georg erstaunt.

»Nein, das nicht,« lächelte Wolf, »aber deine Pläne wirst du den meinen schon fügen müssen, aus Liebe zu mir. Doch deinen Kinderraub mußt du mir ausführlicher, als es durch den Brief geschehen, erzählen. Merkwürdig, daß nichts davon in den Zeitungen stand.«

»Das Ganze ging zu rasch,« lächelte Georg, »und Royazet wäre der letzte gewesen, es bekannt zu machen. Er mag außer sich genug gewesen sein, daß bei seinem prunkenden Zuge ein anderes Pferd ihn überbieten konnte. Meinen Rappen aber holt keins von seinen Tieren ein. Ich sah, wie Georgine erbleichte, als ich vorüberbrauste – die Falsche – keine Ader meines Herzens schlägt mehr für sie; mag sie dem Leben bleiben, dem sie sich geweiht. Das alles aber erzähle ich dir ausführlich, wenn wir heute abend still und traulich beisammensitzen. Du bist doch nicht beschäftigt?«

»Mit keinem Gedanken, ich gehöre euch; und nun zu den Kindern, daß wir die begrüßen!« Und seines Bruders Arm ergreifend, wollte Wolf eben mit ihm das Zimmer verlassen, als Karl, ein sehr bedenkliches Gesicht ziehend, die Tür öffnete und herein meldete: »Herr Rittmeister, halten zu Gnaden, eine Dame ist draußen, die nach Ihnen fragt.«

»Eine Dame? – nach mir?« rief Wolf erstaunt, des Bruders Arm loslassend, »das ist wohl ein Irrtum.«

»Nein; sie fragte nach dem Herrn Rittmeister von Geyerstein.«

»Eine junge Dame?«

»Halten zu Gnaden, nein; sie ist schon in den Jahren, sieht aber sehr vornehm aus.«

»Und hast du nicht nach ihrem Namen gefragt?«

»Sie wollte ihn nicht nennen. Ich sollte dem Herrn Rittmeister nur sagen, eine Dame wünsche ihn zu sprechen.«

»So geh allein voran, Georg; ich folge dir gleich nach,« sagte Wolf. »Gott weiß, wer es ist! Ich werde keineswegs lange aufgehalten werden. Wir frühstücken dann zusammen.«

»Mach', daß du bald kommst,« erwiderte Georg, indem er durch die ihm bezeichnete Tür verschwand. Karl blieb noch einen Augenblick stehen.

»Alle Wetter,« dachte er bei sich, »der Herr sieht genau so aus wie der famose Kunstreiter Monsieur Bertrand, und mein Herr und er duzen sich?«

»Nun, auf was wartest du?«

»Halten zu Gnaden!« rief Karl erschreckt, »soll ich sie hereinführen?«

»Es sieht hier freilich ein wenig wild aus, aber die besseren Zimmer sind besetzt. Wenn sie einen Junggesellen besucht, muß sie fürlieb nehmen, wie sie es findet. Bitte sie, näher zu treten. – Apropos, den Jäger, der mit – dem Herrn gekommen, bringe mir gut unter, und sorge, daß es ihm an nichts fehlt. Wenn alles in Ordnung ist, soll er herauf zu mir kommen; ich will mit ihm sprechen. Noch eins – der Johann muß dann gleich auf den Bahnhof, um ein Pferd dort abzuholen.«

»Sehr wohl!«

Karl verschwand durch die Tür, die sich bald darauf wieder öffnete, und eine Dame trat herein und ging auf Wolf zu.

»Gnädige Frau,« sagte dieser, »Sie haben gewünscht...«

Die Dame stand mitten im Zimmer und sah ihn lächelnd an.

»Heiliger Gott!« fuhr Wolf erschreckt empor. »Mutter – du?«

»Das war eine Ueberraschung, nicht wahr?« sagte die alte Dame, indem sie ihre Arme liebkosend um das an sie geschmiegte Haupt des Sohnes legte. »So habe ich es mir ausgedacht und mich lange, lange schon darauf gefreut.«

Karl öffnete in diesem Augenblick die Tür ein wenig, denn es war ihm, als ob ihn sein Herr gerufen hätte, schloß sie aber auch augenblicklich wieder, als er die Gruppe bemerkte und murmelte nur leise vor sich hin: »Sonderbar! sonst ist mein Herr mit allen Leuten, die zu ihm kommen, ganz erschrecklich kalt und kurz angebunden, und heute fällt er allen um den Hals – doch was geht's mich an!«

»Aber was führt dich jetzt hierher zu uns?« rief Wolf, indem er seine Mutter zum Sofa führte. »Keine Silbe hast du davon in deinem letzten Briefe erwähnt.«

»Komme ich dir so ungelegen, mein Kind?«

»Nie glücklicher als jetzt,« rief Wolf, »so lieb du mir auch immer bist, aber fröhlicher begrüßt hätte ich nie deine Ankunft.«

»In der Tat?« lächelte die alte Dame, »und was ist heute morgen so Besonderes vorgefallen? Apropos, da draußen standen Koffer; ist jemand zu dir gekommen oder willst du verreisen?«

»Beides – wenn auch nicht gleich, da ich dich jetzt hier habe.«

»Aber, Wolf, Wolf,« sagte die alte Dame, ihn mit wachsender Unruhe betrachtend, »was fehlt dir? – bist du krank gewesen? – Deine Wangen sind bleich und eingefallen; deine Augen liegen tief in ihren Höhlen und haben das Feuer nicht mehr, das sie früher hatten. Ist etwas vorgefallen? – Laß mich's wissen, Wolf – sonst,« setzte sie herzlich hinzu, »war ich ja doch immer deine Vertraute.«

»Vorgefallen ist allerdings etwas, lieb Mütterchen,« sagte Wolf, der ihre Aufmerksamkeit von sich abzulenken wünschte, »aber nichts, was mich niederdrücken könnte. Ein leichtes Unwohlsein hat mir vielleicht für den Augenblick die sonst lebendigere Farbe genommen – weiter nichts.«

»Nein, mein Kind,« sagte aber die alte Dame, denn das Mutterauge sah schärfer als das der anderen, »das ist mehr als ein leichtes Unwohlsein. Du warst entweder ernstlich krank, Wolf, oder irgend ein geheimer Kummer nagt dir am Herzen. Du kannst mich nicht täuschen. – Habe ich dein Vertrauen verloren, Wolf?«

»Nein, liebe Mutter, gewiß und wahrhaftig nicht, und du sollst später alles erfahren, was geschehen, aber nicht jetzt – nicht in diesem Augenblick, wo ich dir nur Freudiges zu verkünden habe. Erst sage mir aber, wo du abgestiegen bist.«

»Im Russischen Hofe. Ich wollte niemandem zur Last fallen. Ralphens hatten mich allerdings in früherer Zeit gebeten, wenn ich einmal wieder nach *** käme, ihr Haus als das meine zu betrachten, und es sind liebe, gute Leute; ich habe es aber doch vorgezogen, ein Hotel zu wählen. Bleibe ich länger hier, was leicht möglich ist, so quartiere ich mich vielleicht bei dir ein – wenn du mich nämlich haben willst.«

»Gute Mutter.«

»Es ist mir in der letzten Zeit,« fuhr die alte Dame fort, »recht weh und einsam zu Hause geworden. Ich weiß eigentlich selber nicht, wie es kam, aber – alles schien mir wie ausgestorben um mich her, und alte trübe Gedanken gewannen mit jedem Tage, soviel ich mich auch gegen sie wehrte, mehr Gewalt über mich. War es die Wiederkehr des Jahrestages, an dem uns Georg damals verlassen,« setzte sie leise und schmerzlich hinzu, »ich kann es nicht sagen, aber meine Sehnsucht ergriff mich nach dir, mein Wolf, nach meinem einzigen Kinde, das mir noch geblieben, der ich endlich nicht länger widerstehen konnte. War es eine Ahnung, Wolf? – Du hast vielleicht gerade in der Zeit gefährlich krank gelegen, ohne deine Mutter ein Wort davon wissen zu lassen und sie an dein Lager zu rufen?«

»Nein, liebe Mutter,« sagte Wolf mit vor innerer Bewegung erstickter Stimme, denn ihn drängte es, den Sohn wieder an das Herz der Mutter zu führen. »Ich nicht, aber dennoch hat dich deine Ahnung nicht getäuscht. Ein anderer lag schwer krank danieder, wenn auch nicht an Körper, doch an Geist, und ist jetzt vollständig und froh genesen. Mutter – liebe Mutter – bist du stark genug, eine recht große Freude zu ertragen?«

»Wolf!« rief die alte Dame und Leichenblässe deckte in dem einen Moment ihre Züge, »ich – ich kenne nur eine große Freude in der Welt. – Wolf,« fuhr sie fort, indem sie mit zitternder Hand des Sohnes Arm ergriff, »weißt du – weißt du von Georg?«

»Er lebt,« sagte Wolf leise, die Mutter dabei umfassend.

»Er lebt? Gott sei ewig gelobt, und seinen Segen auf dein Haupt, mein Kind, für diese Kunde – und – geht es ihm gut?«

»Ja, Mutter – er – wird kommen – hierher.«

»Hierher? wann, Wolf – wann?«

»Bald – recht bald. Er hat viel gelitten und ertragen, aber die früheren Fehler auch bereut und abgebüßt – wirst du ihm verzeihen?«

»Fragst du das die Mutter? Vater im Himmel, meine ganze Seele drängt hin nach dem verlorenen Kinde. O, er ist hier, Wolf, quäle mich nicht länger; ich bin stark – ich bin kräftig. Die Freude tötet nicht; da es die langen Jahre der Schmerz, der bitter nagende Schmerz nicht vermochte. O, laß mich hin zu ihm!«

»So rasch geht es nicht, Mutter,« lächelte Wolf unter Tränen, indem er mit Gewalt nach Fassung rang. »Ich will ihn rufen lassen; er selber hat ja noch keine Ahnung von deiner Nähe. Bleibe indessen hier – ich bin bald wieder bei dir.«

»Und du kehrst bald zurück? – mit ihm?«

»Noch weiß ich ja nicht, ob ich ihn gleich finde – aber heute noch sollst du ihn sehen – gewiß. Sammle dich, Mütterchen, bis dahin. Du wirst große Freude an ihm haben, denn er ist ein wackerer, braver Mann geworden in der Zeit.« – Und selber zitternd vor Freude und ängstlicher Erwartung verließ Wolf das Zimmer, den Bruder auf dieses Wiedersehen vorzubereiten. Alles, was ihn selber drückte und beengte, hatte er auch vergessen, vergessen in dem einen frohen Gedanken, den Bruder – die Mutter wieder vereinigt, glücklich, zufrieden zu sehen. Das andere lag alles entfernt, und mit dem Gefühl der eigenen Kraft, dem Bewußtsein, gut und treu gehandelt zu haben, hob sich ihm die Brust froh und leicht, und er empfand das reinste, schönste Glück dieser Welt: im eigenen Entsagen eine gute, edle Tat getan zu haben.

Doch wer könnte mit Worten dieses Wiedersehen schildern – die Seligkeit, die jetzt die Herzen dieser guten Menschen füllte! Georg lag vor der Mutter auf den Knien, seine Arme um sie geschlagen, sein Antlitz an ihrem Herzen bergend, und während sie das liebe Haupt wieder und wieder küßte, fielen heiße Freudentränen in die dunklen Locken des Sohnes. Wolf war Zeuge dieses ersten seligen Augenblicks, dann aber verließ er leise das Zimmer, die Glücklichen nicht zu stören, und als er wieder, Josefinen an der Hand, zurückkehrte, saß die Mutter neben ihrem wiedergefundenen Sohne, ihre beiden Hände fest um seine Rechte geschlossen, als ob sie ihn jetzt festhalten und wahren wolle für alle Zeiten; sie schaute in seine treuen, klaren Augen und wurde nicht satt, ihn anzusehen und die lieben Laute seiner Stimme zu hören. Was er sprach, verstand sie freilich nicht, die Töne verschwammen ihr wie ferner Glockenklang vor den Ohren, aber sie hatte ihn wieder – sie hielt seine Hand, sie hörte seiner Stimme Musik, und jeder ihrer Atemzüge war ein Dankgebet zu Gott. Und da die Enkelin – zitternd fuhr sie von ihrem Sitz empor, und Josefine, schüchtern halb, halb ahnungslos dem süßen, ungekannten Klange des Wortes Großmama entgegen lauschend, glitt zu ihr hin, die Hand der ihr noch fremden Dame zu küssen, und fühlte sich von ihren Armen umschlungen, fühlte sich emporgezogen zu ihr und geherzt und geküßt, und weinte still jetzt an der neuen Mutter Brust. Wie aber nur der erste Freudenrausch vorüber war, da faßte sich Georg zuerst, und mit kurzen Worten, kein Hehl der Mutter gegenüber haltend, schilderte er ihr klar und einfach sein früheres Leben, sein verzweifelndes Herz, den kindischen Trotz, der ihn in eine falsche, wilde Bahn geworfen, bis seines Bruders treue Liebe ihn daraus errettet und ihn sich selber wiedergegeben hatte. Dann beschrieb er sein Leben auf Schildheim, wie er dort gekämpft und gerungen, die Seinen mit sich emporzuheben aus ihrer früheren Lage, und wie ihm das mißglückt. Der Gattin Flucht dann beschrieb er – seine Verzweiflung bei dem Verluste des Kindes, und wie er, zum Aeußersten getrieben, das Aeußerste auch gewagt, es zu retten. Jetzt sei er frei – das frühere Leben liege wie ein Traum hinter ihm; ein neues aber zu beginnen brauche er frischen und freien Boden, wo nichts ihn an die früheren Ketten mahne, die er getragen. Das durchzuführen, fühle er die Kraft in sich, und sei das Ziel, das er sich gesteckt, auch weit, er hoffe es zu erreichen und sich selbst dort wiederzufinden.

Die Mutter horchte seinen Worten wie einem Märchen. Das Bild, welches er vor ihr entrollte, lag ihrem eigenen Leben und Wirkungskreise so fern, daß sie nicht halb es faßte und begriff. Durch alles das aber schimmerte nur immer das eine selige Gefühl, den Sohn wieder zu haben, den verlorenen, und während sie die Enkelin an ihre Brust geschmiegt hielt, lauschte sie Georgs Worten wie frohen Sagen einer andern Welt. Wolf indessen, der einzige, der klar und ruhig das Ganze überschaute, und für sie alle schon gedacht, gehandelt, ließ den Bruder seine Erzählung ungestört beenden, ließ ihn von seinen Plänen, seinen Hoffnungen sprechen, und als er geendet, legte er ihm und der Mutter mit klaren, einfachen Worten den Plan vor, den er sich selber für sie ausgedacht. Nach Schildheim konnte und sollte Georg nicht mehr zurück, in Ungarn aber, einem fernen, reichen Land, hatte Wolf in Gemeinschaft mit seiner Mutter, die damals freilich noch nicht ahnte, zu welchem Zweck, eine große prächtige Besitzung billig angekauft. Dorthin wollten sie alle ziehen – dort sollte die Mutter, im Kreise der Ihrigen, ihr Leben wieder frisch erblühen sehen, und dort fände auch Georg die neue Heimat weit besser als in dem fernen, überseeischen Lande, das sie aufs neue nur getrennt und das kaum geknüpfte Band zerrissen hätte. Georg wollte sich dagegen sträuben: es drängte ihn, selbständig aufzutreten und seine Lebensbahn mit eigener starker Hand erst aufzubauen und fest zu begründen – aber die Mutter ließ ihn nicht – des Kindes wegen schon, das sie umschlossen hielt.

»Das hast du mir geschenkt,« sagte sie unter Tränen lächelnd, seine Hand gefaßt, »das darfst du mir nicht wieder nehmen, wenn du dich selber zum zweitenmal vom Herzen der Mutter reißen könntest. Ihr Männer denkt vor allem nur an euch, wo aber dieses arme Kind und die kleine Waise, deren du dich angenommen und von der du mir erzählt, eine Mutter wiederfinden sollen, das fällt dir gar nicht ein.«

»Und wenn ich nun daran gedacht hätte?« rief Georg, »wenn ich dir heute nicht allein den Sohn, nein, auch die Tochter brächte für dein spätes Alter?«

Die Mutter und der Bruder sahen erstaunt zu ihm auf, Georg aber sprang von seinem Sitz empor und verließ das Zimmer, und nach wenigen Minuten zurückkehrend, führte er an seiner Hand die Erzieherin seines Kindes, Adele, herein, die schüchtern und errötend der alten Dame gegenübertrat.

»Wenn ich euch folge,« sagte er dabei, »so sei es nur mit dieser Bürgschaft für unser aller künftiges Glück. Adele, aus einem alten, edlen französischen Geschlecht, deren Großvater mit Karl dem Zehnten aus Frankreich verbannt wurde und seine Enkelin, die Waise, in der Fremde zurückließ, ist meinem Kinde nicht allein eine so treue Mutter geworden, und Josefine hängt mit so herzlicher Liebe an ihr, sie hat auch in der schweren letzten Zeit mir so treu und aufopfernd zur Seite gestanden, daß weder ich, noch meine Josefine uns je wieder von ihr trennen können.«

Die alte Dame war bewegt von ihrem Sitz aufgestanden, und dem jungen, in ihrer Verlegenheit gar so lieben Mädchen entgegentretend, sagte sie freundlich: »Und wollen Sie, mein liebes Kind, wirklich Ihr Leben an das dieses unruhigen, wilden Geistes fesseln? wollen Sie meiner Enkelin eine Mutter, wollen Sie mir eine Tochter sein?«

»Gnädige Gräfin!« stammelte Adele verwirrt.

Die alte, sonst so stolze Dame aber, ihr Herz von dem Glücke erweicht, das eigene, lang beweinte Kind wiedergefunden zu haben, schloß sie freundlich in die Arme, und an der Brust der Mutter, schluchzend in Glück und Jubel, hing Adele.

»Herr Rittmeister haben befohlen,« sagte Karl, der in diesem Augenblick die Tür öffnete und, über die neue Umarmung betroffen, mitten in seiner Rede und in der Tür stecken blieb.

»Was gibt's?« sagte Wolf, »was hast du?«

»Herr Rittmeister haben befohlen,« fuhr Karl rasch und etwas bestürzt empor, »daß der Alte in dem grünen Rock zu Ihnen heraufkommen sollte, wenn er unten fertig wäre. Er steht vor der Tür.«

»Unser alter Forstwart Barthold von Schildheim, den uns Georg von dort mitgebracht,« rief Wolf rasch, »du kennst ihn ja, Mutter.«

»Gewiß; es ist noch ein Stück aus der alten Zeit.«

»Er soll noch warten,« sagte Wolf.

»Zu Befehl, Herr Rittmeister.«

»Halt!« rief Georg, »bitte, laß ihn herein – er gehört mit dazu, und in diesem schönsten Augenblick meines Lebens darf mir der alte Mann nicht fehlen, der noch mit treuem Herzen an dem wilden Knaben hängt.«

»An welchem Knaben?« fragte Wolf erstaunt.

»An mir,« erwiderte Georg, »aber er kennt mich nicht; laß ihn jetzt zu uns kommen, denn in der rauhen Schale steckt ein wackerer Kern.«

Wolf winkte seinem Diener, und wenige Sekunden später trat, den Hut verlegen in der Hand herumdrehend, der alte Mann ins Zimmer und blieb an der Tür stehen.

»Kommt hierher, Forstwart,« sagte Wolf, »ich freue mich, Euch hier und wohl zu sehen.«

»Gnädigster Herr Graf sind gar zu gütig,« sagte der Alte, der Aufforderung Folge leistend.

»Meine Mutter dort will Euch guten Tag sagen.«

»Die gnädigste Frau Gräfin auch hier?« stotterte der Alte, während sein Blick erstaunt und verwirrt von ihr zu den beiden Söhnen hinüberflog.

»Kennt Ihr mich noch, Barthold?« fragte die alte Dame, »es ist eine lange Zeit, daß wir uns nicht gesehen haben.«

»Werd' ich Sie nicht kennen, gnädigste Frau Gräfin!« sagte der alte Mann, indem er auf sie zuging und die ihm gereichte Hand ergriff und küßte. »Ihr lieber Blick tut meinen alten Augen wohl und bringt die alte, langverflossene Zeit wieder lebendig herauf. – Aber – wie ist mir denn?« setzte er hinzu, und wieder fiel sein Blick von Wolf auf Georg, »so hatte ich es mir eigentlich wohl oft gedacht, aber...«

»Was habt Ihr Euch gedacht?«

»O, nichts, gnädigste Frau Gräfin!« rief der Alte bestürzt, »nur alberne Gedanken von mir, wie es mir oft geschieht, daß ich die Jahre verwechsele und mich manchmal um ein Menschenalter dabei verrechne. Halten Sie es mir zugute.«

»Wir ziehen nach Ungarn, Barthold,« sagte Wolf, »hättet Ihr Lust, Schildheim zu lassen und uns zu begleiten?«

»Nach Ungarn – so? Es soll ein schönes, reiches Land sein, mit prächtigen Wäldern und weiten Steppen, wie ich oft gehört – aber daheim – ich habe so viele alte Bekannte in meinem Walde stehen, daß sich das Herz wohl schwer von ihnen losreißen würde. Wenn der Herr Graf aber befehlen...«

»Von Befehlen ist keine Rede, Barthold,« sagte Wolf, »es müßte Euer freie Wille sein.«

»Wollt Ihr nicht mit mir gehen, Franz?« sagte Georg, ihn ruhig und lächelnd ansehend.

»Franz?« rief der alte Mann fast erschreckt, indem er den Redenden groß ansah, »Franz? lieber Gott, so hat mich nur einer genannt, vor vielen, langen Jahren, und der...«

»Den kennt Ihr nicht mehr oder wollt ihn nicht mehr kennen?« fragte Georg gerührt.

»Den will ich nicht mehr kennen?« rief Barthold, bestürzt die Hände faltend, »großer Gott, wie ist mir denn? – die Frau Gräfin hier und der Herr Graf und Sie – wie zwei junge Eichen von demselben Stamme!«

»So habt Ihr mit dem Georg so lange gelebt,« sagte dieser herzlich, »und doch nicht gemerkt, daß er derselbe kleine wilde Bursche sei, der damals auf Euch geritten und Euch bös geneckt. Alter Franz, wollt Ihr mit uns gehen?«

»Bis ans Ende der Welt!« schrie der Alte, dem die großen, hellen Tränen über die Backen liefen, indem er des jungen Grafen Hand ergriff und mit seinen Küssen bedeckte, »bis nach Amerika und Australien, und zu den Menschenfressern, wenn's sein muß! Guter, lieber Gott! nehmen Sie's nicht ungnädig, Herr Graf, aber das Herz ist mir über und über voll, und solche Freude hatte ich mir nicht mehr gedacht. Der kleine Georg – so hat er doch Wort gehalten und ist wiedergekommen – und wie sich meine Vögel erst freuen würden, wenn ich es denen noch erzählen könnte!«

»Ihr sollt es ihnen erzählen, Barthold,« sagte freundlich Wolf, »wenn auch nur Euren Vöglein. Ihr mögt morgen wieder nach Hause reisen, um Briefe von mir an den Verwalter und Eure Sachen gleich in Ordnung zu bringen. Jetzt geht zu Karl und laßt Euch Euer Frühstück geben. Nachher sprechen wir weiter.«

Wolf mußte heute für alle denken; die Freude, einander wieder zu haben, hatte selbst den sonst so ernsten und gesetzten Georg betäubt, daß er sich, wie in einem Traume, nur noch dem Glücke hingab, der Mutter wieder zu gehören. Während aber die alte Dame jetzt, Adelens Hand in der ihren und mit der Rechten Josefine an sich pressend, auf dem Sofa saß und sich erzählen ließ, und auch die kleine Marie herübergerufen war, nicht allein und verlassen in diesem allgemeinen Glücke zu sein, ging Wolf in sein Schlafzimmer, um sich anzukleiden und zur bestimmten Zeit beim Kriegsminister einzutreffen. Um zwölf Uhr war er dorthin beschieden worden, und es blieb ihm gerade noch Zeit, die Ralphensche Wohnung bis dahin zu erreichen.

30.

Als Wolf die breite, teppichbelegte Treppe hinaufstieg, murmelte er leise vor sich hin:

»Zum letztenmal! – Wie viel leichter ist mir jetzt, da ich das alles abgeschüttelt habe! Melanie – es war ein schöner Traum, aber auch nichts weiter – sie hat kein Herz, sonst hätte sie nicht so sich von mir losreißen können. Fort damit! In wenigen Wochen liegt das alles nur noch in der Erinnerung« – und rasch die letzten Stufen hinaufspringend, bat er einen der herbeieilenden Diener, ihn bei seiner Exzellenz anzumelden. Der Bediente ersuchte ihn, ihm nur zu folgen, da Seine Exzellenz schon nach dem Herrn Rittmeister gefragt hätten. Er führte ihn aber nicht nach des Ministers Arbeitszimmer, sondern nach Melanies Gemächern und klopfte hier an, ehe Graf Geyerstein eine Einwendung dagegen machen konnte.

»Herein!«

Der Diener steckte den Kopf in die Tür und meldete: »Der Herr Graf von Geyerstein sind eben gekommen und lassen anfragen, ob Exzellenz...«

»Soll herein kommen!« rief die fröhliche Stimme des alten Herrn, »wollen die Sache gar nicht so förmlich machen.«

Der Diener warf die Tür weit auf, und seinen Helm im Arm, stand im nächsten Augenblick Graf Geyerstein auf der Schwelle von Melanies Zimmer, die sich bei seinem ehrfurchtsvollem Gruße verlegen halb von ihrem Sitze erhob.

»So, das ist recht, lieber Geyerstein,« sagte die alte Exzellenz, ihm herzlich die Hand reichend, »daß Sie so pünktlich Wort halten. Ich habe Ihnen heute auch eine angenehme Kunde zu bringen.«

»Der Kanzleibote steht auch noch im Vorsaale, Exzellenz,« erinnerte der Diener.

»Lieber Gott, auch den hatte ich ganz vergessen!« rief der Kriegsminister, unwillig mit dem Kopfe schüttelnd, »den muß ich erst abfertigen – aber das ist gleich geschehen. Bleiben Sie nur einen Augenblick hier bei meiner Tochter – ich bin gleich wieder da und bringe Ihnen dann auch die Papiere mit.«

»Welche Papiere, Exzellenz?«

»Werden schon sehen – daß du mir indessen nicht plauderst, Melanie!« Und der Tochter mit dem Finger drohend, verließ der alte Herr das Zimmer.

»Wollen Sie nicht Platz nehmen, Herr Graf?« sagte Melanie leise.

Graf Geyerstein nahm, ohne seinen Helm abzulegen, sich leicht verneigend, einen Stuhl der jungen Dame gegenüber.

»Ich hoffe nicht, daß ich störe, Komtesse.«

Melanie verneinte durch eine Bewegung.

»Dann möchte ich den mir vergönnten Augenblick zugleich benutzen, mich Ihnen – auf längere Zeit – zu empfehlen.«

»Sie wollen wieder auf Urlaub gehen?« sagte Melanie, und ein einziges wehes Gefühl ergriff ihr Herz.

»Dieses Mal nicht,« sagte Graf Geyerstein ruhig, »der Zweck meines Besuches bei Seiner Exzellenz ist, ihn darum zu bitten, mein Entlassungsgesuch aus ***schen Diensten bei dem Fürsten zu befürworten. Ich habe im Sinne, den Dienst für immer zu quittieren.«

»In der Tat?« sagte Melanie ruhig, »um sich auf Ihre Güter zurückzuziehen?«

»Ja, Komtesse – mit meiner Mutter. Die Gräfin Geyerstein hat mich heute morgen durch ihre Ankunft überrascht. Ich habe eine Besitzung in Ungarn gekauft, die ich selber zu bewirtschaften gedenke.«

»Mit Ihrer Mutter?« rief Melanie erstaunt.

»Finden Sie das so außerordentlich, Komtesse? Wir haben so lange getrennt gelebt, daß wir beide das Bedürfnis fühlen, von jetzt an einander näher zu stehen. – Meine Familie wird von da an auch das einzige sein, auf das ich angewiesen bleibe.«

Melanie neigte leise das Haupt, erwiderte aber nichts. Sollte die alte, stolze Gräfin Geyerstein ein solches Verhältnis billigen können? Sollte sich der Graf selber so weit vergessen, jener – Frau die Hand zu reichen? Die Gedanken tauchten in ihr auf, ohne daß sie sich selber Rechenschaft zu geben wußte. Das Gespräch überhaupt wurde ihr peinlich – sie wünschte, daß ihr Vater zurückkomme, und mehr um die drückend werdende Stille zu unterbrechen, als eine Antwort zu erhalten, sagte sie nach einer Pause: »Sie hatten noch ein anderes Gut, wenn ich nicht irre, Schildheim?«

»Allerdings, Komtesse.«

»Es soll reizend gelegen sein.«

»Hat Ihnen vielleicht Herr von Zühbig eine Beschreibung davon geliefert?« fragte Graf Geyerstein plötzlich mit so kalter und scharfer Betonung, daß Melanie überrascht, fast erschreckt zu ihm aufsah.

»Ich wußte nicht,« setzte sie rasch hinzu, »daß Ihnen schon die Erwähnung jenes Gutes so unangenehm war; ich würde es sonst vermieden haben.«

»Komtesse,« sagte Graf Geyerstein, sich langsam von seinem Stuhl erhebend, »ich weiß nicht, auf welche Art Sie in den Besitz meines Geheimnisses gelangt sind – sogar ehe ich selber imstande gewesen war, es Ihnen zu enthüllen, denn ich hatte keine Ahnung, daß Sie es mit solcher Strenge beurteilen würden.«

»Herr Rittmeister?« rief Melanie erstaunt.

»Wie dem aber auch sei,« fuhr Wolf bewegt fort, »ich habe mir keinen Vorwurf zu machen. Was jugendlicher Leichtsinn verbrach, hat der Mann gebüßt und gut gemacht, so viel in seinen Kräften stand.«

»Herr Graf,« sagte Melanie ruhig, »ich hoffe nicht, daß Sie mir gegenüber eine Entschuldigung des Geschehenen für nötig halten, wie ich ebenso darauf verzichte, die Triebfedern zu erfahren, welche Sie zu handeln zwangen, wie – Sie eben nun einmal gehandelt haben.«

»Nein, Komtesse,« sagte der Rittmeister, während auch der letzte Blutstropfen seine Wangen verlassen hatte, »meine Worte sollen, selbst Ihnen gegenüber, keine Entschuldigung enthalten. Wie ich gehandelt habe, ich konnte nicht anders, ich hätte denn das eigene Herz, das Herz der Mutter zerfleischen müssen. Mir blieb nur die Wahl, mich von meinem Bruder loszusagen und ihn rettungslos auf der eingeschlagenen Bahn zugrunde gehen zu lassen, oder ihn mit starker, hilfreicher Hand zu fassen und mir, der Mutter – der Welt zu erhalten. Ich habe dabei gehandelt, wie ich es mit meiner Ehre, mit der Ehre meines Namens vereinbarlich hielt – daß ich Sie dadurch verloren, Melanie, schmerzt mich tief, nicht allein meinet- – nein, auch Ihretwegen; aber selbst um diesen Preis, um den ich mein Leben selber gern und freudig in die Schanze schlagen würde – selbst um diesen Preis möchte ich das, was ich getan, nicht ungeschehen machen.«

»Von Ihrem Bruder?« sagte Melanie, die den letzten leidenschaftlichen Worten des Mannes mit immer wachsender Spannung gelauscht, »Sie sprechen in Rätseln, Herr Graf. Ich habe keine Ahnung gehabt, daß Ihnen überhaupt ein Bruder lebt.«

Graf Geyerstein sah die Sprechende groß und erstaunt an. »Gnädige Komtesse,« sagte er, »für eine bloße gesellschaftliche Redensart ist Ihr Erstaunen zu wahr – wenn aber nicht – was dann noch konnte Sie bewegen, mich so zurückzuweisen – woher wußten Sie dann von einer – entehrenden Verbindung, in der ich mit jener Kunstreitergesellschaft gestanden?«

»Aber was – was hat Ihr Bruder mit den Kunstreitern zu tun?« fragte Melanie, durch das ernste, stolze Benehmen des Grafen nur noch verwirrter gemacht.

»Entweder Sie spotten meiner,« entgegnete Graf Geyerstein bewegt, »und kein Augenblick wäre unglücklicher dazu gewählt gewesen als der jetzige, oder ein eigenes Verhängnis hat uns beide verwirrt. Antworten Sie mir ehrlich, Komtesse Melanie – es soll die letzte Frage sein, die ich in diesem Leben an Sie stelle – wußten Sie nicht, daß Georg Bertrand mein Bruder sei?«

»Georg Bertrand?« hauchte Melanie, in Todesschreck die Hände faltend, »so wahr ich einst selig zu werden hoffe – nein.«

»Welch anderes Geheimnis flößte Ihnen denn solche Verachtung gegen mich ein, Komtesse?« sagte der Graf ruhig, »aber ich habe nicht danach zu fragen,« brach er kurz und bitter ab. »Daß ich, der Graf Geyerstein, der Adjutant des Fürsten und Offizier, den Kunstreiter als meinen Bruder anerkannte, daß ich ihn jenem Leben, in das ihn sein jugendlicher Leichtsinn geworfen, entzog, daß ich ihn nach Schildheim brachte, freilich in der vergeblichen Hoffnung, auch seine Frau einem geregelten Leben zu gewinnen – und heute nun geerntet, wo ich gesäet, heute den Sohn wieder an das Herz der Mutter legen konnte und seinem Haupte ihren Segen gerettet habe, das hielt ich für mein Verbrechen Ihnen gegenüber – das einzige, dessen ich mich schuldig weiß, und damit werde ich mich jetzt von einem Stande zurückziehen, dem ich, wie ich bis heute glauben mußte, Ihrer Meinung nach nicht mehr mit Ehren angehören konnte.«

»Graf Geyerstein!« rief Melanie und ihre ganze Gestalt zitterte, ihr Auge hing in Schmerz und Angst an den bleichen, ernsten Zügen des jungen Mannes. Dieser aber fuhr ruhig fort: »Eine große und schwere Last wäre von meiner Seele genommen, wüßte ich, daß dem nicht so sei. – Doch wie auch immer, Komtesse, leben Sie wohl, und vielleicht bringt Ihnen einmal eine spätere Zeit die Ueberzeugung, daß der Mann, der es gewagt hatte, selbst Ihren Besitz zu erhoffen, dessen vielleicht nicht würdig gewesen sei – nie aber seiner selbst unwürdig gehandelt haben konnte. Leben Sie wohl – ich sehe, meine Nähe ist Ihnen peinlich; ich werde die Rückkunft Seiner Exzellenz im Vorsaal erwarten.«

Er verbeugte sich vor der jungen Gräfin und wollte sich so verabschieden; da aber hielt sich Melanie nicht länger.

»Graf Geyerstein!« rief sie, die Arme nach ihm ausstreckend, »Wolf! – können Sie mir verzeihen?«

»Melanie!« hauchte der Graf, in freudigem Schreck zu ihr aufschauend; die Jungfrau aber, ihrer selbst nicht mächtig, wankte auf ihn zu, und ihr Haupt an seine Brust legend, während Wolf in jubelndem Entzücken sie an sich preßte, flüsterte sie: »Wie tief und unverdient hab' ich dies edle, treue Herz gekränkt!«

»Scharmant!« rief in diesem Augenblick die lachende Stimme des alten Herrn, der gerade in der Tür erschien. »Da mache ich mir die bittersten Vorwürfe, daß ich den Grafen so lange warten und sich langweilen lasse, und in der Zeit hat der meine Tochter beim Kopf und antichambriert auf die Art nach Herzenslust. Was machen Sie da, Geyerstein?«

»Exzellenz!«

»Er hat mich gebeten, Väterchen,« sagte da Melanie, unter Tränen lächelnd, während sie ihre Stellung nicht verließ und nur etwas den Kopf gegen den Vater wandte, »doch sein Fürsprecher zu sein, daß du ihm seine Entlassung aus ***schen Diensten bewilligtest.«

»Das sieht beinahe so aus,« lachte der Kriegsminister, »und Entlassung aus dem Dienste? Was fällt dem Herrn Major denn jetzt auf einmal ein, den Dienst zu quittieren, in dem er sich als Rittmeister so lange Jahre wohlbefunden?«

»Major?« rief Graf Geyerstein, erstaunt den Kriegsminister anblickend, der ein großes, mit einem mächtigen Siegel petschiertes Kuvert in der Hand und ihm lachend entgegenhielt.

»Da auf dem Ding,« rief er dabei, »steht wenigstens die Adresse groß und breit, dem Major Grafen Wolf von Geyerstein, von des Fürsten eigener Hand geschrieben. Den Herrn Major werde ich jetzt aber auch um eine Erklärung bitten und besonders fragen müssen, ob er seine Wartezeit nicht besser anzuwenden weiß, als anderer Leute Tochter den Kopf zu verdrehen?«

»Exzellenz,« sagte der junge Mann, in einem wahren Taumel von Glück und Seligkeit, ohne jedoch die noch immer an ihn geschmiegte Melanie aus seinem Arm zu lassen, »ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich in diesem Augenblick selber nicht weiß, wo mir mein eigener Kopf steht – ich bin zu glücklich, zu selig, Sie auch nur...«

»Um deinen Segen zu bitten, Papa!« flüsterte Melanie, sich ihm entwindend und zum Vater eilend, an dessen Hals sie flog. »Ich war ein böses – böses Kind, Papa, und habe viel, gar sehr viel gut zu machen; aber,« setzte sie mit herzlichem Tone hinzu, indem sie dem Ueberglücklichen die Hand entgegenstreckte, »auch eine ganze Lebenszeit vor mir, es zu vollbringen.«

»Dann nehmt von ganzer Seele meinen Segen,« sagte der alte Herr gerührt. – »Sie, Graf, war ich gewohnt, seit langen Jahren als mit zum Hause gehörig zu betrachten, und daß Sie die letzten Monate sich dem so entfremdeten, hat mir wehe getan. Die Sache hattet ihr beiden mitsammen auszumachen, und nur die Pläne, die eure Mama – aber alle Teufel, weiß denn die Mutter schon um dieses Bündnis, das die beiden kriegführenden Mächte auf einmal miteinander geschlossen haben?«

Melanie schüttelte den Kopf.

»Gut,« lachte der alte Herr still vor sich hin, »dann kann sie sich die Neuigkeit gleich selber holen, denn das ist ihre Stimme draußen. Und nun, Herr Major, bitte ich mir auch aus, daß Sie mich nicht den ganzen Tag hier mit dem Patent in der Hand stehen lassen. Sie scheinen sich keinen Pappenstiel daraus zu machen.«

»Bester Vater!«

»Ahem, da bekomme ich gleich einen neuen Titel. Schön, werde augenblicklich Gebrauch davon machen. – Frau von Ralphen,« wandte er sich in dem Moment zu der eben eintretenden Exzellenz, die mit einem Brief in der Hand das Zimmer ihrer Tochter betrat und überrascht schien, den Grafen Geyerstein hier zu finden. »Ich habe die Ehre, Ihnen hier Herrn Major von Geyerstein vorzustellen, der Sie durch mich ersuchen läßt, ihm für heute abend ein gutes Souper herzurichten und ihm in Zukunft eine gnädige liebevolle Schwiegermutter zu sein.«

»Eine Schwiegermutter?« rief die alte Dame, im höchsten Erstaunen von einem zum andern blickend, »Melanie!«

»Meine liebe, liebe Mutter!« flüsterte Melanie an der Mutter Brust, »ich habe ihn ja immer geliebt – und bin so glücklich jetzt – so herzensfroh!«

»Aber, liebes Kind,« sagte die alte Exzellenz bestürzt, »das ist – Herr Graf, Sie entschuldigen – eine Wendung, auf die ich in der Tat nicht gefaßt war. Graf Selikoff schreibt mir soeben, daß er dich um deine entscheidende Antwort bittet, da er in nächster Zeit hier wieder eintreffen will.«

»Nun, da ist ja noch gar nichts versäumt,« lachte Herr von Ralphen gutmütig, »da kann er's ja noch immer bis dahin erfahren.«

»Aber, Melanie!« rief Frau von Ralphen.

»Hast du dem Grafen Selikoff ein Versprechen gegeben?«

»Nein, Papa.«

»Oder ihm Hoffnungen gemacht?«

»Nie,« sagte Melanie mit fester Stimme, ihrem Vater dabei offen ins Auge schauend.

»Bon!« sagte der alte Herr, sich vergnügt die Hände reibend. »Der Selikoff ist ein herzensguter und ganz gescheiter Mensch, mit dem man recht angenehmen Umgang haben kann, und hätte Melanie ihn zu ihrem Gatten gewählt, nun, so würde ich mich dem gefügt haben, denn meinem Kinde will ich keinen Zwang antun. Wie die Sache aber jetzt steht, ist mir der neugebackene Major lieber, und daß auch du ihm eine freundliche Mutter sein wirst, dürfen wir von dir erwarten.«

»Aber ich begreife gar nicht...«

»Nachher, Mütterchen, nachher,« bat Melanie, während Graf Geyerstein auf sie zuging und ehrfurchtsvoll ihre Hand an seine Lippen zog, »der Graf selber begreift es noch nicht, und ihm bin ich vor allen anderen eine Erklärung schuldig, dann kommst du und Papa auch daran. Nicht wahr, ihr laßt mich einen Augenblick mit ihm allein?«

»Ja, wenn wir hier aus dem Zimmer geworfen werden, Mütterchen, dann müssen wir wohl gehen,« lachte Herr von Ralphen; »und ob mir der verzweifelte Mensch nur den Brief aus der Hand genommen hätte,« setzte er hinzu, indem er das Schreiben mit komischem Zorn auf den Tisch warf.

»Und das alles hier –« begann die Mutter noch einmal; ihr Gatte aber nahm ihren Arm in den seinen, und mit einem freundlichen »Macht's kurz, ihr beiden, und Sie, Major, kommen dann zu mir hinüber,« zog er die noch immer halb Widerstrebende lachend aus der Tür und mit sich in sein Arbeitszimmer, um dort den glücklichen Bräutigam zu erwarten.